[NaNo2015] Was tun, wenn es nicht reicht?

Es wird Zeit, sich gedanklich mit dem NaNo 2015, dem National Novel Writing Month, auseinander zu setzen. Für diejenigen, die es noch nicht kennen, erkläre ich ein letztes Mal die Spielregeln (weil es einfach sonst zu redundant werden würde):

Der Autor loggt sich auf der NaNo-Seite mit einem Werk ein, das er im Laufe des Monats November zu schreiben beabsichtigt. Dieses Werk soll dabei mindestens 50.000 Worte umfassen, was einen Schnitt von run 1.700 Worten pro Tag ergibt. Der Autor ist dabei völlig frei in seiner Thematik, es soll halt (eigentlich) eine „Novel“, also ein Roman, daraus werden. Abgerundet wird der NaNo, so man denn möchte, von allerlei Nebengeräuschen auf der sozialen Ebene, indem man mit anderen Autoren in Schreibrunden geht, sich gegenseitig motiviert und so weiter. Das Ziel ist es, dem Autor das Gefühl zu geben, diese Hürde wirklich geschafft und sich mit den 50.000 Worten „freigeschrieben“ zu haben. Dass dabei kein druckreifes Werk entstehen kann, ist allen Beteiligten bewusst.

Ich habe bis jetzt einmal am NaNo teilgenommen. Das war 2012 mit meinem Roman „Der Ruf des Hafens“. Das Siegershirt, das ein wenig albern im Las-Vegas-Stil gehalten ist, trage ich heute manchmal noch (und war damals eine große Überwindung für mich, weil ich es ja noch nicht gewohnt war, zu meinem Schreiben zu stehen).

Dieses Jahr möchte ich auch gerne wieder teilnehmen und habe mich auch schon mit „Der Beobachter und der Turm“ angemeldet. Das ist insofern durchaus witzig, weil die beiden Romane sich ein fiktives Universum teilen, wenn man so möchte. „Der Ruf des Hafens“ spielt auf einer fiktiven Nordseeinsel, die wiederum vor der Küste des kleinen Küstenortes liegt, in dem Richard Lenhard lebt.

Nun ist der „Beobachter“ ja schon einige Wochen in der Mache. Und ich kann nur sagen, dass ich – nach den Zwischentiefs, die ich vielleicht zu schnell zu hochgehangen habe – mit den Fortschritten sehr zufrieden bin. Ich würde sogar sagen: das dauert nur noch wenige Wochen.

Und genau da liegt mein Problem: ich glaube inzwischen nicht mehr daran, dass ich noch weitere 50.000 Worte für diesen Roman aufbringen muss, wenn denn dann der 01.11. gekommen ist. 50.000 Worte sind, nur um es noch einmal zu erwähnen, ungefähr 200 Normseiten. Spätestens, nachdem ich heute meine Konzeption für den „Turm“ ein wenig umgestellt habe, werde ich die nie im Leben brauchen!

Und das würde bedeuten, dass ich auf einmal, mitten im NaNo, zwar mit einem fertigen Manuskript, aber ohne ein Projekt dastehe, an dem ich weiterschreiben könnte.

Jetzt denke ich schon eine ganze Weile über Möglichkeiten nach, die dann infrage kämen:

  1. ich schreibe eine Reihe von Kurzgeschichten, die zusammen auf die angegebene Zahl an Wörtern kommen und mache dann daraus einfach einen Kurzgeschichtenband
  2. ich nehme mir das unter dem Arbeitstitel „Foursome“ laufende Romanprojekt vor, das ich damals, nach „Darkride“, stillgelegt hatte
  3. ich mache irgendwas ganz anderes und schaue dann, was daraus wird
  4. ich lasse es mit dem NaNo gut sein und schaue einfach weiter, was sich in den dazugehörigen Foren so tut und nutze die Zeit, um vielleicht neue Kontakte zu knüpfen, etc.

Gefühlsmäßig möchte ich Nummer 3 direkt von der Liste streichen, weil ich noch nicht wüsste, wie lange mich ein komplett neuer Roman (z.B. der hier schon verschiedentlich angeteaserte Thriller) zeitlich beanspruchen würde. Und schließlich gibt es da ja noch „Altlasten“ um die ich mich kümmern wollte, wie das nochmalige Anschauen von „Der Morgen danach“ auf der Grundlage der Papyrus-Anregungen. Und der „Beobachter“ will auch überarbeitet werden und überhaupt …

Nummer 2 wäre dann schon eher mein Ding. „Foursome“ ist ein kleines, erotisch angehauchtes Projekt, im Kern eine Lovestory, die ich seinerzeit auch nicht fertiggestellt hatte, weil ich dachte, dass sie nicht „lang genug“ werden würde. Aber mittlerweile bin ich ja schlauer und weiß, dass auch in der Kürze Würze liegen kann, zumal wenn ich es im Selfpublishing veröffentlichen wollen würde.

Nummer 4 wäre für mich mal was ganz Neues, aber deswegen ja nichts Schlechtes. In puncto Vernetzung habe ich definitiv Nachholbedarf und einfach mal ein wenig Zeit nur in diesen Aspekt (neben dem zu Nummer 3 genannten) zu stecken, könnte sich irgendwann mal rentieren.

Da ich den NaNo aber ja doch zu dem nutzen möchte, wofür er geschaffen wurde, nämlich zum Schreiben, ist im Moment Möglichkeit Nummer 1 mit einer Nasenlänge Vorsprung mein Favorit. Auch wenn ich weiß, dass Kurzgeschichten jetzt nicht wirklich erfolgsträchtig sind, ist bei mir schon durch manche Geschichte eine Romanidee entstanden – sowohl „Der Ruf des Hafens“ als auch „Der Beobachter und der Turm“ begannen ihr Leben als Kurzgeschichten!

Außerdem merke ich durch Hannas Schreibaufgaben, wie viel Spaß es mir manchmal macht, wirklich nur diese kurzen Ausschnitte zu beschreiben, inhaltlich in sich abgeschlossen. Was aber auch möglich wäre: Kurzgeschichten, die auf meinen eigenen Romanen basieren, sozusagen als Appetizer!

Der Möglichkeiten sind also viele und das finde ich fast noch spannender, als wenn ich jetzt schon genau wüsste, dass ich halt den „Beobachter“ fertig schreibe und das war es dann.

Wobei – man soll den Tag nicht vor dem Abend loben! Wenn ich morgen von der Straßenbahn angefahren werde und mir beide Arme breche, dann ist das alles Makulatur. Also schnell auf Holz geklopft und weiter auf den NaNo2015 freuen!

Wie sieht es bei euch aus? Auch Ambitionen? Oder Meinungen zu meinen Überlegungen, für den Fall, dass „Der Beobachter und der Turm“ für den NaNo nicht ausreicht? Ich freue mich wie immer über den Austausch mit euch!

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9 Gedanken zu “[NaNo2015] Was tun, wenn es nicht reicht?

  1. Hanna Mandrello schreibt:

    Hmpf. Ich bin gerade mitten in meiner Sci-Fi Geschichte „Bis aufs Blut“ und versuche mich deshalb kurz zu halten. Ich brauche eh gerade eine Pause. Ich glaube, das wird eine längere Story.
    Nachtrag zum NaNo: Perfekte Idee, dich mit anderen Menschen zu vernetzen :-). Habe ich die letzten Tage auch getan, speziell mit NaNo-Schreibern. Und jetzt kommt der Mega-Tipp. Tadaaaa! Melde dich auf http://www.rindlerwahn-autorenforum.de an. Es ist wirklich das einzige Autorenforum, das ich uneingeschränkt empfehle, weil es dort wahnsinnig nette und schreibverrückte Menschen gibt, die nicht nur freundlich sind, sondern mir zu meinen Geschichten wirklich konstruktive Kritik gegeben haben. Und das sage ich nicht nur so. Ich weiß, dass wir im Moment alle ein wenig jammern, weil es ja so viele soziale Netzwerke gibt. Ich habe mich dort dieses Jahr im Frühjahr angemeldet, ein paar Geschichten eingestellt, nette Leute kennengelernt, und wirklich super Tipps für meine Schreibe bekommen. Aber dann hatte ich plötzlich ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht im selben Maße Zeit auf deren Texte verwendet habe, wie die es bei mir getan haben. Es ist alles ein Geben und ein Nehmen und ich fühlte mich ein wenig überfordert, bei allem, was ich sonst noch so schreibtechnisch tue. Drei Monate habe ich mich dann gar nicht mehr gemeldet. Vor kurzem habe ich mal wieder hineingesehen. Und was sehe ich? Sie haben eine NaNo-Gruppe gebildet und wahnsinnig viele Mitglieder schreiben zum ersten Mal mit. Ronny hat ein eigenes Forum für seine NaNo-Schreiber eingerichtet, und in diesem Forum wird viel kommuniziert. Ich habe also vor zwei Tagen mein Projekt dort vorgestellt und bin auch gleich wieder sehr nett empfangen worden. Und die Schreiberlinge habe ich nach und nach in meine NaNo-Buddies aufgenommen und freue mich jetzt auf die tolle Gemeinschaft dort. Leider hat der November NaNo im Gegensatz zum Camp den Nachteil, dass man dort nicht chatten kann. Im Frühjahr und Sommer hockt man mit seinen Buddies in einem virtuellen Zelt und kann dort chatten. Deshalb ist die Forums-Gemeinschaft wirklich toll und ich freue mich noch mehr, dort mitzuschreiben.
    Überhaupt hast du ja auch gerade deine Freude am Kurzgeschichten schreiben entdeckt. Dort kannst du auch deine Geschichten einstellen und „beerbsen“ lassen, wie sie das nennen. Es ist eine sehr motivierende, konstruktive Form von Kritik und auch Beifall, die du dort bekommst. Melde dich einfach mal an und lies dich mal da ein wenig durch. Es ist eine wirklich nette Gemeinschaft. Nie mehr allein als Schreiberling! 😉 So und jetzt schreibe ich weiter. Himmel, wird das eine Geschichte! Liebe Gruesse Hanna

    Gefällt 2 Personen

    • Mic schreibt:

      Sorry, ich komme erst jetzt zum Antworten, weil ich gestern bis zur Bettzeit unterwegs war.

      Ich habe mich in dem besagten Forum einmal angemeldet und muss mich jetzt erst einmal orientieren. Das mit dem Jammern wegen der Sozialen Netze kannst du laut sagen! Aber ich schaue mir das mal an und muss dann sehen, inwieweit ich auch noch Zeit für ein Forum finde.

      Aus meiner eigenen Netzvergangenheit weiß ich, dass Foren unheimliche Zeitfresser sein können, wenn man sich richtig engagiert.

      Aber das Argument „Nie mehr allein als Schreiberling“ hat deutlich was für sich …

      Deine Geschichte lese ich dann, so schnell ich kann! Freue mich schon drauf!

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  2. Uih, Mic! Ich laufe hier auch im Kreis. Soll ich? Soll ich nicht? Wenn ja, mit was? Verstehe dein Dilemma total. Komm‘, denk‘ dir doch was ganz Neues aus, und dann mitten rein! Das fände ich superspannend. Ist aber natürlich …ein wenig egoistisch von mir ;-). Und ich, einen Roman? Oder endlich meine….räusper…Geschichten? Hilfe! Keine Ahnung!

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Klare Antwort: du sollst! Nein, du musst! 🙂 😉

      Was ist egoistisch von dir? Und wieso musst du dich räuspern?

      Fragen über Fragen, liebe Romantikerin. Aber eine kleine/große Antwort: das Zeug dazu hast du! Gib dir einen Ruck!

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