Fakt und Fiktion (4) Etwas muss sich ändern

Disclaimer: Unter dem Label ‘Fakt und Fiktion’ veröffentliche ich kleine Episoden aus meinem Leben (Fakten), die in eine etwas ausgeschmückte (Fiktion) Form gepresst sind. Der Kern der Geschichten ist allerdings ein wahrer!


Wenn Frauen Kummer haben, dann gehen sie zum Friseur und stellen verrückte Dinge mit ihren Haaren an. Bei denen ist das auch voll gesellschaftlich akzeptiert. Wenn eine Frau, die heute noch schulterlange braune Haare hatte, morgen mit einem schwarzen Kurzhaarschnitt ins Büro kommt, dann weiß ihre Peer-Group sofort, dass irgendwas Schreckliches passiert sein muss. Und dann kommen alle mit Plätzchen, und mit Taschentüchern, und mit Umarmungen …

Männer haben es da deutlich schwerer. Wenn wir uns die Haare färben lassen, dann unterstellt man uns sofort, dass wir in die Midlife-Crisis geraten sind. Und über nichts kann man sich so gut amüsieren, wie über die Midlife-Crisis. Abzuschneiden gibt es bei uns ja sowieso meistens nicht besonders viel.

Jetzt war ich gestern beim Friseur. Es war einfach mal wieder nötig, aber ich fühlte mich auch danach. Ja, ein wenig Kummer war wohl auch dabei, das gebe ich zu, aber wie gesagt: da fragt bei uns ja keiner nach.

Ich habe mir mein Lebtag noch nie die Haare gefärbt, auch wenn ich inzwischen wohl allen Grund dazu hätte, da meine ehemals schwarzen Haare zu einer grau-dunkel-matschigen Melange geworden sind. Etwa die Farbe von Schnee, wenn er schon zwei Tage zusammen mit Dreck im Rinnstein liegt. Und wieder mal, wie ich so in dem unbequemen Stuhl sitze, denke ich mir, ich sollte einfach mal sagen, dass die Schneidemeisterin (ich weiß gar nicht, ob man noch Friseuse sagen darf) mir die Haare färben soll.

Vor neun Jahren war ich einmal ernsthaft so weit, dass ich mit dem Gedanken nicht nur gespielt, sondern ihn auch schon fast zur Ausführung gebracht hatte. Damals hatte ich in der Tat großen Kummer mit meinem Job. Ich plante einen drastischen Schritt und schwankte zwischen Orange und Kobaltblau. Am Ende hatte ich wohl Angst, dass meine Frau mich sofort verlassen hätte, wenn ich damit nach Hause gekommen wäre.

Jedenfalls saß ich heute in diesem Stuhl und schwankte. Der Beginn der Schnibbelei verzögerte sich noch ein wenig, weil ein alter Mann hereinkam, der nicht nur offensichtlich gehbehindert war, sondern wohl auch schon eine leichte Form von Demenz mit sich herumschleppte. Er brauchte jedenfalls mehrere Minuten und beide zurzeit verfügbare Angestellte, um sich daran zu erinnern, was er eigentlich haben wollte.

Ich beobachtete die Szene im Spiegel und konnte nicht anders, als mir Gedanken zu machen. Ob der alte Mann wohl Wünsche hatte, die seine Haare betrafen? Wünsche, an die er sich einfach nicht mehr erinnern konnte? Die ihn quälten, wenn sie ihm bei sich zuhause einfielen und die dann wieder verschwunden waren?

Scheiße, wieso macht das Alter das mit uns?

Irgendwann ein leichter Aufschrei: „Bitte schneiden Sie so, wie immer!“

Es war herzzerreißend: Der Mann freute sich wie ein Schnitzel, dass er sich an die Routine seines Lebens und die Routine seiner Haare erinnern konnte. Egal, was vielleicht sonst sein mochte, jetzt war er glücklich. Glücklich – mit dem immer Gleichen.

Ich schaute in den Spiegel. Sah mir tief in die Augen. Seufzte.

Und als die Friseuse kam und fragte, ob sie mir wie immer die Haare hinten und an den Seiten mit der Maschine auf neun Millimeter schneiden soll, da sagte ich, meinen ganzen Mut zusammen nehmend:

„Heute schneiden wir mal auf sechs.“

AWDML (4) Das schreibe ich, und das – und ein wenig was von dem auch noch

Als ich noch ein junger und noch unerfahrenerer Autor war als ich es heute bin, da hatte ich immer einen Wunsch. Oder man könnte auch sagen: ich hatte ein Problem. Ein Problem, das viele Schriftsteller gerade am Anfang ihres Weges haben, wie ich mittlerweile mehrfach nachlesen konnte. Ich konnte einfach nicht einsehen, dass ich nicht in der Lage bin, mehr als ein Projekt auf einmal zu verfolgen.

Ungeduld ist eine Eigenschaft, die für einen Autoren mit Sicherheit nicht wirklich erste Wahl bei den zu fördernden Talenten darstellt. Es dauert nun einmal, sich durch die Handlung eines Romans zu beißen, an manchen Tagen auch zu quälen. Man schreibt eben nicht jeden Tag 10.000 Worte. Viel häufiger sind die Tage, an denen man sich quälen muss, überhaupt vierstellig zu werden. Und die dann noch auf mehrere Projekte aufzuteilen …

Es gibt Autoren, die können das. Die schaffen es, sich in drei oder vier voneinander abgetrennte Welten zu versetzen und je nach Lust und Laune (oder dem, was auf dem Terminplan steht) mal an dieser, mal an jener Story zu schreiben. Das bewundere ich! Das bewundere ich nicht nur, da könnte ich neidisch werden!

Kommen wir zurück zu mir als jungem Autor. Damals, wir befinden uns ungefähr im Jahr 1993, träumte ich noch lange nicht den Traum, mal ein Buch zu veröffentlichen, sondern ich musste erst einmal den Traum fertig träumen, einen Roman überhaupt zu Ende zu schreiben!

Ich arbeitete seit rund sechs Jahren mal mehr, mal weniger und immer mal wieder von Vorne an „Angst im Perseus-Spiralnebel“, dem ersten Band meiner Abenteuer rund um das Raumschiff Silverstar. Nun hatte ich mir hierzu die Handlung ja schon mehr oder weniger auf die nächsten zehn Bände ausgedacht und deswegen war das Schreiben „langweilig“.

(Natürlich war es nicht langweilig, aber es fühlte sich für mein achtzehnjähriges Ich so an.)

Ich wollte etwas Neues entdecken, etwas anderes anfangen. Es gab Ideen, die unbedingt und jetzt sofort verwirklicht werden mussten! Das eine war eine Fantasy-Geschichte im Stil von „Der Herr der Ringe“ (was auch sonst) und das andere war eine Trilogie um das Leben nach dem Jüngsten Tag, deren erster Band den Untergang der Menschheit in einem Atomkrieg schildern sollte, während der Zweite das Wiedererwachen der Zivilisation und der dritte den Aufbruch zu den Sternen zum Thema hatte.

Da stand ich jetzt mit meinen drei Projekten: „Angst im Perseus-Spiralnebel“, „Der Bund der Sieben“ und „Fort Apocalypse“ (dessen Titel ich mir bei einem Commodore 64-Spiel geborgt hatte).

Meine Idee: schreib doch alle drei gleichzeitig! Und zwar immer brav eine Seite pro Projekt und das im Wechsel. Also wirklich am ersten Tag „Angst“, am zweiten Tag „Bund“, am dritten Tag „Fort“, am vierten wieder „Angst“ …

Ich weiß bis heute nicht, ob nur die Methode totaler Humbug war, oder ob ich anderweitig überfordert wurde. Jedenfalls hielt ich, glaube ich, keinen Monat durch. Dann begann ich, in längeren Intervallen an den Geschichten zu schreiben. Die Fragmente von „Der Bund der Sieben“ und „Fort Apocalypse“ habe ich noch, wenn auch keine Ambitionen, sie jemals wieder anzufassen.

Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt war klar, ich musste mich entscheiden, wenn ich nicht riskieren wollte, alle drei Projekte zu verlieren. So, wie ich vorher schon etliche Geschichten verloren hatte. Und auf einmal erwiesen sich die mittlerweile rund 40 geplanten Bände von Silverstar gar nicht mehr als Hemmschuh, sondern als Sicherheitsfaktor. Und so traf ich die Entscheidung zugunsten von „Angst im Perseus-Spiralnebel“, das dann auch mein erster vollendeter Roman wurde.

Nach einem weiteren missglückten Versuch, 1997 den vierten Teil der Serie parallel zu meinem neuen Projekt „Lichter“ zu schreiben, gab ich es dann endgültig (?) auf.

Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, mehrere Projekte gleichzeitig zu verfolgen. Hier und da mal eine Kurzgeschichte, so wie bei Hannas Schreibaufgaben, die ich, ohne groß darüber nachzudenken, in ein bis zwei Stunden herunterschreiben kann, das geht noch. Aber einen längeren Roman? Lieber nicht!

Und trotzdem ist es ein Traum gewesen und Träume lässt man, glaube ich, niemals so ganz los. Deshalb klingt immer noch eine Saite in mir an, wenn ich lese oder höre, dass jemand das tut, was mir nie gelungen ist …

Let’s take a walk down memory lane!

“Der Beobachter und der Turm” – Status nach der 2. Woche

Oh, liebe Freunde und Freundinnen, ich bin vollkommen geschafft! Aber auf eine so wahnsinnig positive Art und Weise, dass sich das wohl nur Autorinnen und Autoren vorstellen können.

Habe ich nicht vorgestern noch über einen Schreibknick gejammert? Mir ist dunkel so, als hätte ich etwas Ähnliches getan. Aber seitdem sind so viele Worte in die Tastatur geflossen, wie soll ich mir da noch sicher sein?

Ich brauche nicht mehr lange und ich habe den bereits im ersten Entwurf fertigen Teil von „Der Beobachter und der Turm“ in die Version 1.1 übertragen. Dabei bin ich jetzt gerade mal zwei Wochen bei der Arbeit. Aber wenn es Tage wie den heutigen gibt, in denen ich jede Menge freie Momente hatte, um an dem Dokument zu arbeiten, dann kann es auch schon mal sein, dass man sich selbst übertrifft.

Deswegen schreibe ich heute auch erst so spät, ich wollte unbedingt noch die Marke von 10.000 Worten übertreffen … ja, richtig gelesen. Irgendwelche Fragen, warum ich geschafft bin und mir der Rücken weh tut? Aber es hat sich gelohnt!

Und ganz nebenbei sind mir noch diverse Dinge eingefallen, mit denen ich die Handlung weitertreiben werde. Ich sage ja immer, dass ich nicht plane, aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn der Verstand plant natürlich vor. Und so könnte ich nach den Ideen von heute, wenn ich wollte, ein vollständiges Exposé vom Turm fertigen. Und die Details flossen danach noch weiter.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt so einen anstrengenden aber auch erfolgreichen Schreibtag hatte. Jetzt trennen mich nur noch 20 A4-Seiten von der Freiheit, endlich wieder drauflos formulieren zu können. Ja, ich weiß, ich müsste mich ja nicht an die „Vorlage“ halten, aber sie ist einfach zu gut, um es nicht zu tun.

So, nachdem ich mich jetzt ausreichend selbst beweihräuchert habe (was ihr mir hoffentlich nachseht, so häufig kommt es bei mir ja nicht vor), kommen wir noch zu den Zahlen:

„Der Beobachter und der Turm“ umfasst nach zwei Wochen 203 Normseiten und insgesamt 51.146 Worte. Das sind, grob gerechnet, 3.653 Worte pro Tag. Habe ich schon erwähnt, dass ich Rückenschmerzen habe? 😀

Manchmal …

Passend zu meiner Stimmung in den letzten zwei, drei Tagen ist mir ein Text wieder eingefallen, den ich vor rund zwanzig Jahren geschrieben habe und der gerade mal wieder passend ist. Das sagt einiges entweder über meine prophetischen Fähigkeiten oder über meine persönliche Weiterentwicklung aus …

Ein Wort der Warnung: ich malträtiere eure Augen jetzt mit dem, was bei mir herauskommt, wenn ich versuche, mich lyrisch zu betätigen. Es hat schon seinen Grund, dass ich das so selten tue!


Manchmal

Manchmal
da denke ich
ich denke daran dass niemand weiß
wer ich bin
was ich fühle
was ich denke
oder dass ich bin

Und manchmal
da frage ich
ich frage die Welt nach der Antwort darauf
wer ich bin
was ich fühle
ob ich zuviel denke
und ob ich bin

Manchmal
ja manchmal
manchmal da scheint es einfach so unglaublich einfach
aufzuhören zu denken
und aufzuhören zu fragen
das fühlen aufzugeben
und aufzuhören
zu sein


Aber so langsam fängt es an, mir wieder besser zu gehen. Danke der Nachfrage ;-).

 

Kurz und schmerzvoll (2)

Eigentlich ist es gar nicht so schmerzvoll. Es fühlt sich nur so komisch an.

Ich habe heute noch kein einziges Wort am „Beobachter“ geschrieben. Habe einfach nicht die Zeit und die Ruhe gefunden. Sowieso ist beides heute irgendwie Mangelware. Es fühlt sich nur so komisch an.

Es fühlt sich deswegen komisch an, weil ich in den letzten Tagen in praktisch jeder freien Minute am Beobachter geschrieben habe (wenn ich nicht gerade ellenlange Beiträge fürs Blog verfasst habe). Und heute so gar nichts.

Ich muss mir nichts beweisen, indem ich in Rekordzeit den Ursprungsentwurf adaptiere. Und ich muss mir auch nichts beweisen, indem ich jeden Tag neue Rekordwerte schaffe.

Es fühlt sich nur so komisch an. Ich fühle mich ein wenig müde, ausgebrannt. Einfach so, ganz plötzlich, eigentlich schon seit vorgestern. Aber da klappte das Schreiben noch.

Der Zeitmangel wird wohl noch weiter bestehen bleiben, jedenfalls bis übermorgen. Es ist wieder ein gerappelt volles Wochenende, an dem ich kaum dazu komme, meine Mails abzuarbeiten. Wieso fühlt sich etwas, das eigentlich Spaß macht, so wie das Schreiben, urplötzlich wie Arbeit an?

Ich male jetzt deswegen nicht schwarz. Ein oder zwei Tage nicht schreiben sind kein Weltuntergang. Sondern vielleicht nach einer Woche wie der letzten auch einfach nur normal. Ich kenne allerdings diesen ausgebrannten Zustand, kenne ihn nur zu gut. Und ich weiß nicht immer, was ich dagegen zu tun habe.

Es fühlt sich eben alles so komisch an.

Let’s talk about Sex, baby

Hallo liebe Leute, heute habe ich mal einen etwas längeren Beitrag für euch, der mir ein wenig während des Schreibens explodiert ist. Ich hatte schon überlegt, daraus mehrere Folgen zu machen, aber da ich einerseits selbst kein Freund von unnötigen Cliffhangern bin und andererseits meinen Lesern eine Aufmerksamkeitsspanne von über fünf Minuten zutraue, veröffentliche ich den Artikel doch an einem Stück.

Falls es irgendwo im Gebälk knirschen sollte, seht es mir bitte nach, ich habe den Beitrag in vielen kleinen Portionen geschrieben.

Jeder Mensch hat Sex

Wie ich ja bereits gestern in meinem Reblog angedeutet habe, mache ich mir im Moment einige Gedanken über das Thema Sex. Nun ist Sex immer ein Thema, das einen gesunden Menschen umtreibt, aber für einen Autor ist es ein zusätzlich schweres Thema, weil er sich auf einmal nicht mehr nur Gedanken über seine eigene Sexualität und über die Sexualität seines Partners/seiner Partnerin Gedanken machen muss, sondern weil Sex auf einmal etwas wird, das direkt in die Köpfe der Leser hinein projiziert wird und dort dann Bilder auslöst, die entweder anregend und erfüllend, manchmal abstoßend und fragwürdig, im allerschlimmsten Fall aber auch einfach nur lächerlich sein können.

Mit Sex in Romanen verhält es sich anders als mit den Schilderungen von Gewalt, von übersinnlichen Fähigkeiten oder von Fantasyhelden. Denn während beileibe nicht jeder Mensch in den fraglichen Genuss kommt, ein Telepath zu sein oder mit einem beidhändig geführten Schwert umgehen zu können, hat jeder Mensch ein Sexleben. Es ist nicht für jeden Menschen gleich gut oder gleich erfüllend oder gleich oft, aber jeder Mensch hat Sex. Punkt! Und deswegen hat auch jeder Mensch eine Meinung zu Sex.

Wieso fällt es uns dann aber so schwer, mit Sex ganz natürlich umzugehen? In der Realität kann ich es ja noch verstehen. Da kann es sein, dass der erfolgreiche Geschäftsmann es sich nicht erlauben kann, dass seine Kunden wissen, dass er heimlich darauf abfährt, von seiner Frau an die Hundeleine genommen und in der Wohnung angebunden zu werden. Aber wie ist es in der Fiktion?

Das bin nicht ich! Sex in der Fiktion

Was sehr wichtig ist beim Schreiben von Romanen, das ist die eigene Distanz zu den Figuren und Situationen, die man beschreibt. Man muss sich klar machen, dass es zwar Einfälle sind, die aus dem eigenen Hirn stammen, diese aber nicht zwingend bedeuten, dass man jeden dieser Einfälle auch in die eigene Realität übertragen möchte.

Wenn ich das in Hinblick auf einen ganz normalen Thriller oder Krimi betrachte, dann wird mir sicherlich jeder zustimmen, dass ein Autor nicht deswegen ein potenzieller Massenmörder ist, weil er von einem Psychopathen schreibt, der eben genau das tut: massenhaft Menschen umbringen. Wir akzeptieren, dass hier eine Kunstfigur geschaffen wurde, die vielleicht den einen oder anderen soziopathischen Anflug abbekommen hat, den der Autor wie jeder Mensch von Zeit zu Zeit hat, aber die dennoch ein eigenes „Individuum“ darstellt.

Beim Sex ist das deutlich schwieriger. In einem Kommentar, den Anne gestern unter den rebloggten Beitrag geschrieben hat, wird das Dilemma offenbar. Sie schreibt, dass sie jetzt schon einen roten Kopf bekommt, wenn sie daran denkt, dass ihr Mann und ihre Kinder irgendwann die Sexszenen lesen, die sie sich für ihre Romanhandlung ausgedacht hat.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, über diese Verknüpfung hinweg zu kommen. Nur, weil ich einer erfundenen Person einen extremen Fetisch andichte, bedeutet das nicht, dass auch ich gerne einmal in gleicher Weise behandelt werden möchte. Und selbst wenn ich das wollte: dann ist die Figur, die in meinem Roman spielt, doch nichts anderes als eine Figur. Sie ist nicht mein Alter Ego. Wenn sie es wäre, dann müsste jeder Autor, der in mehr als einer Perspektive einen Roman verfasst, eine gespaltene Persönlichkeit sein.

Ich habe lange gebraucht, bis ich mir über diesen Punkt klar geworden bin und er hat mich bei meiner Arbeit gewaltig ausgebremst. Der Grund war aber auch, dass ich mich für die Sexualität in meinen Romanen geschämt habe.

Sex und die Scham davor

Eigentlich sollte man meinen, dass Sexualität das Normalste von der Welt ist. Wir alle sind durch einen Akt der Sexualität entstanden. Wenn unsere Mütter und unsere Väter sich nicht irgendwann einmal ganz doll lieb gehabt hätten, dann wäre keiner von uns auf der Welt. Und dennoch machen wir um das Thema Sex ein Gewese, dass es eigentlich erstaunlich ist, dass die Menschheit noch nicht ausgestorben ist.

Wobei ich mich ganz oft erwischt habe war, dass ich mich für die explizite Darstellung von Sex in meinen Romanen geschämt habe. Ich kann sogar ein Ereignis benennen, das als Auslöser dafür herhalten kann:

Irgendwann Mitte der 80er war ich ein begeisterter Leser von Heftromanen, besonders Gruselromanen wie „Larry Brent“ oder „John Sinclair“. Und eben von letztgenanntem Geisterjäger kam eines Tages ein Paperback heraus, was eine ganz große Sache war für so einen Groschenroman. Ich nahm dieses Paperback mit in die Schule, um in der Freistunde (ich ging auf eine Ganztagsschule) darin lesen zu können.

Irgendwie geriet es dann aber in die Hände einer Mitschülerin, die es aufschlug und den ersten Satz lauthals in die Klasse trompetete, die das ungeheuer lustig fand. Ein Satz, den ich auch nach bald dreißig Jahren immer noch im Ohr habe: „Er wollte Sex und dachte nicht an den Tod.“

Liebe M.R., falls du das hier liest, ich bin dir nicht mehr böse. Aber vergessen habe ich diese Begebenheit nie! Und sie hat mit dazu beigetragen, dass ich mich geschämt habe, in meinen eigenen Romanen das Wort Sex auch nur am Rande anzudeuten. Eine sehr irrationale Scham, vor allem nach dem, was ich im vorherigen Abschnitt geschrieben habe. Aber wie gesagt, für mich war es eine lange Reise zu dem Umgang, den ich nun mit dem Thema in meinen erdachten Welten habe.

Aber inzwischen glaube ich, dass ich Sex als Thema für mich annehmen kann.

Sex als Thema annehmen

Bevor ich ca. im Jahr 1999 mit der Arbeit an „Der Beobachter und der Turm“ begann, hatte Sex in keinem meiner bis dahin vier abgeschlossenen Romane eine Rolle gespielt. In der „Silverstar“-Trilogie waren Frank Boone und John Starfield hoffnungslos in Leya Kuvan verschossen, kamen aber beide nicht zum Zug. Und bevor der lachende Dritte, Captain Adam Shrivers, den die Freunde im zweiten Band auf der „Expedition durchs All“ kennen gelernt hatten, sich im bereits durchgeplanten vierten Band der Serie die holde Maid schnappen konnte, stellte ich alle Arbeiten an der Serie ein.

In „Lichter“ gab es zwar ein Paar, aber auch das lebte sozusagen in einem klinischen Umgang miteinander. Über ein harmloses Küsschen hier und da ging es nicht heraus.

Und dann kam der „Beobachter“. Und im Beobachter geht es praktisch von der ersten Seite an um Sex. Es geht um Sex, den die Hauptfigur Richard Lenhard nicht hat. Um Sex, den Richard sich wünscht und den seine Frau ihm verweigert. Gleichzeitig arbeitet Richard, ausgerechnet, als Webdesigner für Erotikportale. Und in einer schicksalhaften Nacht, nachdem er wieder einmal mit seiner Frau aneinander geraten ist, wird er durch die schemenhafte Gestalt des Beobachters direkt vor die Tür eines gerade neu eröffneten Bordells geführt, wo Richard zuerst seinen Samenstau los wird und sich später in eine der Prostituierten verliebt, was die ganze Tragödie überhaupt ins Rollen bringt.

Nun war ich 1999/2000 schrecklich naiv. Ich dachte nämlich, dass ich diese ganzen Dinge einfach als Backdrop nehmen könnte und irgendwann lege ich den Schalter um und schreibe eine Horrorgeschichte. Mit meinem Blick von heute kann ich denjenigen von euch, die sich jetzt spontan gedacht haben, dass das nicht funktionieren konnte, nur beipflichten.

Wenn ich mir die Auflistung von Fakten ansehe, die sich im „Beobachter“ um Sex dreht, dann ist ganz eindeutig, dass das eigentliche Thema eben nicht „der schwarze Mann holt sich seine Opfer“ (nur als Beispiel, das ist nicht die eigentliche Handlung) lautet, sondern dass es zumindest über den kompletten Unterbau hinweg um den Umgang eines Menschen mit Sexualität, den negativen Folgen und Ängsten daraus, aber auch den positiven Effekten geht. Kurz: dass die Geschichte ohne Sex nicht funktioniert.

Ich glaube, dass ich die Arbeit an „Der Beobachter und der Turm“ damals deswegen eingestellt habe, weil ich weder mit meiner Scham noch mit dem Thema zurechtgekommen bin. Man könnte es auch als Angst vor der eigenen Courage bezeichnen. Oder so, dass ich damals vielleicht zu „unreif“ gewesen bin. Ich war ein sexueller Spätzünder und wollte auf keinen Fall den Eindruck bei meiner heutigen Frau erwecken, dass ich irgendwas an der Art wie, wie oft und was wir machten auszusetzen hätte. Und ich war vielleicht von mir selbst geschockt als ich merkte, wie groß dieses Thema für mich auf einmal war.

Die Geschichte, so weit sie bis jetzt im Entwurf geschrieben war, bevor ich das Thema neu aufgriff, endet ziemlich exakt an der Stelle, an welcher der Schwenk in Richtung Horror hätte erfolgen sollen. Auch das ist bezeichnend, denn es ist die Stelle, an der ich mein eigentliches und nicht eingestandenes Thema verlassen und ein neues Thema etablieren wollte. Inzwischen weiß ich aber, dass Romane so nicht funktionieren können. Sie haben immer ein durchgehendes Thema, das mit Nebenthemen kombiniert werden kann bzw. das durch die eigentliche Handlung gar nicht richtig durchscheint. Aber es ist da. So handelt auch „Der Morgen danach“ nur vordergründig von rechtsextremen Vereinigungen. Eigentlich ist er eine Auseinandersetzung mit der Frage, wer wir sind und was uns definiert.

Aber selbst, wenn man sein Thema angenommen hat, ist da ja immer noch die Frage, ob man sich in der Lage sieht, es angemessen zu Papier zu bringen.

Die „richtige“ Sexszene

Es gibt fast unendlich viele Möglichkeiten, mit Sexszenen umzugehen und ich verweise an dieser Stelle gerne noch einmal auf den Artikel der Devoten Romantikerin, den ich gestern hier gerebloged (ist das ein zulässiges Wort?) habe.

Meiner Meinung nach läuft es im Endeffekt auf zwei Grundmöglichkeiten heraus: Explizit oder Angedeutet.

Die angedeutete Sexszene ist die, in welcher die beiden (oder mehr) Protagonisten dieser Szene sich in unmittelbare Nähe des Ortes begeben, wo „es“ gleich passieren wird, um nach einem kurzen Abschnittswechsel schon im Auto auf dem Weg zum nächsten Handlungsort zu sitzen. Das ist die Art von Sexszene, die einerseits leicht zu beschreiben ist, weil sie den Autor nicht aus der Komfortzone heraus drängt. Sein Schamgefühl wird keiner Prüfung unterzogen. Aber andererseits ist es auch schwer, sie zu schreiben, weil sie ein schriftstellerisches Klischee ist, ebenso wie die Szenen in Hollywoodfilmen, in denen der Mann nach (angedeuteten) Sexszenen immer mit freiem Oberkörper im Bett liegt, während die Frau bis zum Hals zugedeckt ist. Wir alle wissen, dass Sex so nicht funktioniert, aber in Romanen und Filmen schlucken wir es nicht nur, wir erwarten gar nichts anderes.

Der Grund dafür ist, dass die explizite Sexszene etwas mit uns macht. Sie involviert uns, weil wir unsere eigenen Erfahrungen, Erinnerungen oder auch Sehnsüchte auf die Charaktere übertragen. Es ist so, als ob wir mittendrin wären im lustvollen Treiben und wenn so eine Szene packend beschrieben ist, dann reagiert sogar unser Körper darauf und gibt mehr als deutliche Signale seiner Erregung von sich.

Was man nun in seinem Roman haben möchte, hängt wieder deutlich von der eigenen Intention ab. Ich habe mich bei „Der Beobachter und der Turm“ dazu entschieden, die zahlreichen Gedanken und Überlegungen, die Richard über sein Sexleben anstellt, zumindest im ersten Entwurf nicht vorab zu beschränken. Denn, wie bereits festgestellt, Sex ist seine Triebfeder, der Motor, der die Geschichte ans Laufen bringt. Da wäre es nicht nur feige, sondern geradezu zerstörerisch, wenn ich bei den entscheidenden Szenen zu früh wegblenden würde.

Die richtige Sprache für Sexszenen

Damit kommen wir zu dem vielleicht größten Problem, auf das ein Autor beim Verfassen von Sexszenen stoßen wird: wie finde ich die richtige Sprache dafür?

Zunächst möchte ich eine ganz wichtige Regel aufstellen, die nur fünf Wörter hat und die man sich deswegen ganz leicht merken kann: Sex ist nicht gleich Pornographie!

Es hat in der Kulturlandschaft Deutschlands lange gebraucht, bis diese einfache Regel sich durchgesetzt hat und nicht jeder Busenblitzer oder jede erigierte Penis sofort den Vorwurf der Pornographie auf sich gelenkt hat. Man muss sich nur einmal ansehen, was für Bücher im Deutschland von vor fünfundzwanzig bis dreißig Jahren auf den Index gesetzt wurden und wie harmlos sie sich im Vergleich zu dem lesen, was heute an der Tagesform ist.

Aber am Grundproblem des richtigen Sprachgebrauchs hat sich deswegen nichts geändert. Wir kennen alle die blumigen Ausdrücke, die man für die weiblichen und männlichen Geschlechtsteile verwenden kann. Da gibt es den Zauberstab und das Honigtöpfchen, den Prügel und die Lustgrotte und viele Dinge in dieser Richtung mehr, bei denen man sich fragt, wer diese Worte ernsthaft in einem Roman verwenden kann, ohne einen Lachkrampf dabei zu bekommen.

Man kann es auch ins Vulgäre ziehen und die dafür üblichen Begriffe verwenden. Ihr wisst schon, die, die sich auf „Otze“, „Lanz“, „Immel“ oder „Öse“ reimen ;-).

Und dann gibt es noch das Neutrale, wie es auch einem Arztbericht entstammen könnte: Vagina, Scheide, Penis, fertig. Das sind Begriffe, die man heute, in unserer, wie gesagt, etwas aufgeklärteren Welt, durchaus auch ohne rot zu werden in den Mund nehmen kann.

Wenn ich eine Sexszene schreibe, dann wähle ich gerne eine Kombination zwischen dem Neutralen und dem Vulgären. Denn mal Hand aufs Herz: wer spricht schon im Eifer des Gefechts davon, dass er gleich mit seinem Penis in die Vagina eindringen wird? Gut, mag es geben, aber ich glaube, das ist dann eher eine Generation über der meinen – die es in den 60ern aber ja auch faustdick hinter den Ohren hatte.

Also lasse ich meine Figuren gerne auch mal so reden, wie ihnen der vulgäre Schnabel in der Situation gewachsen ist, bleibe bei den Beschreibungen aber neutral. Das macht für mich die Abgrenzung zum reinen Porno, dass ich auf der erzählerischen Ebene einen Unterschied mache, bewusst eine Differenzierung in der Sprache anstrebe. Einfach auch um klar zu stellen, dass es mir nicht um den Sex um des Sex willen geht, sondern dass dieser jetzt gerade für die Szene wichtig ist und für die Charaktere wichtig ist. Kein rein-raus-wiedersehen, sondern eine echte Entwicklung der Handlung.

Es gibt im Internet inzwischen viele wunderbare Bloggerinnen und Blogger, denen solche Texte scheinbar mühelos von der Hand gehen. Bei denen das explizite und das angedeutete, das vulgäre und das neutrale, sich zu einer reizvollen und erregenden Melange verdichten. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich auch bereit und glücklich bin, davon lernen zu können. Und ebenso glücklich bin ich, einige von ihnen zu meinen Followern rechnen zu dürfen.

Der Beobachter, der Turm und der Sex

Kommen wir also langsam zum Ende dieses jetzt schon viel zu langen Beitrages. Ich werde versuchen, meine Ziele, wie ich sie zum Teil in den vorangegangenen Abschnitten definiert habe, für „Der Beobachter und der Turm“ umzusetzen. Ich schäme mich nicht mehr dafür, dass Menschen in diesem Roman Sex haben, der vom anderen Stern zu sein scheint. Ich schäme mich aber auch nicht mehr dafür, dass Menschen in diesem Roman keinen Sex haben und dass dadurch Probleme entstehen. Diese Menschen sind Romanfiguren, es sind nicht meine Frau und ich. Es sind auch nicht „meine geheimen Wünsche“.

Ich habe das Thema meines Romans erkannt und werde nicht versuchen, an einem Punkt X die Weiche krampfhaft auf eine andere Richtung zu stellen. Der Sex bleibt Thema, weicht vielleicht ein wenig in den Hintergrund, ist aber ständig „da“.

Und was die Sprache und die Art angeht, wie ich die Sexszenen zeige, da versuche ich mein möglichstes, mich nicht zu sehr zum Affen zu machen. Und wer weiß, vielleicht suche ich mir ja speziell für diese Szenen irgendwann befähigte Testleser/innen!?

Jedenfalls danke ich euch allen, dass ihr mir eure Aufmerksamkeit geschenkt habt. Und die nächsten Beiträge werden wieder kürzer. Versprochen! 🙂

Reblog: Hatte Tom Sawyer Sex?

Es ist ein Zufall, wie er im Buche steht. Den ganzen Tag über habe ich mich in Gedanken mit einem Text zum Thema Sex in meinem neuen Romanprojekt herumgeschlagen, bin aber heute Abend definitiv zu müde, um den noch zu verfassen (Müdigkeit ist so gar nicht sexy). Und da stoße ich doch bei der Devoten Romantikerin, einer Meisterin im geschliffenen Wort rund um Erotik und Sexualität, auf einen Artikel, der sich genau damit auseinander setzt. Nur zu gerne weise ich also an dieser Stelle auf diesen Artikel hin und denke, dass wir uns zum Thema Sex im „Beobachter“ morgen an dieser Stelle wieder lesen werden.

Vom Schreiben in der Cloud

Wie ich vor einigen Tagen berichtete, bin ich inzwischen wieder Vollzeit auf meinem Bürostuhl bei einer nicht näher genannten Behörde anzutreffen, nachdem ich meine Wiedereingliederung nach langer Erkrankung abgeschlossen habe. Das bedeutet, dass die Tage verdammt lang werden – oder sich zumindest momentan verdammt lang anfühlen. Das bedeutet aber auch, dass ich auf einmal wieder eine reguläre Mittagspause von 30-45 Minuten habe, die ich mit außerdienstlichen Aktivitäten füllen kann.

Nun war in den letzten Tagen das Wetter nicht so, dass ich unbedingt vor die Tür gemusst hätte. Manchmal gehe ich in der Mittagspause gerne „spazieren“ (das kann dann schon mal ein halbes Power-Walking über vier Kilometer sein), manchmal bummle ich auch durch die Stadt. Dadurch, dass ich aus einer Familie von Bütterchen-Schmierern stamme, komme ich nicht in die Notwendigkeit, mir unbedingt etwas zu essen kaufen zu müssen. Das spart Geld und das spart Zeit.

Ich glaube, ihr wisst schon, worauf die Geschichte hinausläuft.

Ja, man kann so eine Mittagspause natürlich auch zum Schreiben verwenden nachdem man erst mal die Scheu überwunden hat, von der Zimmerkollegin gefragt zu werden, was man da so eifrig tippt.

In der Vergangenheit habe ich auch schon mal auf der Arbeit geschrieben. Nein, um der Wahrheit Genüge zu tun, ist der Roman „Es zwingt einen dazu“ zu fast der Hälfte im Büro entstanden – damals war aber auch eine von oben verordnete Saure-Gurken-Zeit, die irgendwie überbrückt werden wollte.

Technisch lief das auf die verschiedensten Wege ab: ich habe den Text in ein neues Dokument geschrieben und es mir auf einen USB-Stick gesichert. Ich habe den Text in einer E-Mail an mich selbst geschickt. In manchen Fällen habe ich auch das Dokument immer hin und her geschickt.

Und heute? Heute freue ich mich, dass es dafür die Cloud gibt. Gibt es irgendwen hier, dem ich erklären muss, was die Cloud ist? Nein? Sehr gut, dann freue ich mich, denn ich hätte mich schwer getan in wenigen Worten zu erzählen, dass es sich dabei um einen internetbasierten Datenspeicher handelt, der geschützt durch ein Passwort von praktisch jedem Endgerät aus angesprochen werden kann, der aber auch dazu genutzt werden kann, Inhalte für andere Benutzer freizugeben, diese gemeinschaftlich zu bearbeiten und dann wieder in einer Versionsverwaltung nutzbar zu machen. Puh, das wäre schwierig geworden.

Ich persönlich nutze OneDrive von Microsoft – aus dem einfachen Grund, dass der Datenspeicher an mein Microsoft-Konto gekoppelt ist, das ich mir für Windows 10 sowieso einrichten musste und weil ich zu doof war, mir eine Dropbox zu installieren. OneDrive hat für mich den Vorteil, dass es durch seine Einbindung ins System automatisch immer einen Abgleich zwischen der lokalen Version und der in der Cloud durchführt.

Und die Bearbeitung in der Cloud, die hat es in sich! Es geht nämlich nicht mehr nur um das simple herunter- oder heraufladen von Daten, sondern man kann durch die verknüpften Funktionen von Word Online sogar die Datei direkt bearbeiten. Das bedeutet, ich schreibe meinen Text in der Cloud, es wird permanent gespeichert, alle paar Minuten ein neuer Versionsstand erstellt und alles hinterher automatisch auf meinen Rechner gespiegelt.

Ich finde das schlicht und ergreifend praktisch, weil alle diese halbgaren Transportmethoden wegfallen, die mal mehr oder mal weniger Probleme gemacht haben. Hat schon mal jemand von euch versucht, aus einer Textmail vernünftig den Text in ein Word-Dokument zu kopieren, ohne dass z.B. die Anführungszeichen manuell angepasst werden müssen? Wenn nicht, dann lasst es, es macht keinen Spaß!

Jetzt nutze ich zuhause ja eigentlich gar kein Word mehr, sondern den Textmaker von SoftMaker Office 2016. Aber auch da: bislang keine Probleme in der Kompatibilität. Alles bestens!

Also, an der Technik scheitert es nicht, wenn aus meinem aktuellen Romanprojekt nichts wird. Das muss ich mir dann schon selber ankreiden lassen ;-).

Wieso muss es eigentlich unbedingt ein Buch sein?

Wir leben in einer Zeit, in der es für Autoren so einfach war wie noch nie, ihre eigenen Gedanken und Geschichten unters Volk zu bekommen. Insbesondere das Internet, zu dem in unserer hochtechnisierten Welt so gut wie jeder in der einen oder anderen Form Zugang haben dürfte, hat das Geschäft mit dem Buch revolutioniert. Es gibt eBooks, die man sich ohne Probleme oder Verzögerung herunterladen kann. Es gibt spezialisierte Verlage und Dienstleister, die ein gedrucktes Buch auf einzelne Anforderung hin in Druck geben und damit eine komplizierte Lagerhaltung unnötig machen. Es braucht nicht mehr als ein paar Klicks mit der Maus und schon steht man mit seinem Werk im Licht der Öffentlichkeit.

Wieso braucht man denn dann eigentlich noch Verlage? Oder warum ist es für einen Autor so wichtig, unbedingt bei einem Verlag, der als Institution doch ein wenig verstaubt zu sein scheint, ein „richtiges“ Buch zu veröffentlichen, dem das gleiche staubige Schicksal droht?

Ich wurde, seit ich diesen Blog betreibe, öfter gefragt, wieso ich mir meinen Traum vom eigenen Buch nicht einfach auf eine der vorgestellten Arten erfülle. Es wäre ganz leicht und ich könnte sogar in Bezug auf Gewinnmargen und dergleichen noch davon profitieren. Bei einem über die Plattform von Amazon verkauftem eBook liegt die Marge höher, als bei so manchem verkauften Papierbuch.

Dazu kann ich, ganz persönlich, nur wie folgt Stellung nehmen: ein Verlag ist für mich, der ich mich nicht unbedingt zu den Verkaufsgenies zähle, ein Partner, der sich für mich um Dinge wie ein zum Roman passendes Cover, zumindest ein klein wenig Werbung (und sei es nur in der Auflistung der Novitäten) und im Erfolgsfall auch um die Platzierung am Markt kümmert. Dinge, die ich nur schweren Herzens alleine stemmen könnte. Das ist der Vorteil, den meiner Meinung nach ein Verlag für mich bietet.

Darüber ließe ich mit mir ja sogar noch kontrovers diskutieren, weil man da sehr gut anderer Meinung sein kann. Aber für das andere Argument, das zum „richtigen“ Buch, gibt es bei mir keine Diskussionsgrundlage.

Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, hatten wir das Jahr 1987. Damals gab es genau eine Art von Büchern und das waren die, die entweder als Taschenbuch daher kamen, oder die gebunden waren. Von so etwas wie dem Internet hatte noch nie jemand etwas gehört und wenn man ein Buch auf eigene Faust drucken lassen wollte, dann konnte man im Branchenbuch nachschauen, ob irgendwo vielleicht eine Druckerei in der Nachbarschaft war, die das dann für einen gemacht hat.

Aber für mich was das Schreiben von kleinauf mit dem Gedanken verbunden, ein Buch, ein richtiges Buch zu veröffentlichen! Ich habe mir die Einbände im Regal angeschaut, habe meine Bücher damals schon mit Vorsicht behandelt (Eselsohren pflastern den Pfad, der einen Leser in die Hölle führt!) und träumte von meinem Namen, der auf der Rückseite eines dieser Schinken stehen mochte.

Diesen Traum habe ich bis heute nicht aufgegeben, obwohl ich mich eigentlich schon seit dem ersten Aufkommen der „Book on Demand“-Servicedienstleister auch mit einer Veröffentlichung im Eigenverlag beschäftigt habe. Einige Male war ich auch kurz davor, es damit zu probieren, aber am Ende siegte immer die Wunschvorstellung. Bei den eBooks ging es mir genauso.

Bereits vor längerer Zeit habe ich hier geschildert, dass ich einen Drei-Stufen-Plan verfolge. Und ja, dieser sieht auch das Self-Publishing vor. Aber es ist wirklich nur so etwas wie der „letzte Ausweg“, wenn ich nicht einen guten Roman – und ich bin davon überzeugt, einen guten Roman geschrieben zu haben – endgültig in die Schublade stopfen möchte.

Würde sich das für mich wie eine Niederlage anfühlen? Das, liebe Freunde, kann ich euch heute noch nicht mit Sicherheit sagen. Ich kann nur sagen, dass es nichts daran ändern würde, dass für mich der Traum in der Hauptsache aus einem Buch besteht, das ich anfassen kann, das ich im Laden kaufen kann und auf dem mein Name steht.

Wenn mich das zu einem von mir selbst eingenommenen Autoren macht, dann sei es eben so. Ich würde allerdings vorziehen, wenn ihr mich weiter als den Träumer sehen würdet, der versucht, seinen Traum vom eigenen Buch in die Tat umzusetzen.

„Der Beobachter und der Turm“ – Status nach der 1. Woche

Seit einer Woche schreibe ich jetzt an meinem neuen/alten Roman „Der Beobachter und der Turm“. Ich muss sagen, es geht mehr als nur gut von der Hand. Das hat im Moment aber sicherlich auch damit zu tun, dass ich strukturell bis zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht viel verändern brauchte.

Ich gehe so vor, dass ich mir einen Abschnitt durchlese, hin und her überlege, ob und wie ich ihn verändere und dann neu niederschreibe. Auf diese Weise endet es nicht im stupiden abschreiben, aber ich merke doch bei vielen Absätzen, dass ich gar nicht großartig etwas zu verändern brauche.

Jetzt kann man darüber streiten, ob das ein gutes Zeichen für meinen Stil von damals ist, oder ob es ein schlechtes Zeichen für meinen Stil von heute darstellt ;-).

Auf jeden Fall umfasst „Der Beobachter und der Turm“ nach einer Woche 60 Normseiten, die mit bislang 14.998 Wörtern gefüllt wurden. Das ist ein Schnitt von 2.143 Worten pro Tag, von denen ich keine Ahnung habe, wann ich die eigentlich alle geschrieben habe. Aber diese Art des Schreibens ist dann auch irgendwie die schönste Art des Schreibens.

Die Entscheidung, diesen Roman zu schreiben, fühlt sich nach wie vor richtig an. Es ist so, wie ich es mir erhofft hatte: ich denke, mich beflügelt alleine schon die Tatsache, nach all den Jahren endlich dieses lose Ende anzupacken und zu einem Ende zu führen, das es damals schon verdient gehabt hätte.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es sich angefühlt hat, als ich meinen Krimi „Darkride“ nach sechs Jahren endlich fertig schreiben konnte. Wenn es sich dieses Mal wieder so anfühlt, dann lohnt sich alle bis dahin investierte Zeit.

Und nicht zuletzt lenkt mich das Schreiben davon ab, dass ich bis jetzt noch nichts weiter von den Literaturagenturen gehört habe, an die ich „Der Morgen danach“ geschickt habe. Ein wenig warte ich da aber noch zu, dann muss ich schauen, was ich tue. Wahrscheinlich einfach den Mut zur Lücke fassen und noch ein paar weitere Agenturen anschreiben.

Aber das ist Musik von morgen. Wenn es auch gut ist, die Melodie dafür schon grob im Kopf zu haben.

Ich wünsche euch allen noch einen schönen Abend und eine gute Nacht!