Was, zum Teufel, hat das Komma da verloren?

Erinnert sich irgendjemand noch an den Aufschrei, der durch die Republik ging, als man es sich an hochwohlgeborener Stelle einfallen ließ, dass eine Reform der deutschen Rechtschreibung her müsse? Wer erinnert sich nicht noch gerne an die Zeiten, in denen Flipper noch mit ph und die Titanic mit nur zwei f geschrieben wurde?

Ich muss gestehen, dass ich mich in der Zeit dazwischen, es sind jetzt bald zehn Jahre, an weite Teile der neuen deutschen Rechtschreibung gewöhnt habe. Viele Dinge musste ich von Anfang an lernen, weil ich ja in einer öffentlichen Verwaltung arbeite und für diese schon bald die Pflicht bestand, den Schriftverkehr nur noch in der neuen Form abzuwickeln.

Im privaten Umfeld sah es ein wenig anders aus. Da habe ich, noch ein Geständnis, die Sache nie so systematisch angepackt, wie ich es vielleicht hätte tun sollen. Gerade vor dem Hintergrund, dass ich mich im bescheidenen Umfang literarisch betätige. Einige Begrifflichkeiten wie die Tatsache, dass zum Beispiel Stopp und Tipp auf einmal Kinder in Form eines zusätzlichen p bekommen haben, konnte ich mir leicht verinnerlichen. Manche Dinge habe ich bis heute nicht richtig gelernt.

Diese Erkenntnis allerdings traf mich gestern Abend wie der sprichwörtliche Hammerschlag!

Dazu muss ich voranschicken, dass ich seit letzter Woche mit einer neuen Textverarbeitung schreibe. Bislang war bei uns im Haushalt Microsoft Office 2007 im Einsatz, das aber so langsam seine Schuldigkeit einfach getan hatte. Schließlich ist es ja fast so alt wie die Rechtschreibreform.

Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich nicht besonders kompliziert, da Microsoft leider zu dem Modell übergegangen ist, Mehrbenutzerlizenzen für Privatanwender nur noch im Rahmen des Abos von Office 365 anzubieten. Und ein Abo ist etwas, das ich für Software nur sehr ungerne abschließe.

Es blieben danach noch zwei Alternativen, zum einen das kostenfreie OpenOffice (bzw. LibreOffice), das allerdings nicht unbedingt in Sachen Kompatibilität mit den Microsoft-Produkten glänzt. Und diese ist, da MS Office ja quasi den weltweiten Standard darstellt, nun einmal unverzichtbar.

Spiel, Satz und Sieg für das Produkt SoftMaker Office 2016 aus dem Hause SoftMaker. Dieses Office bietet alles, was man von einer Office-Suite erwartet (also mehr, als man als Privatmensch nutzt) und ist nach eigenen Angaben zu beinahe 100% MS-Office-kompatibel. Eine Behauptung, die ich anhand eigener Versuche mit meinen selbsterstellten Dateien zumindest nicht widerlegen kann.

Dank einer sehr großzügigen Upgrade-Politik, die auch das Upgraden von einer kostenlosen Version des eigenen Produkts erlaubt und dem zufälligen Umstand, dass letzten Freitag ein 20%-Nachlass anlässlich des Schulbeginns ins Baden-Württemberg gewährt wurde, kostete mich der ganze Spaß mit einer Lizenz für drei PCs, die meine Frau, meine Tochter und ich auch ausnutzen, runde 48,00 EUR, normalerweise also mehr als faire 60,00 EUR.

Darin enthalten ist unter anderem auch der originale Duden-Korrektor, der auf Wunsch die produkteigene Rechtschreib- und Grammatikprüfung ersetzt. Ein Feature, auf das ich dann einfach mal zurückgegriffen habe, als ich mich gestern daran begab, „Der Beobachter und der Turm“ in Angriff zu nehmen.

Und auf einmal war ich hochgradig verwirrt. Zeigte mir doch der Korrektor, schön grün unterstrichen, auf einmal Fehler in einem Satz an, wo nach meiner unmaßgeblichen Meinung gar kein Fehler enthalten war! Und zwar handelte es sich um wörtliche Rede in Dialogen.

Da wurde plötzlich angemahnt, dass doch bitte hinter jeder abgeschlossenen wörtlichen Rede, die ein Ausrufezeichen oder ein Fragezeichen enthält, der Nebensatz durch ein Komma eingeleitet werden soll. Die Verwirrung stieg noch an, als ich mir die Erläuterungen anschaute, die auch felsenfest dieser Ansicht folgten.

Was macht man zuerst in solchen Situationen? Na klar, man schaut im Internet nach. Und siehe da, der Duden-Korrektor hat Recht! Und ich fragte mich, ob ich denn irgendwie etwas vollkommen Falsches abgespeichert hatte. Denn ich war felsenfest überzeugt, dass ich mal gelernt hatte, dass auf ein „!“ und ein „?“ nie im Leben ein „,“ folgt.

Lange Rede, kurzer Sinn, das habe auch auch mal gelernt. Es hat mich eine wahnsinnig lange Recherche gekostet um eine Website zu finden, auf welcher die Umstellung im Zuge der Rechtschreibreform dokumentiert worden ist. Aktuelle Anlaufstellen, wie eben der Duden, sparen solche Vergleiche ja wohlweislich aus. Wahrscheinlich, damit die Menschen nicht auf die Idee kommen, dass rein sprachlich vielleicht doch früher alles besser war.

Also, was tun? Erstens: versuchen, mich an diese Regel zu gewöhnen, die ich dann wohl intuitiv bei allen meinen Romanen seit 2005 falsch gemacht habe (na, bravo!). Zweitens: dem Herrgott danken, dass in der an die Literaturagenturen verschickten Leseprobe von „Der Morgen danach“ nur sehr sparsam Dialog vorhanden ist und in dem wohl auch nur sehr wenige Ausrufezeichen und Fragezeichen (was immer noch peinlich genug ist). Drittens: Eine Empfehlung für das SoftMaker Office 2016 mit integriertem Duden-Korrektor aussprechen (ohne dafür bezahlt zu werden, wie ich betonen möchte).

Drittens habe ich hiermit getan, zweitens habe ich gestern bereits erledigt und erstens werde ich zu gegebener Zeit korrigieren müssen.

Viertens könnte ich mich jetzt noch fragen, wieso eigentlich der Branchenprimus, der ungekrönte König der Textverarbeitung, dieser Bolide von einem Programm es nicht für nötig befunden hat, mich mit seiner angeblich ebenfalls auf den neuen Rechtschreibregeln basierenden Grammatikprüfung auf meine Fehler hinzuweisen!

Aber, jetzt mal ernsthaft: Was, zum Teufel, hat dieses Komma da verloren? Kann mir das mal jemand erklären?

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16 Gedanken zu “Was, zum Teufel, hat das Komma da verloren?

  1. Danke für den Tipp! Werde mich nach diesem Programm auch mal umsehen, es klingt nämlich, als wäre das auch etwas für mich.

    Komma..ja. Ach, ich verteile die Dinger einfach immer irgendwo. Sie werden schon wissen, wo sie sich wohl fühlen. 😀

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  2. Noch eine Frage, vielleicht hast du da mehr Ahnung. Ich habe nämlich gar keine. Also gibt es dieses Programm auch für den IMac? Mein Lappi gibt nämlich langsam den Geist auf und dann steige ich um.

    Ich wäre hocherfreut, wenn du das wissen könntest. 🙂
    Mir gehts da vor allem um die Duden-Prüfung, denn die habe ich echt sowas von nötig. 😉

    Gefällt 1 Person

  3. Danke für dein Hinweis. Ich hab mir das mal überlegt. Fazit:

    Komma nach wörtlicher Rede braucht es, damit der Satz weiter geht. Beispiel: „Hast du das wirklich alles aufgegessen?“, fragte Peter. Machst du kein Komma, ist der Satz offiziell nach dem Anführungszeichen beendet. Folgerichtig müsstest das f gross schreiben, also ‚Fragte Peter‘. Diese Konstruktion wäre sinnfrei.

    (Meine Ansicht, ohne Garantie auf grammatikalische Unantastbarkeit)

    Gefällt 1 Person

  4. Mic schreibt:

    Den Gedanken kann ich nachvollziehen und würde ich auch so gelten lassen. Ich stelle mir bei so etwas halt nur die Frage, wieso das vorher über Jahrzehnte genau so war! Aber ich weiß schon, dass man sich Fragen dieser Art, egal worum es geht, besser nicht stellen sollte. Die Antwort liegt irgendwo zwischen Karma und ISSO.

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