Der Sonntagsreport vom 22.04.2018 – Viel passiert gerade nicht

Guten Abend zusammen!

Ich denke, dass ihr mir in Bezug auf die Überschrift über den heutigen Beitrag alle zustimmen werdet. Viel passiert auf diesem Blog im Moment wirklich nicht. Das hat bestimmte Gründe, die sich wiederum in meiner Motivation niederschlagen. Aber das soll euch nicht behelligen. Mich behelligt es auch nur mal so und mal so und insofern ist es schon okay.

Ich muss meine Energie gerade ein wenig einteilen, glaube ich. Wo es in der Vergangenheit häufig genug gereicht hat, einen Blogeintrag und gleichzeitig noch an meinem Romanmanuskript zu schreiben, ist es im Moment wieder einmal eine entweder/oder-Geschichte. Und da gewinnt zumeist das Manuskript.

Was jetzt nicht bedeutet, dass ich da die ganz großen Sprünge machen würde. Aber seit ich mich mit meinem Plot auseinandergesetzt und diesen inzwischen richtig lieb gewonnen habe, läuft es doch ganz gut. Hier mal tausend Wörter, dort man zweitausend, dann auch mal wieder „nur“ 600. Hauptsache, es läuft, denke ich mal.

Und ansonsten gibt es halt nicht so viel zu erzählen. „Der Beobachter und der Turm“ liegt bei einer weiteren Literaturagentur auf dem Bewerbungsstapel. Glaubt es, oder glaubt es nicht, ich habe es immer noch nicht geschafft, mir das Video zur Lesung bei 9lesen anzuschauen. Das war in den letzten zwei Wochen irgendwie so gar nicht drin. Aber irgendwann vor der nächsten Lesung, die es sicher irgendwann geben wird (vielleicht schaffe ich ja schon Frankfurt?) schaue ich sie mir an. Alleine schon, um daraus zu lernen.

Viel mehr kann ich euch zum Thema Schreiben auch nicht berichten.

Ansonsten versuche ich, halbwegs gut durch die Tage zu kommen. Das Wetter mit seinen Kapriolen macht es mir da nicht immer ganz leicht. An einigen Tagen der letzten Zeit habe ich einfach nur in den Seilen gehangen und bin dann auch mal früh ins Bett gegangen. Gut für den Kopf, schlecht für die Hobbies. Aber jetzt soll die Hitzewelle ja auch erst einmal wieder vorbei sein.

Heute habe ich übrigens zum zweiten Mal den Film „Es“, also die Neuverfilmung, gesehen. Gefällt mir wirklich gut, auch wenn er mit den Motiven des Buchs eher frei umgeht. Die Kunst liegt aber darin, dass es nicht störend oder gar negativ auffällt. Erst wenn man gezielt drauf achtet oder die Handlungen im Vergleich Revue passieren lässt, wird es sehr deutlich. Das tut man, oder tue ich, aber erst nach dem Film. Während er läuft ist die Handlung so rasant und sind die Schocks so gut gesetzt, dass man einfach mitgerissen wird.

Der Film hat seine Schwachpunkte. So kommen einige der sieben „Verlierer“ viel zu wenig zur Geltung. Der „Endkampf“ ist schlicht und ergreifend eine Enttäuschung. Aber die Stärken überwiegen. Und auch bei der Zweitsichtung bin ich der Ansicht, dass wir von der Darstellerin der Beverly Marsh, Sophia Lillis, noch hören werden – oder wenigstens sollten. Ich bin auf den zweiten Teil gespannt, aber der lässt ja noch ein wenig auf sich warten.

Dann habe ich in den letzten Tagen und Wochen einen Ohrwurm, den ich noch gerne mit euch teilen möchte. Es handelt sich um das Lied „World of Promises“ der österreichischen Band mind.in.a.box.

Diese erzählen nun schon über mehrere Alben hinweg eine fortlaufende Geschichte, die unter anderem an Versatzstücke von „1984“ oder auch „Matrix“ erinnert. Konzeptalbum reiht sich also an Konzeptalbum. Der Vocoder-Gesang ist sicherlich nicht jedermanns Sache, aber ich finde, dass gerade durch diesen Technikeinsatz eine enorme Atmosphäre und auch Gefühle transportiert werden, was bei einem klaren Gesang so nicht der Fall wäre:

Und last, but not least, möchte ich euch an dieser Stelle darauf hinweisen, dass auch ich mich mit dem momentanen Schreckgespenst der Netzgemeinde, der Datenschutzgrundverordnung, auseinandersetzen musste und zumindest meine Datenschutzerklärung entsprechend angepasst habe. Ihr findet sie über das Menü oben oder hier.

Gut, ihr Lieben, damit entlasse ich euch in den Sonntagabend. Ich wünsche euch einen guten Start in die kommende Woche. Passt auf euch auf und achtet darauf, dass die schönen Dinge in eurem Leben überwiegen.

Euer Michael

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Schneller Autoren-Lesetipp am Montagabend

Guten Abend, meine lieben Mitautorinnen und -autoren. Und natürlich auch solche, die es noch werden möchten 🙂 .

Heute möchte ich euch einen schnellen Lesetipp ans Herz legen. Schnell deswegen, weil es schon ziemlich spät ist und ich jetzt so langsam, aber ganz sicher, in den Feierabendmodus schalten möchte. Und Lesetipp – das erkläre ich euch jetzt.

Viele von euch kennen sicherlich die Zeitschrift „Federwelt“. Ein sehr informatives, spannendes und aus meiner Sicht fast unverzichtbares Blatt, das sich um so ziemlich alle Bereiche des Autorenlebens kümmert. Eine wiederkehrende Rubrik ist die sogenannte „Textküche“. Hier werden anhand von Beispieltexten typische Fallstricke eines Textes im Rahmen eines exemplarischen Lektorats beleuchtet. Schon unter normalen Umständen eine Rubrik, aus der man viel für die eigenen Texte mitnehmen kann.

In der aktuellen Ausgabe für April/Mai 2018 hat man aber den Vogel, man verzeihe mir die etwas saloppe Ausdrucksweise, abgeschossen. Diese Folge der Textküche, die mit Hilfe der Lektorinnen von der Textwache entstanden ist, vereint nicht weniger als 13 typische Stilprobleme, von denen zumindest ich bei dem einen oder anderen schuldbewusst gezuckt habe. Darunter sind Klassiker wie Adverbien und Adjektive ebenso wie Füllwörter, zu denen auch direkt eine Beispielliste geliefert wird.

Sicher, man könnte sagen, dass das Rad hier nicht neu erfunden wird, aber ich habe selten in derart kompakter Form Hilfestellungen gesehen, die man fast schon wie eine To-Do-Liste für den eigenen Text abarbeiten kann. Zu jedem Punkt gibt es außerdem Beispiele, wie man es nicht und wie man es stattdessen besser machen kann und sollte.

An den Artikel schließt sich ein Praxisteil an, in dem man anhand von 27 sogenannten Stilunfällen direkt testen kann, inwiefern die vorher vermittelten Kenntnisse haften geblieben sind.

Mir hat diese Folge der Textküche jedenfalls sehr gut gefallen und deswegen dachte ich mir: Weis doch einfach mal drauf hin. Vielleicht hat der eine oder die andere ja auch Spaß an so etwas. Verkehrt ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Stil sowieso nie.

So – jetzt ist der Text doch wieder länger geworden, als er sollte. Sei es drum. Ich wünsche euch jetzt noch einen schönen Abend, ganz egal, ob mit Stil oder nicht 😉 .

Das Schreiben der Anderen: „Die Boten des Schicksals: Die Legende“ von Andrea Schrader

Ich gebe zu: Wenn ich nicht „zufällig“ zusammen mit Andrea Schrader auf der 9lesen-Bühne gestanden und bei dieser Gelegenheit die Möglichkeit gehabt hätte, mich von den Qualitäten ihres Romans „Die Boten des Schicksals: Die Legende“ zu überzeugen, dann hätte ich vielleicht nie zu diesem Buch gegriffen. So aber konnte ich gar nicht anders, als mir nach dem Appetizer auch den Rest der Geschichte vorzunehmen


Eigentlich soll das Kind, das in einer Winternacht in Schweden geboren wird, den Namen seines Großvaters tragen. Doch eine seltsame Anomalie, ein in voller grüner Pracht stehender Baum, signalisiert seinen Eltern, dass es eine besondere Bewandtnis mit ihrem Sohn hat. Und so erhält er den überlieferten Namen Enki.

Von der Stunde seiner Geburt an ist Enkis Schicksal vorbestimmt. Sobald er alt genug dafür ist, verbringt er seine Sommerferien an einem geheimen Ort in Tibet in der Obhut von Mönchen, die ihn, sowie drei andere Kinder, in allen möglichen und auch unmöglichen Künsten unterrichten. Denn Enki ist ebenso wie Enlil aus den Vereinigten Staaten, Izila aus Deutschland und Abale aus Island ein Bote des Schicksals.

Es gibt vier Boten, wenn die Zeit gekommen ist, dass sie gebraucht werden. Sie stehen den vier Reitern der Apokalypse gegenüber, deren Erweckung dazu führen würde, dass das Buch mit den Sieben Siegeln, von denen schon in der Offenbarung der Bibel die Rede ist, gefunden und geöffnet wird. Die Folge wäre die Entfesselung der Apokalypse und das Ende der Welt.

Doch nicht die Reiter sind das vordringliche Problem der Boten, sondern die Engel und Dämonen, die in der Welt existieren und alles daran setzen, die Reiter zu finden und zu erwecken. Dabei ist es nicht etwa so, dass die alten Vorstellungen von „gut“ oder „böse“ eine Gültigkeit besäßen. Denn sowohl die Engel als auch die Dämonen wollen ihre eigene Form der Apokalypse auslösen. Egal, wer von beiden das Ziel erreicht, das Ergebnis für die Menschheit ist dasselbe.

Um ihre Ziele aus dem Verborgenen heraus zu erreichen, greifen die Dämonen und Engel in das Schicksal der Menschen ein und machen sie so zu ihren Handlangern. Den Boten des Schicksals ist die Macht gegeben, die Kraft der vier Elemente, für die sie stehen, zu benutzen und damit die Schicksalsbäume der Menschen zu bereinigen – oder um im gemeinsamen Kampf ihre Widersacher zu töten.

Doch nebenbei handelt es sich trotz allem bei ihnen um ganz normale Menschen, mit ganz normalen Bedürfnissen nach Liebe und Freundschaft. Beides wird auf eine harte Probe gestellt, als die Zeichen sich verdichten, dass bald einer der vier Reiter erweckt werden könnte …

Es ist schwer, nicht viel zu viel von der Handlung dieses Romans zu verraten, denn am liebsten möchte man die vielen kleinen Details aufzählen und sich daran erfreuen. Die Mythologie, die Andrea Schrader in diesem ersten Teil ihrer Erzählung aufbaut, verquickt verschiedene Elemente miteinander, die so perfekt ineinander greifen, dass es einfach Spaß macht, sich mit ihnen zu befassen.

Die Art, in der hier Engel, Dämonen, die Reiter der Apokalypse und die Schicksalsboten in die Handlung, die trotz aller fantastischen Einschläge klar erkennbar in unserer realen Welt spielt, eingewoben werden, ist hervorragend gelungen. Es wird darauf verzichtet, jeden Moment der Geschichte mit Symbolik oder Mystik zu überladen, was sicherlich möglich gewesen wäre – und worauf man nach dem Beginn im Tempel auch irrtümlich schließen könnte.

Selbst Fähigkeiten wie das Fliegen, die Teleportation oder die dem jeweiligen Element (Feuer, Wasser, Erde, Luft) zugeordneten Attribute verkommen auf diese Weise nicht zu Superkräften, sondern zu Gaben, die weise eingesetzt werden wollen und müssen.

Denn trotz ihrer Macht arbeiten die Boten in einer Art Undercover-Einsatz. Das ist spannend herausgearbeitet und funktioniert auf ganzer Linie. So vermischen sich neben den Fantasy-Einflüssen hier noch weitere Genreversatzstücke miteinander. Das sorgt dafür, dass auch Leser wie ich, die nicht wirklich viel Fantasy lesen, gerne bei der Stange bleiben und erfahren wollen, wie es weiter geht.

An der einen oder anderen Stelle muss man allerdings ein wenig die Augen zudrücken und einfach hinnehmen, dass das, was gerade geschieht, kein größeres Aufsehen erregt. Das fängt schon bei den Namen der vier Boten an, die eine Bedeutung besitzen, aber eigentlich für die Ohren ihrer Mitbürger sehr exotisch klingen sollten. Aber auch die Bereinigung der Schicksalsbäume beeinflusster Menschen müsste an mancher Stelle eigentlich größere Beachtung auslösen. Hierüber kann man aber, nicht zuletzt auch wegen des tollen und lockeren Stils der Autorin, sehr gut hinweg lesen. Spannend ist es allemal.

Aber wo ich von Dingen spreche, die mir nicht ganz so gut gefallen haben, muss ich auch auf den Fakt kommen, welcher diesen Roman seinen eigentlich verdienten fünften Stern gekostet hat. In Hinsicht auf einen bestimmten Umstand, den ich hier nicht spoilern möchte, verhalten sich die Boten über einen längeren Zeitraum hinweg erschreckend naiv. Das passt meines Erachtens nicht zu ihrem sonstigen Handeln und wirkt ein wenig konstruiert. Auch wenn sich die Sache am Ende gut auflöst und in ein spannendes Finale mündet, hatte ich hier einen leicht bitteren Beigeschmack beim Lesen.

Das soll aber keineswegs die Gesamtleistung dieses Auftaktromans schmälern. Der Leser bekommt tolle Charaktere, eine spannende und interessante Mythologie und einen Ausblick darauf, dass wir von den Fortsetzungen der Geschichte noch einiges erwarten können. Andrea Schrader ist mit „Die Boten des Schicksals: Die Legende“ ein Roman gelungen, der schon während des Lesens Vorfreude auf den nächsten Teil macht.

Wenn ich davon ausgehe, dass die Boten aus ihrer angesprochenen Naivität lernen und in den kommenden Teilen der Serie entsprechend agieren, dann stehen uns noch tolle Romane ins Haus. Ich freue mich darauf!


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

Alle Besprechungen erscheinen, ggf. in leicht abgeänderter Form, auch bei Amazon. Die Bewertung orientiert sich am dortigen Wertungssystem.

Wenn man nicht mehr weiß, wie der eigene Roman enden soll

Wenn man nicht mehr weiß, wie der eigene Roman enden soll – dann hat man ein ziemliches Problem. Denn selbst dann, wenn man, so wie ich, ein beinharter Discovery Writer ist, der eigentlich am liebsten vollkommen frei an die Arbeit geht und dann mal schaut, wohin sie einen so führt, sollte man doch zumindest eine vage Idee davon haben, wo denn der Endpunkt sein soll.

Eine Geschichte braucht einen fixen Anfang und sie braucht ein fixes Ende. Sie kann nicht einfach so ausfasern. Denn wenn sie das täte, dann würde sie nichts als enttäuschte Gesichter zurücklassen. Sowohl auf Autorenseite als vor allem auch auf Leserseite.

Tja. Dumm nur, dass ich mich genau in dieser Falle plötzlich gefangen sah.

Ihr erinnert euch vielleicht noch an mein Projekt „Das Kind“, das eigentlich mal eine Kurzgeschichte werden sollte und sich dann so langsam, aber sicher, auf den Weg zum Roman machte. Eine Entwicklung, die ich auf der einen Seite begrüßte, die mich auf der anderen Seite aber vor die Probleme stellte, von denen ich hier sprechen möchte.

Als die Geschichte, mit deren Titel ich im Übrigen zunehmend unzufriedener werde, ihren Anfang in meinen Gedanken nahm, bestand sie aus exakt fünf Szenen. Fünf Szenen, die vollständig ausdefiniert waren, die auch einen plausiblen Handlungsbogen ergaben. Und fünf Szenen, die sich irgendwann nicht mehr richtig, nicht mehr ausreichend, nicht mehr angemessen anfühlten.

Ich tappte in die Falle, die manch Plotter jedem Discovery Writer weissagt: Ich verlief mich in meiner eigenen Geschichte und sah nicht mehr den Weg, der mich aus dem gefühlten Labyrinth herausbringen konnte.

Die Kurzgeschichte sollte ein Ende haben, wie es für eine Kurzgeschichte üblich ist und auch funktioniert. Hart, dreckig, ein Downer. Plausibel beschrieben und durchgetaktet. Schließlich hatten wir ja auch noch keine besondere Gelegenheit, uns an die handelnden Personen zu gewöhnen. Da kann man das schon mal so machen.

Aber so langsam habe ich mich an meine Personen gewöhnt! Und das brachte mit sich, dass ich mir auf einmal nicht mehr so sicher war, ob das Ende in dieser Form denn jetzt funktionieren kann (würde es) und ob ich es überhaupt noch so will (wusste ich nicht).

Und das hat mich blockiert. Nachdem ich zwischendurch einen Zwischensprint eingelegt hatte, kam die Arbeit an dem Roman für einen kompletten Monat zum Erliegen. Ich wusste zwar noch, wie die Szene, an der ich gerade arbeitete, weitergehen sollte, aber wohin das alles führen sollte, lag komplett im Nebel.

Die Sorte Nebel, durch die man nur hindurchsteuern kann, wenn man ein starkes Leuchtfeuer und das eine oder andere Nebelhorn in seiner Nähe hat.

Aber weder das eine, noch das andere, wollte sich einstellen. Ich war kurz davor, die Sache einfach dran zu geben und mich mit irgendwas anderem zu beschäftigen. Aber der Gedanke wurmte mich wahnsinnig. Ich sitze inzwischen auf nicht weniger als vier unvollendeten Manuskripten. Und das Letzte, was ich gebrauchen konnte, war, mich auf ein weiteres Projekt zu stürzen, das dann diesen Stapel noch erhöhen würde.

Denn das ist die Falle, in die man nur zu leicht gerät, wenn man sich erst einmal für diesen, nur vermeintlich, einfachen Weg entschieden hat. Man fängt Dinge an, schreibt an ihnen, bis es zum ersten Mal Probleme gibt, kaut ein wenig darauf herum und legt sie dann zur Seite, weil ein neues Projekt „einfacher“ zu sein verspricht.

Auf diese Weise habe ich mit Sicherheit schon an die zehn Romananfänge kaputt gemacht. Der Unterschied ist nur: Inzwischen bin ich viele Jahre älter und eigentlich weiß ich um die Prozesse, die da ablaufen und dass man ihnen nicht nachgeben soll und darf. Deswegen kam diese „Lösung“ auch nicht infrage.

Aber was dann?

In meiner Not habe ich etwas getan, was ich bis jetzt nur sehr, sehr selten getan habe: Ich habe mich hingesetzt und habe mir überlegt, was für Szenen ich bis jetzt gedanklich vorgesehen hatte und wo sie mich und meine Handlung hinbringen würden.

Und dann geschah das Unglaubliche. Ich schrieb eine Szene in Stichworten auf – und sofort reihte meine Vorstellungskraft eine nächste dahinter. Dann fiel mir wieder etwas ein, was ich über einen meiner Protagonisten wusste und hatte eine weitere Szene. Damit ich aber dorthin kommen konnte, musste dieses und jenes passieren. Und das wiederum führte zu etwas ganz, ganz anderem, an das ich bis jetzt noch gar nicht gedacht hatte.

Jetzt werden die Plotter befriedigt die Arme verschränken und sagen: „Siehst du, haben wir dir doch gleich gesagt, dass es mit Plotten viel einfacher geht.“

Nun, wer bin ich, um euch zu widersprechen? Aber das, was ich gemacht habe, kann man nur schwerlich plotten nennen. Denn damit würde ich diesem Konzept Unrecht tun. Was ich getan habe, ist eine Szenenfolge aufzustellen. Und diese Folge von Szenen führt mich am Ende – zu einem Ende.

Und jetzt weiß ich wieder, wie mein Roman enden soll. Und ich weiß, was auf dem Weg dorthin passieren soll. Ich habe ein Gerüst, mit dem ich arbeiten kann, das mir aber gleichzeitig noch genügend Freiheiten lässt, um mich auszutoben.

Jetzt muss ich das Ding nur noch schreiben. Und wisst ihr was? Ich habe richtig Lust darauf! Und einen Titel, der mir besser gefällt – und der besser passt – als „Das Kind“, den finde ich auch noch. Ihr werdet es mitbekommen.

Der Bart ist ab

Lange habe ich mit mir gerungen, ob ich das Thema überhaupt hier ansprechen soll. Aber da ich ja diesen Blog nicht zuletzt führe, um mein Leben als Autor mit allem, was direkt und indirekt dazu gehört, zu dokumentieren, komme ich wohl nicht drumherum. Aber ich warne euch direkt vor, dass ich vage bleiben werde. Einfach aus dem Grund, dass die Details in gewisser Weise intern sind und es auch bleiben sollen.

Und trotzdem macht es was mit mir, dass ich gerade meine Kündigung bei den BartBroAuthors eingereicht habe.

Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich an dieser Stelle hin und wieder von meiner Mitgliedschaft in diesem Autorenverein berichtet habe. Ich habe euch erzählt, dass ich im Vereinsnamen getwittert habe. Oder ich habe euch von der Vereinslesung erzählt, aus der dann, durch gewisse Umstände, die nun auch, mit einiger Verzögerung, zu meiner Kündigung geführt haben, 9lesen wurde.

Aufmerksam wurde ich auf die BartBros im Herbst 2016. Mitglied wurde ich dann, glaube ich, im Oktober – kurz, nachdem aus dem lockeren Künstlerverbund ein richtiger Verein geworden war.

Die folgenden Monate waren sehr interessant, teils intensiv, aber vor allem nicht langweilig. Dabei knirschte es hin und wieder zwar im Gebälk, aber es gab auch viele sehr schöne Erlebnisse. Viele Autorinnen und Autoren, die ich heute kenne, hätte ich ohne die Bärte vielleicht nicht oder jedenfalls nicht so gut kennengelernt.

Dann kam es jedoch – und das ist inzwischen auch schon weit über ein Vierteljahr her – zu Ereignissen, die den Verein in seinen Grundfesten erschüttert haben. Und im Endeffekt hat er sich davon nie wieder richtig erholt. Wer sich damit beschäftigt hat, wird zum Beispiel bemerkt haben, dass es auf den Social-Media-Kanälen nicht nur still geworden ist, sondern dass sie inzwischen unter einer dicken Staubschicht liegen.

Lange habe ich zu denen gehört, die versucht haben, konstruktiv einzuwirken, wo sie es konnten. Deswegen habe ich auch, selbst als sich nur wenig bewegte, die Stellung zu halten versucht. Aber das hat mir nicht gut getan und gipfelte zu Anfang des Jahres in einem depressiven Schub, den ich in dieser Weise sicherlich nicht gebraucht hätte.

Wie gesagt, ich gehe nicht in die Details. Ich mache niemanden verantwortlich. Weder hier, noch intern. Manche Dinge passieren einfach. Und irgendwann muss man dann einsehen, dass es keinen Zweck mehr hat, darauf zu warten, dass sich noch etwas bewegt.

Mich macht das traurig. Die Bärte haben mir ein Gefühl von Zusammengehörigkeit gegeben, das mir in einigen schwierigen Situationen Mut und Kraft zum Weitermachen gegeben hat. Die Gruppe, selbst wenn sie für meine Person in der Hauptsache im Internet bestand, füllte Leerräume aus, von denen ich vorher gar nicht wusste, dass es sie gegeben hat. Oder von deren Existenz ich nur eine verschwommene Ahnung hatte, die ja schließlich auch dazu führte, dass ich Mitglied geworden bin.

Nun ist es Zeit zu gehen – und gleichzeitig auch die Zeit, nach vorne zu schauen. Zu schauen, wie es jetzt mit mir in dieser Hinsicht weitergehen soll.

Denn eines ist klar: Nachdem ich einmal das Gefühl von Gemeinschaft erlebt habe, kann, will und werde ich nicht einfach wieder in meine einsame Künstlerkemenate zurückkehren. Das täte mir nicht gut und es wäre der falsche Weg. Das haben mir nicht zuletzt die Erfahrungen der Leipziger Buchmesse deutlich gemacht.

Der Bart mag vielleicht ab sein, aber das bedeutet nicht zwingend das Ende. Streng genommen bedeutet es nicht mehr als das Ende eines Abschnitts. Und, wer weiß, vielleicht wachsen ja selbst auf dieser frischrasierten Stelle irgendwann ein paar zaghafte Stoppeln wieder nach. Wer kann es wissen?

Also nehme ich mir die Zeit, ein klein wenig traurig zu sein, weil heute offiziell etwas für mich zu Ende gegangen ist. Und dann mache ich mich auf die Suche nach einem Anfang. Ohne Druck. Überlegt. Zuversichtlich.

Wir geben ab zur Werbung (15) Stock Photos von depositphotos

Heute habe ich einen schnellen Tipp für die Website- und Blogbetreiber unter uns. Ich nehme an, dass es den meisten von euch so geht wie mir und ihr euch immer fragt, wie ihr denn einen neuen Beitrag möglichst gut bebildern könnt. Nicht jeder hat immer und überall das passende selbst geschossene Foto zur Hand oder ist ein Crack, wenn es darum geht, sich eine Zeichnung in Paint (oder so 😉 ) zusammen zu bauen.

Die Lösung hierfür sind Fotodatenbanken mit Stock Photos, also Fotos und Grafiken, die andere und berufene Menschen irgendwann mal gemacht haben und die diese nun umsonst oder für einen kleinen Obolus zur weiteren Verwendung bereit stellen.

Ich benutze für meine Beiträge meistens freie Datenbanken wie Pixabay oder Pexels. Aber ich weiß, dass man da hin und wieder schnell an die Grenzen des Verfügbaren stößt. Böse Zungen behaupten, dass man bestimmte Bilder auf jeder dritten Website findet.

Deswegen – und wenn ich irgendwann mal meine Autorenwebsite starte – habe ich mir beizeiten ein preisgünstiges Kontingent für die Seite depositphotos zugelegt. Wirklich benutzt habe ich es noch nicht, aber von dort stammt zum Beispiel der Hintergrund, den wir für die Autorenfotos von #9lesen benutzt haben:

Ich dachte, ich mache euch darauf aufmerksam, dass im Moment wieder vergünstigte Kontingente über die Seite AppSumo.com verfügbar sind. Dort zahlt ihr im Moment für 100 Bilder nur 49 Dollar. Die angegebene Preisersparnis ist allerdings ein ziemlicher Scherz, denn im Normalfall bekommt man 100 Bilder für 100 Dollar alle naselang nachgeworfen. Aber dennoch spart ihr hier ca. 50 Prozent der Kosten und das Kontingent bleibt euch erhalten, selbst wenn ihr, so wie ich, jahrelang nicht mit eurem Projekt vorwärts kommen solltet …

Vielleicht kann ja der eine oder die andere von euch etwas damit anfangen 🙂 .

Offline sein hat auch seine Vorteile

Wie ihr wisst, habe ich ja in dieser Woche Urlaub. Eine Menge Zeit, um Dinge zu machen, zu denen man sonst nicht kommt um Zeit zu verplempern. Insbesondere in Bezug auf das Schreiben habe ich in dieser Woche mal wieder so gut wie nichts auf die Reihe bekommen. Wenn ich dafür einen Grund benennen müsste, dann wäre es vielleicht der fehlende Fokus, den ich zurzeit auf ein Projekt lenken kann. Soll ich mich erst weiter an meinem aktuellen Roman versuchen? Die Agenturbewerbungen für „Der Beobachter und der Turm“ vorantreiben? Und wie steht das überhaupt mit dem Lektorat von „Der Morgen danach“?

Hierfür hatte ich mir ja einige Notizen gemacht, die ich gestern alle mit meinem Lektor, soweit es uns möglich war, durchgegangen bin, so dass feststand, dass ich ab sofort keine Ausrede mehr hatte loslegen konnte.

Mit ein wenig gemischten Gefühlen habe ich mich also heute Mittag an meinen Rechner gesetzt, eine neue Fassung des Dokuments erstellt und angefangen, die gewünschten Änderungen zu sichten. Ich weiß nicht, wie es euch geht, falls ihr schon einmal in ähnlicher Lage wart, aber mir kommt es beim ersten Durchblättern immer so vor, als ob ich Stunden über Stunden mit Umschreiben, Abändern und neu verfassen verbringen müsste.

Und das ist nicht gerade eben motivierend.

Trotzdem habe ich mich also an die Arbeit gemacht, weil ich mir hinterher nicht selber nachsagen wollte, ich hätte in meinem Urlaub überhaupt nichts sinnvolles angestellt.

Der Anfang gestaltete sich ein wenig zäh, weil gerade auf den ersten paar Seiten viel Arbeit auf mich wartete. Wir setzen alles mit vereinten Kräften daran, diesen Einstieg so packend (und plausibel) für den Leser hinzukriegen, wie es nur irgendwie geht. Entsprechend umfangreich sind die Eingriffe, die ich vorzunehmen hatte und auch der Zeitaufwand war erheblich.

Irgendwann, so ungefähr um 14 Uhr, hatte ich dann die ersten 10, 12 Seiten soweit im Kasten. Und eigentlich hatte ich an der Stelle vor, es für den Moment heute gut sein zu lassen. Ganz nach dem Motto: Da ist Zeit, die sinnlos verplempert werden will!

Dann allerdings fiel mein Blick auf ein blinkendes Licht im Regal zu meiner Linken. Und wenn es da blinkt, dann meint das für unsere Internetverbindung nichts Gutes, denn dann meldet der Router eine Störung. Und so war es dann auch. Ein Anruf bei der Telekom brachte heraus, dass es eine großangelegte Störung im Duisburger Raum gab, von der auch wir betroffen waren.

Nun, es hätte ja auch noch genügend andere Möglichkeiten gegeben, Zeit totzuschlagen. Aber ich hatte mich gedanklich eben aufs Internet versteift. Zielloses Surfen und abarbeiten von Feeds und Mails voraus! Ging jetzt nicht.

Also bin ich an meinem Text dran geblieben. Und als circa drei Stunden später das Internet wieder funktionierte, hatte ich, alles in allem, dreißig Seiten des lektorierten Texts abgearbeitet. Damit fehlen mir nur noch sechzehn weitere Seiten, bis ich die ersten fünf Kapitel wieder an den Verlag zurückschicken kann. Sechzehn Seiten in drei Tagen – klingt doch soweit erst einmal machbar, findet ihr nicht auch?

Ich kann also nur bestätigen und unterschreiben, was sowieso schon als Binsenweisheit die Runde macht: Wenn man zwischendurch mal die Verbindung zum Internet kappt, dann kann man gleich viel produktiver arbeiten. Gut, mit Ausnahme des einen Moments, wo ich dringend etwas nachschlagen wollte und mich erst nach etwa einer Minute daran erinnerte, dass ja immer noch das Lämpchen blinkte 😉 .

Jetzt schwanke ich, ob ich morgen einfach mal bewusst den Stecker ziehen sollte. Aber dann bekomme ich wahrscheinlich Ärger mit meiner Frau, die auf ihre ganz eigene Weise Zeit verplempern im Internet verbringen wollte.

Das Autorenleben ist schon eines der Härtesten, findet ihr nicht?