Von zeitlichen Abläufen

Das Leben kennt kein richtig und kein falsch. Das Leben kennt auch kein zuerst und kein danach. Im Leben passieren immer wahnsinnig viele Dinge gleichzeitig und wenn jemand eine Chronik eines einzelnen Tages schreiben wollte, dann würde er unweigerlich an der Aufgabe scheitern, einigermaßen in dieser Chronologie zu bleiben. Er müsste immer wieder zusammenfassen, strukturieren, neu modellieren und am Ende ein Abbild formen, das dem Tatsächlichen zwar nahe kommt, ihm aber nicht völlig entsprechen kann.

Beim Schreiben eines Romans stellen sich ähnliche Probleme. Eigentlich sollte man meinen, dass es einfacher ist, weil man als Autor ja Herr über die Zeit ist und deswegen Szenen so anordnen kann, wie es einem gefällt und richtig erscheint.

Prinzipiell ist dem auch so. Aber manchmal stellt man dann fest, dass es viel zu viel Inhalt für diesen einen Zeitabschnitt zu geben scheint und dann würde man sich wünschen, im Roman auch dieses dauerhaft Parallele wie im richtigen Leben zu haben. Hat man aber nicht, es sei denn, man wolle genau dasselbe Kauderwelsch schreiben, wie es der Chronist tun müsste.

Ich habe irgendwie ein Talent dafür, dass meine Romane sich rund um einen einzigen Tag abspielen. Das heißt nicht immer, dass die ganze Handlung immer nur einen Tag umspannt, aber der Teil, in dem es sozusagen zur Sache geht, der spitzt sich schnell zu.

Nehmen wir zur Verdeutlichung den „Beobachter“. Richard wurde, wie gestern beschrieben, gerade doppelt abserviert und mit einem unerklärlichen Phänomen konfrontiert. Jetzt könnte ich natürlich nach diesem Tag erst einmal eine Woche oder zwei „Handlungspause“ einlegen. Geht ja ganz einfach, man schreibe: „In den nächsten zwei Wochen versuchte Richard, sein Leben wieder einigermaßen in den Griff zu bekommen.“

Aber ich stelle mir immer die Frage: was würde ich in einem solchen Fall tun? Die Antwort lautet: ich würde nicht zwei Wochen scheinbar handlungslos durch die Gegend laufen und gar nichts in diesen Angelegenheiten tun. Zusätzlich gibt es da ja außerdem noch einen Antagonisten, der auch keine Lust auf zwei Wochen des Hände in den Schoss legens hat.

Im Ergebnis konzentriert sich also alles wieder auf einen kurzen Zeitraum. Das waren mal zwei Tage (bei „Der Morgen danach“), mal auch ein wenig länger (z.B. „Es zwingt einen dazu“). Meistens ist es jedoch ein Tag, eine Nacht oder 24 Stunden. Und so wird es auch beim „Beobachter“ sein. Deswegen ist es besonders wichtig, die Szenen in eine Reihenfolge zu gruppieren, dass sie sich, wenn auch nicht strikt parallel, so doch schlüssig abspielen können.

Das ist immer dann ein Problem, wenn es zeitkritische Elemente gibt (die, ich jetzt leider nicht genau erläutern kann, ohne dass ich massiv spoilern würde …). Jedenfalls habe ich die angedachten Szenen jetzt schon ein paar Mal hin und her geschoben und werde das sicherlich auch zukünftig noch ein paar Mal machen müssen. Aber auch das gehört ja zur Arbeit eines Autors dazu – und es macht ja auch Spaß.

In diesem Sinne: einen schönen Freitag wünsche ich euch, mit viel Spaß an den Sachen, die euch am Herzen liegen!

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4 Gedanken zu “Von zeitlichen Abläufen

  1. Hanna Mandrello schreibt:

    Irgendwie habe ich nicht so viel kapiert, aber es ist schön, dass du dir das von der Seele geredet hast ;-). Nein, im Grund weiß ich wohl, um was es geht, wenn auch nicht im Detail bei dir. Mein Tipp: Mit ein wenig Planung wäre das nicht passiert ;-). Frech, gell? Aber so bin ich nun mal …

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    • Mic schreibt:

      Irgendwie habe ich auf genau den Kommentar von genau dir gewartet! 😉

      Aber was hast du nicht kapiert? Ich bessere gerne nach bei sachdienlichen Hinweisen. Manchmal bin ich auch ein wenig verpeilt und das schlägt sich in den Beiträgen nieder.

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      • Hanna Mandrello schreibt:

        Na ja, welches Problem denn Richard nun hat oder besser du mit ihm. Wie schaffst du es, die ganze Handlung letztlich dann doch in 24 Stunden spielen zu lassen? Also da bin ich mir sicher, dass ich das falsch verstanden habe :-). Nein Quatsch, ich weiß im Grunde, was du meinst, und das reicht auch. Letztlich willst du nicht spoilern und das ist auch ok. Ich wünsche dir ein tolles, schreibintensives Wochenende! Möge die Macht mit dir sein!

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      • Mic schreibt:

        Mit Spoilern ist das immer so eine Sache. Bei Kleinigkeiten würde ich da nicht so ein Aufhebens drum machen. Aber das, was ich hier meine, krempelt mal eben den gesamten Roman quasi auf Links. Und da habe ich dann Skrupel, zu viel zu verraten :-).

        Ich wünsche dir auch ein schreibintensives Wochenende, bei mir wird es durch diverse Termine wohl nicht ganz dazu kommen. Aber mich treibt ja auch niemand – außer mir selbst.

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