„Sie sind doch kreativ, Sie haben Ideen!“

Eigentlich hatte ich einen ganz einfach gestrickten Plan für den heutigen Tag: ich gehe ins Büro, nehme mir meine Notizen vor, strenge meine grauen Zellen ein wenig an und schreibe ganz im Sinne meiner Chefin ein dienstliches Schreiben, das sich gewaschen hat (dabei aber gleichzeitig unverbindlich freundlich und auffordernd zackig ist). Wie die meisten Sätze, die mit dem Wort eigentlich beginnen, mündet auch dieser in ein Aber.

Ich wusste, dass ich mich irgendwann auch dem Gespräch mit meinem obersten Chef stellen musste. Ich schreibe das deswegen so defensiv, weil man bei ihm nie so genau weiß, in welcher Tagesform er gerade ist. An manchen Tagen lädt er einen gefühlt zum gemütlichen Frühstück ein, an anderen Tagen ist man das Frühstück. Ich wollte jedenfalls gar nicht riskieren, in einen faux-pas zu geraten und meldete deswegen beim Vorzimmer meinen Gesprächswunsch an. Ausgegangen war ich da von der nächsten Woche. Wieder ein Aber!

Und so fand ich mich praktisch sofort im Büro meines obersten Chefs wieder, das ich für die kommenden anderthalb Stunden auch nicht wieder verlassen habe. Wir haben ein gutes Gespräch miteinander geführt, das zwar in keine der beiden oben genannten Kategorisierungen hinein passt, aber dennoch eher in den Bereich des zugewandten Miteinanders fällt, wie man es sich als Arbeitnehmer wünscht, aber viel zu selten bekommt.

Ich befinde mich ja jetzt in der beruflichen Wiedereingliederung und bevor ich die begonnen habe, hat unsere Personalabteilung schon einmal dezent nachgefragt, ob es denn für mich überhaupt Sinn mache, wieder an meinen alten Arbeitsplatz zu gehen. Oder ob es nicht besser für alle Beteiligten wäre, wenn ich woanders einen Neustart wage. Prinzipiell wäre dies wohl möglich. Ich habe mir natürlich meine Gedanken dazu gemacht und bin wegen diverser Gründe dazu gekommen, dass ich wieder dorthin wollte, wo ich vor meiner Erkrankung gewesen bin – gleichzeitig habe ich aber, wie in diesem Eintrag geschildert – die Karten auf den Tisch gelegt und auch um gegenseitige Offenheit gebeten. Also mir zu sagen, wenn man irgendwelche Vorbehalte gegen mich hätte.

Das habe ich auch bei meinem obersten Chef heute getan. Und die Reaktion war … ich komme auf keinen anderen Begriff als „seltsam“. Vielleicht passt noch „unerwartet“. Er sagte mir nämlich in einem der Kernsätze, dass er schon seit langem das Gefühl habe, dass ich mit den strengen Vorschriften und Regelungen, die an meinem momentanen Arbeitsplatz herrschen, meine Probleme haben könne, denn

Sie sind doch kreativ, Sie haben Ideen! Nehmen Sie nur einmal die Zeit, die Sie damit verbringen, sich Gedanken zu machen ob das, was Sie tun, nicht besser getan werden kann. Ich glaube, dass das, was Sie jetzt machen, was Sie auch gut machen, nicht das ist, was Sie eigentlich machen wollen. Und dann werden Menschen krank.

Abgesehen davon, dass ich wegen der Aussage zu den „Gedanken, was man besser machen kann“ noch einmal mein Büro in Hinblick auf Wanzen untersuchen muss, hat mich diese Aussage zutiefst berührt. Weil sie eben den Teil von mir angesprochen hat, der sich auch hier in diesem Blog mitteilt und der letztlich für meine Träume in Bezug auf das Schreiben hauptverantwortlich ist.

Seien wir für einen Moment realistisch: ich werde selbst dann, wenn ich irgendwann meine angestrebte Veröffentlichung habe (und ich werde sie bekommen, tschakka!), niemals vom Schreiben leben können. Aber seit heute Mittag habe ich den Gedanken, dass ich vielleicht wirklich eine Möglichkeit finde, meine Kreativität auch in den beruflichen Kontext zu bringen.

Ich habe noch keine Idee, wie das aussehen könnte – oder ob ich mich überhaupt traue, so einen Schritt zu gehen. Aber ich habe in dem Gespräch heute gemerkt, dass diese Saite in mir stark schwingt und klingt. Mein oberster Chef hat schon häufig Kollegen an den Rand der Tränen gebracht, wenn auch aus anderen Gründen. Bei mir wäre es heute fast vor Rührung so weit gewesen. Klingt komisch, das so zu schreiben. Aber ich habe dadurch wieder einmal gemerkt, wie sehr das ganze Schreiben, die Kreativität, die Ideen Teil meines Lebens sind. Ein integraler Teil.

Und wenn ich diesen nicht auslebe, dann werde ich krank. Ich denke, es ist an der Zeit, wieder gesund zu werden!

Habt einen guten Start ins Wochenende!

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3 Gedanken zu “„Sie sind doch kreativ, Sie haben Ideen!“

  1. Mic schreibt:

    Ich werde die Sache mit dem Kopf, dem Herzen und dem Bauch betrachten und dann eine Entscheidung treffen. Ist nicht ganz leicht für mich, aber was ist schon leicht!? Zunächst einmal bin ich froh, überhaupt diese Möglichkeit zu haben – das haben viele Menschen ja nicht, wenn sie sich einmal für einen Beruf entschieden haben.

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