Neues aus dem Lektorat (4) Von Geduld und Ungeduld

Ich hatte so etwas ja schon beinahe geahnt. Ist ja irgendwie immer so. Kennt ihr sicher auch! Der Moment, in dem man sich endlich dazu durchringt, jemandem (erst einmal egal, wem) eine Anfrage zu schicken, irgendwas anzutragen oder auch nur ganz allgemein zu fragen, wie es denn so aussieht, ist der Moment, in dem man dem Anderen gerade eben zuvor gekommen ist.

So ist es mir jetzt mit meiner Lektorin gegangen. Ganz prima, jetzt stehe ich wieder als der ungeduldige Autor da … 😉

Nein, ich denke nicht, dass Jeannette das so schlimm nimmt und ich nehme es auch nicht schlimm. Aber seltsam ist es schon, dass es immer so auskommt.

Ich hatte eine Weile lang nichts aus dem Lektorat gehört und weil ich ja ein vollkommen ruhiger und von sich überzeugter Mensch bin, wäre ich auch nie auf die Idee gekommen, dass das irgendwas mit meinem Text zu tun haben könnte. Wer die Ironie in diesem Absatz findet, darf sie in einer eigenen Geschichte verwenden.

In Wahrheit war ich, mit zunehmender Dauer der Zeit, immer mehr davon überzeugt, dass es irgendein großes Problem geben müsse. Ein so großes Problem, dass meine Lektorin sich gar nicht daran wagte, es mir mitzuteilen. Oder immerhin so groß, dass sie verzweifelt vor dem Stapel Papier sitzt, einen Kinderriegel nach dem anderen isst und nicht weiß, wo sie da jetzt ansetzen soll.

Gestern habe ich mich dann endlich dazu aufraffen können, trotz aller Scheu davor, ungeduldig sein zu wollen, eine Mail zu schicken, in der ich Jeannette fragte, wie denn so der Zwischenstand ist, ob ich irgendwas tun könne, etc.

Und dann kommt die heutige Antwort, die nicht nur beinhaltet, dass gerade heute der nächste Teil des lektorierten Textes in die Post gegangen ist, sondern auch, dass im Moment viele Projekte in der Pipeline sind, so dass die schon mal irgendwo „verstopft“. Tja, also doch ungeduldiger Autor.

Sie hat mir schon einige Punkte genannt, die sie im kommenden Textteil bearbeitet und vor allem auch gekürzt sehen möchte. Das muss ich mir ganz genau ansehen, denn – ich will es nicht beschreien – es könnte durchaus sein, dass hier einen Punkt berührt wird, über den es eine kleine Kontroverse geben könnte. Seht es mir nach, dass ich da nicht ins Detail gehe, denn ich denke, das gehört erst einmal ins Vier-Augen-Gespräch. Aber ich versuche, all das zu sammeln und vielleicht irgendwann, nach der Veröffentlichung, etwas darüber zu schreiben, wie der Roman mal war und wie er dann sein wird. Könnte ja sein, dass das jemanden interessiert und ansonsten ist es eine nette Erinnerung für mich selbst.

Also, halten wir fest: Geduld habe ich eigentlich lange aufgebracht, nur um dann im letzten Moment doch ungeduldig zu erscheinen. Aber so ist das mit diesen Dingen nun einmal.

Aber ein Zitat aus Jeannettes Antwortmail an mich sei mir gestattet, weil es zu der Sorte gehört, die man als hoffnungsvoller Nachwuchsautor gar nicht oft genug hören kann:

An dieser Stelle ist es mir nochmals wichtig zu sagen, dass die Geschichte Stoff für ein wirklich gutes Buch ist.

Als ob ich da jemals dran gezweifelt hätte! hust, hust

Ihr wisst schon – Ironie und so.

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Der Sonntagsreport vom 19.11.2017: Kein zurück

Gestern Abend war ich mal wieder auf einem Konzert. Und zwar gab sich der Sänger Peter Heppner in Krefeld anlässlich seines dreißigjährigen Bühnenjubiläums die Ehre.

Würdet ihr mir vorneweg bitte bestätigen, dass irgendwer von euch (noch) weiß, wer Peter Heppner ist? Denn als ich meiner Kollegin (26), mit der ich mir das Büro teilte, den Namen nannte, wurde ich nur fragend angeschaut.

Ich helfe mal auf die Sprünge: Ab 1987 spielte Heppner sich zusammen mit seinem Partner Markus Reinhardt unter dem Bandnamen Wolfsheim zunächst in die Herzen der Synthie-Pop-Freunde. Frühe Szenehits wie „The Sparrows And The Nightingales“ fanden auch Zugang zu weiteren Hörerkreisen. Der Durchbruch für Heppner kam allerdings erst mit einer der zahlreichen Kollaborationen, die er mit anderen Künstlern eingegangen ist.

1998 erschien „Die Flut“, das Gemeinschaftswerk von Peter Heppner und Joachim Witt, das sensationell bis (fast) an die Spitze der deutschen Single-Charts geschossen ist. Hiervon profitierte auch Heppners Hauptband erheblich, bis hin zum Lied „Kein zurück“, das 2003 für insgesamt zehn Wochen in den deutschen Top Ten war und schließlich mit Gold ausgezeichnet wurde.

Kurz darauf trennten Wolfsheim sich und Heppner machte, mit leider geringerem kommerziellen Erfolg, solo weiter. Sein prägnantes Organ wird und wurde jedoch auch weiterhin von anderen Künstlern gerne als Ergänzung zu eigenen Songs verwendet. Bis heute hat Heppner unter anderem mit Künstlern wie Nena, Camouflage oder auch Schiller gearbeitet.

So, wer sich jetzt noch nicht erinnert, ist wahrscheinlich wirklich nicht dabei gewesen. Aber gut, eigentlich soll es auch nur am Rande um die Musik gehen, auch wenn der Beitrag bis jetzt einen anderen Eindruck gemacht haben sollte. Tatsächlich geht es nämlich um eine Botschaft, die in einigen von Heppners Songs zum Ausdruck kommt – was mir allerdings erst gestern wieder so richtig bewusst wurde.

Dein Leben dreht sich nur im Kreis
So voll von weggeworfener Zeit
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her
Du willst noch leben irgendwann
Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her.

Eigentlich sind diese Worte eine große Hülse aus Gedanken, die man in anderen Konstellationen schon oft gehört hat. Konzepte der Achtsamkeit, der bewussten Wahrnehmung, sie alle bauen auf den dahinter liegenden Gedanken auf. Wenn man so will, gehen sogar alte Bauernregeln wie „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“ in die gleiche Richtung.

Was mich an dieser Passage, ebenso wie am ganzen Konzert, jedoch mehr gepackt hat, als ich es voraussah, war das Gefühl, irgendwie an einem ähnlichen Punkt in meinem Leben zu stehen.

Ich habe diesen Traum, den Traum vom eigenen Buch. Das wisst ihr alle, so steht es im Titel. Und ich habe mich gefragt, ob ich nicht in gewisser Weise auch diesen Traum immer mehr vor mir her schiebe. Klar, auch diese Frage an mich selbst ist jetzt alles andere als neu oder originell. Ändert aber nichts daran, dass sie legitim ist und gerade dann, wenn sie sich immer wieder aufdrängt, nach Beachtung giert.

Ohne dem Ganzen eine Lächerlichkeit geben zu wollen, die ihm nicht angemessen ist, habe ich mich schon mal gefragt, ob es sich vielleicht um eine Art der Midlifecrisis handelt, die ich mir eingefangen habe. Ich bin Anfang Vierzig, mit einiger Wahrscheinlichkeit bin ich halt irgendwo um die Halbzeit meines Lebens. Andere Männer (und manche Frauen) kaufen sich in dem Alter einen dicken SUV, weil es zum Sportwagen rein geldtechnisch nicht reich. Manche suchen sich irgendeine Liebschaft, um sich wieder jung zu fühlen.

Das liegt mir beides fern, denn das, was ich eigentlich machen will, tue ich ja schon ganz, ganz lange Zeit: ich schreibe. Denn auch das wurde mir bewusst, als ich gestern Abend lange Zeit auf diesen Bühnen-Backdrop schaute. 1987 war auch das Jahr, in dem ich mich zum ersten Mal an meinen Computer gesetzt habe und die Absicht hatte, dass am anderen Ende eines Prozesses ein Roman dabei herauskommt. Peter Heppner steht dieses Jahr 30 Jahre auf der Bühne und ich sitze 30 Jahre an der Schreibmaschine.

Es geht mir nicht um den Vergleich, was ein anderer Mensch bereits erreicht hat und was ich nicht erreichte. Denn dann dürfte ich mich in Anbetracht so vieler engagierter und ambitionierter Autoren, die ihre Erstlinge teils schon vor ihrem zwanzigsten Geburtstag veröffentlichten, gar nicht mehr ins Internet wagen. Es geht höchstens um ein Thema wie stringente Vorgehensweise.

Aber auch an dem habe ich mich an dieser Stelle bereits oft genug abgearbeitet, denke ich. Es wird schwer, dem noch neue Aspekte abzugewinnen. Und langweilen möchte ich euch, liebe Freunde, ja auch nicht.

Jedenfalls stand ich gestern in dieser Konzerthalle, vom strömenden Regen draußen (trotz Schirm) stellenweise bis auf die Haut nass, und erlebte einen seltsamen Gefühlsmix aus Nostalgie, Ergriffenheit, Melancholie und Hoffnung. Denn es ist ja nicht so, dass es keine Möglichkeiten zur Veränderung gäbe. Die gibt es immer. Ich muss „nur“ meinen Hintern hoch bekommen und dann sind alle Dinge möglich, die ich brauche, um meinen Traum zu verwirklichen. Ganz einfach. Es liegt alleine an mir.

Für dieses Gefühl hatte Heppner übrigens auch ein passendes Lied im Gepäck:

Alleinesein, Alleinesein
Heute bin ich einfach mein
in vertrauter Einsamkeit
Alleinesein, Alleinesein
Heute bin ich mir genug
und das tut auch mal ganz gut

Also, was bleibt übrig, abgesehen von einem tollen Konzertabend, der einer Zeitreise glich, einem neuen T-Shirt im Schrank und, wenn ich Pech habe, dem nächsten Schnupfen wegen Kühle und Nässe beim Warten vor der Halle?

Ich denke, dass das Konzert ein weiterer Baustein sein kann auf meinem Weg, mich aus der Tiefe meines „ich kriege nichts gebacken, ich kann nicht schreiben, ich kann mich nicht bewerben, ich kann mimimimimi“ raus zu arbeiten. Inzwischen bin ich nicht mehr so vermessen zu glauben, dass irgendwas in irgendeiner Form eine alleinige Initialzündung sein kann. Wenn es nicht einmal das Gefühl von „du hast nur noch soundso viele gute Jahre vor dir“ kann, was denn dann 😉 ?

Nein, inzwischen glaube ich, dass man den Dingen seinen Lauf lassen muss. Dass man sich die Steine suchen muss. Als ob man aus einem riesigen Haufen von Puzzleteilen die sucht, aus denen sich ein Bild ergibt. Es bringt nichts, den Haufen immer wieder wild in die Luft zu werfen und zu hoffen, dass man deswegen auch nur einen einzigen Schritt schneller zu seinem Ziel kommt. Es braucht Ausdauer, es braucht Geduld, es braucht Ruhe und den Mut zur Langsamkeit.

Ich brauche den Mut zur Langsamkeit!

Oder, um es mit Heppner zu sagen:

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
es gibt kein Weg zurück

Also, gehen wir vorwärts. Und ich würde mich freuen, wenn ihr mich weiter auf meinem Weg begleitet!

Alles Liebe

Michael

Wer suchet, der … (1)

Will ich wirklich wissen, wie genau der Algorithmus funktioniert hat, der den freundlichen jungen Mann oder die freundliche junge Frau auf meinen Blog geführt hat, die folgenden Suchbegriff in ihre bevorzugte Suchmaschine eingegeben hat?

Ich bekenne mich schuldig, dass in „Die Welt der stillen Schiffe“ Szenen mit Tentakeln drin vorkommen. So als kleine Referenz an all die großen Tentakelautoren vor mir, wie etwa H.P. Lovecraft. Aber ich schwöre, dass gerade in diesem Roman auch nicht der Hauch von Sex eine Rolle spielt!

Außerdem ist „Tentakel Sex“ doch eher was für gezeichnete Bücher aus dem fernen Osten, wenn ich richtig informiert bin, nicht wahr? Oder ist das eine Marktlücke im Bereich der geschriebenen Erotik?

Fragen über Fragen …

Reblog: Veranstaltungskalender für Autoren

Beim Betrachten dieser Liste sind mir zwei Dinge aufgefallen:

1. gibt es doch wesentlich mehr kleine und große Veranstaltungen, als man so auf dem Schirm hat

und

2. finden die meisten davon, wie immer, ziemlich weit von mir entfernt statt.

Nun, für die Leipziger Buchmesse habe ich ja schon vorgeplant, aber auch der Self-Publishing-Day in direkter Nachbarschaft hat seinen Reiz. Vielleicht versuche ich mich ja doch mal an der Solo-Veröffentlichung …

Jedenfalls sage ich Danke für diese schöne Übersicht! 🙂

https://blog.neobooks.com/2017/11/14/veranstaltungskalender-fuer-autoren/

Blog

Mit unserem Veranstaltungskalender für Autoren geben wir euch einen Überblick über kommende literarische, deutschsprachige Events in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ob Buchmesse, Bücherfest oder Literaturcamp – in unserem Veranstaltungskalender findet sicherlich jeder von euch etwas Passendes! Notiert euch am besten gleich die entsprechenden Literaturveranstaltungen in eurem Kalender oder speichert diese Seite in euren Lesezeichen. Unsere Übersicht werden wir stetig erweitern. Schaut also öfter mal vorbei, um nichts zu verpassen.

Literarische Events im Veranstaltungskalender

bücherregalIm Laufe der Zeit haben sich viele verschiedene Literaturveranstaltungen etabliert. Neben bekannten Größen, wie den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt, gibt es auch immer mehr Buchtage, Bücherschauen, Literaturfeste und -camps in den verschiedenen Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Viele von diesen Events finden regelmäßig statt, meist jährlich, und stehen unter wechselnden Mottos.

Was bringen mir Literaturveranstaltungen?

netzwerkenDie im Veranstaltungskalender aufgeführten Events bestehen meist aus mehreren Komponenten, wie Buchpremieren, Buchausstellungen, Lesungen, Diskussionen, Gesprächen…

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Warum „husch-husch“ manchmal besser als „Eile mit Weile“ ist

Klären wir zu Beginn die Fakten: Ich habe mir ein Aschekreuz auf die Stirn gemalt, den Rest des Drecks auf mein Büßergewand gekippt und mir auch ein nettes kleines Reisigbündel zur Selbstkasteiung gebastelt. Ich bin also in voller Montur angetreten um zu bezeugen, dass ich einen Fehler gemacht habe.

Gut, es ist ein Fehler, der nur mich selbst trifft, weswegen ich auch auf das Tragen eines Dornengürtels verzichte, aber ärgerlich genug ist er trotzdem. Aber weil ein Fehler, den einer macht, ja doch für viele eine Warnung oder ein Fingerzeig sein kann, tue ich ihn hiermit kund:

Ich habe zu viel Zeit auf „Eile mit Weile“ verwendet, wo ein wenig beherztes „husch-husch“ wohl besser angebracht gewesen wäre.

Es geht um meine Agenturbewerbungen mit „Der Beobachter und der Turm“. Die Alteingesessenen unter meinen Lesern erinnern sich, dass ich dieses Manuskript im NaNoWriMo 2015 geschrieben, bzw. beendet habe. Danach lag es erst einmal eine Weile in der Gegend herum, weil ich direkt an „Die Welt der stillen Schiffe“ weiter schrieb. Ist ja auch okay so, man liest ja überall, dass man seine frisch gepressten Werke erst einmal ein wenig ruhen lassen soll, bevor man sie sich wieder zur Brust nimmt.

Deswegen war es auch vollkommen okay, dass ich erst im Sommer 2016 wieder zu meinem Manuskript zurückkehrte und es an eine Riege von Testlesern verschickte. Diese nahmen sich teils viel Zeit und machten hervorragende Vorschläge zur Verbesserung des Manuskripts, die ich auch gerne umsetzte, soweit ich mit ihnen übereinstimmte.

Und dann passierte … irgendwie gar nichts und doch unglaublich viel

Ich begann damit, einen neuen Roman zu schreiben, der bis jetzt unvollendet geblieben ist. Ich schrieb diverse Kurzgeschichten, von denen zwei für Anthologien angenommen wurden. Nebenbei schrieb ich meinen Roman „Der Morgen danach“ für eine geplante Verlagsveröffentlichung um. Irgendwie war immer irgendwas zu tun was auf irgendeine Art der Beschäftigung mit „Der Beobachter und der Turm“ im Weg stand.

Das fällt mir jetzt, wo ich mich wieder mit diesem Roman zu beschäftigen begonnen habe, richtig vor die Füße. Es war ein Fehler, nicht dran zu bleiben und, wie ich ja schon schrieb, die administrativen Arbeiten so einer Bewerbung frühzeitig in Angriff zu nehmen. Denn inzwischen hat sich mein Blick auf den Roman wieder verändert, ist gleichsam kritischer, aber auch unsicherer geworden.

Das habe ich gemerkt, als ich jetzt die verschiedenen Leseproben zurechtgeschnitten habe. Es fing schon damit an, dass ich in meinem Wust von verschiedenen Versionen Schwierigkeiten hatte, die zu finden, mit der ich mich nun tatsächlich seinerzeit bei be beworben hatte (es hat definitiv nicht geholfen, dass ich teilweise mit Word und teilweise mit Papyrus gearbeitet habe). Aber als ich diese dann gefunden hatte, fing das Drama erst an:

Ich las die ersten paar Seiten noch einmal und wurde auf einmal unsicher, ob die sich wirklich in dieser Form für eine Veröffentlichung eignen. Nein, es ging nicht darum, dass ich auf einmal glänzende neue Ideen, einen ganz neuen Blick auf meine Orthografie oder etwas ähnlich konstruktives gehabt hätte. Es war ein rein destruktives „das taugt nicht viel“.

Nun, ich habe das Glück, dass ich mit diesem Manuskript den Weg gegangen bin, andere Menschen mit ins Boot zu holen, denen ich in ihrem Urteil vertraue. Denn so konnte ich mir noch einmal die von dort stammenden Anmerkungen durchlesen und zu dem (halbwegs) gesicherten Schluss kommen, dass das, was da steht, doch nicht so schlecht ist. Und ich erinnerte mich auch noch einmal an den Kommentar des Lektors von be, der meine Schreibe prinzipiell gut fand, auch wenn der Romanbeginn ihm etwas zu bedeutungsschwanger daher kam (was ich durch einen neuen Prolog ein wenig ausgeglichen zu haben glaube).

Somit konnte die ganz große und existenzielle Krise (erst einmal) im Keim erstickt werden. Aber es wäre nie dazu gekommen, wenn ich nicht seinerzeit diesen dummen Fehler gemacht hätte.

Deswegen formuliere ich einen ganz einfachen Merksatz, den ich mir hinter die Ohren schreiben werde:

Bleibt an euren Geschichten dran, gebt ihnen etwas Zeit, aber dann kümmert euch um sie, treibt sie weiter und macht etwas daraus.

Sonst geht es euch vielleicht so wie mir und ihr bekommt diese dummen Zweifel. Und Zweifel haben wir kreativen Menschen ja ohnehin meistens schon mehr, als sie von der Krankenkasse übernommen werden.

Also: dran bleiben! Ich werde es jetzt auch tun. Nachdem ich mich wieder umgezogen und den ganzen Dreck abgewaschen habe …

Der Sonntagsreport vom 12.11.2017: Alles nur in meinem Kopf

Der letzte Tag von so einem Urlaub ist doch irgendwie immer komisch. Vielleicht liegt es daran, dass er so oft auf einen Sonntag, also somit sowieso schon einen recht „toten“ Tag fällt. Für mich fühlt sich der letzte Urlaubstag immer an, als wäre er ein großes Ausatmen. Ein Ausatmen von Ruhe und selbstkontrollierter Zeit. Und dann versuche ich, das nächste Einatmen noch ein klein wenig länger hinauszuzögern, weil ich genau weiß, dass dieses Einatmen die Hektik mit sich bringt. Die Unruhe. Die Anstrengung.

Das ist nicht immer so gewesen. Ich kann mich an Zeiten erinnern, zu denen es zwar lästig war, dass die Arbeit wieder los ging, aber eben auch nicht mehr. Es gehörte dazu. Geht ja nicht anders. Nun, diese Zeiten scheinen vorbei zu sein und ich gehöre zu denen, die ganz langsam ausatmen und dann die Luft anhalten.

Und während ich die Luft anhalte und versuche, nicht blau dabei anzulaufen, versuche ich in meinem Kopf ein kleines Mantra ablaufen zu lassen. Eines, das mir sagt, dass das alles gar kein Problem ist. Es gibt kein Problem.

Das ist alles nur in meinem Kopf.

Sicherlich kennt ihr alle das Lied von Andreas Bourani, das diesen schönen Titel trägt. Ein Lied, das mir auch sehr gut gefällt. Doch während er in ihm Dinge beschreibt, die eigentlich gut und schön sind, die er gerne länger erlebt hätte, sind es bei mir oft Dinge, die ich alles andere als erleben möchte. Wobei mir nur hilft, weiter zu atmen. Wenn es nicht mehr geht, die Luft anzuhalten.

Es gibt Schriftsteller, die glauben, dass aus solchen Gefühlen, aus solchen Problemen, der Stoff gemacht ist, aus dem wir unsere Geschichten weben. Das ist ein Gedanke, der mir gefällt. Und ja, manchmal ist es sicherlich so. Ich habe es erlebt. Denn das Schreiben ist hin und wieder auch Kompensation für das, was mich bedrückt. Gerade auch für die Dinge, die mich bedrücken, obwohl es keinen logischen Grund dafür gibt.

Das ist alles nur in meinem Kopf.

Doch ich muss es hin und wieder heraus lassen, es in Worte kleiden. Und deswegen ist es für mich doppelt schwer, wenn ich nicht in der Lage bin, vernünftig zu schreiben. Denn dann bleibt viel von all dem einfach in mir eingeschlossen. Dort, wo es irgendwann wirklich anfangen kann, Unheil anzurichten. Mich am Atmen zu hindern.

Ich will nicht sagen, dass ich genau verstehe, was da passiert. Aber ich kann langsam die Mechanismen dahinter erkennen und versuchen, sie zu steuern. Deswegen wehre ich mich an einem toten Sonntag wie diesem nicht mehr dagegen. Und ich wehre mich auch nicht gegen das mulmige Gefühl, das ich früher nicht hatte, das aber nun zu einem Teil meiner Selbst geworden ist. Man könnte auch sagen, dass ich versuche, mich damit ernst zu nehmen.

Deswegen war der Tag okay so, wie er war. Und auch der morgige Tag wird okay sein. Und der danach. Und mit ein wenig Glück sogar noch der darauf folgende. Weil es sein muss. Weil es so geht.

Weil das alles nur in meinem Kopf ist!

Agenturen in der Übersicht

Es ist ja irgendwie immer dasselbe: Man steht am Anfang eines längeren Abschnitts freier Zeit, eines Urlaubs etwa, und denkt sich, dass man dieses oder jenes eigentlich gerne erledigen würde. Man hat ja jede Menge Gelegenheit dazu. Keine Arbeit, die einen abhält. Keine spärliche Freizeit, die man sich so einteilen muss, dass alle Interessen irgendwie zu ihrem Recht kommen. Und, ach ja, regenerieren muss man ja auch noch irgendwie. Sollte man nicht vergessen.

Und dann gehen die Tage ins Land und es passiert: nichts. Das kennt ihr sicher. Es finden sich immer andere Dinge, die man erledigen muss, oder die einfach gerade „dran“ zu sein scheinen. Dann, ehe man es sich versieht, ist der Urlaub doch schon wieder vorbei, steht der Alltag wieder vor der Tür und man bekommt Schweißflecken unter den Achseln, weil einem alle seine Sünden wieder einfallen.

In meinem Fall ist dies mit den Agenturbewerbungen so. Eigentlich, ihr erinnert euch sicher, wollte ich mich in meinem Urlaub mit „Der Beobachter und der Turm“ bei mindestens einer, wenn nicht sogar mehr, Agenturen beworben haben. Mein letzter Beitrag hierzu datiert vom 28.10. (!) und heute schreiben wir den 11.11.

Hat ja wieder einmal prima geklappt, nicht wahr? 😉

Ich muss also einsehen, dass es schwierig wird, eine Bewerbung jetzt wirklich noch zustande zu bringen, zumal ich nicht glaube, dass ich mir oder meinem Anliegen einen Gefallen damit tue, wenn ich die Sache jetzt übers Knie breche. Das geht bestenfalls zu Lasten meiner oben angesprochenen Regeneration (die ja sowieso, ich erwähnte es, eher fragwürdig ist), schlimmstenfalls macht es mir die ganze Bewerbung kaputt.

Was mich aber nicht davon abgehalten hat, zumindest einen weiteren Zwischenschritt zur Bewerbung zu unternehmen.

Ich hatte mir ja bereits ein Dutzend Agenturen ausgesucht, die anscheinend keine Berührungsängste zu dem von mir vorgelegten Genre zu haben scheinen. Eine dieser Agenturen ist jetzt noch einmal herausgeflogen, weil ich bei nochmaligem Studium der Website ein komisches Gefühl bekam, dem ich gefolgt bin.

Es bleiben also elf Agenturen übrig, die alle mal mehr und mal mehr voneinander abweichende Anforderungen an die Form, den Inhalt und die Gliederung der Bewerbungsunterlagen stellen. Diese Informationen habe ich mir von den Websites zusammen gesucht und übersichtlich in einer Excel-Tabelle zusammengefasst:

Die Tabelle gliedert folgende Punkte:

  • Name der Agentur
  • Webadresse
  • Mailadresse für die Bewerbung
  • Ansprechpartner (sofern angegeben)
  • Info darüber, ob eine Vita gewünscht wird (kurioser Weise nicht immer der Fall) und wenn ja, was drin stehen soll
  • Info darüber, ob eine Erklärung abzugeben ist, welche anderen Agenturen (und Verlage) das Werk bereits zur Prüfung vorliegen haben/hatten. Manchmal wird sogar gefordert, dass die Einschätzung dieser mitgeteilt wird
  • Info darüber, ob sich die Agentur einen Exklusivitätsanspruch ausbedingt
  • Weitere allgemeine Hinweise zu Besonderheiten (z.B. ein spezieller Fragebogen im Fall einer Agentur)
  • Info über Umfang eines beizubringenden Exposé
  • Info darüber, ob ein spezieller Pitch gewünscht wird
  • Info darüber, ob eine Zielgruppe angegeben werden soll
  • Info über den Umfang der gewünschten Leseprobe
  • Info darüber, ob die Charaktere des Romans kurz vorgestellt werden sollen
  • Info darüber, ob eine Einschätzung abgegeben werden soll, was das Alleinstellungsmerkmal des Romans ist
  • Die Angabe der Agentur, wie lange sie etwa für die Prüfung der Bewerbung brauchen wird …
  • … und ob sie eine Rückmeldung dazu gibt, oder ob einfach nach Ablauf einer Frist von einer Ablehnung auszugehen ist

Anhand dieser Liste kann ich jetzt weiter vorgehen und mir zum Beispiel morgen als vorbereitende Arbeit noch die Leseproben vornehmen, diese also in den jeweiligen Längen erstellen. Das Exposé, das ich seinerzeit für meine Bewerbung bei be geschrieben habe, passt ebenfalls zu den meisten Anforderungen. An der einen oder anderen Stelle muss ich nacharbeiten, aber das war mir ja bewusst.

Wichtig ist für mich aber auch, die potenziellen Laufzeiten und den Exklusivitätsanspruch im Blick zu haben. Da muss ich abwägen, bei welcher Agentur ich mich „lieber“ sähe, als bei einer anderen. Als Beispiel: AVA International erwarten absolute Exklusivität in allen Belangen. Dafür sind sie auch, so die Angabe auf der Website, binnen 30 Tagen in der Lage, eine Einschätzung abzugeben. Das kann ein Vorteil sein, kann aber auch ein Nachteil sein. Ganz nachdem, wie viel Geduld ich mitbringe, oder auch nicht.

Wie dem auch sei, einen kleinen Schritt bin ich damit wieder voran gekommen und mühsam ernähren sich ja bekanntlich nicht nur die Eichhörnchen, sondern auch die Schriftsteller. Wäre doch gelacht, wenn wir nicht noch rechtzeitig vor dem Winter einen kleinen Vorrat an Bewerbungsunterlagen geschrieben hätten, nicht wahr?

Ich halte euch gerne auf dem Laufenden, wenn ihr mögt 🙂 .