Das nächste Projekt: Die Würfel sind gefallen

Ich habe mir das Wochenende Zeit genommen, bin noch mal so richtig in mich gegangen und habe, wenn man so möchte, gefühlsmäßige Inventur betrieben. Es geht um das nächste Romanprojekt, das ich angehen möchte. Ich habe mir die Entscheidung ja nicht ganz leicht gemacht, wie man in diesem und diesem Beitrag nachlesen kann.

Den Ausschlag gaben letztlich zwei Faktoren: die Abwägung, von welchem Projekt ich am meisten für mein Schreiben profitieren kann und das Gefühl, das durch die Beschäftigung mit dem Projekt ausgelöst wurde.

Mein nächster Roman trägt den Arbeitstitel „Der Beobachter und der Turm“ und ist eine Geschichte, die im Bereich der Horrorliteratur anzusiedeln ist.

Wie ich schon schrieb, geistert dieser Roman seit 15-16 Jahren durch meinen Kopf. Es ist erstaunlich, wie gut ich mich an viele Einzelheiten noch erinnern konnte, als ich mir die bereits vorliegenden 90 eng bedruckten A4-Seiten durchgelesen habe. Als ich diese Seiten schrieb, hatte ich noch nie etwas von einer Normseite gehört!

Aber mir ist deutlich wieder vor Augen geführt worden, wieso ich damals am Verfassen dieses Romans gescheitert bin – ja, scheitern musste! Denn auch in einer anderen Hinsicht war ich noch nicht so weit wie heute. Ich nahm meine Romane in sich viel zu ernst, schaffte keine Abstraktion zwischen ihnen und der Realität. Vielleicht lag es daran, dass das Projekt davor, „Lichter“, so ein persönlicher Text gewesen war.

Die Ausgangssituation von „Der Beobachter und der Turm“ schildert eine vollkommen dysfunktionale Ehe, in welcher die Frau den Mann am laufenden Band herunterputzt, was diesen irgendwann dazu treibt, sich außerhalb der Partnerschaft in einem Bordell seine Befriedigung zu suchen. So etwas muss man als glücklich liierter Mann erst einmal schreiben, ohne sich permanent zu fragen, ob man das, was man da gerade verfasst, eigentlich unterschwellig vielleicht auch so empfindet.

Heute kann ich, was das angeht, Fakten und Fiktion auseinander halten. Damals konnte ich es nicht. Und so habe ich irgendwann das Schreiben aufgegeben, weil es mich ein wenig innerlich zerrissen hat.

Als ich die 90 Seiten jetzt wieder las war ich froh, dass sie noch genauso gut klingen, wie ich sie in Erinnerung hatte. Natürlich kann, will und werde ich sie nicht 1:1 so übernehmen, hat sich meine Sprache doch deutlich verbessert in den letzten 15 Jahren. Ich glaube, Andreas Eschbach war es der sagte, dass sich ca. alle 100.000 Worte der Stil und die Sprache eines Autors verbessern würden. Und seitdem habe ich einige 100.000 Worte verfasst!

Aber die Grundlage, die ich mit den ca. 60.000 Worten gelegt habe, die werde ich ausnutzen. Und von dort aus weitermachen.

Interessanter Weise habe ich sogar kurz darüber nachgedacht, vorab ein Exposé und einen Pitch für dieses Projekt zu schreiben. Ein Ausdruck von „Professionalisierung“? Wer weiß das schon.

Es tut mir leid (wobei, eigentlich nicht), aber ihr werdet euch in den nächsten Wochen und Monaten auf einige Beiträge zum Thema einrichten müssen. Aber schließlich ist das hier ein Autorenblog. Und Autoren sollten schreiben :-).

Dieser Autor jedenfalls hat höllisch Bock drauf, wie man bei uns im Ruhrgebiet sagt!

Advertisements

6 Gedanken zu “Das nächste Projekt: Die Würfel sind gefallen

    • Mic schreibt:

      Sozusagen genau am anderen Ende, in Duisburg. Eigentlich schon am Niederrhein, weil ich auf der linken Rheinseite wohne. Aber das auszudiskutieren überlasse ich den Ureinwohnern. Gebürtig bin ich aus Mülheim und mehr Ruhr geht ja kaum noch ;-).

      Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Danke für das Kompliment!

      Irgendwann bekommt man/bekam ich einfach einen Sinn dafür, was jetzt wirklich „gut“ im Sinne von markttauglich ist und was nur „gut“ im Sinne von Selbstbeweihräucherung. Ich denke, das bleibt nicht aus.

      Wenn man nur vernichtende Kritik übrig hätte, wäre man m.E. als Autor falsch aufgestellt. Viele Autoren sagen ja über ihre ersten Schreibversuche, dass es gut war, dass sie nicht veröffentlicht wurden. Das sage ich ja auch über meine „Silverstar“-Trilogie. Aber dennoch sehe ich sie als Entwicklungsschritte die mich zu dem Punkt gebracht haben, wo ich heute bin.

      Ein gutes Gefühl, finde ich!

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s