Ein echter, handfester Bruch

Ihr Lieben,

ich möchte euch kurz informieren, dass ich in den letzten paar Tagen und ganz sicher auch in den kommenden Tagen kürzer treten muss und werde. Ich habe da nämlich einen Bruch. Nicht in meiner Geschichte, sondern ganz klassisch in meinem Fuß.

Ich bin in der Nacht zu Samstag mit Kreislaufproblemen umgekippt und habe es dabei irgendwie geschafft, mir im rechten Fuß das Wadenbein und das Sprunggelenk zu brechen. Das war ein ziemlich perfekter rechter Winkel, in dem das Ding abstand. Na ja, nicht drüber nachdenken.

Wie dem auch sei, ich bin noch im Krankenhaus und kann mich im Moment nicht wirklich gut auf etwas konzentrieren. Ist halt jetzt so. Irgendwann wird es schon weiter gehen.

Lasst mir so lange das Internet ganz!

Bis bald,

euer Michael

Advertisements

Wenn ich weiter lesen will, dann will ich auch weiter schreiben

Heute mal nur ein kurzer Beitrag von mir (ja, wirklich!).

Ich habe beschlossen, es noch einmal auf andere Weise anzugehen, meine Probleme mit meinem aktuellen Roman. Nachdem es nicht gefruchtet hat, mich mit bis jetzt eigentlich bewährten Hausmitteln wieder zum Schreiben zu bringen – ich habe mit „Ed Wood“ von Rudolph Grey mal wieder eines meiner Bücher, die zum Schreiben motivieren, gelesen – wage ich nun einen anderen Ansatz.

Im Augenblick lese ich sehr viel und, für meine Verhältnisse, auch recht schnell. Manchmal habe ich so einen Lauf, dass am Ende des Monats zehn Romane auf meiner Liste stehen, die ich hinter mich gebracht habe. Ich dachte, das mache ich mir zunutze und lese jetzt, als nächstes, meinen eigenen Roman.

Mal ehrlich, wenn ich am Ende des bisher existierenden Textes von etwa 300 Normseiten feststelle, dass ich die Geschichte gerne weiter lesen würde, dann sollte das doch Motivation genug sein, sie auch weiter zu schreiben, oder?

Ich gebe mir Mühe, das Romanfragment nicht mit der kritischen Überarbeitungs- oder „da hast du einen Fehler gemacht“-Brille zu lesen. Ist nicht ganz einfach, klappte auf den ersten 34% aber erstaunlich gut. Natürlich fallen mir kleine Schnitzer auf, wie sie gar nicht ausbleiben, wenn man über ein Jahr hinweg an einem Text herumdoktort. Aber ich führe weder Buch darüber, noch markiere ich sie mir im Text. Ich lese einfach.

Und das, was ich da lese, macht einen durchaus guten Eindruck, finde ich. Ich bin gespannt, ob dieser kleine psychologische Trick ausreichen wird, um mich nachher hinreichend hungrig darauf zu machen, das Ding weiter zu schreiben.

Drückt mir die Daumen! Es wird definitiv mal wieder Zeit, einen Roman auch fertig zu schreiben …

Wenn man manchen Autoren glaubt, ist Psychotherapie ein Kinderspiel

Es ist mir schon häufiger aufgefallen und da es gerade jetzt wieder einmal soweit war, habe ich mich entschlossen, einen kleinen Beitrag darüber zu schreiben. Es geht um das Thema Psychotherapie, bei dem ich, wie ihr wisst, ein wenig mitreden kann. Ohne in die Details zu gehen: Ich habe ein erkleckliches Quantum an Therapeuten sowohl im klinischen als auch im ambulanten Setting kennengelernt und gleichwohl auch eine große Zahl an von psychischen Krankheiten Betroffenen. Das macht mich nicht zu einem Experten, aber zu jemandem, der zumindest merkt, wenn etwas nicht ganz der Realität entspricht.

Viele Betroffene, die sich, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, an einen Therapeuten oder eine Therapeutin wenden, begegnen diesem Schritt mit einer gehörigen Portion Skepsis – und oft leider auch überzogenen Erwartungen oder gar falschen Vorstellungen.

Ich kann da auf niemandem mit dem Finger zeigen, denn bei mir war es damals ja dasselbe. Ich gehörte auch zu denen, die in dem Glauben waren, dass es genügen würde, der Therapeutin ein paar Dinge aus meinem Leben zu erzählen und sie würde dann schon, in kürzester Zeit, versteht sich, die Patentlösung finden, wie ich wieder auf die normale Spur zurückfinden und mein Leben, möglichst besser, weiterleben könnte.

In diesem Zusammenhang wird häufig das Bild verwendet, dass ein Psychotherapeut über einen großen Werkzeugkasten verfügt, in dem er nur ein wenig herumwühlen muss, um das Maßwerkzeug zu finden, das genau auf die momentane Krise passt. Schnell, einfach, unkompliziert und leicht in der Anwendung.

Nun, ich habe auf die harte Tour gelernt, dass es so leicht nicht ist. Es reicht nicht, eine normierte Säge zu nehmen, um Dinge, die im Leben eines Patienten schief laufen, einfach abzuschneiden. Auch ein Hammer, um die Dinge wieder gerade zu klopfen, ist nicht leicht gefunden. Und auch wenn es sicherlich genügend Stellschrauben für einen Schraubenzieher gibt, ist man trotzdem darauf angewiesen, lange zu probieren und auch Rückschläge in kauf zu nehmen.

Dabei ist Psychotherapie doch das Leichteste von der Welt. Könnte man zumindest denken, wenn man einigen Autorinnen und Autoren so Glauben schenkt.

Ich möchte auf niemandem mit dem Finger zeigen, deswegen nenne ich keine konkreten Beispiele. Aber es gibt etliche Fälle, in denen Patienten, die zu einem Therapeuten gehen, entweder einfach als unfähig beschrieben werden, das zu erkennen, was doch direkt vor ihrer Nase liegt, oder als naiv, so dass es fast schon an Dummheit grenzt, dass sie ihre Probleme nicht von alleine in Ordnung bringen.

Das alleine ist schon schlimm genug, aber oft kommt noch dazu, dass der Prozess einer Therapie oder auch einer einzelnen therapeutischen Sitzung so vereinfacht dargestellt wird, dass falsche Vorstellungen beinahe zwangsweise geweckt werden.

Bewusst wurde mir das, als ich mir dieser Tage einige Folgen einer deutschen Fernsehserie vom Anfang des Jahrtausends ansah. In dieser Serie tritt unter anderem eine Psychotherapeutin auf, allem Anschein nach eine Verhaltenstherapeutin. Das sind die, die, wirklich ganz grob ausgedrückt, einen wesentlichen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit darauf legen, ihrem Klienten bei konkreten Problemen Anregungen und mögliche Ansätze mit auf den Weg zu geben, mit denen er vielleicht diese Probleme in den Griff bekommen kann.

Dabei – und das ist ganz wichtig – wird aber nicht wild ein Kalenderspruch an eine Zeitschriftenweisheit gereiht und der Patient seines Weges geschickt. Vielmehr hat sich, im günstigsten Fall, bereits eine derartige Beziehung zwischen Therapeut und Klient gebildet, dass dieser in die Lage versetzt ist, den Klienten so zu unterstützen, dass er nicht sofort wieder aufs Neue überfordert wird und dadurch eine weitere negative Erfahrung sammelt. Das ist ein Prozess, der einige Sitzungen in Anspruch nimmt. Nicht umsonst sind die meisten Therapien durchaus mit einem mittel- bis langfristigen Zeitrahmen veranschlagt.

Kommen wir zu der bewussten Fernsehserie zurück. Dort haben die für das Drehbuch zuständigen Autoren die eine oder andere Abkürzung genommen, wie sie zwar das Format bedingt, bei denen mir aber wieder einmal deutlich wurde, wieso viele Menschen mit einem falschen Bild von einer Psychotherapie durch die Welt gehen.

Ein Beispiel: Eine Patientin kommt zu der Therapeutin und schildert, dass sie sich unwohl, unbeachtet und traurig fühlt. Die Analyse der Therapeutin besagt, dass die Patientin unter ihrer sozialen Vereinsamung leidet und sich aus diesem Gefühl heraus ihre Depression entwickelt hat. Bis hierher nachvollziehbar.

Dann aber kommt das sinnbildliche Werkzeug zum Einsatz und es ist ein mittlerer Vorschlaghammer. Die Frau soll in die Fußgängerzone gehen und, einfach so, jemanden ansprechen, um mit ihm einen Kaffee trinken zu gehen.

Wohlgemerkt: Das ist das Resultat der allerersten Sitzung der beiden! Selbst wenn die genaue Anamnese natürlich nicht in ihrer Ausführlichkeit gezeigt werden kann, ist das eine, sagen wir mal, sportliche Leistung. Da verwundert es nicht, wenn die Sache vollkommen aus dem Ruder läuft und die Patientin am Ende ihre Familie verlässt, weil sie sich mit dem Mann, den sie schließlich angesprochen hat, eine wilde Affäre leistet. Was die Therapeutin, immerhin, in heftige Gewissensnöte bringt.

Das alles ist natürlich auf den Lacher hin konstruiert und ich kann mich auch darüber amüsieren. So ist es ja nicht. Aber mir wurde klar, dass es das sehr häufig gibt: Therapeuten, die ihre Patienten losschicken, sich in genau die Situationen zu begeben, die zum Kern ihres Problems gehören. Patienten, die hoffnungslos überfordert sind und im richtigen Leben wahrscheinlich einen Knacks fürs Leben bekommen würden, weil das Leben eben kein Drehbuch hat.

Ich kann darüber lachen, sehe es aber dennoch mit Skepsis. Denn nicht nur bei den Patienten werden eventuell falsche Erwartungshaltungen erzeugt, sondern auch bei ihrem Umfeld, was noch wesentlich katastrophaler ist.

Es ist für einen Betroffenen schon schwer genug, mit seiner Familie, mit seinen Freunden und Bekannten und nicht zuletzt auch mit seinem Arbeitgeber und den Kollegen umzugehen. Wenn nun aber manche Romane und manche Fernsehserien und Filme das Bild erzeugen, dass sich die Probleme schnell und einfach und im Hauruckverfahren lösen lassen könnten, dann wird eine Erwartungshaltung aufgebaut, der weder der Therapeut noch sein Klient entsprechen können.

Mir ist klar, dass Straffungen in einer künstlerischen Darstellung notwendig sind. Dutzende von Therapiestunden sind etwas, was nicht einmal für die direkt Beteiligten immer „spannend“ ist. Oder „angenehm“. Oder „zielführend“. Aber die Quintessenz sollte meiner Meinung nach sein, vor allem die Patienten so darzustellen, dass ihre Probleme ernst genommen werden und die Begleitung durch den Therapeuten vertrauensvoll und professionell dargestellt wird.

Psychotherapie kann manchmal durchaus auch ihre lustigen Seiten haben. Mein Therapeut und ich reden manchmal miteinander, als ob wir einen Wettbewerb laufen hätten, wer den besseren Oneliner unterbringen kann. Aber das sind Momentaufnahmen und weder die Regel, noch der Lösungsansatz.

Ich würde mir wünschen, dass Autoren und Autorinnen sich hier auch ihrer Verantwortung ein Stück weit bewusst sind. Um einen weiteren, viel gehörten, Vergleich zu bemühen: Wenn der Patient einen Herzinfarkt hätte, würde auch nicht gezeigt, wie der Arzt ihn zum Joggen schickt, damit die Pumpe wieder richtig ans Arbeiten kommt. Oder wenn er sich das Bein gebrochen hat, dann wird es ihm nicht amputiert, um ein paar Rollstuhlfahrerwitze bringen zu können.

Ich weiß, dass es leichter ist, Beziehungen zwischen Therapeut und Klient im anekdotenhaften zu erzählen. Ich habe mit „Das Haus am See“ selber ein Manuskript in der Schublade liegen, das sich an Erfahrungen, die ich gemacht habe, orientiert. Und bei dem es mir verdammt schwer gefallen ist, nicht in den Tonfall abzugleiten, in dem man sich auf dem Klassentreffen erzählt, wie witzig doch diese oder jene Situation gewesen ist. Oder jedenfalls nicht zu häufig darin abzugleiten.

Mein kleiner Beitrag, der – sorry – schon ganz schön ausgeufert ist, ist nicht dafür gedacht, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Es gibt auch eine Menge Autorinnen und Autoren, die Wert auf eine realitätsnahe Darstellung legen. Und das weiß ich sehr zu schätzen.

Psychotherapie ist kein Kinderspiel. Nicht für den Patienten und nicht für seinen Therapeuten. Sie ist eine anstrengende Sache, der man aber auch nicht mit Bierernst begegnen muss. Nur sollte man wissen, was man da tut. Und welche Erwartungen man weckt. Oder zerschlägt.

Das wollte ich einfach mal gesagt haben 🙂 .

Fakt und Fiktion (23) Rausgehen, kämpfen, nicht aufgeben!

Ich bin mir sicher, dass ich vor Urzeiten in diesem Blog schon einmal erwähnt habe, dass ich Fußballfan bin. Keiner von denen, die alle Nase lang ins Stadion rennen und auch keiner von den ganz dogmatischen, die sich den ganzen Tag mit nichts anderem beschäftigen. Ich lerne auch weder den Kicker noch die Sportbild auswendig und wenn das runde Leder im Fernsehen gezeigt wird, setzt bei mir auch nicht sofort der pawlowsche Reflex ein, mich mit Chips und Bier vor den Apparat zu setzen und Zeit und Raum um mich zu vergessen.

Äh … was wollte ich sagen? Ach ja, ich wollte euch eine Analogie aufzeigen, die mir heute klar geworden ist. Und die hat etwas mit der Tatsache zu tun, dass ich Fußballfan bin. Und zwar, um genau zu sein, Fan des FC Schalke 04.

Okay, ihr habt jetzt ein, zwei Minuten Zeit, um mitleidig zu grinsen, empört den Blog zu schließen (etwa weil ihr Fan von Borussia Dortmund seid), mit dem Finger auf mich zu zeigen, oder mir in Anbetracht der sportlichen Situation der Königsblauen einmal mitleidig auf die Schulter zu klopfen.

Für die, die sich nicht so mit dem Tagesgeschehen in der Fußball-Bundesliga beschäftigen: Meine Schalker sind, obwohl vor der Saison gut verstärkt und von einigen auch hoch gehandelt, mit fünf Niederlagen in fünf Spielen in die Saison gestartet. Dabei waren Niederlagen, die absehbar waren (Bayern München), aber auch welche, die absolut unnötig (Wolfsburg) oder sogar ärgerlich waren (Hertha BSC Berlin).

Wie dem auch sei, im Moment läuft es einfach nicht bei den Schalkern. Oder, wie Andy Brehme einst sagte: „Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß“.

Und heute wurde mir klar, um auf die Analogie zurückzukommen, dass „mein“ Club und ich im Moment eines gemeinsam haben. Wir sahen uns gut aufgestellt, aus den Erfahrungen der Vergangenheit heraus gewappnet und durchaus in der Lage, erfolgreich unserem Job nachzugehen. Die Vorbereitung war nicht schlecht, davor wurde die Pause genutzt, um die Kräfte wieder zu mobilisieren. Der Trainer hatte einen Plan, eine Vision.

Und ab da ging es den Bach runter.

Ich dachte auch, dass ich aus der Schreibpause gut erholt herausgegangen wäre. Ich sah mich mit einem, für meine Verhältnisse, gut vorstrukturierten Plot gerüstet, um mein Personal, das ich ebenfalls gut zusammengestellt und aufeinander abgestimmt habe, erfolgreich durch mein Manuskript zu führen.

Und dann ging es den Bach runter.

Aber so erfolglos es im Moment auch zu sein scheint, aus der Nummer kommen wir nicht heraus. Weder die Spieler, noch ich. Weder die, noch ich, können einfach den Kopf in den Sand stecken und sagen, dass es das jetzt gewesen ist. Es hängt einfach zu viel dran. Bei den einen Geld, Erfolg, Prestige, bei mir immerhin mein geliebtes Hobby.

Das bedeutet, dass Aufgeben keine Option ist. Das ist mir klar geworden. Ich habe in dieser Woche, die für mich in Sachen Schreiben wieder mal extrem frustrierend war, mehrmals daran gedacht, einfach still und leise ein „Geschlossen“-Schild an den Blog zu hängen und mich einfach wieder in die vorgezogene Winterpause zu verabschieden.

Aber das wäre der falsche Weg!

So, wie auf Schalke der Trainer und die Mannschaft versuchen müssen, neuen Zugang zu den vorhandenen Stärken zu finden, damit irgendwann endlich ein Erfolgserlebnis eingefahren wird, so muss auch ich versuchen, diesen Zugang zu finden. Es kann sein, dass trotzdem noch die eine oder andere Niederlage kommen wird. Aber wichtig ist es, nie aufzugeben. Man kann verlieren, das gehört zum Spiel dazu. Aber man darf nicht vorher schon die Segel streichen.

Weil man es vor allem sich selbst schuldig ist, alles zu versuchen, um wieder in die Spur zu kommen. Und wenn erst einmal ein positives Erlebnis da ist, dann hört es vielleicht auch auf, so krampfig zu sein, wie es im Moment nun einmal ist.

Für mich gilt dasselbe, wie ich es von meinem Fußballverein erwarte: Rausgehen, kämpfen, nicht aufgeben! Und wenn Fehler passieren, dann putzt man sich den Mund ab und macht weiter. Mag sein, dass es Leute gibt, die einen dafür auspfeifen, aber es gibt auch genügend, die einem trotz allem die Daumen drücken. Und an einen glauben.

Irgendwann wird es dieses Erfolgserlebnis geben. Vielleicht an diesem Wochenende, vielleicht auch erst am nächsten. Man muss nur fest darauf vertrauen. Und irgendwie weitermachen.

Work Not In Progress (WiP)

Es ist schon wieder eine ganze Weile her, dass ich euch über die Fortschritte an meinem Romanmanuskript auf dem Laufenden gehalten habe. Das hat einen ganz einfachen Grund: Das Ding macht zurzeit keine Fortschritte. Nicht in quantitativer und schon gar nicht in qualitativer Hinsicht. Ich müsste nachsehen, aber ich glaube, ich habe das Dokument seit gut einem Monat nicht angerührt. Gefühlt seit einem halben Jahr.

So langsam aber sicher gehen mir die Erklärungsansätze aus, an denen das liegen könnte. Es liegt nicht daran, dass ich mir in Bezug auf die Geschichte unsicher wäre. Die finde ich nach wie vor gut, wichtig und richtig. Es liegt nicht daran, dass ich keine Zeit dafür hätte. Die habe ich, aber ich nutze sie nicht.

Ich schreibe im Moment nicht. Abgesehen von einem Blogbeitrag ab und an, zu denen ich mich auch selber überreden muss. Auch hier nicht, weil ich nichts zu sagen hätte, sondern, weil das alles irgendwie so banal und unwichtig zu sein scheint.

Ich kenne diese Gefühle und Gedanken. Ich kenne die verdammten Miststücke nur zu genau! Sie waren schon mehrfach in der Vergangenheit dafür verantwortlich, dass ich das Schreiben für Monate und Jahre einfach ausgesetzt und dran gegeben habe. Nicht als eine bewusste Entscheidung, jedenfalls nicht, soweit ich mich erinnere, sondern einfach nur so. Weil es eben einfach nicht mehr funktionierte.

Es ist nicht einmal so, dass ich eine Schreibblockade hätte. Eine Blockade, das wäre ja, dass ich krampfhaft versuche, mir irgendwas abzuringen, aber die Worte nicht finde. So ist es nicht. Es scheint einfach im Moment nicht wichtig zu sein.

Dabei ist es das eben doch, denn sonst wäre es mir ja egal. Aber das ist es nicht. Ganz und gar nicht. Es ist belastend und störend. Wie eine offene Wunde, auf der sich kein Schorf bilden mag. Und an der man dauernd herumkratzen möchte.

Tatsache ist aber, dass ich nicht bereit bin, diesem sumpfigen Zustand einfach nachzugeben. Das ist anders, als es früher gewesen ist. Auch wenn es bedeutet, dass mir die Schmerzen, welche diese Wunde verursacht, fast ständig bewusst sind und es auch bleiben. Solange es weh tut, solange ist es nicht in Ordnung. Und solange es nicht in Ordnung ist, solange kann es nicht heilen.

Und vielleicht weiß ich, wenn es irgendwann geheilt ist, auch endlich, was genau es eigentlich ist. Das, was mich vom Arbeiten abhält, oder es mir so oft unmöglich macht. Das, was alles phasenweise unwichtig erscheinen lässt.

Damit mein Roman irgendwann doch wieder „Work in Progress“ sein kann.

Linktipp: Warum Übersetzungen eigentlich Originale sind

Über eine Empfehlung des Online-Portals „Krautreporter“ bin ich auf einen Artikel bei ze.tt aufmerksam geworden, den ich sehr interessant und darüber hinaus auch noch zutreffend finde.

In diesem Artikel geht es darum, dass viele Übersetzerinnen und Übersetzer, deren Arbeit wir beinahe täglich vor den Augen haben, nicht in dem Maße gewürdigt werden, wie sie es eigentlich verdient hätten. Ausnahmen, wie etwa der fantastische Harry Rowohlt, der selber zu einer Marke wurde, bestätigen die Regel.

Der Artikel nennt Namen und Verdienste, was sich nicht nur auf die Literatur im engeren Sinne beschränkt. So wird auch der Einfluss von Erika Fuchs darauf, wie man Comic übersetzen sollte, bzw. der von Rolf Kauka, wie man es eben nicht machen sollte, gewürdigt.

Ich muss gestehen, dass ich zu beinahe 100% Übersetzungen lese. Wahrscheinlich wäre ich zwar durchaus in der Lage, mir zumindest auch ein englischsprachiges Buch vorzunehmen, aber es entscheidet dann doch meistens die Bequemlichkeit.

Puristen würden sagen, dass ich auf diese Weise eigentlich nie den tatsächlichen Autor lese, sondern immer das, was ein Übersetzer daraus gemacht hat. Und eine gute Übersetzung ist ja so viel mehr, als eine pure 1:1-Übertragung der fremdsprachigen Worte. Sie wird selber Teil der Popkultur, sei es nun „Ein Ring, sie zu knechten“, „Möge die Macht mit dir sein“ oder „Die Welt hat sich weitergedreht“.

Auf der einen Seite ist es sicherlich schade, dass Originale dadurch an Verbreitung verlieren. Man muss aber auch anerkennen, dass es ohne die in Deutschland etablierte Übersetzungskultur wohl nie Bestseller gegeben hätte, die etwa aus den skandinavischen Ländern stammen, oder gar aus Fernost. Märkte, auf denen es weniger häufig zu Übersetzungen kommt, allen voran der amerikanische Markt, sind in dieser Hinsicht oft ärmer und kreisen mehr um sich selbst.

Ähnlich ist es ja im Film- und Fernsehgeschäft, wo es in Form der Synchronisierung zu einer vergleichbaren Gemengelage kommt. Hier hören wir deutschen Schauspielerinnen und Schauspielern dabei zu, wie sie die Arbeit ihrer amerikanischen Kolleginnen und Kollegen in unsere Sprache übertragen – was schon mal dazu führen kann, dass man bei zwei aufeinander folgend gesehenen Produktionen denselben Sprecher in vollkommen unterschiedlich angelegten Rollen findet. Was dann schon mal verwirrend sein kann.

Tatsache ist aber, dass ohne die Arbeit der Übersetzerinnen und Übersetzer unser literarischer Markt wesentlich eindimensionaler wäre. Deswegen ist es durchaus angemessen, diesen Textarbeitern im besten Sinne eine kleine Aufmerksamkeit in Form von Anerkennung zukommen zu lassen. Und das tut dieser Artikel, den ihr hier finden könnt.

Eine Inspiration – Tausend Möglichkeiten für eine Geschichte

Am Anfang stand die nackte Realität. Durch einen Zufall war ich in der Wikipedia auf den Artikel über das Luftschiff LZ 120 gestoßen. In diesem wurde von einem Zwischenfall am 02.11.1919 berichtet, bei dem es zu einem Beinaheabsturz des Zeppelins und dem tragischen Tod eines Mitglieds der Haltemannschaft gekommen war.

Dieser Artikel berührte mich auf seltsame Weise. Besonders der, im typisch-nüchternen Stil eines Enzyklopädieartikels abgefasste, Satz: „Der Zwischenfall hatte ein Todesopfer gefordert: Ein Mitglied der Haltemannschaft in Berlin hatte das Schiff nicht rechtzeitig losgelassen und war aus 50 Meter Höhe abgestürzt.“

Mehr stand dort nicht geschrieben. Aber durch diese kleine Begebenheit am Rande erhielt der Zwischenfall von LZ 120 „Bodensee“ für mich eine zusätzliche Dimension, die mein Interesse weckte und meine Fantasie in Gang setzte. Was war da eigentlich geschehen, an jenem Wintertag in Berlin-Staaken?

Die Frage wanderte in mein kleines gedankliches Notizbuch und blieb dort für eine kurze Zeit. Doch schnell war mir klar, dass ich hier den Stoff für eine Geschichte hatte, die sich zwar an den historischen Tatsachen orientieren musste, aber dennoch genügend Raum für eigene Variationen bot.

Das fing schon mit der Frage nach der Erzählperspektive und der Herangehensweise an die Geschichte an. Durch die Geschehnisse waren drei Gruppen von Personen denkbar, aus denen ich mir einen Protagonisten aussuchen konnte: Die Besatzung von LZ 120, die Passagiere und die Mitglieder der Bodenmannschaft. Letztere bot sogar noch dahingehend Optionen, wahlweise einen unbeteiligten Beobachter oder aber jenen Arbeiter auszuwählen, der den Zwischenfall nicht überleben sollte.

Nun, da ich die Geschichte geschrieben und ihr sie gelesen habt, ist es ja kein Geheimnis, wie ich mich entschied. Aber ich denke, es ist schon lohnenswert, einmal darauf zu schauen, ob die Erzählung nicht auch mit einer der anderen Perspektiven funktioniert hätte.

Ich kann mir nur vorstellen, was in der Steuergondel von LZ 120 los gewesen ist, als das Schiff auf einmal anfing, unberechenbare Kapriolen zu schlagen. Die Besatzung war, soweit ich weiß, routiniert. Aber einen solchen Vorfall hatte es vorher nicht gegeben und daher gab es keine Erfahrungswerte. Während der Landung war ein Luftschiff in der Tat auf Hilfe von außen angewiesen und ich stelle es mir als sehr mulmiges Gefühl vor, die unmittelbare Gefahr zu sehen und nicht eingreifen zu können.

Auch der Entschluss, das Luftschiff wieder freizugeben, barg einiges an Risiken. Durch die Schäden, die LZ 120 erlitten hatte, war fraglich, ob eine halbwegs sichere Landung zu einem späteren Zeitpunkt durchführbar war. Tatsächlich war der Zeppelin, als er Staaken verließ, Wind und Wetter ausgeliefert. Kein Wunder, dass ob dieser Dramatik niemand an Bord das Drama, das sich unter dem Schiff an einem der Halteseile abspielte, mitbekam.

Selbiges gilt für die Passagiere an Bord, für die das dramatische Ende ihrer Reise ein Höllenritt gewesen sein muss. Man muss sich nur vor Augen halten, dass das Fliegen an sich damals noch eine ganz andere Sache war, als es das heutzutage ist. Heute steigt man für 29 Euro in einen Flieger und ist in drei Stunden an einem Mittelmeerstrand. Damals war eine Flugreise nicht nur teurer, sondern auch noch mit einem Hauch des Abenteuers und der Exklusivität versehen. Dementsprechend dürfte die Zusammensetzung der Passagiere gewesen sein.

Dass sich aus den persönlichen Geschichten der Reisenden vor dem Hintergrund eines Unglücks ein gutes Garn spinnen lässt, hat das Genre des Katastrophenfilms seit seinen Anfängen mit „Airport“ oder „Der Untergang der Poseidon“ immer wieder bewiesen. Was trieb die Menschen an, die im Angesicht des drohenden Absturzes ihr Heil im Sprung aus der Kabine sahen? Was geschah in jenen Minuten in der Gondel unter dem Walfischbauch?

Über die Passagiere von LZ 120 schweigt sich der Artikel, der für mich den Anstoß zu „Der Traum vom Fliegen“ lieferte, aus. Was kann einem Schriftsteller besseres passieren, als ganz viele Blaupausen, die er mit Leben füllen kann?

Und dennoch habe ich mich dazu entschlossen, dorthin zu gehen, wo die Aktion ist, wo für mich das eigentliche Drama dieses Tages liegt, auch wenn es in der offiziellen Geschichtsschreibung nur eine Randbemerkung sein mag.

Auch über die Hintergründe der Personen der Haltemannschaft kann man viel herbei spekulieren. Sicher ist, dass es sich hierbei zwar um eine verantwortungsvolle, nichts desto trotz aber um eine Hilfsarbeit gehandelt hat. Etwas für den typischen Arbeiter, dessen Muskeln ihm bessere Dienste leisten mussten als sein Verstand.

Der Gedanke liegt nahe, dass 1919 eine große Zahl dieser Männer noch vor kurzem im Feld gestanden hat. Der Krieg war zum Zeitpunkt des „Bodensee“-Vorfalls noch kein Jahr beendet und Deutschland steckte in den Anfängen einer Republik, die sich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt ihrer Feinde von innen und außen erwehren musste. Auch hier hätten sich viele Projektionsflächen auf die Arbeiter angeboten.

Ich habe mich entschieden, gezielt die Person zu beschreiben, die am Ende als einziges Opfer dieses Tages zu beklagen war – falls ihn jemand beklagt hat, heißt das. Auch hierzu erfährt man aus dem Artikel nichts, nur, dass die Passagiere von LZ 120 bester Laune waren, als man sie nach der schlussendlich erfolgreichen Notlandung zurück nach Berlin kutschierte.

Mein Friedel hätte also so gut wie alles sein können. Ein grantiger Ex-Soldat, der mit sich und der Welt hadert, weil er, als gefeierter Kriegsheld, dazu gezwungen ist, sich seinen Lebensunterhalt durch diese stupide und niedere Arbeit zu verdienen. Oder er hätte ein Student sein können, der auf der Suche nach körperlichem Ausgleich für die harte Denkarbeit, diese Stellung angenommen hat.

Dass Friedel der geworden ist, als der er sich nun dem Leser vorstellt, hat er dem Satz zu verdanken, der mir als erster der Geschichte durch den Kopf gegangen ist und der sich, leicht variiert, auch jetzt noch an ihrem Ende befindet: „Ich werde mich nicht mehr lange halten können, aber vielleicht werde ich fliegen.“

So etwas kann nur ein Mensch denken, dessen Traum vom Fliegen so groß und mächtig ist, dass er nicht einmal durch die Gefahr und das nahe Lebensende völlig ausgelöscht werden kann. Damit stand fest, dass Friedel liebt, was er tut und dass er alles dafür geben wird, um seine Tätigkeit zum Wohle des Luftschiffs auszufüllen.

Der Rest ist, wie man so schön sagt, meine und seine Geschichte.

Ich freue mich, dass „Der Traum vom Fliegen“ bei vielen meiner treuen Kommentatoren und Leser gut angekommen ist. Ich hatte Zweifel, weil die Prämisse der Geschichte nun einmal eine historische Begebenheit ist. Aber davon ausgehend hätte die Geschichte so vieles sein können, was sie letztlich nicht wurde. Die Möglichkeiten waren da, wie ich in diesem Beitrag schildern wollte.
Manchmal kommt es nur darauf an, aus tausend Möglichkeiten die richtige zu wählen.

Danach muss man nur noch schreiben.