Schreiben in der Komfortzone

Irgendwann bin ich zum ersten Mal auf den klugen Spruch gestoßen, dass jeder Autor ein Thema hat, über das er schreibt. Manche nennen es den Subtext des vorliegenden Textes, manche gehen in ihrer Interpretation auch noch viel weiter. Ich habe mich immer gefragt, ob es wirklich so ist, dass es Themen gibt, die so universell sind, dass sie in jeder Arbeit eines Autors durchscheinen. Und es dann für mich eigentlich verneint.

Vielleicht musste ich wirklich erst so alt werden, wie ich heute bin um zu wissen, dass es vielleicht Themen gibt, die ich noch nicht in meinen Romanen angepackt habe, die aber latent und unterdrückt doch immer da sind.

Ich schreibe im Moment in einer Art literarischer Komfortzone, indem ich mich in den Genres Thriller, Krimi oder Mystery bewege. Sicher, da kann auch alles passieren, aber es passiert auf eine andere Weise. Ich empfinde diese Genres als weiter weg von den tatsächlichen Triggerpunkten, um einen Begriff aus der Psychotherapie zu missbrauchen benutzen.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich irgendwann den großen gesellschaftsrelevanten Roman des 21. Jahrhunderts schreiben werde – nur echt mit Besprechung im Feuilleton der FAZ. Aber ich merke, wie ich mich für manche Themen einfach noch nicht reif genug fühle. Es nicht schaffe, sie in angemessener Form zu Papier zu bringen. Vielleicht, weil es zu schmerzhaft wäre, es zu tun?

Viele Autoren verarbeiten persönliche Erfahrungen. Für manche hat es auch eine kathartische Wirkung. Diese Katharsis kann ich für mich im Moment noch nicht erkennen. Deswegen bleibe ich wahrscheinlich besser bis auf Weiteres in meiner relativen Komfortzone, die ich mit Romanen wie „Lichter“ und „Das Haus am See“ schon einmal ganz vorsichtig verlassen habe – was diese beiden Geschichten zu meinen wohl persönlichsten Texten macht.

Muss ein Autor sich an sein Thema heranwagen? Die Gelehrten sagen: Ja! Aber die Gelehrten sind auch die ersten, die mit ausgestrecktem (und nicht immer sauber gewaschenem) Zeigefinger auf die vermeintlichen Schundautoren zeigen, die ihr literarisches Potential nicht abrufen. Es vielleicht gar nicht wollen.

Mir ist heute wieder einmal, in ganz anderem Zusammenhang, klar geworden, dass es Themen gibt, die für mich wichtig sind und von denen ich glaube, dass es mir gut tun würde, sie in einer Geschichte zu verarbeiten. Aber ich akzeptiere auch, dass das Zeit braucht. Die richtige Zeit. Und dass es nichts bringt, wenn ich es forciere.

Schadet die Komfortzone meiner Schreiberei? Nein. Jeder Text, den ich schreibe, ist ein Text, der mich voran bringt. Selbst meine Blogbeiträge bringen mich in meiner Identität als Autor weiter. Das erkannt zu haben gibt mir ein gutes Gefühl.

Und wenn ich doch irgendwann im Kulturteil der FAZ besprochen worden sein sollte, dann verspreche ich euch, seid ihr die ersten, die es erfahren!