AWDML (3) Drei dreiste Kinder, ein schwedisches Möbelhaus und ein blubberndes Geheimnis

Heute möchte ich euch gerne auf eine weitere Reise in meine schriftstellerische Vergangenheit mitnehmen und hoffe, dass eure Feedreader nicht explodiert sind bei dem Versuch, den wohl längsten Beitragstitel anzuzeigen, den es bis jetzt auf diesem Blog gegeben hat.

Ich hatte es schon vor Längerem in einem Beitrag erwähnt, dass ich einmal auf die Idee kam, für meine erstgeborene Tochter ein eigenes kleines Kinderbuch zu schreiben. Das war eine Idee, die unmittelbar aus der Tatsache heraus geboren wurde, dass sich Kind 1 immer gerne von mir vorlesen ließ. Entsprechend früh kam mir der Gedanke, dass es doch schön wäre, wenn ich ihr eine eigene Geschichte vorlesen könnte, die nur ihr gehören würde. Dieser Gedanke nahm das erste Mal im Frühjahr 2005 Gestalt an, wurde dann aber noch eine ganze Weile auf die Seite gelegt, weil mein Töchterchen, Jahrgang 2002, zu diesem Zeitpunkt noch auf Büchern mit Bildern bestand. Und wenn es eins gibt, was ich nicht kann, dann ist das Zeichnen. Okay, es gibt noch mehr Dinge, aber das gehört hier jetzt nicht hin 😉 .

Auch wenn ich nicht sofort zur Tat schritt, formte sich bereits eine grobe Skizze zur Handlung in meinem Kopf aus. Und hier kommt das berühmte blau-gelbe Möbelhaus ins Spiel, zu dessen begeisterten Kunden meine Frau wir damals gehörten, weil wir gerade erst umgezogen waren und deswegen noch einiges an Möbeln benötigten. Wer von euch schon mal da war – und wer war das nicht – der wird wissen, dass in der Kinderabteilung immer die verschiedensten Plüschtiere angeboten werden. Es gibt Schweinchen, Bärchen, Schlängchen und noch einiges mehr an -chens.

Und 2005, oder vielleicht auch schon 2004, gab es da ein komisches kugelrundes Etwas, dessen offiziellen Namen ich vergessen habe. Dieses Spielzeug sah aus wie ein Ball mit Augen, einem oder mehr Kanarienvogelschnäbeln und Tentakeln am unteren Ende. Diese Mischung aus einem Luftballon und einer Kreatur aus dem Werk von H. P. Lovecraft hatte es unserer Tochter angetan. Ständig spielte sie damit, knuddelte es und ließ es mit ihm im Bett schlafen. Sie nannte es ihren „Blubb“. Ich dachte eigentlich, dass das auch der Markenname gewesen sei, aber da ich nichts dazu im Internet gefunden habe, muss es doch eine eigene Wortschöpfung gewesen sein, wahrscheinlich wegen der blauen Farbe, die entfernt an Wasserblasen denken ließ.

Jedenfalls kam das zweifellos in mir vorhandene Schriftstellergen auf Touren. Ich stellte mir die Frage, was der kleine Kerl denn nun wirklich sein mochte und was er in einem Kinderzimmer trieb. Ob das nicht ein großes Geheimnis sei.

Nun, wie gesagt, die Sache geriet erst einmal in Vergessenheit und ich widmete mich neuen Projekten wie „Es zwingt einen dazu“ und dem ersten, abgebrochenen Versuch, den Roman „Darkride“ zu schreiben. Aber die Idee des Kinderbuchs für meine Tochter blieb in mir lebendig und wartete auf den richtigen Zeitpunkt, um verwirklicht zu werden.

Macht mit mir nun einen Zeitsprung in das Jahr 2009. Meine Frau und ich bereiteten uns auf die Ankunft von Kind 2 vor, Kind 1 war kurz davor eingeschult zu werden und ich hatte es nach mehr als eineinhalb Jahren endlich aufgegeben, diesen verdammten Krimi über einen Freizeitparkmörder schreiben zu wollen. Kind 1 hörte in der Zwischenzeit auch ganz gerne mal ein Hörspiel, auch von den Drei Fragezeichen oder den Fünf Freunden. Klassischen Jugendabenteuern also. Und das brachte mich wieder darauf, zu versuchen, einen ähnlichen Stoff zu verfassen.

Ich konnte mich noch an das erinnern, was ich in 2005 als Prämisse aufgestellt hatte: drei Kinder machen in einem Spielwarenladen eine geheimnisvolle Entdeckung, versuchen dieser auf den Grund zu gehen und entdecken schließlich einen leibhaftigen „Blubb“. Eine einfache Geschichte, für das Genre geradezu klassisch, mit einem leicht eingestreuten fantastischen Element. In der Tat war das Erste, was ich hatte, der Titel: „Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis“. Nachbemerkung: dass es eine Fernsehsendung des Namens Die dreisten Drei gab, war mir als nahezu vollständigem TV-Verweigerer zu diesem Zeitpunkt unbekannt.

Dann ritt mich allerdings der Schalk. Ich setzte mir in den Kopf, ein Buch zu schreiben, das ungefähr den Umfang von 100 Normseiten in zehn Kapiteln haben sollte. Das machte, rein rechnerisch, 10 Kapitel á zehn Seiten. Und diese zehn Kapitel wollte ich wiederum in zehn Tagen schreiben, also jeden Tag ein Kapitel. Und nach den zehn Tagen sollte das Werk dann im Rohentwurf fertig sein.

Ich kann nicht umhin festzustellen, dass ich das Projekt genau in dieser Weise durchgezogen habe. Ich weiß heute nicht mehr, ob das so gut in die Situation passte oder nicht. Vielleicht war ich etwas egoistisch. Aber ich hatte mich jetzt auf einmal in etwas verbissen und nachdem ich so lange an „Darkride“ herumgebastelt hatte, ohne auf ein Ergebnis zu kommen, tat es einfach sehr gut, irgendwas zu fabrizieren, das dann auch noch in überschaubarer Zeit fertig wurde. Wenn ich ehrlich zu mir bin, dann muss ich im Nachhinein zugeben, dass ich das Buch mehr für mich als für meine Tochter schrieb. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass sie es nie gelesen, ich es ihr nie vorgelesen habe.

Jedenfalls hatten meine drei Protagonisten (zwei Mädchen und ein Junge) ihr Abenteuer pünktlich zur Geburt von Kind 2 hinter sich gebracht. Ich war auf beide Babies stolz, mein leibliches und mein geistiges. Auf jenes sogar so sehr, dass ich am Ende die Möglichkeit zu einer oder mehreren Fortsetzungen eingebaut hatte, was ich in dieser Form seit meinen „Silverstar“-Romanen tunlichst zu vermeiden gesucht hatte. Nun, zu einer Fortsetzung ist es nie gekommen.

Heute ist Kind 1 längst in der weiterführenden Schule und hat an simplen Abenteuergeschichten wie dieser kein Interesse mehr. Und Kind 2 zeigt so gar kein Interesse daran, vorgelesen zu bekommen. Aber da sie ja jetzt eingeschult wurde, kann ich ihr vielleicht irgendwann das Kinderbuch, das ursprünglich für ihre Schwester geschrieben wurde, mal zeigen und zum Lesen anbieten.

„Die dreisten Drei und ein blubberndes Geheimnis“ ist mir nicht nur aufgrund seiner Entstehungsgeschichte sehr präsent. Sondern es zeigt auch meine ersten Erfahrungen darin, speziell auf ein Publikum hin zu schreiben. Eine Zeit lang hegte ich sogar ernsthafte Absichten, vielleicht mal eine leicht abgewandelte Fassung für eine Veröffentlichung einzureichen. So bleibt es letztlich nicht mehr als eine Randnotiz aus jener Zeit, in der ich schriftstellerisch auf der Suche nach meinem Ton, meinen Themen und irgendwie auch meiner Identität war. Es sollte mehr als zwei Jahre dauern, bis ich wieder ein Projekt zum Abschluss bringen konnte: „Der Morgen danach“ …

Let’s take a walk down memory lane!

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7 Gedanken zu “AWDML (3) Drei dreiste Kinder, ein schwedisches Möbelhaus und ein blubberndes Geheimnis

  1. Ach schön, Kinderbücher haben auch ihren ganz eigenen Reiz. Als Vater kennt man ja viel in diesem Bereich und da ist auch viel Mist dabei. Würde mich auch reizen mich einmal daran zu versuchen. Spätestens wenn sie selbst einmal erwachsen sind, werden es deine Kids aber zu schätzen wissen und mit Neugier lesen, da bin ich mir ganz sicher! 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Ich habe mich, als ich das geschrieben habe, vor allem immer wieder dabei ertappt, wie schwer es mir gefallen ist, in einer altersgerechten Sprache zu bleiben. Sätze nicht zu lang werden zu lassen. Das hatte ich im Vorfeld glatt unterschätzt.

      Zur Neugierde meiner Kids kommt die Tage noch ein Beitrag 🙂 .

      Gefällt 1 Person

  2. Hanna Mandrello schreibt:

    Finde ich wirklich super 🙂 Hebe die Geschichte auf jeden Fall für Kind 1 auf. Zu ihrem 18. Geburtstag kannst du es als Büchlein binden lassen und es ihr (zusammen mit einem Vorwort über die Entstehungsgeschichte) überreichen und sie wird sich wahnsinnig darüber freuen. Es ist ganz allein ihre Geschichte und ich bin sicher, dass sie das dann zu schätzen weiß. LG Hanna

    Gefällt 2 Personen

    • Mic schreibt:

      Die Idee ist ja hammermäßig gut, liebe Hanna! Da wäre ich nie drauf gekommen! Ich glaube, das mach ich so. Jetzt muss ich es nur noch schaffen, mich ca. 5 Jahre daran zu erinnern. Aber bei solchen Erinnerungen bin ich gut, die halten sich lange.

      Danke!

      Gefällt 1 Person

      • Hanna Mandrello schreibt:

        Ich würde mich über so was riesig freuen. Und ein 18. Geburtstag braucht ja auch besondere Geschenke. LG Hanna

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