Schwerer als gedacht, dieses Autorenleben

Eigentlich sollte das alles ein grenzenloser Spaß und Quell der Freude sein. Findet ihr nicht auch? Alles das, was man freiwillig in seiner Freizeit macht, was man sich selber als Beschäftigung ausgesucht hat, das sollte doch etwas sein, das einem leicht fällt und an dem man, wenn auch nicht alle, doch die meisten Aspekte wertzuschätzen weiß.

Das gilt, vielleicht noch stärker als für andere Hobbies, für alle künstlerischen Dinge. Gefühle wie Langeweile, wie das Zaudern, wie das Zweifeln oder wie das der Überforderung sind Gift für die Muse, ohne die es nun einmal nicht geht. Sie verzieht sich dann fluchtartig auf ein sicheres Terrain, sinkt in sich zusammen und wartet darauf, dass der Sturm oder die Nebelbank sich wieder verzieht und der Autor wieder klare Sicht hat.

Vor fast drei Wochen habe ich meine sogenannte Schreib- und Blogpause beendet. Und ich muss selbstkritisch feststellen, dass es nicht an jedem Tag Spaß macht. Freude auch nicht. An manchen Tagen ist es einfach nur schwer und aufreibend und ermüdend. Gefühle und Empfindungen, die ich auch vor der Pause schon gehabt habe.

Soll das nun bedeuten, dass die Pause zu kurz gewesen ist? War sie zu lang? Ist der Muskel, der all dies am Laufen hält, vielleicht zu sehr eingerostet gewesen, als dass ich ihn mit einem Kaltstart wieder richtig reaktivieren konnte?

Tatsache ist, dass manche Dinge einfach nicht so funktionieren, wie ich sie gerne hätte. Mein Schreibpensum ist pro Woche nicht einmal halb so hoch, wie ich es einmal anvisiert hatte. Aber das betrifft nicht nur meinen Roman oder diesen Blog. Es betrifft all die anderen Aktivitäten, die daneben stattfinden, und die etwas mit Schriftsprache zu tun haben. Fragt doch mal die Menschen, die mir Nachrichten geschickt haben und dann eine Woche (oder länger) darauf warten, dass ich ihnen antworte.

Nun ist es nicht so, dass ich mich durch äußere Umstände nicht in der Lage sähe, zu schreiben. Ich hätte die Zeit, ich hätte die Gelegenheit und ich hätte auch den Freiraum. Was ich nicht habe, ist an vielen Tagen die verdammte Motivation. Die Kraft dazu.

Ich weiß nicht, ob das immer noch diese verdammte Schreib-Depression ist, die mich zwischendurch im Griff hatte. Aber es fühlt sich an manchen Tagen genau so an. Ein Kennzeichen für eine depressive Episode ist ja, dass man mit einem Mal keinen Elan und keine Freude mehr für Dinge empfindet, die einem vorher Spaß gemacht haben.

Wenn ich dieses Kennzeichen als Maßstab anlege, dann kann ich nicht anders, als besorgt zu sein. Meine Reaktion Ende Mai war, einfach alle Bemühungen einzustellen und die Zeit für mich arbeiten und wirken zu lassen. Wie gesagt, vielleicht war es zu wenig Zeit. Aber in dem Zwiespalt zwischen Abwarten und Kämpfen habe ich mich für den Kampf entschieden. Und ich habe nicht vor, diesen nach nicht einmal drei Wochen aufzugeben.

Nur sollte ich ehrlich zu mir sein und nicht versuchen, es einfach zu ignorieren. Die Schwierigkeiten sind da. Das Gefühl, nur Minderwertiges zu sagen zu haben, ist da. Der Zweifel an mir, meiner Rolle in diesem Autorenleben und dem, was damit zu tun hat, die sind da.

Vielleicht könnte man sagen, dass ich auf der Suche nach meinem Platz bin. Auf der Suche nach meiner Identität. Und danach, den Graben zu schließen, der zwischen dem Autorendings und dem „richtigen“ Leben besteht.

Damit meine Muse mir irgendwann beruhigt die Hand auf die Schulter legen, mir aufmunternd zunicken und mich wieder in die richtige Richtung führen kann. Bis dahin geht die Suche weiter. Ich bin gespannt, was ich wo finden werde. Vielleicht sehen wir uns ja dort.

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Das Schreiben der Anderen: „Einbruch und andere Geschichten“ von Hannes Niederhausen

Ich gebe zu, dass es schon ein wenig her ist, dass ich diese Kurzgeschichtensammlung gelesen habe. Gekauft habe ich sie mir, kurz nachdem Hannes Niederhausen und ich zusammen bei der ersten Auflage von 9lesen auf der Bühne gesessen haben. Gelesen habe ich sie dann während meiner Blogpause, so dass ich nicht sofort meine Meinung dazu veröffentlichen konnte.

Aber das Gute an Kurzgeschichten ist ja, dass man sich recht schnell wieder eingelesen hat. Und so steht einer Besprechung nichts mehr im Wege.


Ich finde, dass die Bewertung von Kurzgeschichten immer eine gewisse Schwierigkeit in sich birgt. Wenn man nicht gerade mit einem Autor zu tun hat, der thematisch und ggf. noch stilistisch in einer ganz eindeutig zuzuordnenden Ecke oder einem Genre beheimatet ist, wird man als Leser mit einer Vielfalt konfrontiert, die zwar ausdrücklich zu begrüßen ist, aber bei einer Bewertung immer mit leichten Ungerechtigkeiten behaftet ist. Was ist, wenn ich eine utopische Geschichte mag, eine Satire dagegen nicht – kann ich das wirklich der Kurzgeschichtensammlung anlasten?

Hannes Niederhausen, der die hier versammelten Geschichten ursprünglich im Jahr 2015 geschrieben und auf seiner Website veröffentlicht hat, ist ein solcher Kandidat. Er offenbart mit den insgesamt 19 Texten eine thematische Bandbreite, die beeindruckt. Dass dabei nicht jeder Text für jeden Leser ein Treffer ist, bleibt nicht aus. So konnte ich persönlich mit den beiden Drabbles (das sind Texte, die aus exakt 100 Wörtern bestehen) nicht ganz so viel anfangen. Andere Geschichten beinhalten jedoch ein solches Potenzial, dass ich mir gewünscht hätte, noch ein wenig länger in der dort geschilderten „Welt“ verbleiben zu können.

Das betrifft vor allem die beiden Geschichten „Phone“ und „Die Fresser“, die beinahe wie Fragmente oder Vorstudien von längeren Texten daher kommen. In „Phone“ geht es dabei um einen Mann, der nicht bemerkt, wie ihm sein Telefon abhanden kommt, was in der Gesellschaft, in der er lebt, einem Kapitalverbrechen gleich kommt. „Die Fresser“ berichtet von Menschen, die sich nicht mit dem Verzehr von Tierfleisch begnügen möchten – und dem Umgang mit ihnen.

Generell spielt Niederhausen in einigen der Texten mit Elementen der Dystopie, reißt Gesellschaftsformen an, die mal nahe bei unseren liegen, mal aber auch, sprichwörtlich, Welten davon entfernt sind. In „Flucht“ teilt sich der Protagonist den Platz an Bord eines außerirdischen Raumschiffes mit Menschen, die er nur als Kevins und Mandys bezeichnet – wobei man sofort ein prägnantes Bild im Kopf hat.

Der Mut zur bildhaften Zuspitzung lässt sich auch in anderen Texten dieser Sammlung finden. Dabei sind viele von ihnen Kurzgeschichten im besten Sinne: Sie greifen eine Episode auf, laufen gerne auf eine Pointe hinaus und hinterlassen dadurch beim Leser das Gefühl, gut unterhalten worden zu sein.

Weitere Highlights in meinen Augen sind die Geschichte „Rapunzel, kurzhaarig“, in der die Motive verschiedener Märchen äußerst kurzweilig durcheinander gemischt werden, sowie „Der Zeitrecycler“, das sich sowohl mit seinem Inhalt als auch mit seinem Stil gut in einer Kurzgeschichtensammlung von Stephen King gemacht hätte, etwa aus dessen „Nachtschicht“-Phase.

Wie gesagt konnte mich nicht jede Geschichte abholen. Auf die Gesamtstrecke allerdings habe ich das Lesen dieser Sammlung sehr genossen, auch wenn ich hier nicht im einzelnen auf jede Story eingehen will.

Es bleibt die Frage der Bewertung, die aufgrund der geschilderten Umstände nur höchst subjektiv ausfallen kann. Ich habe mich dazu entschlossen, „Einbruch und andere Geschichten“ vier Sterne zu geben, weil weit über die Hälfte der Geschichten, wenn ich sie einzeln hätte bewerten sollen, im Bereich von vier bis fünf Sternen rangieren und Ausnahmen, wie eben die beiden Drabbles, insgesamt nicht so sehr ins Gewicht fallen, dass sie eine Abwertung rechtfertigen würden.

Mein Fazit lautet also: Für Leser, die sich gerne auf kleine Geschichten aus vielen Bereichen der literarischen Genres einlassen möchten und die dabei keine Berührungsängste haben, ist dies eine gelungene Zusammenstellung. Noch dazu zu einem mehr als günstigen Preis!


Unter dem Label „Das Schreiben der Anderen“ veröffentliche ich Rezensionen, die ich zu Romanen von Autoren geschrieben habe, mit denen ich in den Sozialen Netzwerken oder auf andere Weise verbunden bin. Es handelt sich hierbei ausdrücklich nicht um Gefälligkeitsbesprechungen. Dies wäre nicht in meinem Sinne und auch nicht im Sinne der Autoren, die ich bespreche.

Alle Besprechungen erscheinen, ggf. in leicht abgeänderter Form, auch bei Amazon. Die Bewertung orientiert sich am dortigen Wertungssystem.

Die dunkle Seite von Social Media

Wie ihr wisst, habe ich ein ziemlich ambivalentes Verhältnis zu den sozialen Netzwerken. Das mag auf die eine Art überraschend sein, wenn man bedenkt, dass ich mich mit meinem Blog recht aktiv im Bereich Social Media bewege. Aber wenn man sich das eine oder andere ansieht, das insbesondere bei Facebook üblich ist, dann wird es vielleicht verständlicher.

Wer von euch hat sich nicht schon einmal über die Menschen amüsiert oder aufgeregt, die Freundschaftsanfragen im Dutzend verschicken, weil ihr größtes Seelenheil darin zu liegen scheint, dass sie eine mindestens vierstellige Freundezahl haben? Eine nicht kleine Zahl belässt es nicht einmal dabei, sondern lässt einem, wenn man es nicht unterbindet, laufend Aufforderungen zu irgendwelchen Spielen zukommen oder dazu, sich das eine oder andere anzuschauen. Einigen reicht nicht einmal das, sondern sie bedrängen einen mit Chat-Anfragen, die erkennbar nirgendwo hin führen. Wie auch, wenn man außer der Plattform keine Gemeinsamkeiten miteinander teilt?
Das alles ist natürlich harmlos und lässt sich gut ignorieren. Man vergibt sich ja nichts deswegen und es führt auch zu keinen Konsequenzen. Es ist ja nicht so, als ob Leben davon abhingen, nicht wahr?

Das Buch, das ich gerade lese, hat mich dennoch ein wenig nachdenklich gemacht. Es handelt sich um den Thriller „Die Gästeliste“ der Autorin Sanne Averbeck. In diesem geht es um die Geschäftsfrau und hauptberufliche Influencerin Carola, die ein dichtes Netz aus sozialen Kontakten, mehr oder weniger angeblichen Freunden und ganz vielen Menschen, die sich durch die Bekanntschaft mit ihr Vorteile erhoffen, um sich gewoben hat. Dabei ist diesen Menschen überwiegend nicht klar, dass Carola am Ende nur ihren eigenen Vorteil im Blick hat und ebenso schnell bereit ist, einen Kontakt auszusortieren, wenn er ihr keinen Vorteil mehr bietet, wie sie sich bereit findet, neue Gesichter in ihren inneren Zirkel aufzunehmen, solange nur irgendwas dabei herauskommt.

Nun kommt es, wie es in einem Thriller kommen muss: Irgendwann beginnen sich in Carolas Umfeld die Todesfälle von mehr oder weniger guten Freunden und Geschäftspartnern zu häufen. Sogar ihre beste und wahrscheinlich einzige aufrichtige Freundin Bianca wird beinahe zum Opfer des Täters.

So ziemlich jeder Mensch würde sich in dieser Situation sicherlich Sorgen um die Leute in seinem Umfeld und sich ansonsten ins Höschen machen vor Sorge, dass er bald der nächste Todeskandidat auf der Liste des Killers sein könnte. Nicht so Carola. Carola sieht alle diese Taten als Zeichen, sie persönlich fertig und gesellschaftlich unmöglich zu machen. Auf die jeweilige Todesnachricht reagiert sie nur insofern entsetzt, wie es ihrem Standing als Social-Media-Persönlichkeit schaden könnte. Sanne Averbeck schildert Carola als absolut empathielos gegenüber dem Leid anderer.

Ich stelle mir die ganze Zeit – ich bin, wie gesagt, noch nicht mit dem Roman durch – die Frage, inwiefern ein solches Verhalten realistisch ist oder sein könnte. Und das führt mich zurück zu meiner persönlichen Beziehung zum Social Media.

Ich kenne eine ganze Reihe an ganz hervorragenden, netten und lieben Autorinnen und Autoren, Bloggerinnen und Blogger. Einige persönlich, andere bis jetzt leider nur virtuell. Die meisten von ihnen tun das, was sie tun, mit ehrlichem Enthusiasmus und einer Neugierde nicht nur auf die Welt, von der sie berichten, sondern auch auf die Menschen, die sich in ihr bewegen.

Es macht Spaß, sich mit ihnen auszutauschen und ich bedaure aufrichtig und mehrmals in der Woche, dass ich nur so ein begrenztes Zeitkontingent habe, um eben dies zu tun. Aber die Arbeit arbeitet sich nicht von alleine und Romane schreiben sich, zum Glück, auch noch nicht von selbst.

Allerdings habe ich auch Menschen kennengelernt, die ein klein wenig von Carola in sich haben. Nun, niemand von ihnen würde über Leichen gehen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Da wollen wir die Fiktion und die Realität doch schön auseinander halten.

Aber manchmal beschleicht einen schon das Gefühl, dass das, was gerade passiert, das Gespräch, das gerade läuft oder die Dinge, die man so mitbekommt, nur deswegen passieren, weil sich jemand davon ein gewisses Vorankommen verspricht.

Das dumme ist nur, dass man es im Internet den Menschen nicht von der Nasenspitze her ansehen kann. Man muss lernen, die Worte zu interpretieren und auf die kleinen Nachlässigkeiten zu achten, die sich hin und wieder einschleichen. Dabei sind im übrigen nicht automatisch die, die sich gerne selbst darstellen, die „Bösen“ und die, die immer zuerst danach fragen, wie es dir eigentlich gerade geht, die „Guten“.

Wie gesagt: Das Leben ist vielschichtiger als ein Roman.

Perfide ist, dass wir alle hin und wieder anfällig dafür sind, uns ein wenig weiter in die Gefilde der Selbstdarstellung zu begeben, als wir es eigentlich gerne von uns selbst hätten. Ich musste mich jedenfalls schon bei dem Gedanken ertappen, dass es vielleicht sinnvoll sein könnte, sich hier und dort genau dann und wann sehen zu lassen. Oder bei diesem und jenem vielleicht und sofort mitzumachen. Oder genau dieses und jenes genau jetzt in meinen Blog zu schreiben. Weil es mich weiterbringen könnte.

Machen wir uns nichts vor – jeder möchte gerne vorankommen. Hey, diesen Blog gibt es auch nicht nur, weil ich ein Schwätzer bin, der sich selber gerne reden hört. Na ja, nicht nur halt … 😉 .

Und machen wir uns weiter nichts vor, dass wahrscheinlich die meisten von euch gerne wüssten, ob ich Personen im Hinterkopf habe, die genau das tun, was ich hier beschreibe. Soll ich euch was sagen? Würde mir genauso gehen. Und es wäre ein weiterer Schritt dorthin, Social Media etwas von seiner Großartigkeit, die es unbestritten hat, zu nehmen und statt dessen lauernd mit dem Finger aufeinander zu zeigen. Wie sagt man doch so schön: Wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein.

Was ich mit diesem Beitrag eigentlich, angeregt durch diesen Thriller, sagen möchte ist, dass wir alle gut auf uns selbst und aufeinander aufpassen sollten, um ein gesundes Maß zwischen dem Wunsch nach eigenem Vorteil und einem wirklich zugewandten Umgang miteinander zu finden und dann auch zu pflegen.

Ich schreibe gerne hier im Blog und würde gerne mehr in den anderen Netzwerken schreiben. Aller Ambivalenz zum Trotz. Und auch wenn ich natürlich, so wie alle anderen, meine Aufrufzahlen und dergleichen mehr halbwegs im Blick habe, schaffe ich es doch meistenteils, eben nicht nur dem nächsten Reichweitenrekord hinterher zu jagen oder mir sonst wie bessere Ausgangslagen zu verschaffen.

Social Media, wie ich es begreife, sollte Spaß machen. Sollte dem Austausch dienen. Ist dafür da, sich nicht nur zu vernetzen, sondern sich auch zu unterstützen. Nicht mit Hintergedanken, sondern weil man wirklich bereit ist, an einem Strang zu ziehen.

Dafür möchte ich werben. Der Rest passiert dann irgendwann ganz von alleine.

Alles nur Geschwätz (WiP)

Die positive Nachricht von meinem Manuskript ist, dass ich heute die 70.000-Worte-Marke gerissen habe und jetzt bei, Moment, exakt 71.020 Wörtern stehe. Rein statistisch kann ich mir also auf die Schulter klopfen und mich entspannt zurücklehnen.

Die negative Nachricht ist, dass ich im Augenblick das Gefühl habe, mir diese Zahlen vor allem mit jeder Menge Geschwätz zu erschleichen.

Nein, meine Geschichte ist nun einmal keine Actiongranate. Es liefert sich nicht dauernd jemand mit jemand anderem ein explosives Duell. Und es kommt nicht alle paar Seiten zu einem neuen und aufregenden Twist, der dem Leser den Boden unter den Füßen weg zieht.

Es wird viel miteinander geredet. Das ist auf der einen Seite ein wenig heikel, weil so die Gefahr besteht, dass man sich immer und immer wieder wiederholt und um die gleichen Dinge kreist. Aber letztlich ist genau das, was passiert. Ich bin mir nur noch nicht sicher, wie viel davon ich im endgültigen Roman drinstehen haben will.

Meine Protagonisten stehen vor einer extrem schwierigen Entscheidung, die im wahrsten Sinne des Wortes Lebensgefahr heraufbeschwören kann. Nicht nur für sie, sondern im großen Stil. Ich halte es für normal, dass man diese Entscheidung nicht spontan und aus dem hohlen Bauch heraus trifft. Keiner von ihnen ist ein Indiana Jones oder ein James Bond, der einmal die Achseln zucken und dann einfach mitten durch gehen würde.

Meine Figuren sind sich der Verantwortung bewusst, die sie tragen und sie quälen sich damit. Auch dass sie nicht einer Meinung sind, trägt dazu bei. Und wer schon einmal vor einer lebensumwälzenden Situation gestanden hat, der weiß aus eigener Anschauung, dass man irgendwann das Gefühl hat, sich im Kreis zu drehen.

Ich könnte das ganze abkürzen und einfach die Entscheidungsfindung abbrechen. Vielleicht wäre das der Weg, zu dem mir ein professioneller Lektor raten würde. So nach dem Motto, dass den Leser nicht interessiert, wie viele schlaflose Nächte der Charakter wegen dieser Entscheidung gehabt hat. Der Leser will die Konsequenzen sehen und die sollten, bitte sehr, den Aufwand rechtfertigen und möglichst viel Drama in sich bergen.

Aber im Augenblick fühle ich mich damit nicht wohl. Es würde sich so anfühlen, als ob ich eine Abkürzung nehmen würde. Als würde ich die Motivation meiner Charaktere nicht logisch begründen, sondern einfach unterstellen. Lies, so ist es jetzt, wen interessieren all die Gewissensbisse?

Es ist ein sehr ambivalentes Gefühl, als ob ich zwischen zwei B-Lösungen wählen müsste.

Letztlich wird es wahrscheinlich auf einen Kompromiss hinauslaufen. Das ist ja meistens so. Ich werde aus den Gesprächen die Essenz filetieren und diese dann mundgerecht und appetitlich aufbereiten. Und die ganzen Fleischabfälle – nun, man sagt ja, dass jedes geschriebene Wort einen als Autor weiterbringt, nicht wahr? 😉

Also werde ich meine Gewissensbisse, soweit es eben geht, zurückstellen und auf diesem Weg weitermachen. Jedenfalls bis ich wirklich den Eindruck gewinnen sollte, dass ich immer und immer und immer … ihr wisst schon.

Aber keine Sorge, jenseits der Entscheidungen steht der nächste Abschnitt bevor, in dem meine Personen wirklich handeln müssen. Und dann wird eher weniger gesprochen werden. Und all dies wird nur noch das Geschwätz von gestern sein.

Kurz und schmerzlos (29) In der Zeit fest gebissen

Meine Frau kommt ins Wohnzimmer, als gerade der Fernseher läuft. Ich schaue mir den zweiten Teil der Serie „Das Boot“ an, die ich tatsächlich noch nie gesehen habe – ich kenne nur die Filmfassung.

Sie sagt: „Jetzt liest du nicht nur schon wieder über die NS-Zeit, jetzt schaust du dir das auch noch im Fernsehen an. Was beißt du dich eigentlich in der Zeit so fest?“

Ob ich ihr noch mal sagen soll, wovon mein aktuelles Romanprojekt handelt!? 😉

Die etwas andere Schreibmusik: „Thornstar“ von Lord of the Lost

Eigentlich passt die Musik ja so gar nicht zu meinem Roman. Deswegen war ich auch skeptisch, ob ich überhaupt den Versuch unternehmen sollte, dazu die Feder zu schwingen. Aber ich muss gestehen, dass es eigentlich sogar ziemlich gut funktioniert.

Lord of the Lost spielen eine ziemlich coole Mischung aus Gothic Rock und (nicht zu wildem) Heavy Metal. Da gibt es bestimmt eine spezifische Fachrichtung für, die ich nicht kenne, die mir aber auch egal ist. Ich mag meine Musik laut und nicht in Schubladen 😉 .

Das neue Album „Thornstar“ geht jedenfalls ziemlich gut nach vorne, mit sehr hymnischen Refrains und wütendem Gesang in den Strophen. Wie gesagt, das passt gar nicht zu meinem Roman, der eigentlich ja eher auf der ruhigen Seite zu Hause ist. Aber ich schreibe gerade eine Szene, in der diese Wut sich ganz gut macht.

Deswegen ist es gar nicht so schlecht, mal ein wenig mit der Schreibmusik zu experimentieren. Es kommen auch wieder leisere Töne.

Für den, der mal reinhören möchte, verlinke ich hier das offizielle Video zum Song „Morgana“, das auch einen ganz guten Eindruck vom Stil des Albums gibt.

Habt ihr aktuelle Tipps für gute Schreibmusik? Dann gebt mir gerne einen Hinweis 🙂 .

Der Sonntagsreport vom 05.08.2018 – Urlaubsende

Ich bin immer wieder mittelschwer irritiert, wie schnell drei Wochen herum gehen können. Heute endet tatsächlich schon wieder mein Sommerurlaub und morgen darf ich wieder den Dienst in der Dienststelle antreten. Nee, was hab ich mich darauf gefreut 😉 .

Dabei ist mein Kopf tatsächlich seltsam. Ich kann nicht aus meiner Haut, dass ich, wenn ein Urlaub zu Ende geht, mit den seltsamsten Befürchtungen auf die nächsten Tage sehe. Das war eine Zeit lang besser, ist allerdings inzwischen wieder fast so ausgeprägt wie früher, als ich manchmal wirklich fast schon Panik hatte, was denn in meiner Abwesenheit passiert sein könnte und mit welch schlimmen Dingen ich mich nun auseinander zu setzen haben werde.

Ich will da gar nicht zu sehr psychologisch einsteigen. Eine einfache Antwort darauf, warum ich diesmal so nervös bin, ist wahrscheinlich darin zu finden, dass ich mein Leben durch das Ende meiner ausgedehnten Schreib- und Internetpause sowieso gefühlt wieder ein wenig „voller“ gepackt habe und dazu jetzt eben wieder die Arbeit kommt. So nach dem Motto: Wann soll ich die denn auch noch in meinem Tagesablauf unterbringen!?

Dazu kommen dann kleine Nebenkriegsschauplätze wie der, dass ich zuletzt enorme Probleme mit dem Aufstehen hatte, wenn ich der einzige bin, der morgens das Haus verlassen muss. Und da ja noch Schulferien sind, wird dies noch drei Wochen lang der Fall sein. Nennenswerte Überstunden habe ich keine und deswegen heißt das im Zweifel, ewig lange im Büro zu sitzen. Bei den Temperaturen, wie wir sie zur Zeit haben, alles andere als ein Spaß.

Dann mache ich mir, auch wenn das jetzt widersprüchlich klingt, Gedanken darüber, wie groß in diesem Jahr das betriebsbedingte Sommerloch wohl ausgefallen sein mag. Denn es ist schon ätzend, wenn man bei 30 Grad im Schatten im Büro schwitzt. Noch ätzender ist es, wenn nicht so viel zu tun ist, dass es verlässlich den Tag ausfüllt. Aber die Gefahr ist nun einmal gegeben, wenn sich die gesamte Stadtverwaltung in diesen Wochen rotierend im Urlaub befindet. Mein Job ist eben auf die Interaktion mit anderen Kollegen angewiesen.

Nun, ich werde es sehen und das beste daraus machen müssen. Mein nächster Urlaub ist dann erst im Herbst, wenn die Herbstferien sind. Ungefähr zehn oder elf Wochen, wenn ich mich richtig erinnere. Und auch wenn drei Wochen Urlaub ratzfatz vorbei sind, ziehen sich elf Wochen Arbeit doch ganz schön.

Heute jedenfalls ist bei mir urlaubsendbedingter (tolles Wort, nicht?) Ausnahmezustand. Ans Schreiben ist nicht zu denken, an viel anderes auch nicht.

Deswegen auch nur ein kurzer Sonntagsreport von mir. Wenn ihr mögt, könnt ihr mir ja für morgen die Daumen drücken. Für frühes Aufstehen und dann wahlweise megaviel zu tun oder gelassenes durch-den-Tag-arbeiten.

Man liest sich! 🙂