Wenn Geschichten sich weiterentwickeln

Neulich unterhielt ich mich mit Julia von Rein-Hrubesch, ihres Zeichens ebenfalls Autorin und Mitstreiterin in Sachen #9lesen. Es ging darum, wie Geschichten sich entwickeln und wie manche Geschichten sich eben von ihrer ursprünglichen Form in etwas anderes weiterentwickeln.

Ich habe über dieses Gespräch in den letzten Tagen, aus gegebenem Anlass, viel nachgedacht. Der Anlass sind mein unerwarteter Kreativitätsschub und die Folgen, die daraus erwachsen.

Wie ihr wisst, arbeite ich bereits seit längerem an einer Geschichte, in der es um ein Kind geht, das von seinen Eltern vor der Judendeportation aus dem Warschauer Ghetto gerettet worden ist. Ich hatte die Geschichte komplett aus einem Traum übernommen und, ganz gegen meine Gewohnheit, direkt eine Szenenfolge festgelegt. Fünf einfache Szenen, danach Abschluss und Ende. Eine Kurzgeschichte eben.

Im Normalfall schreibe ich meine Kurzgeschichten schnell, jedenfalls im ersten Entwurf. Deswegen war es schon eine Ausnahme, dass diese hier sich so langsam entwickelte und partout nicht fertig werden wollte. Ich schob es darauf, dass das Thema ein eher schwieriges ist. Diese Annahme verringerte das Gefühl, irgendetwas falsch zu machen.

Doch dann kam es zu einer langen Pause, in der ich die Geschichte gar nicht anfasste. Zurückblickend kann ich allerdings jetzt festhalten, dass ich eigentlich überhaupt nichts wirklich anfasste. Meine Kreativität kam zum Erliegen.

Als sie nun, im Zuge der letzten Ereignisse, langsam wieder aus ihrem Winterschlaf erwachte, stand für mich fest, dass ich mich nun zunächst um „Das Kind“ kümmern wollte. Und so fing ich an, weiterzuschreiben.

Leser, die hier schon länger mit dabei sind, werden ahnen, was passiert ist.

Die Geschichte wird länger und länger. An Stelle der kurzen Szenen sind nun längere getreten, die sich mehr Zeit für die Charaktere und das Setting des Jahres 1942 nehmen. Neue Charaktere wurden eingeführt, die sich aufgrund des geänderten Handlungsverlaufs einfach aufdrängten.

Und das bringt mich zu der Eingangs angesprochenen Weiterentwicklung: Inzwischen bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich die Geschichte, wie sie ursprünglich geplant war, eigentlich gar nicht mehr schreiben möchte. Meine Ursprungsidee war kurz, sie war grob, sie war düster. Aber ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich es grob und düster haben möchte.

Man könnte auch sagen, dass mir meine Charaktere, durch die Evolution, die sie gerade durchmachen, einfach zu nahe gehen, als dass ich sie eiskalt einem vorgeplanten Storybogen unterwerfen könnte, hinter dem ich auch nicht mehr vorbehaltlos stehe.

Julia schrieb zu diesem Phänomen: »Das ist toll! Die Geschichte ist eben gewachsen.«

Ja, das ist sie. Und damit komme ich wieder einmal in das Dilemma, dass ich nicht genau sagen kann, was das eigentlich ist, was ich da schreibe. Eine Kurzgeschichte ist es mit inzwischen fast 30.000 Wörtern jedenfalls nicht mehr. Wird es eine Novelle? Ein Kurzroman? Doch sogar ein „richtiger“ Roman?

Ich weiß, was an dieser Entwicklung nicht toll ist. Es ist die Sorge, dass mir das Projekt schließlich wieder unter den Händen wegsterben könnte, weil ich orientierungslos von einer Seite zur nächsten stolpere.

Momentan gibt es auf der anderen Seite aber auch nicht den kleinsten Anhaltspunkt, dass das passieren könnte. Stattdessen reiht sich gerade wieder Idee an Idee, Szene an Szene. Das einzige, was den Eindruck ein wenig trübt, ist der Fakt, dass ich nicht genau weiß, wann und wie ich die Geschichte enden lassen soll. Aber das ist wohl zu erwarten, wenn man mal eben das komplette Konstrukt samt geplantem Ende über den Haufen wirft.

Ein Teil von mir ist es dennoch gewohnt, sich schlecht damit zu fühlen, dass er das eigene Vorhaben nicht hat umsetzen können. Und er greift zu einem sehr perfiden Mittel, um mich das spüren zu lassen. Er stellt mir nämlich in einem fort die Frage, was ich eigentlich genau mit der Geschichte vorhabe, wenn sie denn irgendwann einmal fertig ist.

Tja, das ist eine gute Frage.

Ich habe mir ja vor einiger Zeit quasi geschworen, dass ich nie mehr für die Schublade schreiben möchte. Aber heißt das auf der anderen Seite, dass ich alles, was ich schreibe, auf Teufel komm raus direkt in irgendeiner Form verwerten muss?

Ich denke, dass genau hier ein weiterer Grund dafür begraben liegt, dass meine Kreativität zwischendurch so einschlafen konnte. Das Gefühl, mit dem, was ich schreibe, unbedingt etwas – womöglich auch noch gewinnbringendes – anstellen zu müssen.

In einem einfachen Satz formuliert heißt das nichts anderes, als dass ich mir selber massiven Druck mache. Oder gemacht habe.

Die meisten meiner Romane habe ich geschrieben, ohne ein konkretes Ziel mit ihren zu verfolgen. Ich habe sie geschrieben, weil sie einfach an der Reihe waren und auf die Welt gebracht werden wollten. Viele Kurzgeschichten schreibe ich einfach aus Spaß an der Freude, um sie hier im Blog zu veröffentlichen.

Aber je mehr man sich unter Autoren bewegt, desto mehr beginnt alles, auf einen abzufärben. Und dazu gehört auch dieser Drang, vorrangig mit dem Ziel der Veröffentlichung zu schreiben.

Ich will den Drang gar nicht schlecht machen, denn er ist es, der in manchen Punkten den Antrieb setzt für das, was ich tue. Ansonsten hätte ich nie einen Text von mir überarbeitet und schon gar nicht versucht, ihn für eine Veröffentlichung zu platzieren. Aber das kam immer im Nachgang, wenn die Geschichte schon geschrieben war.

Und so weit bin ich eben diesmal noch nicht.

Ich muss also für mich feststellen, dass meine Geschichte sich weiterentwickelt hat. Damit sprengt sie den ursprünglichen Rahmen und die zumindest vage Idee, was ich mit ihr anfangen wollte. Das führt zu einer Anzahl an Fragezeichen, die zuerst blockierend gewirkt haben. Der Kreativitätsschub hat mich aus dieser Blockade geführt und jetzt schreibe ich, ohne groß nachzudenken. Und stelle fest, dass es mir Spaß macht.

Damit könnte doch eigentlich alles gut sein. Sollte es sein. Wird es sein.

Wenn ich das, was ich nun für mich glaube, erkannt zu haben, festhalte und mich daran erinnere, wenn ich wieder in Gefahr gerate, mich selber in Gefangenschaft zu setzen.

Das passende Schlusswort gebührt diesmal Julia: »Was soll daran nicht toll sein?«

Advertisements

Der Sonntagsreport vom 18.02.2018: Der Kreativitätsplan geht auf

Hallo ihr Lieben!

Ich gestehe, im Moment bin ich, was die Sonntagsreporte angeht, ein bisschen ein unzuverlässiger Geist. Aber wenn mir etwas Passendes einfällt, mag ich dieses „Format“ immer noch sehr gerne und deswegen freue ich mich, dass ihr euch auch an diesem Sonntag mit mir zusammen hier eingefunden habt.

Ich möchte gerne noch einmal auf meinen Beitrag von letzter Woche Samstag zurückkommen, als ich mich darüber ausließ, was man – was ich – tun kann, damit Kreativität nicht zur Belastung wird.

Wie ich damals festgestellt habe, mache ich mir im Allgemeinen viel zu viel Druck damit, jeden Tag nach Möglichkeit alles Erdenkliche zu tun, um bloß keine meiner selbstgestellten Aufgaben zu vernachlässigen: Blogbeitrag, Geschichte, Social Media, alles Mögliche. Das alles muss erledigt sein, abgearbeitet, als ob es wirklich eine Arbeit wäre und nicht etwas, das ich eigentlich zu meiner Entspannung treibe, weil es mir Spaß macht und weil es mich ausfüllt.

In dieser Woche, die seitdem vergangen ist, habe ich mal bewusst versucht, den Druck gar nicht in dieser extremen Form aufzubauen. Und was soll ich euch lange auf die Folter spannen? Es ist die wahrscheinlich produktivste Woche seit mindestens einem halben Jahr, wenn nicht länger, geworden.

Meine Geschichte wächst und gedeiht, was mich zwar vor neue Schwierigkeiten stellt (Blogbeitrag folgt!), aber diese sind im Vergleich zur wochenlangen Periode von Blockade und Frust eher beherrschbar. Wie ihr vielleicht selber gesehen habt, ist die Frequenz von Beiträgen im Blog eher gestiegen – und das, wie gesagt, zusätzlich zur guten Arbeit an meinem Text.

Aber das Wichtigste von allem ist das Gefühl, dass das alles hinterlässt. Es ist nämlich ein beinahe uneingeschränkt gutes Gefühl! Ehrlich, an manchen Tagen schaue ich mir an, was ich da geschafft habe, und kann es selber kaum glauben. Aber es ist ein positiver Unglaube. Einer, der nichts mit einer Überschätzung der eigenen Fähigkeiten zu tun hat.

Und deswegen weiß ich auch, dass ich jetzt nicht den Fehler machen darf, das alles für selbstverständlich zu nehmen. Ich darf die Grundprämisse nicht aus den Augen verlieren. Und die lautet nun einmal, auch mit kleinen Schritten zufrieden zu sein. Oder, wenn man es auf die Spitze treiben will, gerade diese kleinen Schritte stärker zur Kenntnis zu nehmen und sie in Ehren zu halten. Wenn ich das nicht tue, lauert dahinter wieder der Rückfall in alte Verhaltensmuster. Deswegen sagte ich auch Eingangs, dass ich diesen Beitrag schreibe, weil ich das Gefühl habe, etwas sagen zu wollen. Und nicht, weil zufällig gerade Sonntag ist.

Mal ganz davon abgesehen, dass ich mein Tagesziel, nämlich irgendwas autorenmäßiges zu tun, bereits vorher erfüllt hatte.

[Es folgt ein thematisch bedingt passender, selbstkritischer Einschub. Etwas wirr geschrieben, auf eigene Gefahr 😉 ]

Wenn es etwas gibt, was das gute Gefühl trübt, dann ist es ausgerechnet die Erkenntnis, dass es mir schwer fällt, online von Dingen zu lassen, die mir nicht gut tun. Obwohl ich genau weiß, dass ich es sein lassen sollte. Ja, das ist wieder die obskure Stelle in meinen Beiträgen, in denen ich leider Ross und Reiter nicht so benennen kann, wie ich es gerne würde. Sagen wir einfach, dass es da immer noch eine offene Wunde gibt, die schmerzt. Und genau in dem Moment, in dem sich vielleicht leichter Schorf gebildet hatte, ging ich hin, riss das Wundpflaster ab und streute ein wenig Salz in die Wunde.

Eigentlich sollte man meinen, dass ich nach über zwanzig Jahren aktiver Teilnahme am Internet gelernt habe, wie die Mechanismen sind und was mir gut tut – und was eben nicht. Habe ich aber offenbar nicht. Und deshalb laufe ich emotional immer wieder in dieselbe Falle hinein, die erst zuschnappen muss, bevor ich es merke.

Und dann drehe ich mich um mich selbst, schnappe nach dem Glied, das sich in der Falle verfangen hat, um es frei zu bekommen oder es im Notfall auch zu amputieren, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Es ist komisch, wenn ich das so aufschreibe, dann ist mir auf einmal völlig klar, was ich eigentlich zu tun habe. Aber ich bin eben, bei allen Fortschritten, immer noch ein ziemlich inkonsequenter Kerl. Damit muss ich wohl leben. Jedenfalls, bis ich den Weg zur Konsequenz gefunden habe.

[/Einschub]

Nun, es sieht so aus, als befände ich mich in Bezug auf meinen Umgang mit der eigenen Kreativität auf einem ganz guten Weg. Wenn ihr wollt, werde ich euch gerne auf dem Laufenden halten, wie es damit weitergeht.

Bis dahin wünsche ich euch eine erfolgreiche Woche, in der ihr selber für euch bestimmen könnt, was Erfolg für euch ausmacht!

Alles Liebe

Euer Michael

3 von #9lesen – 3 Fragen an Andrea Schrader, Florian Eckardt und Kia Kahawa

Jetzt sind es nicht einmal mehr vier Wochen, bis ich in Leipzig meine erste Lesung haben werde. Dementsprechend aufgeregt bin ich. Genauso geht es auch meinen lieben Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich am Abend des 16.03. die Bühne im Morrison’s Irish Pub teilen werde.

Und auch wenn ich mich natürlich über jeden von euch freue, der alleine wegen mir vielleicht den Weg in die Leipziger Innenstadt findet, so sehr ist mir daran gelegen, darauf hinzuweisen, dass meine MitstreiterInnen ebenfalls sehr gute Texte im Gepäck haben und dass die Lesung ohne sie nicht dieselbe sein würde.

Deswegen habe ich mich entschlossen, sie heute und an den beiden folgenden Samstagen jeweils im praktischen Dreierpack zu präsentieren. Dafür habe ich mir drei Fragen ausgedacht, die ich jedem von ihnen gestellt habe. Ich freue mich sehr, dass sie sich die Zeit genommen haben, sie zu beantworten.

Nun aber genug der Vorrede und viel Spaß mit den Kurzinterviews der ersten 3 von #9lesen: Andrea Schrader, Florian Eckardt und Kia Kahawa!


Hallo Andrea, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Ich bin Autorin, Journalistin und Mutter und schreibe Fantasy, weil ich gern darüber nachdenke, wie sich unsere Welt durch einen Funken Magie verändern könnte.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
#9lesen ist für mich etwas ganz Besonderes, weil es meine erste selbstorganisierte Lesung ist – und sich sogar unveröffentlichte Autoren trauen, daran teilzunehmen.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Ich werde aus dem ersten Teil meiner apokalyptischen Fantasy-Trilogie vorlesen: „Die Boten des Schicksals – Die Legende“.

Andrea Schrader auf der Website zu #9lesen


Hallo Florian, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Ich lege beim Schreiben viel Wert auf tiefgründige Figuren und detaillierte, lebendige Welten.

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
Für mich ist #9lesen meine erste Lesung überhaupt (was soll man auch groß lesen, wenn man nie etwas veröffentlicht?). Dementsprechend bin ich natürlich aufgeregt wie ein Kind vor Weihnachten. Aber ganz besonders freue ich mich auf den bunten Mix, den der Abend bieten wird. Wir sind immerhin 9 Autoren aus den verschiedensten Orten und Genres und genau das finde ich sehr faszinierend.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Ich werde in Leipzig aus meinem Debüt (bzw. dem Buchprojekt, das momentan am Nächsten am „Ende“ dran ist) lesen. Dabei handelt es sich um ein Jugendbuch mit Urban-Fantasy- und Horror-Elementen, das ich mit einer befreundeten Autorin zusammen schreibe. Die Geschichte spielt in der fiktiven Stadt Elms Cross, in der die Geschwister Aélis und Liam leben. Und wie es in alten Städten eben so ist, gibt es allerhand Gerüchte über Monster, die in der Stadt leb(t)en. Dann verschwindet der Vater der beiden und eine Suche beginnt, die an einen Ort tief unter der Stadtbibliothek führt, der offiziell gar nicht existiert.

Florian Eckardt auf der Website zu #9lesen


Hallo Kia, erzähl uns doch in einem Satz ein bisschen von dir.
Julia [Anm.: gemeint ist Julia von Rein-Hrubesch, ebenfalls Autorin bei #9lesen] sagte neulich, ich explodiere vor Kreativität und Tatendrang. Und: Oh Mann, das stimmt total!

Was macht #9lesen für dich zu einer besonderen Veranstaltung?
Die Lesung #9lesen eint talentierte und überwiegend unveröffentlichte Autoren. Das ist geheimnisvoll und ich kann es kaum erwarten, Leseproben aus den Federn meiner Autorenkollegen zu hören. Wirklich besonders ist #9lesen für mich, weil für mich persönlich wieder dieses Buchfamilien-Gefühl aufkommt und ich endlich wieder in Leipzig Zuhause sein werde.

Worauf dürfen wir uns bei der Lesung von dir freuen?
Ich werde etwas aus „Die Krankheitensammlerin“ vorlesen. Lasst euch überraschen! 😉

Kia Kahawa auf der Website zu #9lesen


Viele weitere Infos zur Lesung und den beteiligten Autoren findet ihr auf der Website zum Event!

Meldung und Meinung: Veränderte Lesegewohnheiten bei Kindern

In der aktuellen „Federwelt“ findet sich ein sehr interessanter Artikel. Dafür hat sich die bekannte und umtriebige Autorin Jasmin Zipperling, oder vielmehr ihr Alter Ego „Madame La Zippi“, ganz tief über ihre Glaskugel gebeugt und mehreren Verlagen Prognosen und Trends abgerungen. Dabei ist an so ziemlich jedes Genre gedacht und dieses mit einem oder mehreren namhaften Verlagen bedacht worden. Herausgekommen ist ein extrem informativer Artikel, der für mich alleine schon den Kaufpreis des Hefts gerechtfertigt hätte, wenn ich nicht sowieso schon Abonnent wäre.

Eigentlich könnte an dieser Stelle mein Beitrag zu Ende sein, aber ich habe in diesem Artikel eine Aussage gefunden, die mich ein wenig nachdenklich zurückgelassen hat.

Getroffen wurde diese von Julia Gronhoff, Redakteurin für den Erstlesebereich und das Kinderbuch beim Loewe-Verlag, in dem viele bekannte und beliebte Reihen und Einzeltitel erscheinen. Auch in den Bücherschränken meiner Kinder lassen sich da entsprechende Bücher finden.

Auf die Frage, wo Frau Gronhoff die Trends in ihrem Segment für 2018 sieht, hat diese unter anderem geantwortet, dass einige der erfolgreichsten Reihen einem Relaunch unterzogen werden sollen. Und dabei soll, jetzt kommt es, der Text gekürzt werden. Damit reagiere man auf die veränderten Lesegewohnheiten der Kinder.

Die Aussage wurde von der Redaktion der „Federwelt“ offenbar auch als so bedeutsam eingeschätzt, dass sie fett abgedruckt wurde.

Ich halte also in eigenen Worten noch einmal fest: Weil Kinder heutzutage weniger lesen, wird in einigen Büchern des Loewe-Verlags der Anteil von Bild und Wort deutlich zugunsten des Bildes und zuungunsten des Wortes verschoben.

Ich finde diese Überlegung, so sehr sie wahrscheinlich auch aus wirtschaftlichen Beweggründen gerechtfertigt erscheint, zumindest diskutabel.

Meiner Meinung nach kommt insbesondere dem Bereich der Kinderbücher, und das setzt schon bei den ganz Kleinen an, die Aufgabe zu, Kinder an das Lesen heranzuführen. Deswegen habe ich auch sehr früh angefangen, meinen Kindern vorzulesen und nicht nur reine Bilderbücher mit ihnen anzuschauen. Der Erfolg gibt mir in gewisser Weise recht.

Vielmehr frage ich mich, ob nicht genau dort der Knackpunkt liegt. Kann es sein, dass immer mehr Eltern sich immer weniger Zeit nehmen, um ihren Kindern vorzulesen und deswegen viele Kinder mit dem gedruckten Wort nichts mehr anfangen können? Wäre es aber dann nicht an denjenigen, die den Trend setzen, die die Richtung vorgeben, dieser Entwicklung mit geeigneten Mitteln zu begegnen?

Sehen wir der Tatsache ins Auge: Eltern, die nicht vorlesen, ist es vollkommen egal, ob ein Kinderbuch nun 1.000 Worte, 500 Worte oder 250 Worte enthält. Sie werden es sowieso nicht in die Hand nehmen und man kann nur hoffen, dass die betreffenden Kinder irgendwann von alleine auf den Dreh kommen, dass Bücher Spaß bringen.

Der Markt im Allgemeinen und damit wirklich unisono alle an ihm Beteiligten beklagen zurecht, dass die Verkaufszahlen von Büchern im stetigen Sinkflug befindlich sind. Eine Theorie, die immer wieder einmal aufgeworfen wird ist die, dass sich durch Texte im Internet, Soziale Medien und die allgemeine Schnelllebigkeit eine Art Aufmerksamkeitsdefizit gebildet hat und viele Menschen es gar nicht mehr gewohnt sind, sich mit längeren Texten auseinander zu setzen.

Ich wäre geneigt, dieser These zuzustimmen.

Aber sollte man dann nicht lieber versuchen, in der Form gegenzusteuern, dass man Kindern, die hoffentlich noch nicht in dem Maße durch die schöne neue Technikwelt vereinnahmt wurden, auch zutraut, längere Texte zu lesen oder vorgelesen zu bekommen?

Bleiben wir fair und auf dem Boden. Die Aussage von Frau Gronhoff bedeutet nicht, dass Loewe in allen seinen Büchern und Reihen einen Kahlschlag an Wörtern vornehmen wird. Wahrscheinlich muss man sich erst einmal genau ansehen, wie genau das am Ende ausschauen wird.

Für mich als Autor wie als Elternteil ist es nur wichtig, dass die Wahlmöglichkeiten bestehen bleiben. Ich finde es gut, dass ich Bücher mit viel und mit wenig Text zur Verfügung habe und sie nach Belieben kombinieren kann. Und da bin ich halt ein wenig skeptisch, wenn ich auf das kleine Wörtchen „Relaunch“ schaue. Das klingt für mich sehr nach der Vornahme eines Ersatzes.

Ja, die Lesegewohnheiten der Kinder haben sich heute geändert. Ich finde: leider. Und wenn ich wirtschaftlich denke, dann ist es sicher gerechtfertigt, auf dieser Basis zu einer Veränderung des Verlagsportfolios zu kommen.

Das ändert nichts daran, dass ich dies persönlich bedaure und in Hinblick auf eine Gesamtentwicklung der Lesenden in der Zukunft für ein zumindest diskutables Zeichen halte.

Mich würde wirklich interessieren, was ihr dazu denkt 🙂 .

Technik, die es (nicht) braucht. Oder doch. Oder nicht. Oder …

Sicherlich habt ihr im Laufe der Zeit schon mitbekommen, dass ich grundsätzlich jemand bin, der Technik gegenüber eher aufgeschlossen ist. Zwar bin ich nicht derjenige, der immer wieder die neuesten Geräte besitzen muss, aber wenn einmal der Gedanke geweckt wurde, dass ich dieses oder jenes vielleicht brauchen könnte, dann setzt der sich schon einigermaßen fest. Und macht mir Probleme.

Urheber des Gedanken ist, wie könnte es auch anders sein, mal wieder die Leipziger Buchmesse. Ich werde wieder mit dem Zug anreisen, was je Strecke ungefähr fünf bis sechs Stunden Reisezeit bedeutet. Die Plätze sind lange reserviert, die erste Klasse habe ich mir wieder gegönnt. Das bedeutet, ich habe Freiheit.

Unter anderem hätte ich die Freiheit, mir irgendeinen schreibbaren Untersatz mitzunehmen.

Moment, wird jetzt der eine oder die andere Langzeitleser/in sagen: Hast du dir nicht vorletztes Jahr irgend so ein Ding aus China bestellt, das unter anderem genau dafür vorgesehen war?

Ja, habe ich. Und es war, wie ich inzwischen zähneknirschend eingestehen muss, ein Fehlkauf.

Nicht, weil es nicht das tun würde, was es sollte. Das macht es. Mit Abstrichen macht es das sogar ziemlich gut. Es ist halt ein Hybrid aus Android und Windows und damit in beiden Welten nicht richtig zu Hause.

Womit ich nicht gerechnet hatte, obwohl ich es hätte tun müssen, war der enorme Speicherbedarf, den sowohl ein Android-Betriebssystem als auch ein Windows-Betriebssystem auf dem insgesamt eher mickrig bemessenen Speicher einnehmen. Bereits die letzten Updates für Windows 10 waren mehr oder weniger ein Glücksspiel. Und der Support für die aufgespielte Androidversion ist seitens des Herstellers auch ausgelaufen. Womit Teclast allerdings in guter Gesellschaft ist, wenn man sich die anderen Anbieter von Androidgeräten ansieht. Update-Diaspora allerorten. Und das in Zeiten von Meltdown, Spectre und KRACK.

Jedenfalls taugt das Gerät inzwischen höchstens noch, um damit im Internet zu surfen. Richtiges Arbeiten macht keinen wirklichen Spaß. Und da ich, das kommt noch dazu, eigentlich ein Mensch bin, der am liebsten an seinem stationären Desktop arbeitet und für das mobile Surfen/Lesen/Multimedia ein Kindle Fire besitzt, setzt das Teil mehr oder weniger nur noch Staub an.

Damit könnte die Geschichte jetzt auch zu Ende sein. Eigentlich müsste sie damit zu Ende sein. Aber dann hat meine Frau irgendwann einmal die harmlose Frage gestellt, ob ich nicht vielleicht doch noch mal eine mobile Schreibmaschine brauche.

Und auf solche Fragen springt der Technik-Freak in mir an wie der Bluthund auf die Blutwurst.

Wenn ich mit Realitätssinn und Sachverstand an die Frage herangehe, dann gibt es nur eine mögliche Antwort: Nein, brauche ich nicht. Ich habe Daheim meinen hochgerüsteten PC stehen, samt mechanischer Tastatur und allem drum und dran. Und so oft bin ich nicht unterwegs, dass ich eine mobile Schreibmaschine wirklich ausreizen würde.

Selbst dann, wenn wir in den Urlaub fahren, gibt es da noch das Notebook meiner Frau, das mehr oder weniger das Schicksals meines Hybriden teilt, seit sie sich ein leistungsstarkes Tablet geleistet hat.

Jetzt könnte man ja meinen, dass ich dann einfach das Notebook mitnehmen kann, um im Zug damit zu schreiben. Da muss ich aber ehrlich sagen, dass mir das Ding einfach zu schwer ist. Denn es handelt sich, wie kann es anders sein, um ein zwar inzwischen betagtes, aber dennoch multimedia- und auch spielefähiges Gerät. Und die Leistung beansprucht neben Strom vor allem Gewicht.

Nein, was mir ganz gut zu Gesicht stehen würde, wäre im Prinzip ein Gerät wie das, das ich schon besitze. Allerdings mit ein paar anderen Anforderungen, die ich nach dem einen Fehlschlag klarer formulieren kann:

  • Das Gerät soll ausschließlich unter Windows 10 laufen
  • Es muss eine Bildschirmdiagonale von mindestens 10, eher 12 Zoll haben
  • Eine (deutsche) Tastatur ist ebenso Pflicht wie ein vernünftiges Touchpad
  • Falls ich doch mal mit externer Tastatur unterwegs bin, braucht es natürlich entsprechende Anschlüsse
  • Ein 64-Gigabyte-Winzlingspeicher reicht nicht aus, um bei Windows und den Anwendungen (Office, PapyrusAutor) zukunftssicher genügend Platz zu bieten
  • Ein Flashspeicher (egal ob SSD oder SD) ist zwingend nötig, damit man nicht stundenlang auf die Ausführung von Befehlen warten muss
  • Optimal wäre, wenn sich die Tastatur trennen ließe und das Gerät dann im Tabletmodus funktioniert
  • Ein Arbeitsspeicher von mindestens 4 Gigabyte ist Pflicht, darunter macht Windows keinen Spaß

Und das sind jetzt nur die Anforderungen, die mir spontan in den Sinn gekommen sind.

Wer Spaß daran hat, kann ja mal bei den einschlägigen Händlern auf die Suche gehen, was Geräte kosten, die wenigstens die meisten dieser Ansprüche erfüllen. Da landet man dann schnell bei Gerätepreisen von 800 Euro aufwärts.

Dazu kommt noch, dass heute ja jeder Hersteller mindestens fünf verschiedene Varianten desselben Gerätes fertigt. Da blickt man dann endgültig nicht mehr durch.

Wenn ich in diese Preissegmente schaue, kühlt mein Enthusiasmus doch immer recht schnell ab. Denn, wie schon gesagt, eigentlich brauche ich das Gerät nicht, oder viel zu selten, um eine solche Ausgabe zu rechtfertigen. Ich bin armer Schriftsteller, ich muss mein Budget zusammenhalten! 😉

Mein Kopf, der alte Besserwisser, baut sich dann Hilfsszenarien auf. So nach dem Motto, ich könne das Gerät, so es leicht genug ist, ja mit zur Arbeit nehmen und dann in der Pause direkt in meinem Dokument arbeiten, um nicht darauf angewiesen zu sein, mir selber Dateien hin und her zu schicken.

Oder er führt ins Feld, dass mein Arbeitszimmer ja in absehbarer Zeit renoviert werden muss und ich dann vielleicht lieber auf ein kleineres Notebook ausweichen möchte, anstatt mir irgendwo einen Platz für das Desktopgerät aus den Rippen zu schneiden.

Doch das sind alles Rückzugsgefechte, denn eigentlich weiß ich, weiß mein Kopf, weiß so gut wie jeder, der mich kennt, dass ein solches mobiles Gerät im Prinzip Geldverschwendung wäre. Und wer verschwendet schon gerne Geld!?

Aber dennoch: Ich werde wohl noch eine ganze Weile bei den Angeboten der einschlägigen Elektronikmärkte on- und offline genauer hinsehen. Mindestens mal, bis die Leipziger Buchmesse vorbei ist.

Und, wer weiß … seufz

#9lesen – Das gute Gefühl, dass es jetzt ernst wird

Ich habe ja in den letzten Wochen immer mal wieder ein Wort darüber verloren, dass ich in Leipzig meine erste Lesung aus einem meiner Werke haben werde. Und es ist kaum zu glauben, wie schnell sich das konkretisiert hat, nachdem es zuerst ja nicht viel mehr als eine Idee war.

Zwar wird, aufgrund der zuletzt angedeuteten Vorkommnisse, die Lesung nicht mehr von dem Autorenverein veranstaltet, in dem ich Mitglied bin, aber das hinderte weder die Organisatorin Andrea Schrader, noch die inzwischen acht weiteren Vorleser damit, sich richtig in die Planungen zu stürzen.

Ich kann an dieser Stelle nur sagen, dass es eine ungemein beflügelnde Erfahrung ist, mit welcher Freude und auch mit welcher Effizienz die Planungen, die kreativen „Nebenkriegsschauplätze“ wie Plakate und Grafiken, und Dinge wie die eigene Website angegangen wurden. Jeder, wirklich jeder der neun Autoren bringt sich so gut ein, wie sie oder er es kann.

Mir gibt das Sicherheit. Eine Sicherheit, von der ich ursprünglich nicht gedacht hätte, dass ich sie im Zusammenhang mit dieser Lesung bekommen könnte. Dadurch, dass ich bereits zu diesem frühen Zeitpunkt völlig mit involviert bin, baue ich ein Gruppengefühl zu meinen Kolleginnen und Kollegen auf, welches das Magengrummeln zwar nicht ganz zum Erlöschen bringt, es aber deutlich mindert.

Es ist eben schwer, in Panik zu geraten, wenn man sich optimal vorbereitet fühlt.

Natürlich gibt es noch Dinge, die geklärt werden müssen. Die ich auch für mich selber klären muss. Aber ich glaube, ich weiß schon genau, was ich vorlesen werde. Das ist ein wichtiger Schritt. Und ich weiß schon, wann ich circa am Abend des 16.03. dran sein werde. Gemäß meines Wunsches bin ich nicht der Erste, der lesen muss. Das hätte mich dann doch noch einmal aus der Bahn geworfen, denke ich. Aber dann – nun, wir werden sehen.

Ich fange jedenfalls langsam an, mich wirklich uneingeschränkt auf diesen Abend zu freuen. Was habe ich denn auch schon zu verlieren? Gar nichts, lautet die Antwort! Und das muss ich mir jedes Mal, wenn wieder Zweifel kommen sollten, genau so vorbeten. Ich kann nichts verlieren, aber viel gewinnen.

Am 16.03.2018 werden im Morrison’s Irish Pub in der Leipziger Innenstadt neun Autoren lesen. Und ich bin einer davon. Ich mag die Idee, ich mag den Namen, ich mag das Gefühl! Sogar den Pub mag ich, da war ich nämlich letztes Jahr schon mal.

Noch liegt die Lesung einen Monat in der Zukunft, aber ich werde euch bereits im Vorfeld auf dem Laufenden halten, wenn ihr mögt. Dazu gehört auch, dass ich euch an den kommenden drei Wochenenden meine mitlesenden Kolleginnen und Kollegen ein wenig näher vorstellen möchte.

Und dann schauen wir mal, wie das Ganze sich entwickelt. Ich bin sehr gespannt 🙂 .