Das Exposé – zweieinhalbter Entwurf

Lieber schreibe ich einen dreihundertseitigen Roman, als ein dreiseitiges Exposé! Jetzt langsam verstehe ich, wieso um dieses Destillat einer Romanhandlung so ein großes Gewese gemacht wird. Es ist schlicht und ergreifend so, als ob man versucht, einen Lastwagen durch ein Nadelöhr zu steuern. Oder einen Flugzeugträger in der eigenen Badewanne einzuparken. Oder mit einer Raumsonde am Pluto vorbei zu fliegen – okay, schlechtes Beispiel.

Ich kämpfe um jedes Wort, ringe mit jedem Buchstaben und wenn ich hinterher schwitzend und keuchend wie nach einem Marathonlauf auf mein Dokument schaue, dann hat es immer noch fünf Manuskriptseiten, ist gerade einmal lächerliche zehn Zeilen kürzer geworden und hat achtzig Worte eingebüßt. Achtzig Worte, die ich eigentlich lieber stehen gelassen hätte, weil ich es mag, mich in vielen Worten auszudrücken.

Wer hat eigentlich diesen Driss mit den drei Seiten festgelegt? Hat schon mal jemand versucht, Krieg und Frieden in drei Seiten zusammenzufassen? Das doofe ist nur, dass Hans Peter Roentgen in seinem Buch zeigt, dass man auch ein Mammutwerk wie die Ilias in wenigen Worten zusammenfassen kann. Wenn das mit einem Werk der Weltliteratur geht, dann sollte das doch auch mit einem kleinen, vergleichsweise belanglosen Thriller gehen!

Wahrscheinlich wäre es einfacher, wenn mein Protagonist Markus nicht bei jeder Handlung wieder neu reflektieren müsste, ob das, was er gerade tut, richtig oder falsch, sein echtes Leben oder ein anderes ist. Denn dann könnte ich einfach „es ist“ schreiben und nicht „er glaubt“. Denn dieses Glauben braucht dann meistens noch ein paar Worte mehr.

Und ich kann ja schlecht alle Elemente rausschmeißen, die den Fortlauf der Handlung betreffen. Wie soll man denn dann noch dem Text folgen?

Ihr seht schon, dieses Exposé stellt mich vor enorme Herausforderungen. Und wenn ich daran denke, dass es das für den kürzesten meiner Romanentwürfe ist, dann wird mir bei dem Gedanken daran, dass ich mich irgendwann einmal mit Der RednerDas Haus am See oder Der Ruf des Hafens bewerben könnte, schon einmal vorbeugend übel. Das geht dann wahrscheinlich nur noch über die Metaebene. Die aber beim „Morgen danach“ auch nicht richtig funktionieren will.

Es hilft nichts, ich werde weiter daran herumschrauben und hoffen müssen, dass mich doch irgendwann noch mal die Erleuchtung trifft oder die Exposé-Muse küsst.

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10 Gedanken zu “Das Exposé – zweieinhalbter Entwurf

  1. Hanna Mandrello schreibt:

    Hihi, ich habe das auch mal versucht. Es ist wirklich schwierig. Am besten lässt du es von jemand lesen, der das Buch nicht kennt. Er kann dir dann sagen, was du noch herausnehmen kannst, weil es für die Handlung nicht wichtig ist. 🙂 Oder du machst es anders herum. Habe ich zwar noch nie versucht, aber warum nicht. Mach einen Pitch und weite den so lange aus, bis du drei Seiten hast. Hmmm. Aber es stimmt, drei Seiten sind wirklich wenig. Ich übe das gerade auf anderem Wege über einen Kurzkrimi-Workshop. Um den auf Zeitungslänge zu bekommen, musste ich den auch auf 5400 Zeichen inkl. Leerzeichen herunter kürzen. Das hat mich graue Haare gekostet, ich hatte 11500 Zeichen und das war schon ein Mal gekürzt. Ich beneide dich nicht. 🙂

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  2. privatefemdom schreibt:

    Hm… vielleicht hilft es, wenn du dir vorstellst, ein guter Freund sitzt dir gegenüber. Du erzählst ihm von deinem Buchprojekt und er fragt „Worum geht es denn da?“ Was würdest du ihn darauf antworten?
    Schreib das doch mal in wörtlicher Rede auf, genau so wie du es ihm erzählen würdest…

    Viel Erfolg dir!

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Hm, ich fürchte, ich würde diesen guten Freund eiskalt unter den Tisch quasseln. Vielleicht ist das ja der Grund dafür, dass sich kaum jemand „in echt“ mit mir über meine Schreiberei unterhalten mag ;-). Aber vielleicht probiere ich das mal aus :-).

      Danke für den Erfolgswunsch!

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      • privatefemdom schreibt:

        Du hast 5 Minuten Zeit! Stell dir einen kleinen Wecker /Stoppuhr und versuche in 5 Minuten zu schreiben, worüber es in deinem Roman geht. Länger hört dir der virtuelle Freund nicht zu. 😉 Also etwas ausführlicher als der Pitch…

        Ansonsten gibt es in jeder größeren Stadt auch Schreibgruppen. Dort kannst du dich mit anderen treffen und austauschen, Feedback auf deine Texte erhalten und den ein oder anderen Tipp.

        Ich denke, jeder muss seinen eigenen Weg finden. Und dazu gehört dann auch das ein oder andere auszuprobieren, sich von Misserfolgen nicht entmutigen zu lassen.

        Lieben Gruß
        Morgana

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      • Mic schreibt:

        Das, was du in deinem letzten Absatz schreibst, versuche ich mir auch zu eigen zu machen. Also die Einstellung.

        Schreibgruppen sind nicht so mein Fall, da wäre ich wohl zu gehemmt dafür. Ich bin mehr der Typ des Hinterhofpoeten (und will jetzt lieber nicht hören, dass das fürs Marketing ganz schlecht ist. Das ist mir schmerzlich bewusst!).

        Noch hält mich das Notebook meiner Gattin in Atem, aber danach probiere ich weiter. Und berichte!

        Liebe Grüße zurück!

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