Sehr geehrte Damen und Herren …

… wer so sein Anschreiben an eine Literaturagentur oder einen Verlag beginnt, der kann das Manuskript, das er dorthin schicken wollte, direkt in den Müll werfen oder die E-Mail wieder löschen. Was man bei einer Versicherung oder einer Verwaltung vielleicht noch machen kann, das ist bei einer Firma, deren Vertragspartner man immerhin werden will, ziemlich verpönt. Der Lektor, bzw. der Agent, freut sich immer darüber, wenn er mit seinem Namen angesprochen wird. Das beweist ihm nämlich, dass der Autor es ernst mit seinem Unterfangen meint, seinen Text bei dieser Stelle anzubieten. Und auch, dass er sich mit dem Unternehmen, dem er seinen Text schickt, auseinandergesetzt hat.

Eine der schönsten Anekdoten aus dem Verlagsgeschäft ist meiner Meinung nach immer noch die, gemäß welcher ein aufstrebender Jungautor seinen Band mit Gedichten und Kurzprosa an einen Verlag geschickt hat, der ganz andere, viel dickere Bücher verlegte: Telefonbücher!

Jetzt ist das Geschäft mit Telefonbüchern in Zeiten des Internets und der allgegenwärtigen Smartphones wahrscheinlich eine ebenso brotlose Kunst geworden wie das Schreiben von Gedichten, aber es zeigt doch, dass man wissen sollte, was man an wen schicken kann. Und wie man die Menschen anspricht, die dort arbeiten.

Wenn man nicht von Hause aus mit dem berühmten Vitamin B ausgestattet ist, kann man zum Glück auf andere Quellen zugreifen, die einen zumindest in die richtige Richtung stoßen, was mögliche Abnehmer für das eigene Werk angeht.

Das Standardwerk, das ich vor kurzem schon einmal erwähnte, ist das Handbuch für Autorinnen und Autoren, das alle paar Jahre in einer neuen Auflage erscheint und nun schon in der Achten vorliegt. Ein nicht ganz preiswertes Vergnügen mit seinen rund 55 Euro, aber jeden davon in doppelter Weise wert. Nicht nur findet man so viel geballtes Know-How an keiner anderen mir bekannten Stelle, sondern vor allem die Adresslisten sind absolutes Gold wert.

Oder könnten es, wie in meinem Fall, irgendwann einmal werden.

Ich habe mich in den letzten beiden Tagen, die hier ein wenig still waren, unter anderem mit Kapitel 9 dieses Buches befasst, in dem es um Literaturagenturen geht. Auch dieses Kapitel wird mit einer sehr aufschlussreichen Adressliste abgeschlossen. Wenn ich alle diese Agenturen abarbeite, dann hätte ich mein Manuskript an 26 Stellen angeboten. Dies sind all die Agenturen, die gezielt Thriller in ihrem Portfolio haben. Dazu kommen noch ein paar, bei denen schlicht „Belletristik“ angegeben ist, die man „zur Not“ auch noch anschreiben könnte.

Keine der von mir herausgesuchten Agenturen vermittelt Telefonbücher. Lyrik übrigens auch keine, soweit mir aufgefallen ist.

Jetzt ist es daran, die Beschreibungen der einzelnen Agenturen genau zu studieren: was wollen sie eingesandt bekommen? Als Papier oder doch nur per Mail? Wie hoch ist im Erfolgsfall die Beteiligung? Und, und, und. Und alle diese Daten wollen dann natürlich noch mal mit den Homepages auf Aktualität abgeklopft werden. Und die Ansprechpartner könnten gewechselt haben.

Liebe Freunde, ich fange richtig an, nervös zu werden. Da meldet sich der verängstigte kleine Junge in mir, der nie zugeben wollte, dass er schreibt. Der sich fürs Schreiben sogar geschämt hat. Aber ich will versuchen, den Knirps an die Hand zu nehmen und ihm zu sagen, dass er da eine wunderbare Gabe hat, eine Fähigkeit, nicht nur mit Worten umzugehen, sondern sie zu Geschichten zu formen. Geschichten, die nur er erzählen kann!

Letztlich wäre die Veröffentlichung wahrscheinlich nur ein Sahnehäubchen. Denn das Schreiben bleibt mir. So oder so.

Ich wünsche euch allen eine gute und friedliche Nacht!

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5 Gedanken zu “Sehr geehrte Damen und Herren …

  1. Ob es am Ende zu einer Veröffentlichung kommt oder nicht… ich finde, du schreibst ganz großartig. Hier schreibst du im Grunde „nur“ über deinen Traum vom Buch und dieses so „simple“ Thema, das im Prinzip einen relativ geringen Spielraum hat, wird von dir so wundervoll aufgearbeitet, dass es jedesmal eine Freude ist, deine Texte zu lesen. Wenn ich entsprechender Lektor wäre… du würdest definitiv nicht einfach zur Seite gelegt werden!

    Wie heißt dieses 55-Euro-Buch, wo jeder Cent doppelt so viel wert ist, genau? Das hat mich neugierig gemacht. 🙂

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    • Mic schreibt:

      Danke, liebe Schnipsel, für deine lieben Worte! Wenn du wüsstest, wie oft ich schon überlegt und damit gehadert habe, ob das wenige, was ich hier thematisch berichten kann, irgendwen wirklich interessiert …

      Das Buch heißt „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ und wird herausgegeben von Sandra Uschtrin und Herbert Hinrichs. Die 8. Auflage ist frisch von diesem Jahr. Nähere Infos gibt es unter http://www.uschtrin.de/

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