Arbeit oder Vergnügen – oder doch beides?

Im Moment befinde ich mich in den letzten Zügen, was den momentanen Zwischenstand des Lektorats von „Der Morgen danach“ angeht. Ich hatte ja schon einmal berichtet, dass ich da step by step die aktuellen Änderungsvorschläge und -wünsche meiner Lektorin bekomme und die dann, so gut es mir eben möglich ist, abarbeite.

Jetzt gehe ich ja, wie ich ebenfalls berichtet habe, gerade durch eine etwas schwierige Phase, was das Schreiben in all seinen Facetten anbelangt. Es fällt mir wesentlich leichter, mich ablenken zu lassen und daher nicht darum zu kümmern, als es wirklich einfach mal zu tun.

Erschwerend kommt hinzu, dass ich im Moment sehr gerne vor meinem Fernseher versumpfe. Vor langer, langer Zeit erzählte ich euch hier auf dem Blog, dass ich das Konzept „Serie schauen“, das für viele Menschen so eine enorme Bedeutung zu haben scheint, nie ganz zu packen bekommen habe. Ich bin immer mehr ein Filmfreak gewesen, der es durchaus zu schätzen weiß, wenn eine Handlung nach knackigen 120 Minuten abgeschlossen ist. Ausnahmen wie etwa die Star-Trek-Serien bis einschließlich „Voyager“ oder auch „Heroes“ bildeten die Regel.

Und selbst in Bezug auf diese Serien war ich eher ein untypischer Zuschauer. Denn viele sehen ihre Serien ja heute in einem Rutsch und inhalieren eine komplette Staffel an einem einzigen Wochenende. Für mich unvorstellbar.

Um zu illustrieren, wie unvorstellbar das ist, kann ich euch erzählen, wie ich die erste Staffel von „Arrow“, der Serie um den DC-Superhelden, gesehen habe. Ich habe damit im August angefangen und, man höre und staune, auch im August wieder aufgehört. Nur, dass das eine Datum im Jahr 2016 und das andere im Jahr 2017 lag 😉 .

In der Zwischenzeit habe ich nicht etwa eine andere Serie eingeschoben, sondern ich habe ausschließlich Filme gesehen. Wenn ich denn die Zeit dafür hatte, oder sie mir nahm.

Jetzt könnt ihr euch bestimmt besser vorstellen, wie ungewöhnlich das ist, was gerade passiert: Zu meinem Geburtstag im Juli habe ich die erste Staffel von „The Walking Dead“ geschenkt bekommen. Eine Serie, bei der ich immer irgendwie das Gefühl hatte, sie könne mir gefallen, bei der ich aber gleichzeitig größte Bedenken hatte. Lebende Tote im Fernsehen? Auf welchem Niveau sollte sich das schon bewegen. So etwas funktioniert nur, wenn man bereit ist, auch Härten und Gewalt zu zeigen.

Nun gut, ich gab der Serie eine Chance. Das muss so im frühen Oktober gewesen sein. Noch während der sehr kurzen ersten Staffel orderte ich mir Staffel zwei und drei bei reBuy. Immer noch mit dem Gedanken, dass ich damit, bei meinem Sehverhalten (und jeder Menge anderer ungesehener Serien im Regal), eine lange Zeit auskommen würde.

Tja, dann kam der Halloween-Tag mit meinem Filmmarathon und am nächsten Abend, also dem 01.11., begann ich mit der zweiten Staffel von „The Walking Dead“. Jetzt haben wir den 14.12. und ich fange wahrscheinlich heute Abend mit Staffel sechs an.

Gemessen an dem, was Hardcore-Seriengucker ableisten, ist das immer noch ein gemütliches Tempo. Aber für mich ist es absoluter Wahnsinn. Und es ist ein ziemlicher Faktor, der mir auch Zeit für das Schreiben bzw. das Überarbeiten wegnimmt – das muss ich ganz klar einräumen.

An manchen Abenden, wenn ich schon einen langen Arbeitstag in den Knochen habe (*), fehlt mir schlicht und ergreifend die Energie, um mich noch an den Schreibtisch zu setzen und mich mit meiner Geschichte zu befassen. Das sind die Momente, in denen ich mich frage, wie andere das wohl hinbekommen. Oder auch, wie ich selbst das früher hinbekommen habe. An diesen Tagen ist es nur zu leicht, einfach abzuschalten, sich ein wenig berieseln zu lassen und dann irgendwann halbwegs entspannt ins Bett zu gehen.

Ja, ich weiß, dass es auch dazu gehört, mit seinen Kräften haus zu halten. Wenn ich permanent versuchen würde, meine Grenzen auszuloten, dann wäre die Gefahr real, dass ich irgendwann über diese Grenzen hinaus gehe. Und das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein. Nicht bei einer kreativen Tätigkeit wie dem Schreiben und dem Überarbeiten.

Aber ich habe immer, ihr kennt mich, ein latent schlechtes Gewissen verspürt, wenn es dann der zweite Tag war, an dem ich nichts getan habe. Oder vielleicht auch schon der dritte. Manchmal wünsche ich mir dann beinahe so etwas wie eine „Deadline“, der ich mich zu unterwerfen habe, weil der Druck mir vielleicht dabei helfen würde, mich aufzuraffen. Nur würde das auch nichts daran ändern, dass der Kräfteverschleiß ja da ist.

Nein, ich muss schauen, dass ich selbst, ganz für mich, einen Rhythmus hinkriege, der beides zulässt: Entspannung und Erfüllung der anstehenden Arbeiten. Deswegen möchte ich es jetzt auf folgende Weise versuchen:

Ich habe im Normalfall an den Werktagen jeden Abend so ab 20 Uhr verlässlich Zeit, mich um meinen Kram zu kümmern. Dann beginnt bei uns die sogenannte „Elternzeit“, in der Mama und Papa nur dann gestört werden sollen, wenn gerade das Haus abbrennt oder eines der Kinder unter einen Schrank geraten ist, oder sonstige Dinge dieser Art 😉 .

Ich werde nun versuchen, einen abwechselnden Rhythmus einzuführen. An einem Abend kümmere ich mich mindestens eine Stunde um meinen Roman oder was sonst so ansteht, dafür kann ich am nächsten Abend zum Beispiel eine Folge meiner Serie schauen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Die Zeit, die danach noch bis zum Schlafengehen ist, steht zur freien Verfügung. Irgendwann muss ich ja z.B. auch eure Blogs lesen und manchmal schalte ich den PC sogar aus 😉 .

Bis jetzt klappt das eigentlich ganz gut – vor allem auf der psychologischen Ebene. Denn den meisten Druck mache ich mir in der gegenwärtigen Konstellation ja halt selbst.

Dazu kommt noch eine weitere Komponente, wie ich festgestellt habe: Auch die Arbeit an meinen Projekten macht auf einmal wieder wesentlich mehr Spaß, weil sie einen festen Rahmen und eine feste Taktung in meinem Zeitplan haben, bei dem ich mir keine Gedanken machen muss, ob nicht gerade etwas anderes eher dran wäre. Und ich muss mir keine Gedanken machen, ob ich gerade etwas andere vernachlässige. Weil alles zu seinem Recht kommt.

Somit hoffe ich, am Ende drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen:

  1. Ich komme endlich mit meiner Schreiberei wieder auf einen grünen Zweig
  2. Ich kann mir problemlos erlauben, auch mal einen Abend wirklich frei zu machen
  3. Ich habe dadurch wesentlich mehr Spaß an dem, was ich da gerade mache

Wie gesagt, noch läuft gewissermaßen die Erprobungsphase. Aber bis jetzt stehen die Sterne günstig. Ein leichtes Däumchendrücken kann dennoch nicht schaden 🙂 . Damit am Ende Arbeit und Vergnügen vielleicht sogar wieder zwei Seiten derselben Medaille darstellen.


(*) Hier bitte einen Beamtenwitz eurer Wahl einfügen. Oder gerne in die Kommentare damit! Es würde mich allerdings wundern, wenn ihr einen findet, den ich noch nicht kannte 😀 .

Advertisements

AWDML (11) Wie ich selbst einmal ein Hörspiel schrieb

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Kommen wir noch einmal auf das Thema Hörspiele zurück, mit dem wir uns ja gerade erst beschäftigt hatten. Wie ich euch ja schon berichtete, füllte das Thema so rund um die Jahrtausendwende ein Großteil meiner Zeit aus.

Aber schon früher, weit, weit früher, beschäftigte ich mich damit. Und das sogar in der Art und Weise, dass ich selber Hörspiele schrieb.

Wie sollte es auch anders sein, schließlich waren die Geschichten vom Band oder von der runden Scheibe für mich ein beinahe ebenso großer Einfluss, wie es gedruckte Bücher waren. In Hinblick auf meine Liebe für manche Genres wahrscheinlich sogar ein größerer. So hörte ich, lange bevor ich sie las oder einen der Filme sah, die Geschichte des Grafen Dracula. Buchreihen wie die der „Fünf Freunde“, die als Jugendbuch sehr erfolgreich waren, gab es für mich nur in Form ihrer Hörspielumsetzung. Und auch meine Affinität zum gepflegten Trash wurde sicherlich durch Hörspiele wie die zu den Groschenromanserien „John Sinclair“, „Larry Brent“ oder „Macabros“ mitgeprägt.

Da lag es nahe, dass irgendwann der Wunsch aufkam, so etwas auch selbst zu machen. Und weil sich damals in einem durchschnittlichen Kinderzimmer immer ein Kassettenrecorder mit Aufnahmefunktion fand (sucht den mal in den Zimmern von heute) und auch die eine oder andere Leer-MC aufgetrieben werden konnte, war es gar kein Problem, sich seine eigenen Geschichten auf Band aufzuzeichnen.

Einen sehr großen Einfluss hatte damals die Toyline „Masters of the Universe“ auf meinen besten Freund aus Jugendtagen und mich. Eigentlich nicht mehr als testosterongeschwängerte Fantasy-Ausgaben der Barbie-Puppe, waren sie doch hinreichend beeindruckend in ihrer Formen- und Farbenvielfalt, dass uns die ganzen Diskussionen, die in der Welt der Erwachsenen über „Monster im Kinderzimmer“ geführt wurden, absolut egal waren.

Meine Eltern waren, was dieses Thema anging, zum Glück ausnehmend entspannt. Und so konnte ich bald auf einen großen Fundus an Masters-Figuren zurückgreifen, die alle ihren eigenen Charakter, ihre eigene Geschichte, ihr eigenes Abenteuer versprachen.

Diese Versprechungen wurden genährt durch die Abenteuer, die es in Kassettenform vom damals wie heute omnipräsenten Hörspiellabel Europa gab. Insgesamt 37 Folgen erschienen damals und regten die Phantasie selbst dann an, wenn erkennbar war, dass der jeweilige Inhalt der Geschichte mehr als alles andere dazu dienen sollte, das zugehörige Spielzeug zu verkaufen.

Aber nichtsdestotrotz waren die Hörspiele absolut professionell gemacht und warteten mit Sprechern auf, die man schon damals zur Topriege ihrer Zunft rechnen durfte. Die Hauptrollen wurden etwa von Norbert Langer und Peter Pasetti gesprochen, die man damals vor allem als Synchronsprecher und als Schauspieler kannte.

Nun gut, lange Rede, kurzer Sinn: Irgendwann kamen wir auf die Idee, selber Masters-Hörspiele zu machen. Die meisten dieser Kurzfolgen entstanden vollkommen spontan und ohne „Drehbuch“. Aber ich kann mich erinnern, mindestens in einem Fall auch ein Script geschrieben zu haben, das allerdings nicht wirklich mehr war als ein Sammelsurium zusammengeklauter Szenen aus der Hörspielserie.

Erst einige Jahre später, als ich ernsthaft zu schreiben begann, sollte das Thema Hörspiel für mich wieder wichtig werden.

Ich habe 1987 damit begonnen, meinen Romanerstling „Silverstar: Angst im Perseus-Spiralnebel“ zu schreiben. Abgeschlossen habe ich ihn 1993. In der Zwischenzeit habe ich nicht etwa immer wieder ewig lange Pausen eingeschoben (okay, die gab es auch), sondern ich habe immer wieder neu angesetzt, die mir so wichtige Geschichte zu einem Ende zu führen. De facto dürfte dieser Roman derjenige sein, den ich bis heute am meisten überarbeitet habe – und der dennoch, Erstling eben, zurecht ein Dasein in der Schublade fristet.

Ich habe wirklich alles probiert. Zuerst machte ich aus einem Roman drei Romane, weil ich dachte, dass ich vielleicht zu viel in ein Buch reinquetschen wollte – was sich im Nachgang auch als richtig erwies. Dann setzte ich gefühlte hundert Mal wieder von vorne an, änderte einiges im Ablauf und versuchte, mich über den Punkt hinweg zu schreiben, an dem es mir nicht mehr gelang, der Geschichte zu folgen.

Und irgendwann kam mir dann die Idee, das Ganze als Hörspiel zu schreiben.

Ich hatte nie die Ambition oder die Absicht, aus „Angst“ wirklich ein Hörspiel zu machen. Es ging mir einfach um den neuen Ansatz und darum, dass ein Hörspiel unbestreitbare Vorteile bietet, wenn es nur darum geht, eine Handlung möglichst schnell voran zu treiben.

In einem Hörspiel gibt es per Definition (Ausnahmen bestätigen die Regel) keine Erzählerpassagen, die sich über mehrere Seiten hinweg ziehen. Bei einem Hörspiel sollen und müssen die Charaktere sich auf den Punkt und rasch äußern. Es muss praktisch immer irgendwas interessantes passieren, weil ansonsten die Aufmerksamkeit des Hörers – für mich waren das noch Kinder und Jugendliche wie ich selbst – nachlassen würde.

Und so wurde dann aus dem kompletten ersten Band meiner „Silverstar“-Serie, der später einmal runde 79.000 Wörter umfassen sollte, ein Hörspielmanuskript auf etwa 70 Seiten. Nachsehen kann ich leider nicht, weil auch dieser Entwurf, wie so vieles andere, wegen eines nicht mehr unterstützten Dateiformats für mich verloren ist.

Irgendwann merkte ich dann aber, dass ich nicht zum Hörspielautor geschaffen war. Genau das, was ich vorher als Vorteil ausgemacht hatte, fehlte mir schließlich. Ich wollte genauere Beschreibungen haben. Ich wollte auch in die Gedankenwelt meiner Charaktere eintauchen. Ich wollte die zusätzliche Ebene, die eben nur ein Buch liefern kann.

Also setzte ich alles wieder auf Anfang und begann, den verdammten Roman wieder von vorne zu schreiben. Aber diesmal kam ich über die Stellen hinweg, bei denen es mir vorher immer schwer gefallen war. Weil ich schon wusste, in welche Richtung ich schreiben wollte und was dort passieren sollte. Die Hörspielfassung hat mir also auf jeden Fall gute Dienste geleistet und ich bereue die Zeit keinen Moment, die ich auf sie verwendet habe.

Ob es mich heute noch einmal reizen würde, ein Hörspiel zu schreiben? Nein, eigentlich nicht. Das sollen die machen, die sich besser darauf verstehen. Und in der Zwischenzeit sind einige Menschen, die ich damals als Teil der Fanszene kennengelernt habe, auf die andere Seite gewechselt und machen heute ihr eigenes Ding. Mit überwiegend sehr guten Ergebnissen, wie ich feststellen kann.

Aber ich werde bei meinen Romanen bleiben. Auch wenn ich dem ganzen Hörspielding mit „Der Rezensent“ ja einen eigenen Thriller gewidmet habe. Irgendwann wird auch dieser Roman in irgendeiner Form das Licht der Welt erblicken. Da bin ich fast sicher.

Bis dahin höre ich weiter Hörspiele, auch die von damals, und erinnere mich daran, wie es war, als ich noch einfach so Geschichten und Geschichtchen in purer Dialogform erzählte.

Let’s take a walk down memory lane!

Ich bin ein Kassettenkind und möchte euch was zeigen

Ich habe ja in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal erwähnt, dass ich für eine gewisse Zeit sehr aktiv in einem ganz besonderen Fandom gewesen bin. So richtig mit eigener Homepage und jeder Menge Aktivität. Und zwar geht es dabei um Hörspiele.

Heute sind Hörspiele und vor allem Hörbücher etwas vollkommen normales. Man bekommt sie in jeder Buchhandlung, in jedem ordentlich bestückten Elektronikmarkt und nicht zuletzt dank Unternehmen wie Audible ist es auch vollkommen normal, ungekürzte Lesungen zu brandaktuellen Romanen für einen akzeptablen Preis zu erhalten.

Aber vor zwanzig Jahren, da sah die Welt noch ein wenig anders aus.

Hörspiele waren etwas, das irgendwie aus der Zeit gefallen war. Etwas, das man eigentlich nur mit Kindern in Verbindung brachte. Zwar gab es auch damals schon, oder vielmehr noch, ambitionierte Produktionen, doch wurden diese oftmals von öffentlich-rechtlichen Radiosendern gestemmt, die sich um die kommerzielle Seite ihres Tuns erst einmal weniger Gedanken machen mussten.

Hörspiele, das waren diese Geschichten, die es vor allem auf Kassetten zu kaufen gab. Die Schallplatte, zu diesem Zeitpunkt schon längst von der CD ins Reich der Untoten verbannt, spielte am Markt gar keine Rolle mehr. Und die Kinder, die sich dereinst mit Serien wie „Jan Tenner“, „Hui Buh“ oder „Masters of the Universe“ ihre Zeit vertrieben hatten, waren auf dem besten Weg, erwachsen zu werden und hatten auf diesem Weg irgendwann ihre Hörspielsammlungen aufgelöst. Hörspiele waren uncool. Kinderkram.

Zwar gab es auch noch Serien wie „Die drei Fragezeichen“ oder „TKKG“, aber diese dümpelten mehr oder weniger vor sich hin, mit mehr oder weniger originellen Drehbüchern und weit entfernt vom Glanz ihrer früheren Tage, als sie teilweise mit Goldenen Schallplatten ausgezeichnet worden waren. Und Serien wie „Benjamin Blümchen“ und „Bibi Blocksberg“ waren halt für die Kleinsten.

Kurz: Das Hörspiel lag, gefühlt, in seinen letzten Zuckungen.

Aber dann kam das Internet und damit die von mir schon oft beschworene Möglichkeit, sich über alles Mögliche und Unmögliche auszutauschen – ohne große Hindernisse. Und so wurden auch Hörspiele wieder ein Thema.

Besonders früh wurden die Zeichen der Zeit von einem Hörspielfan in Schwelm erkannt. Das kann man durchaus so sagen, weil er sich die Domain hoerspiele.de sicherte. Zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich alles andere als ein Objekt der Begierde, sollte sich mit dem wieder einsetzenden Hörspielboom der Folgejahre der Status dieser Website als Datenbank und Newsseite über alles, was mit dem Thema Hörspiele zu tun hat, festigen und ausbauen. Gleiches galt den findigen Köpfen, die sich gleichzeitig den Domainnamen rocky-beach.com registrierten und hier eine zentrale Anlaufstelle für Freunde des Universums rund um die Drei Fragezeichen schufen.

Als ich begann, mich wieder um das Thema Hörspiele zu kümmern, gab es beide Angebote schon eine Weile. Ich war inzwischen dazu übergegangen, mir meine Hörspielsammlung wieder aufzubauen, die ich gerade einmal zwei oder drei Jahre vorher verkauft hatte. Ein Schicksal, das ich mit vielen meiner Altersgenossen teilte. Dabei leistete mir hoerspiele.de gute Dienste, weil die Seite mir zum Beispiel einen Überblick darüber gab, wie viele Folgen von einer Serie erschienen waren.

Langsam wuchs in mir der Wunsch, mich einzubringen, mich zu beteiligen. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Ich nahm Kontakt zu CHRIzzz, dem Macher der Seite, auf, steuerte zuerst ein paar Infos zur Datenbank bei, dann Rezensionen. Meldete mich in den gerade durchstartenden Hörspielforen an und wurde dort zu einem der eifrigeren Schreiber. Irgendwann bot jemand mir an, mit ihm eine eigene Website aufzubauen, worauf ich begeistert einging. Das Projekt scheiterte, ich machte noch eine Weile alleine weiter, bevor die Sache einschlief.

Aber hoerspiele.de und rocky-beach.com gibt es heute noch. Und in diesen Tagen feiern sie, wie erwähnt, ihr zwanzigjähriges Bestehen. Und ich bin sehr glücklich, aus diesem Anlass mit einem kleinen, aber sehr feinen Präsent bedacht worden zu sein 🙂 .

Was ihr hier seht, sieht zunächst einmal aus wie eine stinknormale Audio-Kassette. Die Älteren unter euch erinnern sich wahrscheinlich noch an diesen Anblick. Aber wenn ihr mal genau auf den Inhalt schaut, dann werdet ihr sehen, dass sich in dieser Hülle etwas ganz anderes verbirgt: Ein Kartenspiel nämlich! Mehr Aufschluss gibt uns die Rückseite der MC-Hülle.

Und noch mal deutlicher wird es, wenn man die Hülle öffnet und das darin befindliche Spiel in Augenschein nimmt.

Das klingt doch nach einer Menge Spaß, findet ihr nicht auch? Aber wenn ihr mich fragt, dann sind die Karten, die den Inhalt des Spiels bilden, beinahe zu schön, um wirklich mit ihnen zu spielen und sie im Laufe der Zeit abzunutzen. Das Design orientiert sich an den MCs von früher. Und da die Karten einzelnen Serien oder Reihen entsprechen, die bei vollkommen verschiedenen Firmen und zu vollkommen verschiedenen Zeiten erschienen sind, gibt es hier eine breite Vielfalt an Stilen zu bestaunen, von denen ich euch allerdings nur einen kleinen Ausschnitt zeigen möchte.

Wie gesagt, da werden für mich Erinnerungen wach und ich freue mich wirklich sehr, dass da an mich gedacht wurde, zumal diese Zeit wirklich schon eine ganze Ecke her ist.

Aber wieso reibe ich euch das eigentlich unter die Nase? Na ja, zum einen, weil ich eben ein sehr mitteilsamer Mensch bin 😉 . Zum anderen aber, um euch darauf aufmerksam zu machen, dass ihr, wenn ihr Interesse haben solltet, ebenfalls Besitzer eines solchen Schmuckstücks werden könnt. Ich darf nämlich darauf hinweisen, dass hoerspiele.de und rocky-beach.com das Kartenspiel nicht nur als exklusives Goodie an alte und neue Weggefährten produziert haben, sondern dass es einige Exemplare auch im Rahmen eines Gewinnspiels zu ergattern geben wird, das voraussichtlich, wie mir mitgeteilt wurde, am 15.12.2017 starten wird.

Wenn ihr also auch ein altes oder neues Kassettenkind seid, dann haltet doch einfach nach diesem Gewinnspiel auf den genannten Seiten Ausschau. Und wenn wir uns irgendwann einmal persönlich begegnen sollten, dann spielen wir eine Runde.

Und, sind jetzt Erinnerungen in euch wach geworden? Dann schreibt mir doch gerne davon 🙂 .

Der Sonntagsreport vom 10.12.2017: Sich selber exponieren

Hallo ihr Lieben!

Na, habt ihr auch alle fleißig Schnee geschippt? Hier bei uns hat es tatsächlich noch einmal so geschneit, dass ich das zweite Mal an zwei aufeinander folgenden Tagen vor die Tür musste. Ich müsste jetzt ernsthaft nachdenken, wann das zuletzt der Fall gewesen ist.

Weil mich die ganze Schipperei aber rechtschaffen erschöpft hat, möchte ich gar nicht so viele Worte machen. Denn gefühlt mache ich die ja hin und wieder schon zur Genüge. Wobei das ja nichts Schlimmes ist, schließlich sind wir ja alle wegen genau dieser Worte hier: Ich, um sie zu schreiben und ihr, um sie zu lesen.

Aber kommen wir trotzdem zur Sache. Und zwar geht es mir heute darum, wie es ist, wenn man sich selber ein Stück weit exponiert. Ja, ich weiß, schon wieder Fremdwörter, aber ich denke, ihr kennt dieses Wort. Es heißt ja nichts anderes, als dass man sich ein Stück weit aus sich selbst herauswagt, sich zeigt und dabei in Kauf nimmt, auch gesehen zu werden. Jedenfalls ist das für mich eine gute Übersetzung.

Ich habe mich diese Woche gleich einige Male exponiert. Auch auf diesem Blog, wenn ihr zum Beispiel an das Jahresendzeitcoachingstöckchen (puh, was ein Wort) von Jule denkt, das ich aufgefangen habe.

Aber auch mit ganz banalen Dingen kann man, kann ich mich exponieren.

Mir ist zum Beispiel vorhin, als ich den Schnee geschippt habe, durch den Kopf gegangen, was für einen weiten Weg ich gegangen bin, dass ich das jetzt einfach so tun kann.

Das muss ich erklären, denke ich. Dazu müsst ihr nämlich wissen, dass ich früher, noch gar nicht so lange her, immer Angst davor hatte, dass irgendjemand am Fenster seiner Wohnung oder seines Hauses steht und mich dabei beobachtet, wie ich den Rasen mähe, Unkraut zupfe, oder eben den Schnee schippe.

Und wieso hatte ich Angst davor? Weil ich dachte, dass derjenige sich darüber lustig machen würde, dass ich das, was ich da gerade tue, vollkommen falsch mache. Dabei war mir auf einer Verstandesebene durchaus bewusst, dass es eigentlich keinen richtigen oder falschen Weg gibt, den Rasen zu mähen – solange das verdammte Gras hinterher kurz ist. Okay, sich hin zu knien und es zu essen, wie die Figur aus der Kurzgeschichte von Stephen King, das wäre wohl zumindest grenzwertig gewesen.

Aber man wächst ja an seinen Aufgaben und so musste ich irgendwann einsehen, dass es nun einmal nur so viele Personen gibt, die diese Aufgaben erledigen können und dass ich mich nicht immer davor drücken kann. Und irgendwann gewöhnt man sich an alles.

So, wie ich mich ja auch daran gewöhnt habe, oder gerade dabei bin, mich zu gewöhnen, auf diesem Blog ein Stück weit die Hosen runter zu lassen (kein Bildmaterial anliegend). Auch da habe ich gelernt, dass es euch, meine Leser, interessiert, was mich als Mensch beschäftigt. Und dass es okay ist, wenn ich hin und wieder zu verstehen gebe, dass mich Dinge beschäftigen, die das Äquivalent des Rasens oder des Schnees sind: Ich muss mähen und schippen und es könnte sein, dass jemand am Fenster steht und meint, dass ich es falsch mache. Aber das muss ich dann einfach akzeptieren und darf mich nicht davon beirren lassen.

Denn darum geht es auch bei meiner Arbeit, meinem Schreiben. Ich gebe Teile von mir in fremde Hände und setze mich der Beurteilung aus. Ein Teil von mir, der es lange gewohnt war, unsicher zu sein, exponiert sich damit bis auf das Äußerste. Aber das ist ein Muss und es ist okay, manchmal Angst davor zu haben. Es ist auch okay, sich hin und wieder umzublicken, ob sich nicht doch irgendwo eine Gardine verräterisch bewegt.

Aber es ist absolut nicht okay, deswegen alles verwildern zu lassen.

Ich muss mich exponieren, muss den Weg gehen, muss mich zeigen. Nur, wenn ich das tue, habe ich auch die Chance, wahrgenommen zu werden. Von Menschen, die mir nichts böses wollen, die nicht über mich lachen wollen und die nicht mit dem Finger auf mich zeigen. Und irgendwann, vielleicht in einer Woche, vielleicht in einem Monat, vielleicht aber auch schon morgen wird der misstrauische Teil in mir begreifen, dass diese Menschen doch irgendwie in der Überzahl sind.

Soweit das Wort zum Sonntag. Danke euch fürs Zuhören und, wer weiß, vielleicht geht ja der eine oder die andere von euch morgen mit einem besseren Gefühl daran, den über Nacht neu gefallenen Schnee (er hüte sich!) vom Gehsteig zu schippen. Das wünsche ich euch.

Kommt schlitterfrei in die neue Woche!

Euer Michael

Neues aus dem Lektorat (5) Ein paar Gedanken zu Papier gebracht

Wenn man im Lektorat seines Romans drin steckt, dann erlebt man schon mal interessante Sachen. Eigentlich sogar die ganze Zeit über. Aber was definitiv interessant ist, ist der Umstand, dass man sich auf einmal in gewisser Hinsicht genötigt sieht, sich für manche Dinge, die man so geschrieben hat, zu rechtfertigen.

Nein, Rechtfertigung ist eigentlich nicht der richtige Begriff. Es ist mehr eine Art Erklärung, die man abgibt für Dinge und Handlungsabläufe, die man sich irgendwann ja einmal genau so ausgedacht hat, weil man sie für richtig hielt, wie sie sich darstellten.

Die Aufgabe einer Lektorin ist es aber nun einmal, diese Steine alle anzuheben und, je nachdem, auch auf den Kopf zu drehen. Das ist für mich als Autor allerdings nicht immer ganz einfach und so kommt es, dass ich an der Stelle, an der ich gerade bin, vom konkreten Text abgeschweift bin und anfing, mir ein paar Gedanken zu machen.

Es ist nicht leicht, das spoilerfrei zu erzählen, deswegen muss ich leider etwas vage bleiben. Es geht um eine Haltung der Hauptperson, die meiner Meinung nach durch die angedachten Änderungen ein wenig zu früh gefestigt wird. In „meiner“ Fassung bleibt dies etwas länger offen, was den Effekt haben sollte, den Leser eine Weile länger im Unklaren zu lassen.

Ich weiß, dass man darüber streiten kann, aber ich hoffe doch, dass es ohne Streit ausgeht und meine Lektorin und ich uns einfach ein paar Gedanken dazu machen.

Der kleine Drecksack in mir, der sofort immer vom Worst Case ausgeht, nämlich davon, dass mir einfach „befohlen“ wird, das jetzt so zu machen, meint natürlich direkt wieder, er müsse sich schon in Widerstandsposition bringen. Aber wir sind aus meiner rationalen Sicht nicht dabei, irgendwelche Positionen zu beziehen, sondern gemeinsam das Beste aus diesem Roman zu kitzeln.

Dabei ist es nur normal, dass Autor und Lektorin sich schon mal über einzelne Punkte ein wenig uneins sein können. Dann ist es eine Frage der Argumentation.

Ich habe jedenfalls gerade eine E-Mail geschrieben, in der ich meine paar Gedanken kurz zum Ausdruck gebracht habe, bevor ich sie wieder vergesse. Damit komme ich zwar, wieder einmal, nicht wirklich im Lektorat weiter, was die Anzahl der bearbeiteten Seiten angeht. Aber für den Gesamtprozess gehört es, denke ich, absolut dazu.

Und falls nicht: Ich lerne das mit dem Lektorat ja schließlich gerade erst 😉 .

Jahresendzeitcoachingstöckchen – für mich!

Lange ist es her, seit mir ein Stöckchen an den Kopf geworfen wurde. Deswegen hat es diesmal auch ein wenig länger mit der Beantwortung der darin enthaltenen Fragen gedauert, zumal die liebe Jule von „Blaubeermuffins machen glücklich“ sich nicht lange mit irgendwelchen profanen Dingen aufgehalten hat, sondern mal so richtig, richtig ins Eingemachte geht.

Nun, gut Ding möchte bekanntlich Weile haben. Und so kommen wir jetzt, ohne viele weiter einleitende Worte, zum Inhalt des Stöckchens. Ach ja, nur eins noch vorweg: Ich werde den Stock nicht weiter werfen. Das hat auch einen Grund, den ich aber, aus eher persönlichen Gründen, für mich behalten möchte. Wer die Fragen aber gut findet – und das sind sie! – darf sich gerne dazu aufgefordert sehen, sie ebenfalls zu beantworten. In diesem Fall wäre es nur nett, wenn ihr Jule eine kleine Info dazu hinterlassen würdet.

Jetzt aber los.


Rückblick auf 2017:

  1. Wenn dein Jahr 2017 verfilmt werden würde, welchen Titel würde der Film tragen?

    Der Titel des Films lautet „Warten, auf was immer da auch kommen mag“.

  2. Welchen Tag aus 2017 möchtest du gerne nochmal erleben?

    Wir waren in diesem Jahr viel unterwegs und unter anderem auch in diversen Freizeitparks zu Gast. Und weil ich mich, wenn ich in einer Achterbahn sitze, immer frei, ungebunden und glücklich fühle (wenn das Teil mich nicht gerade aufgrund unrunder Streckenführung verprügelt), würde ich gerne einen dieser Tage noch einmal erleben. Gerade jetzt, wo das Wetter alles andere als kompatibel zu dieser Art des Freizeitvergnügens ist. Ich weiß, es klingt banal und die meisten würden hier sicherlich irgendwas tiefschürfenderes erwarten. Aber da es solch einen tiefschürfenden Tag nicht gegeben hat, ist dies die beste Antwort, die ich geben kann.

    Bezogen auf das Thema dieses Blogs war natürlich der Tag herausragend, an dem ich meinen ersten Autorenvertrag unterschrieben habe. Sowas darf in Zukunft gerne öfter vorkommen 🙂 .

  3. Was hast du dieses Jahr besonders gut gemacht?

    Ich habe mich, vor allem in der ersten Jahreshälfte, recht gut um meinen Schreibkram gekümmert, denke ich. Da fällt mir die Überarbeitung von „Der Morgen danach“ ein, die nicht leicht war. Ich denke an meinen Trip zur Leipziger Buchmesse, der für mich auch eine große Überwindung bedeutete. Und ich denke an die Kurzgeschichten, die ich schrieb.

    Auch die Tatsache, dass das zweite Halbjahr von deutlich mehr Stagnation geprägt war, schmälert diese Dinge nicht. Glaube ich.

  4. Welche drei Menschen hatten 2017 ein besseres Jahr, weil es dich gibt?

    Bei dieser Frage möchte ich den Joker setzen und lieber nicht antworten. Ich habe lange darüber nachgedacht, aber ich bin zu keinem Ergebnis gekommen, das sich für mich gut angefühlt hat. Das hat etwas mit meiner ganz eigenen Wahrnehmung von mir selbst zu tun. Das weiß ich. Und vielleicht fühlen sich Menschen in meinem Umfeld ja sogar brüskiert, weil ich sie hier nicht nenne. Für diesen Fall kann ich nur den alten Spruch bringen: Es liegt an mir, nicht an dir.

    Beinahe wäre an der Beantwortung dieser Frage meine ganze Teilnahme an diesem Stöckchen gescheitert. Deswegen habe ich beschlossen, sie offen zu lassen.

  5. Was hat sich 2017 für dich unerwartet zum Guten verändert? Und was war dein Anteil daran?

    Was sich auf jeden Fall unerwartet gebessert hat, sind die Dinge, die ich im Rahmen meiner Psychotherapie bearbeite. Beziehungsweise die Art und Weise, wie mein Therapeut und ich daran arbeiten. Da war ich vor Jahresfrist nämlich noch deutlich skeptischer. Auch hier möchte ich nicht zu sehr in die inhaltlichen Details gehen, wie ihr sicher versteht.

    Mein Anteil daran war, dass ich ein Stück weit meine Haltung geändert habe. Ich war schon vorher absolut offen für alles, was mir so angeboten wurde. Aber nun macht es auch im Kopf immer häufiger Klick. Selbst wenn das Ergebnis ist, dass es mir an manchen Tagen nach der Sitzung richtig, richtig mies geht, weil das alles so intensiv gewesen ist.

    Wenn das jetzt noch dazu führt, dass in Zukunft diese Dinge sich auch in konkrete Taten oder Veränderungen umsetzen lassen, dann wäre damit schon was gewonnen.

Ausblick auf 2018

  1. Wenn du wüsstest, dass dir nichts Schlimmes passiert und du alles schaffst, was du dir vornimmst, welchen Vorsatz würdest du für 2018 fassen?

    Ich würde den Vorsatz fassen, offener mit Menschen, Situationen und den dazugehörigen Rahmenbedingungen umzugehen. Den Kopf hin und wieder mal auszuschalten und auf mein Gefühl zu achten.

  2. In der Silvesternacht hast du eine Rakete in den Himmel geschickt, die schöner war, als alle Raketen zuvor. Das war eine Wunderrakete. Denn über Nacht ist ein Wunder passiert: Dein größter Traum ist in Erfüllung gegangen. Was ist jetzt, am 01.01.2018, anders?

    Okay, der muss in Anbetracht meines Blognamens sein: Am 01.01.2018 halte ich meinen Romanerstling in gedruckter Form in der Hand. Aber nicht lange, weil alle Welt ihn mir begeistert aus eben dieser reißt 😉 .

  3. Ein neuer Laden öffnet seine Pforten. Dort gibt es allerlei Charaktereigenschaften zu kaufen. Du kannst dir für 2018 eine dazukaufen oder eine bestehende stärken. Welche landet in deinem Einkaufswagen? Und warum?

    Mut. Eindeutig. Weil es mir eben an diesem oft genug fehlt, um Entscheidungen zu treffen, die ich treffen sollte, um Wege zu gehen, die vor mir liegen und um mir nicht selber immer wieder im Weg zu stehen. Vor allem lässt sich diese Eigenschaft hervorragend in allen möglichen Lebensbereichen einsetzen und ist damit so eine Art Schweizer Taschenmesser für ein besseres Leben. Was sagtest du, wann und wo dieser Laden Eröffnung hat?

  4. Wenn du am 31. Dezember 2018 auf das Jahr zurückblickst, worauf möchtest du besonders stolz sein?

    Ich möchte stolz darauf sein, dass ich zumindest ein wenig von dem Mut, egal ob gekauft oder selbst gefunden, dazu nutzen konnte, um meinen Weg zu gehen. Und natürlich auf meinen Bestseller 😉 .

    Nein, aber wenn ich kurz noch einmal aufs Schreiben schaue, dann möchte ich gerne stolz darauf sein können, dass ich alles versucht habe, um mich als Autor weiter zu profilieren, dann auch der Öffentlichkeit zu präsentieren und, in wenigen Worten verpackt, „mein Ding“ vorangebracht habe.

  5. Gib deinem Jahr 2018 einen Claim!

    Alles kann besser werden!


Ich bedanke mich bei Jule für die schönen Fragen, auch wenn sie mich an der einen oder anderen Stelle so weit gefordert haben, wie es sich gerade noch so aushalten ließ. War ja schließlich keine Absicht.

Es würde mich freuen, wenn der eine oder die andere sich animiert fühlt, hier auch mal beherzt zuzugreifen. Sagt doch in dem Fall gerne Bescheid!

So schön und doch so unpraktisch

Es ist ja beinahe so etwas wie eine Grundsatzentscheidung: Lese ich ein Buch lieber in Papierform oder doch besser elektronisch?

Für beide Varianten lassen sich Argumente finden, die wir auch an dieser Stelle hin und wieder schon  ausgetauscht haben. Gerade jetzt, im Moment, kommt mir allerdings zum ersten Mal die Variante eBook wie ein unmoralisches Angebot vor, das ich eigentlich ablehnen möchte, bei dem es mir aber schwer gemacht wird, es zu tun.

Ich hatte euch ja berichtet, dass ich zur Zeit den neuen Roman von Stephen und Owen King, „Sleeping Beauties“, lese. Ja, ich lese immer noch an dem Wälzer und selbst bei einem Umfang von über 900 Seiten ist das schon eine ganze Weile. Dafür habe ich allerdings Gründe.

Ich bin ein schneller Leser und ich bin jemand, der gerne liest. Das führt dazu, dass ich auch eine umfangreiche Sammlung an Büchern habe – weil ich gleichzeitig auch jemand bin, der Bücher nicht gerne wieder abgibt, wenn er sie einmal hat.

In der Regel ist es mir allerdings ziemlich egal, in welcher Form ich einen Roman besitze. Ich lege nicht einmal besonderen Wert darauf, dass ich alle Folgen einer Romanserie in derselben Auflage habe. So kommt es zum Beispiel, um bei Stephen King zu bleiben, dass ich den ersten Roman seines „Dunkler Turm“-Zyklus als gebundene Fassung habe, die Bände zwei und drei als Paperback und erst ab Band 4 wieder gebundene Bücher.

Auch ansonsten wechseln sich bei mir gebundene Ausgaben, Paperbacks, Taschenbücher und auch eBooks mittlerweile bunt ab. Das hat auch etwas mit den aufgerufenen Preisen zu tun. Viele Novitäten, die zuerst im Hardcover erscheinen, liegen inzwischen bei 25 Euro und mehr. Das ist viel Geld, vor allem dann, wenn man nun einmal schnell und viel liest.

Der einzige Autor, bei dem ich wirklich seit über 20 Jahren jeden Roman (sofern verfügbar) im Hardcover kaufe/mir schenken lasse, ist eben Stephen King. Und seine Romane sind auch die einzigen, die ich gerne sofort lese, sobald sie mich erreicht haben. Ich bin halt Fan, da muss das so sein.

Nun gibt es Faktoren, die meine Lesezeiten begrenzen. Diese Faktoren heißen Arbeit, Familie, andere Hobbies, inklusive des Schreibens und dieses Blogs hier. Ich bin also darauf angewiesen, die Zeiten zu nutzen, die ich habe, um bei einem Wälzer dran zu bleiben, der so dick und fast so hoch ist wie eines der Duisburger Wahrzeichen, nämlich unser Stadtwerketurm 😉 .

Im Normalfall lese ich viel auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück. Aber das ist im Moment kein Vergnügen, denn, wie immer um diese Jahreszeit, die Bahnen werden voller und voller. Es ist so, als ob viele Menschen, die sonst mit dem Auto zur Arbeit fahren, auf einmal ihr Herz für den Nahverkehr entdecken und so dafür sorgen, dass alles verstopft ist. Gleichzeitig fahren die Bahnen aber auch mit teils großen Verspätungen, weil, trotz allem, der Verkehr auf den Straßen wahlweise zunimmt oder jedenfalls doch immer unberechenbarer wird.

Im Ergebnis ist das, was sich im Moment in den Straßenbahnen und Zügen abspielt nicht mehr und nicht weniger als die Rache der Ölsardinen. Und da macht es weder Spaß noch Sinn noch Freunde, wenn man auf die Idee käme, ein dickes Hardcover auszupacken und darin lesen zu wollen. Es macht nicht einmal Sinn, es nur in der Hand zu tragen, wie ich es sonst immer tue. Nein, wenn ich jetzt unterwegs lesen wollte, dann müsste ich das Buch wirklich jedes Mal in die Tasche und wieder heraus räumen. Und dazu habe ich, man sehe mir meine Bequemlichkeit nach, einfach keine Lust.

Und jetzt kommen wir zu dem unmoralischen Angebot zurück, denn im Gegensatz zu Taschenbüchern, bei denen es ja immer noch etliche Monate dauert, bis sie erscheinen, sind digitale Fassungen der meisten Hardcover zum Erscheinungstag verfügbar. Und mein Kindle passt hervorragend in meine Jackentasche und ist daher auch zwischendurch immer schnell bei der Hand, zumal das Umblättern auch noch weg fällt, für das man anderweitig noch mehr Bewegungsfreiheit bräuchte.

Aber ist das wirklich eine Alternative? Bei einem Roman, den ich mir zum Erscheinungsdatum kaufe und schnell lesen will? Bei einem Autor, von dem ich alle Romane in gedruckter Form besitze?

Das kann es doch eigentlich nicht sein, finde ich. Und dennoch habe ich bei diesem Roman erstmalig gezögert und gezuckt, als ich ihn bestellt habe. Hardcover sind schön im Regal – aber unpraktisch, wenn man mit ihnen unterwegs ist. Und auf die Veröffentlichung als Taschenbuch zu warten ist für mich schlicht keine Option. Das mache ich bei vielen anderen Büchern, die ich mir ansonsten auch gerne gebraucht kaufe. Aber nicht bei denen, die ich wirklich, wirklich haben will.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre das eine Hardcover-Ausgabe, der – von mir aus gegen eine Art Schutzgebühr – eine eBook-Fassung des Romans beiliegt, die der Käufer sich aus dem Netz herunterladen kann. So macht Amazon es z.B. mit gekauften Musik-CDs, so machen es die Filmverleiher mit ihren Digitalen Kopien und so machen es die Produzenten von Vinyl-Platten gerne mit beigelegten Codes.

Ich weiß, dass es bereits Überlegungen und wohl auch erste Versuche in dieser Richtung gegeben hat, aber das Vorgehen konnte sich am Markt wohl nicht durchsetzen. Und schon gar nicht unter Berücksichtigung des .mobi-Formats von Amazons Kindle-Geräten.

Für mich allerdings wäre es ein Traum: Die schöne Ausgabe für das Regal und die Mußestunden und die digitale Fassung für unterwegs. So käme ich auch wesentlich schneller voran und müsste nicht immer wieder lästige Unterbrechungen in kauf nehmen.

Wie sieht es bei euch damit aus? Seid ihr analog oder digital oder hybrid? Und wärt ihr gerne etwas anderes, wenn ihr die Möglichkeit dazu hättet, bzw. die Umstände euch nicht zwingen würden, so zu sein?