Eine Nacht drüber geschlafen

Auch nachdem ich jetzt eine Nacht drüber geschlafen habe, fühle ich mich immer noch ein wenig zwiegespalten bei dem Gedanken daran, dass ich den „Redner“ fertig habe – wobei fertig in diesem Zusammenhang natürlich immer in so dicken Anführungszeichen wie hier gesagt werden muss. Es ist eine erste Fassung, die noch überarbeitet werden muss. Und ich habe ja schon verschiedentlich gestanden, dass ich das Gefühl habe, gerade bei diesem Roman einiges überarbeiten und plausibilisieren zu müssen.

„Der Redner“ ist für mich ein besonderes Projekt gewesen. Zum einen weil ich damit begann, als ich mich in einer gesundheitlich schwierigen Situation befand. Irgendwann habe ich mich einfach hingesetzt und ohne 100% ausgegorene Idee angefangen zu schreiben. Zum anderen ist er besonders, weil er das erste Romanprojekt noch meinem „olympischen Fünfkampf“ von Herbst 2011 bis Frühjahr 2013 war, in dem ich fünf Romane im Akkordtempo runtergeschrieben und mir hinterher selbst eine Auszeit verordnet habe, weil es keinen Spaß mehr, sondern nur noch Stress machte.

Gut, ich gebe zu, an manchen Tagen war auch die Arbeit am „Redner“ nicht weniger als Stress pur. Der Drang zu schreiben und es nicht zu können (siehe die Schreibblockade), das Gefühl, nur Mist zu Papier zu bringen und gleichzeitig immer im Hinterkopf, dass ich nach der abgeschlossenen Arbeit daran mit „Der Morgen danach“ ins Haifischbecken Veröffentlichung einsteigen möchte – das alles waren keine wirklich einfachen Faktoren.

Deswegen wäre es doch jetzt eigentlich angebracht, ein wenig Stolz auf die eigene Leistung zu fühlen, oder? Ich meine, 200.000 Worte, die muss man ja erst einmal schreiben.

Aber ich fühle nach wie vor keinen Stolz. Ich spüre ein wenig Freude, gedämpft durch einige Melancholie, dass es jetzt vorbei ist. Letztlich bestätigt mich das aber in dem Gefühl, dass es jetzt Zeit ist, das Thema Veröffentlichung zu forcieren. Denn ich glaube, was mich ein wenig traurig macht, ist das Gefühl so viele Stunden in etwas gesteckt zu haben, was niemand wirklich sehen kann.

Gut, das geht vielen „künstlerisch“ tätigen Menschen so. Aber wenn jemand malt, dann kann er die Bilder bei sich an die Wand hängen. Wenn jemand Musik macht, dann kann er einer Band beitreten. Wenn jemand schreibt, dann bleibt das erst einmal in seiner eigenen kleinen Welt, die er dadurch erweitern kann, das er anderen Leuten, Freunden oder Verwandten, auf den Keks geht, dass die den Roman doch mal lesen sollen.

Wahrscheinlich ist das ein Grund dafür, dass auch heutzutage so viele Menschen auf Druckkostenzuschussverlage hereinfallen, ein Heidengeld bezahlen, um sich der Illusion hingeben zu können, endlich eine Präsenz ihres Werkes erreicht zu haben. Dass sie das so nie erreichen werden, hat sich leider immer noch nicht bis in alle Ecken des Internets herumgesprochen – aber davon vielleicht ein andermal mehr.

Ich werde jetzt die Gedanken an den „Redner“ einige Tage ruhen lassen. Vielleicht fällt mir in der Zeit ja noch ein besserer Titel ein. Das würde ich euch dann wissen lassen.

Und ansonsten geht es jetzt gedanklich darum, wieder umzuschwenken auf „Der Morgen danach“. Drückt mir die Daumen, dass ich mich nicht total verheddere!

Euch wünsche ich noch einen schönen Tag!

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