Zurück in die Zukunft

Wenn meine Frau am Wochenende arbeiten gehen muss, dann mache ich mit den Kindern gerne einen „Kinotag“. Wir sparen uns dabei allerdings Dinge wie Popcorn und dergleichen, die ich schon im richtigen Kino nicht so toll finde (ich mag gerne auch was vom Film verstehen). Dafür essen wir oft beim Fernsehen zu Abend, was für die Kinder mindestens genauso spannend und schön ist.

Bei der Auswahl der Filme muss ich immer so ein bisschen den Spagat zwischen Kind 1 und Kind 2 hinbekommen, die vom Alter her nun einmal ziemlich auseinander liegen. Optimal ist es, wenn Kind 1 den Film gut und Kind 2 den Film nicht „zu spannend“ (also gruselig oder erschreckend) findet. Dabei soll man nicht für möglich halten, wie unterschiedlich die Wahrnehmung von so einem gerade eingeschulten Kind sein kann. Während es ohne Probleme sämtliche Marvel-Filme durchsteht (sie mag besonders Captain America), hatte sie bei „König der Löwen“ größte Probleme.

Meistens schlage ich zwei oder drei Filme vor und die Kinder können dann aussuchen. Manchmal bin ich aber auch Diktator und zwinge sie zu ihrem Glück. Und weil im Moment unheimlich viel im Internet geschrieben wird rund um das 30jährige Jubiläum von „Zurück in die Zukunft“, hatte ich richtig Lust bekommen, diesen Klassiker mal wieder anzusehen. Und nach meiner Meinung war es auch kein Problem, dass die Kinder ihn mit mir sahen.

Das war es dann auch nicht. Beide hatten richtig viel Spaß bei diesem Film, der für mich ein großes Stück der 80er ausmacht und dabei von seinem Charme und seinen richtungsweisenden Einfällen überhaupt nichts verloren hat. Kind 1 hatte sichtlich Spaß daran, die ganzen Kniffs und Tücken des Drehbuchs mit nachzuvollziehen und vorauszusehen. Etwa kam sie schon schnell von ganz alleine darauf, wie Marty McFly es hin bekommt, wieder in die Zukunft zu fahren. Oder sie ahnte auch die Veränderungen voraus, die es versursacht, dass George Biff mal kräftig eins auf die Nase haut.

Kind 2 erfreute sich natürlich mehr an den Bildern. Die Geschichte mit den Verwicklungen um Marty, der in das Kennenlernen seiner Eltern hineinplatzt und sich damit beinahe selbst auslöscht, habe ich ihr kindgerecht erklärt und ich glaube, dass sie das auch verstanden hat.

Angst hatte sie in genau zwei Momenten: einmal, als Doc Brown auf dem Parkplatz Opfer seiner libyschen Lieferanten wird und zum zweiten Mal, als er an der Turmuhr hängt. Also alles im vertretbaren Rahmen.

Womit ich nicht gerechnet hatte und weswegen ich diesen Beitrag eigentlich verfasse war, was der Film mit mir machen würde. Etwas, was dreimal sehr deutlich thematisiert wird, so deutlich, wie es mir nicht mehr in Erinnerung war, ist nämlich, dass wir Menschen zu leicht dazu neigen, Gelegenheiten nicht beim Schopf zu packen, weil wir Angst davor haben, was Rückschläge mit uns machen könnten.

Marty McFly ist Gitarrist, der nach seinem Misserfolg bei einem Vorspiel in der Schulaula kurz davor ist, die Gitarre an den Nagel zu hängen, weil er nicht glaubt, dass er gut genug ist. Seine Freundin Jennifer drängt ihn, die Demokassette, die er aufgenommen hat, an ein Plattenlabel zu schicken, aber er weist das zurück mit den Worten (ungefähr aus der Erinnerung rezitiert): „Was ist, wenn die mir sagen, dass ich es nicht drauf habe? Ich weiß nicht, ob ich mit so einer Ablehnung umgehen könnte.“

Da bekam ich schon einen kleinen Klos im Hals, der natürlich noch anwuchs, als später im Film der junge George McFly, der heimlich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit Science-Fiction-Kurzgeschichten schreibt, fast genau die gleichen Worte gebraucht um Marty, der ja einmal sein Sohn sein wird, zu erklären, wieso er nie jemanden das lesen lässt, was er geschrieben hat.

Ich selber habe über viele Jahre hinweg niemanden das lesen lassen, was ich geschrieben habe. Ich selber habe über viele Jahre hinweg verheimlicht, dass ich schreibe. Ich selber habe über viele Jahre hinweg in der Angst gelebt, dass ich nie wieder würde schreiben können, wenn jemand mir sagt, dass das, was ich da mache, nichts taugt. Ich selber habe mir über viele Jahre hinweg dicke Steine in den Weg gelegt.

Es ist surreal gewesen, an diese Tatsachen so deutlich erinnert zu werden. In der Zwischenzeit habe ich meine Romane an Menschen weitergegeben, denen ich vertraue, dass sie mir die Meinung sagen. Ich habe begonnen, diesen Blog zu führen und darin deutlich zu thematisieren, was ich mir wünsche und erreichen will. Und ich habe, last but not least, einen meiner Romane an Literaturagenturen geschickt mit der Bewerbung, mich unter Vertrag zu nehmen.

Und nichts davon, auch nicht das kleinste bisschen davon, wird mir die Fähigkeit, den Mut oder die Kraft nehmen, weiterzuschreiben, wenn etwas nicht so laufen sollte, wie ich es mir wünsche. Es war ein sehr langer und auch harter Weg bis hierhin. Aber es ist etwas, worauf ich stolz sein kann und wofür ich mir jetzt, im Eingedenken an diese für mich sehr bewegenden Filmszenen, erlaube, auch mal einen Moment stolz zu sein!

Ich möchte mit diesem Beitrag auch jedem von euch Mut machen, eure Träume nicht einfach zu begraben, nur weil sie unrealistisch erscheinen oder weil die Stimme in euch beharrlich sagt, dass ihr es sowieso nicht drauf habt. Wenn ich es geschafft habe, über meinen Schatten und aus der vermeintlichen Komfortzone zu springen, dann schafft es auch jeder von euch!

Ich würde mich sehr darüber freuen!

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9 Gedanken zu “Zurück in die Zukunft

  1. Okay, du hast mich aufgerüttelt – ich werde mein Gedichtband forcieren und mal gucken, ob ich das Layout nicht doch selber hinbekomme. Buchgestaltung ist nicht meins…

    Zurück in die Zukunft – ich liebe diese Filme. Sie sind so herrlich unreal – ein modernes Märchen. Michael Fox bewundere ich, wie es mit seine Krankheit offensiv umgeht – auch von ihm können wir lernen.

    Du bringst deinen ersten Roman raus und dann reißen sich die Verlage um alle weiteren. Ein Traum ist nicht nur dazu da geträumt zu werden, er verlangt auch nach einer Realisierung.

    Gefällt 2 Personen

    • Mic schreibt:

      Es freut mich, wenn ich einen Knopf bei dir drücken konnte! Dann habe ich mein Ziel, das ich mit diesem Beitrag verfolgt habe, erreicht.

      Ich möchte einfach etwas von der Ermutigung zurückgeben, von der ich schon so viel erfahren habe, seit ich begonnen habe, hier von meinem Traum zu schreiben.

      Auch von dir erfahren habe! Deswegen: auf gutes Gelingen! 🙂

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  2. Träume wagen ist wichtig und gut, und manch unerkanntes Talent schlummert da wohl im Verborgenen. Aber es braucht dabei immer auch die Fähigkeit, mit der oft frustrierenden Realität umzugehen. Wenn ich nur an all die entäuschten Gesichter bei diesen unzähligen Casting-Shows denke… 🙂
    Viel Glück!

    Gefällt 2 Personen

    • Mic schreibt:

      Danke für deinen Kommentar!

      Ja, den nötigen Realitätssinn bringe ich durchaus mit, behaupte ich jedenfalls einfach mal. Im Gegenteil: die meisten Menschen, die mich kennen, würden sagen, dass ich noch viel zu viel Realist bin, um einfach mal den Traum zu wagen. Nicht umsonst habe ich über zwanzig Jahre gebraucht, um auch nur mal eine Veröffentlichung in Erwägung zu ziehen.

      Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Da hast du natürlich recht! Deswegen halte ich mich auch nicht sklavisch an die Altersfreigaben.

      Mein Lieblingsbeispiel ist da immer noch der Film „Wenn der Wind weht“, ein Zeichentrickfilm, der davon handelt, wie ein älteres Ehepaar nach einem Atomkrieg langsam dahinsiecht, weil sie sich stur an die Abläufe halten, die von der Regierung erlassen worden sind.

      Dieser Film ist ab sechs Jahren freigegeben. Meine Kleine würde wochenlang frei drehen, meine Große wahrscheinlich auch.

      Also ehrlich, dann kann Kind 2 besser dabei zusehen, wie der Hulk ein paar namen- und konturlose Figuren durch die Luft wirbelt.

      Gefällt 1 Person

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