Der Paragraphendschungel

Wie ich, glaube ich, schon mal irgendwo im Blog geschrieben habe, bin ich im Öffentlichen Dienst beschäftigt. Und als ob das noch nicht schlimm genug wäre, auch noch im Beamtenstatus (die ersten Leser wenden sich mit Grauen ab, weil Beamte sowieso keine Phantasie besitzen von der sie wüssten und deswegen auch ihre Romane nichts taugen können). Das war bis jetzt für mein Hobby genau gar nicht von irgendwelchem Belang.

Anders könnte es aber aussehen, wenn ich wirklich in die Nähe einer Veröffentlichung komme. Denn das könnte dann eine genehmigungspflichtige Nebentätigkeit sein. Wieso diese genehmigungspflichtig ist? Ganz einfach, weil nach guter alter preußischer Tradition der Gesetzgeber davon ausgeht, dass Beamte quasi immer im Dienst für den Bürger sind (die ersten Leser müssen nach Lachanfällen reanimiert werden) und wenn sie dies wider Erwarten einmal nicht sein sollten, dann haben sie gefälligst ihre Kräfte für den nächsten heroischen Einsatz zu schonen und sich zu pflegen.

Und weil alles im Beamtenrecht genau das, Recht nämlich, haben muss, gibt es natürlich auch eine ellenlange Nebentätigkeitsverordnung, die genau regelt, was man als Nebentätigkeit ausüben darf, was nicht, wozu man eine Genehmigung des Arbeitgebers braucht, wozu nicht …

Jetzt sollte ich eigentlich durch meinen Job in der Lage sein, Verordnungen und Gesetze zu lesen. Bin ich auch. Aber dieses Schriftstück hat mich dann doch etwas verzweifeln lassen.

So ist grundsätzlich festgelegt, dass schriftstellerische Betätigung nicht genehmigungspflichtig ist – solange sich daraus keine verpflichtenden Abhängigkeiten (grob von mir ins Deutsche übersetzt) ergeben. Das könnte also bedeuten, dass ich so lange schreiben darf, bis ein Verlag daher kommt und sagt: „Korrigier mal den Schriftsatz bis nächste Woche Mittwoch“. Was dann ein Problem wäre, oder sein könnte.

Eine andere Frage ist das Salär, das ich im Veröffentlichungsfall hoffentlich bekommen würde. Auch da gibt es Grenzen, bis wohin ich dieses Geld einfach annehmen (und ordentlich versteuern, aber das ist ein anderes Thema) dürfte und ab wo ich wiederum den Arbeitgeber zumindest informieren müsste.

Diese Informationspflicht ist sowieso interessant, denn wenn man sich mal den Vordruck anschaut, mit dem eine Nebentätigkeit angemeldet werden soll, dann fällt auf, dass dort die Einkünfte für die nächsten fünf Jahre prognostiziert werden sollen. An der Stelle kann ich nur die Achseln zucken und darauf verweisen, dass meine Glaskugel gerade in Reparatur ist.

Und was mir gar nicht schmeckt ist der Zusatz, dass ich mich dazu verpflichte, die Nebentätigkeit nicht während meines Erholungsurlaubs auszuüben. Das würde Sinn machen, wenn ich nebenberuflich Steuerberater sein wollte, aber doch wohl nicht bei einer „künstlerischen“ Betätigung, die ja im Gegenteil gerade der Entspannung dient.

Was habe ich also gemacht? Ich habe an die zuständige Sachbearbeiterin in meiner Behörde eine freundliche E-Mail geschrieben, ihr den Sachverhalt dargelegt und darum gebeten, dass meine Fragezeichen sich in Ausrufezeichen verwandeln mögen.

Denn auch wenn das alles noch Zukunftsmusik sein mag mit den Veröffentlichungen, so wird das Thema spätestens dann spannend, wenn ich irgendwann doch selbst per eBook oder POD veröffentlichen sollte. Dann wäre ich ja quasi selbstständig …

Nun ja, es wird für alles eine Lösung geben. Und eine Regelung. Wofür haben wir denn sonst die vielen schönen Paragraphen?

In diesem Sinne wünsche ich euch einen möglichst unkomplizierten Abend!

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2 Gedanken zu “Der Paragraphendschungel

  1. Lächel…womit du definitiv bewiesen hättest, dass du ein Beamter bist. Da die „Nebentätigkeit“ dich nicht an bestimmte Zeiten und Orte bindet, sollte sie kein Problem sein. Ganz korrekt ist es sogar so, dass es sich um keine Nebentätigkeit handelt, da du nicht für die Ausübung des Schreibens bezahlt wirst, weder angestellt noch selbständig. Sondern: du übst ein Hobby aus, das Schreiben. Mit ein wenig Glück, generierst du dadurch ein passives Einkommen. Passiv bedeutet hier: du verdienst Geld, während du gar nicht „da“ bist. Für den Moment sehe ich keine Relevanz zu deinem Hauptjob und einer damit verbundenen Meldepflicht. Nur steuerlich, da sieht es natürlich anders aus, solltest du Geld verdienen. Trotzdem hier, als kleines Zückerchen, eine Aufgabe für deine mit Sicherheit vorhandene Phantasie: Wie könnte dein Künstlername lauten?

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      So gut, wie du das erläuterst, scheinst du aber auch nicht ganz unbeleckt in Sachen Paragraphenreiterei zu sein ;-). Ich will halt nur auf Nummer Sicher gehen, weil die Schriftstellerei halt explizit in dieser Verordnung auftaucht. Wobei das, was du schreibst, sich auch schlüssig anhört. Nun, wir werden sehen und ich halte dich/euch auf dem Laufenden.

      Aber wieso sollte ich mir einen Künstlernamen zulegen wollen? Ich träume seit ca. dreißig Jahren davon, dass irgendwann mal auf einem Buchrücken mein Name steht, da mache ich mir das doch nicht mit einem Pseudonym kaputt – es sei denn, der Verlag verlangt das irgendwann, um meine realistischen Romane von den phantastischen zu trennen.

      Äh … man merkt schon, dass es immer noch ziemlich heiß hier ist, oder?

      Gefällt 1 Person

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