[NaNo2015] Der NaNo läuft: und ich kann mich nicht entscheiden!

Manchmal, an Tagen, an denen man gar nicht damit rechnet, merkt man, dass die eigene Meinung auf einmal etwas wert ist. Das muss nicht sein, dass man es selbst auch so sieht, meistens tut man es nicht, aber es ist auf jeden Fall ein gutes Gefühl, wenn man nach etwas gefragt wird, das mit dem zu tun hat, was man selbst auch gerne tut.

Gestern erreichte mich die Frage einer lieben Bloggerin, die eigentlich schon mitten in ihrer NaNo-Teilnahme stecken wollte, allerdings nun vor ihren verschiedenen Projektideen sitzt und nicht weiß, wofür sie sich entscheiden soll. Ob ich da auch schon Erfahrungen mit gemacht habe.

Am einfachsten wäre es, auf so eine Anfrage die Standardantwort zu geben: schreib das, was dir am meisten am Herzen liegt, bei dem dein Verstand und dein Gefühl dir sagen, dass es jetzt und genau jetzt „dran“ ist. Aber ich weiß selber, dass dieses Gefühl manchmal in den Helikoptermodus schaltet und wild unter der Zimmerdecke herumfliegt, nicht mehr greifbar ist und nichts als Staub aufwirbelt.

Meine Erfahrungen mit mehreren Ideen auf einmal beziehen sich auf meine missglückten Versuche, mehr als einen Roman auf einmal zu schreiben. Es hat für mich nicht funktioniert, weil ich den Fokus verlor auf die Geschichte, die ich eigentlich am dringendsten schreiben wollte – und es hat zu langen Phasen geführt, in denen ich gar nicht schreiben konnte. Konkret erinnere ich mich daran, wie die Arbeit an „Lichter“ (vollendet) durch den Versuch ausgebremst wurde, den vierten Teil meiner „Silverstar“-Serie (nicht vollendet) zu schreiben. Schätzungsweise hat mich das ein Vierteljahr gekostet.

Deswegen war es für mich immer wichtig, eine Reihenfolge aufzustellen, was ich wann schreiben wollte. Und wenn ich einen Rat geben soll, wie man das am besten für sich sortieren kann, dann rate ich dazu, tief in sich hinein zu hören, zu welchem Projekt man sich bereit fühlt.

Im Spätsommer 2011 wurde ich aus einer langen klinischen Behandlung entlassen – und ich kam mit einer Idee nach Hause. Der Idee zu einem Roman, der in eben dieser Klinik spielen sollte und in dem einige der Personen, die ich dort kennenlernte, in verfremdeter Form ihren Auftritt haben sollten.

Ich habe diesen Roman aber nicht schreiben können, weil ich innerlich noch nicht bereit dazu war. Ich hatte einen Aufhänger, ich hatte ein Figurenensemble und ich hatte auch schon fast die Auflösung. Eigentlich alles, was man braucht, um einen Roman zu schreiben – zumal einen, der groß einsortiert ein Krimi ist.

Aber ich hätte ihn nicht schreiben können. Zum einen hatte ich zu lange keinen Roman mehr beendet. Das letzte abgeschlossene Projekt war das Jugendbuch für meine Tochter aus dem Jahr 2009, davor und danach kämpfte ich mit „Darkride“, kam aber auf keinen grünen Zweig.

Was tat ich also? Ich prokrastinierte vor mich hin und schrieb gar nichts. Weil ich mich selber durch den Gedanken blockierte, dass genau dieses Buch jetzt geschrieben werden müsste.

Bis mir dann eine Freundin den „Befehl“ gab, dass mein nächster Roman so heißen müsse, wie ein Satz, den ich ihr in einer E-Mail geschrieben hatte: „Der Morgen danach“.

Diesen Roman schrieb ich in (für mich) absoluter Rekordzeit und als ich dem Ende entgegen kam, stand ich auf einmal wieder vor der Frage, was ich denn danach schreiben wolle. Zwei Kandidaten standen auf der Matte: „Darkride“, das ich nun doch endlich schreiben wollte, und das Klinikbuch „Das Haus am See“.

Geschrieben habe ich weder das Eine noch das Andere, weil mir eines Morgens, stilecht unter der Dusche, die Idee für einen Thriller kam. Es entstand „Der Rezensent“. Die Zeit war einfach noch nicht reif.

Das Jahr 2011 ging zu Ende, Anfang 2012 war „Der Rezensent“ fertig und jetzt signalisierten mir mein Verstand und vor allem mein Gefühl, dass die Klinik weit genug zurücklag, um das, was dort geschehen war, in eine Romanhandlung integrieren zu können. Und – weil ich wusste, dass es ein langes Buch werden würde – ich hatte genügend Selbstvertrauen getankt, dass ich dieses Projekt würde abschließen können. Was ich dann nach etwas über sieben Monaten auch tat.

Jetzt habe ich viel von mir erzählt, aber ich hoffe, dass daraus abgeleitet werden kann, was ich meine und für wichtig halte: Auch wenn es so aussieht, so ist nicht jedes Projekt gleich „wichtig“ wie die anderen. Oder es ist nicht gleich „leicht“ wie die anderen.

Ein plakatives Beispiel: wenn ich gerade eine unglückliche Beziehung lebe, ist nicht der Zeitpunkt, Friede, Freude und Eierkuchen zu beschreiben, weil die Gefahr besteht, dass mein eigenes Erleben der Story im Weg steht.

Wenn ich also die Frage der geschätzten Bloggerkollegin ganz konkret beantworten soll, dann sage ich ihr:

Lege deine drei bis vier Ideen als Zettel vor dir hin und schau sie dir genau an. Ist ein Projekt dabei, das du zwar toll findest, bei dem du dir aber unsicher bist, dass du es gut genug schreiben kannst, um deinen Ansprüchen gerecht zu werden? Dann lege es nach hinten. Die Antwort, dass du dir bei allen Projekten nicht sicher bist, ihnen gerecht werden zu können, lasse ich nicht gelten. Denn das wird es nicht geben, wenn du ehrlich zu dir bist!

Nun weiter: gibt es eine Idee, bei der du dir noch nicht sicher bist, wo sie dich eigentlich hinführen soll? Dann würde ich dir raten, diese auch nach hinten zu legen, denn dies ist der NaNo und da kommt es auf Quantität an. Da du noch nicht wirkliche Erfahrungen darin hast, Romane zu schreiben, ist meiner Meinung nach die Gefahr zu hoch, dass du steckenbleibst, wenn du nicht weißt, wie es zumindest grob weitergehen soll.

Gibt es eine Geschichte, die auf Erfahrungen von dir basiert, die allerdings im Moment eher weh tun, weil diese Erfahrungen mies geendet sind? Eigentlich perfekt, um eine Story mit Gefühl zu schreiben. Wichtig ist nur, dass du es schaffst, diese Gefühle so zu kanalisieren, dass der Leser sich nicht hinterher fragt, ob er eigentlich eine Geschichte oder eine Autobiographie liest. Zumal letzteres wohl auch nicht in deinem Interesse wäre, glaube ich.

Du siehst, ich kann dir höchstens Fingerzeige geben, aber keine Entscheidung abnehmen. Denn ich kenne deine Ideen nicht und ich kenne den Punkt in deinem Leben, an dem du dich befindest, nicht.

Was ich aber tun kann ist, dir Mut zu machen! Manchmal fallen die Puzzleteile einfach ineinander, wenn man erst einmal angefangen hat, sie zu legen. Und ich traue dir zu, ein fantastisches Puzzle zu legen!

Du wirst die richtige Geschichte finden, oder sie findet dich. Lass dich darauf ein, hör ihnen zu und schau sie dir genau an. Ich würde mich freuen, wenn meine kleinen Plaudereien aus dem Nähkästchen dir vielleicht ein wenig dabei helfen konnten, einen Weg zur Wahl zu finden.

Soweit meine Antwort an die geschätzte Kollegin! Wenn es Sachen gibt, zu denen euch meine Meinung interessiert, dann schreibt mir doch einfach über das Kontakt-Formular!

Und jetzt entschuldigt mich, denn, wie gesagt, der NaNo läuft und ich habe heute noch kein Wort geschrieben. Die 1.100+ aus diesem Artikel zählen nämlich leider nicht ;-).

Ich wünsche euch noch einen schönen Mittwoch – und ganz besonders natürlich dir, werte Kollegin!

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10 Gedanken zu “[NaNo2015] Der NaNo läuft: und ich kann mich nicht entscheiden!

  1. Hanna Mandrello schreibt:

    Mein Tipp an die geschätzte Bloggerkollegin wäre, die Projekte einfach nacheinander anzuschreiben. Sie hat ja schon ein paar hundert Wörter. Wenn es in dem Projekt nicht weitergeht, dann ist es vielleicht ein anderes. Beim Schreiben merke ich am besten, in welcher Geschichte ich mich wohlfühle und dann kommt auch der Text von selbst.
    LG Hanna

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