AWDML (5) Eine Leiche in der Hängematte

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Wer meine Einträge auf Facebook gelesen hat, der weiß, dass ich gestern mit meiner Familie einen freien Tag vom Haus meiner Schwiegereltern genommen habe und im Europa-Park gewesen bin. Deutschlands größter Freizeitpark ist für mich, wenn ich in der Gegend bin, ein absolutes Muss. Ich habe Spaß an Achterbahnen, an Themenfahrten, an der ganzen Atmosphäre – kurz: wenn ich hier leben würde, dann hätte ich eine Jahreskarte für den Park (die sich schon ab dem fünften Besuch rentieren würde).

Kurz zum Tag selber: er war sehr angenehm! Die Temperaturen hätten besser sein können, aber sie sorgten wenigstens dafür, dass man bei den Wasserbahnen nicht so lange anstehen musste, wie es an vollen Tagen wie gestern ansonsten der Fall gewesen wäre. In diesem Zusammenhang eine Frage an meine eidgenössischen LeserInnen: hattet ihr gestern einen Feiertag, oder so? Gefühlt waren fast nur Schweizer im Park!

Das Schönste aber waren die Reaktionen meiner beiden Kinder. Kind 1 ist eher ein kleiner Angsthase, was Achterbahnen angeht, hat sich dann aber doch überwunden, mit uns in die Holzachterbahn „Wodan“ einzusteigen, die ihr merklich Respekt eingeflößt hat. Und was unser Kind 2 angeht – ich deutete es bei Facebook bereits an -, die ist ein echter Adrenalin-Junkie. Zu hoch? Gibt es nicht. Zu schnell? Gleich mal gar nicht! Da war eher die Devise: Ich will Achterbahn fahren! Und sie ist auch alles gefahren. Hyperglücklich, dass sie mit 6 Jahren und 1.22m (fast) alles fahren durfte.

Das aber nur zur Einleitung.

Blättern wir ein paar Jahre zurück im Bilderbuch meiner Erlebnisse im Park. Es muss das Jahr 2006 oder 2007 gewesen sein. Ich glaube aber, dass es 2007 war. Wir fast jeden Sommer verbrachten wir den Urlaub bei meinen Schwiegereltern. Die freuten sich, dass sie ihr Enkelkind sahen (Kind 2 gab es ja noch nicht), dass sie ihre Tochter sahen – und ich gehörte auch irgendwie dazu.

Ich freute mich, die schöne Gegend zu haben – und auf die Aussicht, zwei Tage in den Europa-Park zu kommen. Damals muss das noch günstiger gewesen sein, oder wir reicher. Ich weiß es nicht genau.

Jetzt muss ich sagen, dass ich zwar sehr gerne Achterbahnen fahre, aber wirklich viel mehr an den sogenannten Themenfahrten, oder englisch „Darkrides“ hänge. Das sind diese Fahrten im Dunkeln, in denen in verschiedenen Szenen mal mehr oder mal weniger eine Handlung erzählt wird. Vielleicht spricht das meine schriftstellerische Seele mehr an als der kurze Adrenalinkick.

Auf jeden Fall fuhren wir gerade in der Themenfahrt „Piraten in Batavia“. Das sind Boote, die durch eine Szenerie fahren, in der zunächst ein Piratenangriff per Schiff gezeigt wird, dann deren Wüten in der niederländischen Kolonie Batavia und schließlich, wie das Ganze sich in Wohlgefallen auflöst. Damals gab es auch noch, dort wo heute ein asiatisches Restaurant ist, eine Schlussszene, in welcher ein richtig schöner Dschungel gezeigt wurde.

Aber diesen nahm ich auf dieser Fahrt kaum noch richtig zur Kenntnis. Denn ich hatte in der vorausgegangenen Szene ein kleines Detail wahrgenommen, bei dem mein innerer Motor, wenn es um Geschichten geht, angesprungen war.

In der Stadt, durch die wir mit dem Boot gefahren waren, lag auf der rechten Seite ein Animatronic (so heißen sie bewegten Figuren) in einer Hängematte. Relativ leblos, relativ im Hintergrund, relativ uneinsehbar.

Kommt ihr schon darauf, was mir durch den Kopf gegangen ist? Vielleicht dann, wenn ich euch erzähle, dass dieser Anblick der Initialzünder für meinen Krimi „Darkride“ darstellte. Die Frage, die ich im Kopf hatte (und manches gute Buch gründet sich auf eine Ausgangsfrage) lautete: wie lange wohl könnte eine Leiche in dieser Hängematte liegen, bevor sie entdeckt würde?

Ich nötigte meine Frau zu einer zweiten Fahrt und achtete nun noch einmal verstärkt auf genau diesen Punkt. Es war klar, dass auf diese kleine Insel innerhalb der Fahrt sicherlich nicht jeden Tag eine Reinigungskraft oder sonst ein Mitarbeiter gehen würde. Da war schon einiges an Zeit rauszuholen. Und auch wenn in meinem Roman hinterher die Szene eine ganz andere war, so konnte man doch damit rechnen, dass das meiste Augenmerk auf einer Prüfung des Fahrgeschäfts als Solches und nicht jedes einzelnen Animatronics liegen würde. Das gab mir zeitlichen Spielraum.

Zeitlichen Spielraum brauchte ich danach auch, bis ich mit dem Krimi beginnen konnte. Denn das erste, was ich brauchte, war ein Plan! Ein Parkplan, um genau zu sein. Ich wusste, dass es in meinem Krimi um einen Freizeitpark gehen würde, den es in dieser Form, dieser Größe und mit diesen Superlativen in Deutschland nicht gab. Sozusagen der Park meiner Träume. Und von dem musste ich mir eine Karte zeichnen (ich müsste mal schauen, ob ich die noch habe, dann zeige ich sie euch die Tage mal, wenn ihr wollt).

Dann kamen die Figuren, allen voran mein tapferer Ermittler Jakob „Jack“ Dillken, der nichts auf der Welt mehr hasst als Freizeitparks und dennoch (oder gerade deswegen) von seinem launischen Vorgesetzten ins „Dreamland“ geschickt wird.

Und quasi zum Schluss kam die Auflösung. Aber die kann ich nicht verraten und die will ich nicht verraten. Aber ich kann euch jetzt schon mal versprechen: „Darkride“ wird nicht in der Schublade versauern. Nach „Der Morgen danach“ und „Der Beobachter und der Turm“ steht dieser Roman ganz oben auf der Liste der Projekte, die ich veröffentlichen will.

Aber bis dahin hoffe ich, euch einen kleinen Einblick in die Denkweise dieses speziellen Autors gegeben zu haben, der ein wenig interessant für euch war.

Let’s take a walk down memory lane!

 

12 Gedanken zu “AWDML (5) Eine Leiche in der Hängematte

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