Im wahren Leben etwas veröffentlichen

Wieder einmal ist es an der Zeit für einen Dank an meine Leser insgesamt und in diesem Fall an die liebe Kiira im Besonderen. Natürlich danke ich euch einfach fürs Lesen meines ja nun nicht immer wahnsinnig aufregenden Blogs! Aber gerade in der letzten Zeit hat mich die Unterhaltung mit euch, egal ob hier oder anderenorts, auf einige Aspekte meines Hobbies und des Umgangs damit gebracht, an die ich vorher noch gar nicht gedacht hatte und auf die ich vielleicht alleine auch nicht gekommen wäre.

Gestern hatte ich euch den Plan einer Tabelle vorgestellt, die mir quasi als einfacher Zwischenschritt zwischen vielen Informationen auf vielen Seiten Buch zu einer schnellen Übersicht an zentraler Stelle verhelfen soll. Als Kiira mich fragte, ob ich sie denn auch direkt angelegt hätte, musste ich zugeben, dass das wahre Leben mir dazwischen gekommen wäre.

Ja, ob ich denn nicht im wahren Leben ein Buch veröffentlichen wolle!?

Die Frage, so muss ich gestehen, hat mich erst einmal ein wenig umgehauen. Und dann kam ich ins Grübeln. Sicher, natürlich möchte ich im wahren Leben ein Buch veröffentlichen. Ich meine, dafür sind wir doch schließlich alle hier, oder nicht? Aber was ist das eigentlich, dieses „wahre Leben“ in diesem Zusammenhang?

Durch meine Probleme, für das Schreiben in der Form einzustehen, wie ich es zukünftig wohl besser tun sollte, wenn ich vorhabe, einen Roman erfolgreich zu verkaufen, war das Verfassen von Geschichten bis jetzt immer ein sehr virtueller Vorgang in einem sehr virtuellen Raum. Es gab Dateien, es gab Disketten, CDs, USB-Sticks und Ausdrucke. Ganz am Anfang gab es sogar Musikkassetten! Das alles waren Dinge, die man mal mehr oder weniger anfassen konnte, aber es waren und sind keine Bücher. Vielleicht Vorstufen davon.

Wieso also meine heftige Reaktion gestern auf diese Frage? Weil ich auf einmal das sah, was eine solche Veröffentlichung machen würde: sie würde mich aus der Virtualität herausreißen! Bis jetzt kann ich den größten Mist zusammenschreiben und bin darüber niemand anderem Rechenschaft schuldig, als mir selbst. Und zum Glück gibt mein innerer Kritiker während des Schreibens meistens Ruhe, so agil er auch in anderen Bereichen meines Lebens ist. Aber wenn ich irgendwann vielleicht für einen Markt schreibe, so klein er dann auch sein wird (denn ein Bestsellerautor wird aus mir wohl nicht werden), dann muss ich dessen Ansprüchen auch genügen können. Jedenfalls sind dann die Zeiten, in denen ich einfach schreiben kann, was und wie ich möchte, zumindest teilweise vorbei. Ein Agent könnte mir im Nacken sitzen und einen Nachfolgestoff verlangen – der möglichst und aus Gründen der Vermarktung nachvollziehbar in die gleiche Kerbe haut wie der Erstling. Es könnte einen Verlag geben, der mir reinredet. Leser, die Wünsche und Kritik äußern.

Das hätte ich mir alles vorher überlegen sollen? Liebe Leute, jetzt ist vorher!

Ich bin in dieses Projekt „Veröffentlichung“ im Laufe von Jahrzehnten hineingewachsen. Aber es war immer eine Sache, die irgendwann mal ansteht. Und jetzt auf einmal ist irgendwann nicht mehr irgendwann, sondern vielleicht im nächsten halben Jahr! Gut, die tatsächliche Veröffentlichung natürlich nicht mehr, aber die ist im Verlagsgeschäft ja nur noch eine Nachwehe. Die eigentliche Arbeit am Stoff zwischen den Vertragspartnern hat ja vorher schon stattgefunden und der Autor ist längst mit dem möglichen Nachfolger beschäftigt.

Neben dem Schritt aus der Virtualität ist es natürlich auch ein Schritt aus der Anonymität. Auf einmal stehen da irgendwo in Buchhandlungen Romane herum, auf denen mein Name steht. Und spätestens dann werden Menschen die mich kennen lesen können, was ich denn da so geschrieben habe. Und Menschen, die meinen Blog lesen, werden auf einmal auch wissen, wie dieser neurotische Mensch genau heißt, der sich immer so mit seinen Romanen gehabt hat.

Und da soll einem nicht heiß und kalt gleichzeitig werden?

Das sind alles Punkte, über die ich mir teilweise erst gestern nach Kiiras Kommentar noch einmal richtig bewusst geworden bin. Und ich bin ihr dankbar dafür! Denn es hat noch einmal einen Denkprozess ausgelöst, der noch nicht an seinem Schluss angelangt ist, aber bereits erste Ergebnisse trägt.

Am Wichtigsten: Alles bleibt, wie es ist. Ich will diese Veröffentlichung! Und wenn ich danach in meiner Familie, im Beruf, bei Freunden und Bekannten als der Typ da stehe, der „diesen Mist“ geschrieben hat, dann ist das so. Aber dann kann ich sagen, dass sich immerhin jemand gefunden hat, der bereit war, in diesen Mist Zeit und Geld zu investieren. Der mir sein Vertrauen geschenkt hat. Vertrauen, das ich mir selbst eben nicht immer in dem Maße schenken kann, wie es diesem Projekt angemessen wäre.

Deswegen danke ich euch zum Abschluss gleich noch einmal! Alleine schon, für euch diesen Blog zu schreiben, ist eine Stütze für mich. Und für meinen Traum. Und wenn das mit der Veröffentlichung klappt, dann lernen wir uns irgendwann auch „persönlich“ kennen. Fernab der Virtualität und fernab der (meiner) Anonymität. Und ich werde endlich angekommen sein.

Und sonst kann ich halt immer noch mit „Der Morgen danach“ Self-Publisher werden, das ist auch alles andere als schlecht oder ehrenrührig. Davon abgesehen – jedes neue Projekt birgt eine neue Chance in sich! Man muss sie nur als solche begreifen wissen. Und lernen, sich zu trauen, sie zu ergreifen. Ich bin dabei, genau das zu lernen und zuzulassen.

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7 Gedanken zu “Im wahren Leben etwas veröffentlichen

  1. Hast du dir schon überlegt, einen Lektor zu engagieren, und das Buch mit ihm durchzuarbeiten? Ich denke, davon kann ein Autor nur profitieren. Lektoren haben Beziehungen zu Verlagen. Eventuell bekommst du einen Tip, bei wem grade ein Werk wie deines nachgefragt sein könnte. Das Wichtigste aber: du kriegst – wenn du einen Profi engagierst, ehrlichen Input und kannst deine Qualität nochmals massiv steigern. Das ist das richtige Leben. In verdaubarer Dosierung 😉

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    • Mic schreibt:

      Ich habe mit dem Gedanken gespielt, der irgendwo in den Weiten meines Blogs (ha, ha) ja auch schon mal in den Kommentaren aufgekommen war. Ich habe ein schlechtes Gefühl bei der Sache, das ich nicht einmal genau begründen kann. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, jemanden dafür zu bezahlen, dass er einem erzählt, dass man kein Talent hat. Vielleicht auch mit der Frage, ob ein Lektor nicht nur noch jemand mit einer Meinung ist, die stimmen kann oder auch nicht. Ein bisschen ist da auch wieder die Angst davor, in die Auseinandersetzung zu gehen.

      Glaubst du wirklich, ein freier Lektor ist verdaubarer als ein fest angestellter? Nur, weil er durch die Gage, die ich ihm zahle, gezwungen ist, sich „meinen Mist“ (um im Beitragsjargon zu bleiben) anzuschauen?

      Ich weiß es nicht *seufz*.

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      • Ich sehe es aus der Perspektive der Selbstbestimmung. Bis du zu einem Verlagslektor kommst, kann das ja noch Äonen dauern. Auch bei den freien hast du mitunter mehrere Monate Wartezeit. Das ist aber überschaubarer. Du wählst, wessen Meinung du hören möchtest.Wenn du mir die Aussage erlaubst: Interessant, wie wenig Vertrauen du hast. In dich. In Profis vom Fach. Was wohl miteinander zusammen hängt… Für mich wäre so eine Zusammenarbeit reine Inspiration. Schliesslich definierst du den Auftrag selbst, und kannst konkret deine Bedürfnisse abdecken. Na ja, oder einfach Variante Eins durchziehen: Pack das Zeug ein und schick‘ es endlich raus! Dies darfst du als liebe- aber schwungvollen virtuellen Tritt in deinen Allerwertesten verstehen.

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      • Mic schreibt:

        Ich erlaube dir grundsätzlich jede Aussage! Das einmal vorab :).

        Die Nummer mit dem fehlenden Vertrauen habe ich sogar von Profis vom Fach 😉 schriftlich bestätigt bekommen. Das soll keine faule Ausrede sein, ist aber definitiv Teil meines ganzen Veröffentlichungs-„Problems“.

        Ich habe gerade überlegt, ob ich so weit gehen soll, auch einen freien Lektor als „meinen Feind“ zu bezeichnen. Ganz so extrem ist es bei mir nicht. Es fällt mir nur leider sehr schwer, ihn uneingeschränkt als „meinen Freund“ zu betrachten.

        Deswegen Variante Eins. Bald. Versprochen!

        Hatte ich schon geschrieben, dass ich für virtuelle Tritte durchaus dankbar bin? Wenn nicht, dann hole ich das hiermit noch einmal nach. Also: Vielen Dank!!

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  2. Lieber Michael,
    Wumm, da bin ich jetzt aber platt, dass meine Frage so viel in dir ausgelöst hat. 🙂 Vielen Dank für die lange und ausführliche Antwort darauf!

    P.S.: Wohin möchtest du mit „Kiira“ hinlinken? 😉

    Lieben Gruß!

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