Der erste Papyrus-Einsatz

Gestern war es dann soweit und mein 180-Euro-Helferlein Papyrus Autor hatte seinen ersten richtigen Einsatz!

Im Rindlerwahn-Forum, wo ich mich ja letzte Woche auf Hannas überschwängliche Empfehlung hin angemeldet habe, wird im Rahmen der sogenannten „Schreibmuhtivation“ nach Texten gesucht, die weihnachtlich sind und diesen Umstand mit dem Aufgreifen der momentanen Zuwanderungs- und Flüchtlingsproblematik verknüpfen. Wenn genügend Texte zusammenkommen, wird da ein netter kleiner Adventskalender mit Geschichten draus.

Nun habe ich mich bislang mit Stellungnahmen zum Thema Flüchtlinge bewusst zurückgehalten. Das hat nichts damit zu tun, dass ich mich für meine Meinung schämen würde – das muss ich nämlich nicht -, sondern damit, dass sie hier nicht her gehört. Diese tagesaktuellen Geschehnisse sind nicht Bestandteil meines Lebens ans angehender Autor. Jedenfalls waren sie das bis gestern nicht.

Denn auf einmal hatte ich ein Bild vor Augen, das Bild einer kleinen Familie, die in Sichtweite einer dieser schrecklichen Zeltstädte leben, die den Flüchtlingen auf die grüne Wiese gestellt wurden. Und die Tochter der Familie fragt erst sich und dann ihren Papa, ob „die da drüben“ eigentlich auch einen Weihnachtsbaum haben.

„Die da drüben“ ist dann auch der Name der kurzen Geschichte (gefordert waren 3-5.000 Anschläge), die ich bei dieser Muhtivation einreichen wollte.

Ich hatte schon fast auf Senden geklickt, als mir einfiel, dass dieser umfangmäßig sehr abgesteckte Rahmen doch perfekt war, um einmal zu schauen, was Papyrus aus den ungefähr siebenhundert Worten macht.

Ich habe leider vergessen, euch einen Screenshot davon zu machen. Aber es sah mal wieder … bunt … aus.

Mir sind auf diese Weise zwei Dinge bewusst geworden:

  1. Wenn ich alle Änderungen von Papyrus befolgen würde, dann ist der Text, der da am Ende steht, nicht mehr der, den ich geschrieben habe
  2. Einen langen Roman mit Papyrus bearbeiten erfordert mehr Zeit, als es gedauert hat, diesen zu schreiben.

Klingt seltsam, ich weiß, aber so empfinde ich es. Papyrus neigt dazu, viele Worte als Füllworte anzusehen, die ich aber, zum Beispiel in Dialogen, genau so verwendet haben möchte, um etwa die Eigenart der Sprechweise einer Sechsjährigen zu vermitteln (und glaubt mir, da spreche ich aus Erfahrung). Außerdem ist die eigentlich sehr praktische Ermittlung doppelter, dreifacher und vierfacher Wörter teils sehr frustrierend, weil man eben nicht für jedes „fragte“ ein Synonym findet. Dazu kommt noch, dass man anderer Stelle wieder liest, hier bloß nicht zu viele vermeintlich stilistisch bessere Varianten zu verwenden, sondern beim Einfachen zu bleiben.

Der zweite Punkt hat mich überrascht. An der Überarbeitung dieses kleinen Textes habe ich bestimmt über eine halbe Stunde gesessen, in der ich viele Dinge auch einfach so belassen habe, wie sie waren. Bei einem größeren und mir wichtigeren Text mit, sagen wir mal, 500 Seiten, komme ich auf eine reine Überarbeitungszeit von ca. 125 Stunden. Und das sind nur die „Nörgeleien“ von Papyrus, da ist noch kein Satz aufgrund des Inhaltes geändert worden!

Mein Fazit lautet also, dass ich a) mich noch genauer in Papyrus reinfuchsen muss, um manchen (berechtigten) Fallstrick bereits beim Schreiben zu vermeiden und b) nicht von den Dingen, die mir da angezeigt werden, ins Bockshorn jagen lassen darf.

Aber gestern war ich schon ein wenig geschockt. Dazu kamen noch zwei, drei andere schreibtechnische Dämpfer und schon war die Aufbruchstimmung dahin. Aber ab heute wird wieder nach vorne geschaut!

Auch mit Papyrus Autor in der Version 7. Vor allem aber mit den Programmen Brain 1.0 und Selbstbewusstsein 1.5!

Ich wünsche euch einen schönen und sonnigen Tag!

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9 Gedanken zu “Der erste Papyrus-Einsatz

  1. Lieber Michael,

    Das klingt ja nach einer schönen Schreibidee. Darfst und wirst du sie hier auch publizieren? Ich mag Weihnachtsgeschichten .. 😄

    Das Bearbeitungsprogramm klingt seltsam. Gibt es Regeln, die du selbst erstallen kannst, wo du z.B. genau festlegst „Füllwörter außer ‚fragen'“..? Denn Syonyme sind nur bedingt gleich. Viele unterscheiden sich in ihren Nuancen und da kommt es dann darauf an, was du ausdrücken möchtest.

    Grüße,
    Kiira

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Liebe Kiira,

      äh, mit dem „darf“ bin ich gerade überfragt. Auf jeden Fall werde ich einen Link setzen, wenn die Geschichte im Kalender ist.

      Was Papyrus angeht, da muss ich mich, wie gesagt, noch genau mit auseinandersetzen. Im Endeffekt war es bis jetzt ein Herumspielen mit den offensichtlichen Möglichkeiten.

      Bei den Synonymen ist es jedenfalls so, dass man bequem per Kontextmenü aus allen Vorschlägen auswählen kann, die dem Wort zugeordnet sind, das man ersetzen könnte.

      Am Ende bin aber ich derjenige, der im Wortsinn den Ton angeben muss. Es schadet nichts, wenn ich mir das immer mal wieder bewusst mache!

      Liebe Grüße
      Michael

      Gefällt 1 Person

  2. Auch ich schreibe seit einiger Zeit mit Papyrus und hatte anfangs das gleiche Problem: würde ich alles ändern, was das Programm anprangert, bliebe nichts mehr von meinem Schreibstil übrig.

    Es dauert eine Weile, bis man es richtig eingestellt hat und noch länger, bis man sieht, welche „Fehler“ man ändern sollte und welche man ignorieren darf. Grundsätzlich hat das Programm ja Recht, wenn es Wiederholungen anprangert oder den inflationären Gebrauch von „hatte“ und „war“.

    Auch Füllwörter darf man gerne streichen, aber eben nicht alle. Die Rechtschreibprüfung ist sehr gut und sehr hilfreich, meine Fehler werden immer weniger, worüber sich meine Korrektorin freut.
    Also, mach Dich langsam damit vertraut, lerne die Vorteile zu nutzen und manches Stilmittel zu ignorieren, das kommt schon!

    Brain und Selbstbewusstsein sollten bestimmen, Papyrus nur helfen.

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Danke für den kleinen Erfahrungsbericht! Die richtige Einarbeitung kommt bei mir auf jeden Fall, bevor ich den „Beobachter“ durch das Programm jage. Bis jetzt habe ich nur ein wenig herumgespielt. Kreativität vor Programmoptionen, wenn man so will.

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