Wörter zählen – zwanghaft oder motivierend?

„Hallo, mein Name ist Michael – und ich zähle Wörter!“

So, oder zumindest so ähnlich, müsste ich mich wohl im Kreis der anonymen Wörterzähler einführen, wenn ich denn schon herausgefunden hätte, wo und wann der tagt. Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der an dieser Krankheit leidet, die durch alle Gesellschaftsschichten gehen dürfte, solange der Betroffene nur ein Autor ist. Irgendeinen Sinn wird es ja machen, dass sogar WordPress die Zahl der Worte unter diesem Entwurf anzeigt.

Eine der ersten Binsenweisheiten über Sprache die man lernt ist, dass ein Buch aus Worten besteht, die wiederum aus den immer gleichen Buchstaben gebildet werden. Dass alle Varianz sich aus dem ergibt, was der Erschaffer dieser Aneinanderreihung in der Lage war, mit den Grundvoraussetzungen anzufangen.

Das ist die esoterische Herangehensweise an das Wörter zählen. Ich gehöre hier eher zu den Pragmatikern und behaupte, dass es verdammt motivierend sein kann, Worte zu zählen.

Ich zähle immer, wenn ich geschrieben habe, wie viele Wörter es denn geworden sind. Zum Glück kann ich das mit einer einfachen Markierung in meiner Textverarbeitung tun und bin nicht auf meine Konzentration angewiesen.

Was mich vielleicht von anderen (Hobby-)Autoren unterscheidet ist, dass ich mir eine kleine Statistik gebastelt habe, um die Wortzahl über das Jahr hinweg zu analysieren. Das sieht dann ungefähr so aus:

Wortstatistik

 

Wie ihr erkennen könnt, schreibe ich mir für jeden Tag des aktuellen Monats die Zahl der Worte auf, die ich geschrieben habe (woran ihr erkennen könnt, dass ich auch heute schon wieder produktiv war – yeah!).

Diese werden dann für den laufenden Monat zusammengezählt und über eine einfache Division zu einem Tagesschnitt verrechnet. Dieser ist wichtig, weil mich interessiert, wie viele Seiten ich in einem speziellen Monat geschrieben habe. Dabei ist die Faustformel relativ einfach, nämlich Anzahl der Worte / 250. Die 250 ist ein Erfahrungswert, wie viele Wörter ich auf einer Normseite unterbringen kann. Aber auch die Gesamtzahl der innerhalb des Kalenderjahres geschriebenen Worte ist für mich ein durchaus interessanter Wert.

Im letzten Schritt ermittle ich auf dieselbe Weise den momentanen Schnitt für das Jahr. Aktuell wäre es also so, dass ich, wenn ich von heute an kein einziges Wort mehr an irgendeinem Romanentwurf schreiben würde, trotzdem im Schnitt jeden Tag des Jahres eine Normseite geschrieben hätte. Das kann manchmal sehr beruhigend sein, wenn ich mal wieder das Gefühl habe, nicht genug geschafft zu haben.

In der Überschrift zu diesem Posting habe ich die Frage aufgeworfen, ob auch etwas Zwanghaftes dabei sein könnte, die Wörter zählen zu müssen. Ich will gar nicht abstreiten, dass es da einen kleinen Teil in mir gibt, der diese Zahlenspielereien braucht. Aber der größte Part ist doch die Motivation. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie motivierend es heute Vormittag, als ich mich an die „Arbeit“ machte, für mich war, dass da endlich wieder eine Zahl für den laufenden Monat stand!

Trotzdem bin ich auf Meinungen gespannt, ob ich vielleicht doch nach einer Selbsthilfegruppe Ausschau halten sollte. Oder es findet sich jemand der mir bestätigt, dass das exzessive Wörter zählen ganz normal ist. Ich bin gespannt!

Euch allen wünsche ich einen angenehmen Abend!

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5 Gedanken zu “Wörter zählen – zwanghaft oder motivierend?

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