Der Ball ist rund – und eine gute Story ist es auch

Gestern und heute habe ich mir die Spiele im DFB-Pokal angeschaut, bzw. angehört (ich neige dazu, das Fernsehbild im Hintergrund laufen zu lassen und nur im Bedarfsfall dahin zu schalten, wenn irgendwas aufregendes passiert). Bayern München spielte gestern gegen Borussia Dortmund und im Moment laufen noch die letzten paar Minuten von Arminia Bielefeld gegen den Vfl Wolfsburg.

Was das mit dem Thema dieses Blogs zu tun hat? Nun, ich finde, dass man an diesen beiden Fußballspielen sehr gut erläutern kann, wie eine Geschichte davon profitiert, wenn es eine Handlung mit Wendungen, Dramatik und vielleicht sogar einem unerwarteten Ausgang gibt.

All das trifft für das Fußballspiel der Bayern und der Dortmunder zu. Die Bayern waren im eigenen Stadion in Führung gegangen, hatten danach noch einige hochkarätige Chancen und Treffer am Aluminium. Sie hätten nur den Sack zumachen müssen, aber da sie es versäumten, glich Dortmund knappe fünfzehn Minuten vor dem Abpfiff aus.

Ab da war es ein echtes Spitzenspiel, das von allem etwas zu bieten hatte. Der Spielstand blieb allerdings unverändert, so dass es ins Elfmeterschießen gehen musste. Ein Elfmeterschießen, dass ich in dieser Form noch nicht gesehen habe. Als erster Bayer läuft Lahm an, rutscht aus und verschießt. Als zweiter Bayer tritt Alonso an – und es wiederholt sich der Ausrutscher. Götze schießt zu lasch und der Keeper der Dortmunder hält. Und zum Schluss kommt Manuel Neuer und trifft wiederum nur die Querlatte. Damit ist Dortmund weiter, wobei sich deren Schützen im Elfmeterschießen auch nicht mit Ruhm bekleckert hatten.

Wie sähe die Sache nun aus, wenn es sich um einen Roman handelte? Nun, es gäbe einen richtig guten Cocktail, der am Anfang vielleicht sogar mit den Erwartungen des Lesers in einer Art und Weise spielt, dass der erste Knalleffekt, in diesem Beispiel wäre das der Ausgleich, wie aus heiterem Himmel kommt. Wichtig ist jetzt, den Leser nicht mehr von der Angel zu lassen und ihm das Gefühl zu geben, dass jetzt alles passieren kann.

Im Pokalspiel gestern wurde der Niederländer Arjen Robben nach einer Verletzungspause eingewechselt. Nach wenigen Minuten lag er am Boden und kam nicht wirklich wieder auf die Beine. Folgerichtig wurde er direkt wieder ausgewechselt. Auch solche Entwicklungen passen zu dem oben beschriebenen Spannungsbogen. Eine Figur, in die der Protagonist des Romans große Hoffnung gesetzt hat, taucht auf, nur um direkt wieder aus dem Spiel genommen zu werden (vielleicht erschossen, wenn es ein Krimi ist?).

Das Ende ist dann ein Showdown, wie er besser kaum in einen Roman zu adaptieren wäre. Es wogt hin und her und am Ende kommt es sogar zu Vorkommnissen, die einem niemand geglaubt hätte, wenn es denn vorher prognostiziert worden wäre. Ich jedenfalls hatte mit so einem Elfmeterschießen nicht gerechnet. Darum wird es mir längerfristig im Gedächtnis bleiben und auch ein Roman in dieser Form würde mich fesseln.

Dann der Gegenentwurf im Form des heutigen Fußballspiels. Der Klappentext (in Form der Moderatoren im Fernsehen) preist ein Spektakel an. Große Hoffnungen werden geweckt. Schon nach acht Minuten fängt das Spiel an, an Spannung zu verlieren. Am Ende gewinnt Wolfsburg mit 4:0 gegen die Arminia. Sicherlich verdient, sicherlich okay, aber eben alles andere als spannend.

Jetzt könnte man einwenden, dass die Zuschauer und auch die Leser wissen müssen, was für eine Art Geschichte sie wahrscheinlich erwartet in einem Buch, das diesen Titel trägt. Der Außenseiter gegen den Giganten, der Drittligist gegen den zweiten der ersten Liga. Das klingt nicht nach Überraschung und manchen Menschen reicht das. Wer einen Heimatroman liest, der weiß genau was er oder sie haben möchte.

Letztendlich haben beide Spielweisen und beide Schreibweisen wahrscheinlich ihre Berechtigung. Und trotzdem bin ich jetzt nach dem Pokalspiel ziemlich müde …

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2 Gedanken zu “Der Ball ist rund – und eine gute Story ist es auch

  1. Wenn das Bayern – BVB Spiel ein Buch wäre, dann hätte es ein krachendes Ende, irgendwie anders als erwartet (ICH hatte jedenfalls geglaubt, Bayern packt das und bis zum Elfmeterschießen war ich auch fest davon überzeugt, dass sie das verdient haben, schon allein wegen der zwei nicht gegebenen Elfmeter, aber nach dem Elfemterschießen muss ich als Bayernsympathisantin gestehen: Dortmund hat es verdient). Auch während des Spiels gab es sicher einige interessante Punkte, aber im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass ich vom Spielverlauf her schon deutlich bessere Spiele gesehen habe (z. B. ein DFB-Pokalspiel diese Saison, wo ein Viertliegist auf einen Zweitligist traf). Bayern und BVB sind beide stark. So stark, dass beide Schwierigkeiten hatten, ihr Spiel aufzubauen, weil die andere Mannschaft es immer wieder gestört hat. Von so richtig, richtig spannenden Aktionen gab es nur sehr wenige. Aber der Kracher am Ende, der reißt alles raus – manchmal auch bei Büchern (vor allem bei jenen von Simon Beckett ;)).

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    • Mic schreibt:

      Sicherlich gab es schon bessere Fußballspiele, aber die Dramatik am Ende hatte schon etwas für sich. Zumal ich eigentlich das Gefühl hatte, dass von Beginn an alle der Ansicht waren, dass die Bayern das schon locker nach Hause spielen würden (so kamen mir die Herren Kommentatoren rüber).

      Und genau dieses Aufmucken des vermeintlichen Verlierers, der sich dann doch als ebenbürtig herausstellt (und das schreibe ich als Schalke-Fan über Borussia Dortmund …) ist es doch, was Geschichten wie diese so ansprechend macht. Dass dann noch Slapstickeinlagen wie die beiden Ausrutscher dazu kamen, wäre dann für einen Roman schon des Guten zuviel. Da würde der Leser sich wahrscheinlich fragen, ob der Autor es sich da nicht ein bisschen einfach machen wollte. Andererseits zeigt das auch: solche Dinge passieren! Das war schon bei David und Goliath so. Wenn man das in einem modernen Roman bringen würde, würde es einem auch keiner glauben ;).

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