Kurz und schmerzlos (14) Zwei Enden sind eines zuviel

„Der Beobachter und der Turm“ befindet sich auf der Zielgeraden und mir ist etwas passiert, was mir noch nie zuvor passiert ist: ich weiß nicht genau, wie ich es enden lassen soll!

Das heißt, eigentlich habe ich ein vollständig ausformuliertes Ende im Hinterstübchen meiner Kreativwerkstatt herumliegen. Da liegt es schon gute 15 Jahre und wartet eigentlich nur noch darauf, aufgeschrieben zu werden. Es ist ein starkes Ende, ein logisches Ende, eines, auf das ich richtig hingefiebert habe.

Doch plötzlich sind da Zweifel, die ungefähr mit meinen Überlegungen angefangen haben, ob es eigentlich fair ist, wie mit dem Leben und Sterben in Romanen umgegangen wird. Und es gibt diese Stimme in mir, die ein anderes Ende haben möchte.

Kann man sagen, dass es ein „gutes“ Ende und ein „böses“ gibt? Nein, das wäre zu eindimensional. Und auch sachlich falsch. Sagen wir, dass die Figuren am jeweiligen Ende eine andere Perspektive aufzuweisen hätten.

Und jetzt stehe ich hier mit meinen beiden Enden und weiß, dass eines zuviel ist. Und schlimmer: ich müsste mich langsam mal entscheiden!

Oder ich mache etwas, was ich auch noch nie gemacht habe: ich schreibe beide Enden und hebe mir die Entscheidung auf. Auf die Spitze treiben könnte ich das Ganze, indem ich dem Leser die Wahl überlasse, welches Ende er lieber lesen möchte! So ähnlich hat es Stephen King am Ende seines Romans „Der Turm“ gemacht, als er dem Leser angeboten hat, bei einer bestimmten Stelle der Geschichte aufzuhören und sich den Teil, den er vielleicht lieber gar nicht lesen will, zu ersparen.

(Und bevor einer unkt: mein Turm und seiner haben nicht das Geringste miteinander zu schaffen!)

Einen charmanten Nebeneffekt hätte diese Lösung: Der Schreibstoff für den NaNo wäre wohl gesichert!

Ich muss mal ernsthaft drüber nachdenken. Habt ihr Anmerkungen, Meinungen, Ideen dazu? Dann bitte immer her damit!

Und so oder so wünsche ich euch einen schönen Start ins Wochenende!

12 Gedanken zu “Kurz und schmerzlos (14) Zwei Enden sind eines zuviel

  1. Hanna Mandrello schreibt:

    Wenn es ein ideales Ende gibt, dann ist es das, was die äußere und die innere Motivation des Protagonisten befriedigt. Normalerweise trifft das nur auf ein Ende zu. Bei Nesbos neuen Roman ist es so ähnlich. Er lässt den Krimi erst gut ausgehen. Wenn man aber genau liest, ist dieses Ende die Phantasie eines Sterbenden. Aus einer zweiten Perspektive schildert er dann das echte, traurige Ende.
    Ich kenne die Handlung nicht, deshalb ist es schwer, dazu etwas zu sagen.

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    • Mic schreibt:

      Ich muss gestehen, dir in Bezug auf die Motivation des Protagonisten nur schwer folgen zu können. Jedenfalls in Bezug auf Romane aus dem Genre, das ich gerade schreibe. Weil es selten ein Ende gibt, das nicht in irgendeiner Weise ambivalent ist.

      Was mir vor Augen schwebt bei meinen zwei Enden ist so ähnlich, wie King es bei „Cujo“ ergangen ist (hätte auch gut als Erklärung in den Beitrag gepasst): eigentlich sollte der kleine Junge im Auto nicht sterben, aber dann stellte King fest, dass zwanzig Seiten später die Mutter das Kind immer noch reanimierte. Anstatt alles zu ändern, hat er es halt sterben lassen.

      Wieder: es ist nicht so, dass ich ein Happy und ein Unhappy End vor Augen habe. Dass ein solch radikaler Eingriff in die Realität, wie es mein Turm ist, nicht ohne Reibungsverluste entstehen kann, versteht sich, glaube ich, von selbst.

      Äh, okay, der Kommentar war jetzt irgendwie lang ;-).

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      • Hanna Mandrello schreibt:

        Hast du niemand, der die Story kennt und dir aus Lesersicht zu einem Ende raten kann? Alles andere ist schwierig, weil ich die Story nicht kenne. Letztlich schreiben wir für den Leser.

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      • Mic schreibt:

        Hm, nein, da differieren unsere Ansichten. Zu diesem Zeitpunkt schreibe ich primär für mich. Für mich muss die Handlung und damit auch das Ende stimmig sein. Ansonsten wüsste ich, glaube ich, was ich „zu schreiben hätte“.

        Was meinst du denn generell zu der Möglichkeit, beide Enden zu schreiben und hinterher auszuwählen oder auswählen zu lassen? Also losgelöst von der konkreten Geschichte, meine ich. Dass du die nicht beurteilen kannst, ist ja klar :-).

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      • Mic schreibt:

        Na, die Aussage lob ich mir doch. Kurz und schmerzhaft … äh, -los ;-).

        Wo ich dich grad „sehe“, bei wieviel Wörtern segelst du denn heute? Nur um zu wissen, ob ich mir den Abend mal frei nehmen kann …

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      • Hanna Mandrello schreibt:

        Kannst du bei dem Vorsprung. Ich habe heute den halben Nachmittag damit vertan, mein Windows Mail wieder zum Laufen zu kriegen. Ich habe Scrivener auf den Zweit-Laptop installiert. Danach ging Mail nicht mehr. Ich hasse WIndows. War mal wieder klassisch. Danach war mir die Lust auf schreiben vergangen. Stricke gerade Socken. Später werde ich aber noch ein paar Wörter schreiben, aber das wird heute sicher nicht rekordverdächtig.

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  2. It’s NaNo Time, mein Lieber! Also auf, an die Tasten. Schreibe beide Ende auf. Möglicherweise offenbart sich im Prozess die passende Entscheidung. Und falls nicht, tun sich, wie du oben beschrieben hast, jede Menge kreativer Lösungen auf. Wenn das hier so weiter geht, muss ich am Ende noch überlegen, ob ich nicht doch mal einen Thriller lese. Deinen!

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    • Mic schreibt:

      Das würde das Werk definitiv ehren, wenn du ansonsten nichts in der Richtung liest, liebe Romantikerin!

      Ja, NaNo-Time und damit scheint vieles möglich, was sonst abstrus ausschauen würde.

      Jetzt schreibe ich erst einmal das „ursprüngliche“ Ende fertig. Kann ja auch sein, dass ich es dann schwarz auf weiß vor mir sehe und wieder völlig sicher bin, dass die Geschichte so und nur so enden kann!

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