Wie schreibt man eine Literaturgentur an?

Wenn es nicht so traurig wäre, dann müsste ich es eigentlich als lächerlich bezeichnen. Und lauthals lachen. Wobei mir das Lachen im Moment etwas im Hals stecken geblieben ist.

Wie ihr wisst, arbeite ich im Öffentlichen Dienst. Und auch wenn ich dort so gut wie keinen Kontakt zu Kunden außerhalb der Verwaltung habe (Querschnittsamt eben), so gehört das Abfassen von Anschreiben, egal ob per E-Mail oder per Post, zu meiner täglichen Arbeit ebenso dazu wie der erholsame Büroschlaf – um euch den Zahn mit den Beamtenwitzen mal direkt zu ziehen.

Und jetzt sitze ich hier und wälze meine gesamten vorhandenen Schreibratgeber, weil ich mir mittelprächtig unsicher bin, wie genau ich jetzt das Anschreiben an eine Literaturagentur abzufassen habe! Damit meine ich natürlich nicht die Form, die kenne ich. Wobei auch das bei Bewerbungen per E-Mail so eine Sache ist. Schreibe ich das Anschreiben direkt in die E-Mail oder mache ich eine eigene Datei daraus? Ich denke, ich werde vorsichtshalber beides machen, also das Anschreiben auch noch mal als PDF-Datei anhängen.

Aber es bleibt bezüglich des Inhaltes schwierig. Die Sprache soll nüchtern sein, eben im Tonfall eines Geschäftsbriefes. Kann ich. Gleichzeitig soll es nicht so ausführlich werden. Kann ich schon deutlich schlechter. Und nach Möglichkeit soll es nicht direkt so abschreckend wirken, dass der Literaturagent am anderen Ende der Leitung die Mail direkt ungelesen löscht.

Ein Zitat, das ich in einem der Ratgeber gefunden habe lautet: „Beim Anschreiben braucht man gar nicht besonders kreativ zu sein – die Kreativität sollte man sich für den Roman aufsparen.“

Da liegt sehr viel Wahrheit drin, aber genau das ist im Moment mein Problem – dass ich eigentlich doch lieber kreativ wäre, als mich in und durch Formalien zu kämpfen. Ich glaube, es wird wirklich höchste Zeit, dass ich den ersten Schwung an Bewerbungen auf die Reise schicke. Sonst werde ich noch vollkommen verrückt und unsicher deswegen!

Was mich zurück zum Anschreiben bringt. Da mein kleiner Blog ja nun noch nicht so bekannt ist, dass potentielle Agenten sofort wissen, was ich getan habe, würde ich euch gerne den Entwurf meines Anschreibens präsentieren und um Anmerkungen bitten.

Ihr würdet ein wirklich gutes Werk an mir verrichten!

Also, los geht’s (den formalen Kram mit Anschriften und so lasse ich mal weg):

Sehr geehrte …,

da mich die Informationen, die ich Ihrer Website entnehmen konnte, sehr angesprochen haben, möchte ich gerne auf das dort gemachte Angebot zurückkommen, Werke von neuen Autoren auf eine mögliche Zusammenarbeit hin zu prüfen. Zu diesem Zweck darf ich Ihnen mein Manuskript mit dem Arbeitstitel „Der Morgen danach“ vorstellen.

Es handelt sich hierbei um einen Thriller, der im Deutschland der Gegenwart vor dem Hintergrund der momentan leider vorhandenen rechtsextremistischen Strömungen in Teilen der Gesellschaft spielt.

Ich würde mich freuen, wenn Sie die beigefügten Unterlagen einer Prüfung unterziehen. Sollte ich Ihr Interesse geweckt haben, sende ich Ihnen gerne den kompletten Text zur weitergehenden Begutachtung zu.

Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen

Danach folgt noch die Auflistung der Anlagen.

Was meint ihr, ist das zu viel, zu wenig, oder zu … bäh?

Ich bin auf eure Meinungen gespannt!

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17 Gedanken zu “Wie schreibt man eine Literaturgentur an?

  1. So, ich bin nicht ausschlaggebend, weil ich das noch nie gemacht habe und in formalen Schreiben eine absolute Niete bin. Aber ich finde deine Bewerbung gut, es ist kein Konjunktiv dabei und du biederst dich auch nicht an.

    Viel Glück wünsche ich dir von ganzem Herzen
    Petra

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    • Mic schreibt:

      Liebe Petra, danke für dein Feedback! Doch, du bist durchaus mit ausschlaggebend, weil gerade bei solchen Anschreiben ja auch das Bauchgefühl mit eine Rolle spielt. Und da ist dann manchmal der Eindruck von jemandem, der eben nicht dauernd mit Formalitäten hantiert, viel wichtiger, als man glaubt.

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  2. Durch meine Arbeit kenne ich ebenso solch formelle Briefe. Allerdings habe ich keine Ahnung, wie man nun eine Literaturagentur anschreibt. Ich finde den Text gut aufgesetzt, aber vielleicht stehen Dir auch fachkundigere Meinungen zur Verfügung. 🙂

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  3. Ich habe die anderen Kommentare nicht gelesen, um meine Meinung einfach mal ganz unbeeinflusst loszulassen:

    Ich finde, das „leider“ gehört nicht in den Absatz über deinen Roman. Genauso wenig wie „momentan“.

    Ansonsten: man merkt, dass es ein Bürohengst des öD geschrieben hat 😛

    Wenn ich die Person wäre, die das liest, dann wäre das für mich monoton und langweilig. Es würde sich nicht von dem abheben, was ich sonst lese. Es ist nüchtern, es fesselt mich nicht, es weckt nicht annähernd meine Begeisterung.

    Ich weiß, dass sowas sehr schwer ist. Als ich in meiner Bewerbungsphase war, habe ich auch eine enorme Entwicklung durchgemacht. Die ersten Bewerbungen waren kalt, distanziert, nüchtern. Meine letzten waren euphorisch, persönlich, begeisternd. Und genau das ist es, womit man sich abhebt: man selbst sein, auf die Konvetionen „scheißen“. Damit kam ich übrigens sehr gut an. 😉

    Meine Bewerbungen begannen am Ende übrigens so: „Sie sind auf der Suche nach Mitarbeitern, die Persönlichkeit und Leidenschaft besitzen? Die sich weiterentwickeln und niemals aufhören wollen besser zu werden? Die genauso teamfähig wie eigenständig sind? Da Visionen ihren Platz brauchen und es Träumer sind, die die Welt verändern, freue ich mich, dass Sie meine Initiativbewerbung lesen. (Absatz) Ich habe den Traum, dass… (und dann erzähle ich 4-5 Zeilen von der Arbeitswelt, wie ich sie mir vorstelle; das ging, weil ich mich auf Personalreferentenstellen beworben habe).“ Dadurch, dass ich von meinem Traum erzählt habe, hatte ich die meisten Leser schnell begeistert. Wer verschwendet in einer Bewerbung schon Platz für Träumereien…? Heb dich ab, sei anders, du hast das Zeug dazu!

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    • Mic schreibt:

      Liebe Schnipsel,

      danke, dass du dir so viel Zeit genommen hast für diese sehr umfassende Meinung!

      Ich kann deine Befürchtungen wegen des sachlichen Stils sehr gut nachvollziehen. Leider sind sich hier wirklich alle Ratgeber und auch die Interviews mit den Agenturinhabern einig, dass sie es genau so haben wollen. Ich kann mich an meine eigenen Bewerbungen kaum noch erinnern. Es waren auch nur eine Hand voll und das ist jetzt gute 22 bis 23 Jahre her.

      Deine Art dich zu bewerben gefällt mir wirklich gut! Nur bin ich jetzt irgendwie total verunsichert. Vielleicht versuche ich mal, einen Hybriden aus den beiden Stilen zu schreiben.

      Und was „momentan leider“ angeht hast du Recht. Zumindest mit dem „leider“ hatte ich auch schon meine Zweifel, die du jetzt bestätigt hast. Die fliegen raus.

      Ich weiß schon, warum ich mir hier noch ein paar Meinungen abhole. Weil ich weiß, dass meine LeserInnen gut darin sind, mich ein Stückchen nach vorne zu pushen.

      Danke!

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      • Das „leider“ war wertend, daher gehörte es nicht an diese Stelle, finde ich. Ich muss aber auch zugeben, dass ich etwas darauf getrimmt bin, jegliche Wertung zu identifizieren und rauszuwerfen (ich korrigiere ständig Abschlussarbeiten, die dürfen eben keinen Hauch subjektiv sein ;)).

        Gäbe es nicht einen Autor, den man mal fragen könnte? Marcus Johannes? Davon Wonschewski? Ob sie wirklich so heißen, weiß ich nicht, aber die beiden bloggen bei WP. Vielleicht können sie noch einen Tipp geben. Oder man nimmt mal unverbindlich Kontakt zu einer Agentur auf?

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      • Mic schreibt:

        Nee, das mit dem „leider“ ist schon richtig so. Wobei es mir weniger um die Subjektivität geht, sondern mehr um den damit verbundenen vorauseilenden Gehorsam im Stil von „ich schreibe über Rechtsextreme, aber ich finde die voll böse und so“. Das kann man dann im Zweifel ja meinem Text entnehmen, deswegen braucht es das nicht im Anschreiben.

        Einen Autor fragen … ich bin kein guter Bittsteller. Leider. Manchmal würde das mein Leben deutlich erleichtern. Und Agenturen mögen es nach dem, was ich bis jetzt gelesen habe, gar nicht, wenn man sie einfach mal so anspricht.

        Ich bewerbe mich also initiativ. Das ist auch unverbindlich (wobei ich genau weiß, was du meinst).

        Anschreiben 2.0 ist in der Mache. Das werde ich später der Übersichtlichkeit halber in einem neuen Beitrag hochladen.

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  4. S. schreibt:

    Mein Bauchgefühl sagt mir unabhängig davon, was die Ratgeber sagen: Halte die äußere Form ein. Aber fall mit der Bewerbung auf. Sei anders. Mach denen Lust, sich näher mit dir zu beschäftigen. Du verkaufst Worte. Und die Worte im Anschreiben haben mich ehrlich gesagt gedanklich abschalten lassen…

    LG u. viel Erfolg!

    das anonyme S. 😉

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  5. Eine ganz simple Antwort: Auf dem Anschreiben müssen deine Kontaktdaten stehen. Das ist das Wichtigste. Alles anderes ist im Grunde genommen egal. Ich habe im Verlag unzählige Manuskripte geprüft – einige in bunten Mappen, einige mit ganzseitigen Porträtfotos, einige mit blumigen ausschweifenden Worten zur eigenen Person… aber das interessiert einen Textprofi schlicht und einfach nicht.

    Was zählt, ist die Textprobe deines Romans in ansprechender Formatierung (ein Profi weiß nach 20 Seiten, ob der Text was taugt – meist weiß man es sogar schon nach dem ersten Absatz) und ein schlüssiges Exposé (aus dem hervorgeht, was für ein Genre du bedienst, was der Plot ist und was dein Buchprojekt vielleicht besonders macht). Interessant könnte natürlich noch sein, ob du im Netz eine außergewöhnlich große Fanbase hast, schon Literaturpreise gewonnen hast oder aus anderen Gründen besonders gut „vermarktbar“ bist.

    Ob dein Anschreiben besonders sachlich oder besonders flippig ist, ist egal. Mit einem „Hiermit übersende ich Ihnen Exposé und Textprobe zur Prüfung. Ich freue mich über Ihre Rückmeldung“ ist aber eigentlich alles gesagt – und jeder Agent wird es dir danken. 😉

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    • Mic schreibt:

      Dankeschön für die fundierte Meinung! Was du sagst bestätigt zumindest das, was die Fachliteratur mir auch zu sagen versucht hat.

      Ich könnte mir vorstellen, dass die Meinungen dazu, ob ein Anschreiben wirklich „egal“ ist, je nach Adressat auseinander gehen. Aber das ist in jedem Kontext und bei jedem Kontakt so.

      Dann suche ich mal meinen (!) Mittelweg zwischen sachlich und flippig!

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