Dumme Menschen tun dumme Dinge

Heute war ein anstrengender Tag. Wir haben in unserem einen Keller ein Wandregal durch eine Eigenkonstruktion ersetzt, was eine Menge an Räumerei, Schrauberei und Bohrerei erforderte. Dann wollten wir noch nach einem neuen Bett für Kind 1 schauen, sind dafür zu IKEA gefahren und mussten feststellen, dass halb Duisburg sich da herumtrieb.

Deswegen war ich froh, als endlich Feierabend war, ich mich erst vor meinen Rechner zum Schreiben und dann, danach, vor den Fernseher setzen konnte. Zumindest an den Wochenenden versuche ich, regelmäßig Filme aus meiner großen Sammlung zu schauen. Dabei gehe ich recht wahllos vor, was ich als nächstes schaue. Meistens überlasse ich die Wahl sogar dem Zufall, also dem, was mein DVD Profiler als „Tipp des Tages“ auswirft.

Das war heute der Film „Kinder des Zorns: Genesis – Der Anfang“.

Kinder des Zorns, da war doch mal was? Genau! Es handelt sich um eine Kurzgeschichte, die in Stephen Kings erster Kurzgeschichtensammlung „Nachtschicht“ enthalten war. Ich glaube, die Geschichte war 33 Seiten lang, oder etwas in der Art. Und doch hat Hollywood samt seiner Hinterhöfe es geschafft, daraus bis heute neun Filme zu machen. Ich denke, das ist ziemlich rekordverdächtig.

Die Geschichte des Films ist recht schnell erzählt: ein Ehepaar, Allie und Tim, hat eine Autopanne mitten in der kalifornischen Pampa. Sie laufen zu einem verwitterten Haus, das von dem geheimnisvollen „Preacher“, dem offenbar ein paar Schrauben locker sitzen, und seiner jungen Frau Helen, die aus der Ukraine importiert wurde, bewohnt wird. An diesem Tag kann niemand mehr zur Hilfe kommen, sondern erst am nächsten Morgen. Gerne dürfen Allie und Tim in dem Haus übernachten, wenn sie sich an ein paar Regeln halten …

Und hier kommen wir zu meiner Beitragsüberschrift. Manchmal glaube ich, dass es ein ganzes Genre, nämlich den Horrorfilm, nur deswegen gibt, weil andauernd dumme Menschen dumme Sachen tun. Das berühmte „bleibt auf den Wegen“ aus „American Werewolf“ wird da ebenso missachtet, wie die freundliche Empfehlung in „Tanz der Teufel“, nicht unbedingt aus dem Necronomicon vorzulesen. Man nimmt diese Dinge hin, schmunzelt manchmal darüber, schüttelt den Kopf und steigt auf die Geisterbahn auf.

Heute aber habe ich mich einfach nur geärgert und deswegen schreibe ich darüber. Es zeigt nämlich auch für Romanautoren, wie man es nicht machen sollte: Die ersten unerklärlichen Dinge hatten sich ereignet und das Ehepaar hat beschlossen, dass es eine gute Idee wäre, die Polizei anzurufen. Allie schickt Tim los, der das Schlafzimmer verlässt und …

Nein, natürlich nicht zum Telefon geht! Wieso sollte er auch? Tim geht erst einmal los und schaut sich an, was mit einer herumstehenden Kamera aufgenommen worden ist. Die Kamera steht auf einem Stativ. Was liegt also näher, als das Ding abzuschrauben?

In der Zwischenzeit kommt Allie aus dem Schlafzimmer, schimpft mit ihrem Mann, der aber jetzt bitteschön anrufen soll, während sie den Preacher aufhalten will, der gerade wieder zum Haus unterwegs ist.

Tim stellt also die Kamera auf einem kleinen Tisch ab, wendet sich dem Telefon zu, nimmt den Hörer ab … lässt ihn wieder sinken, geht zur Kamera und versucht vergeblich, sie wieder auf dem Stativ zu befestigen.

Ab diesem Moment war ich dazu bereit, jedem die Daumen zu drücken, der sich daran machen würde, Tim auf möglichst grausame Weise vom Leben in den Tod zu befördern! Der Film hatte mich in Bezug auf einen seiner Protagonisten total verloren. Denn, Hand aufs Herz, soviel Dummheit muss einfach bestraft werden.

Bei Romanen ist es dasselbe: ein wenig Unbedachtheit ist okay, aber wenn der Leser den Eindruck haben muss, dass er die Geschichte eines Vollidioten liest, dann wird er zum einen, ebenso wie ich, nicht gerade mit Sympathie reagieren. Und, noch schlimmer, es wird sehr deutlich, dass der Autor seine Figur nur deswegen diese Schwachmatigkeiten begehen lässt, weil seine Geschichte ansonsten zu Ende wäre.

Die Stimme des Autors ist immer eine gefährliche Sache. Im Roman ist man Gott und kann tun und lassen, was man will. Aber der Leser will nicht den Eindruck haben, dass Dinge passieren, weil „der Autor es eben so will“, sondern, weil sie in der Welt, in der die Geschichte spielt, ihre Berechtigung besitzen.

Lasst mich euch also vor zwei Dingen warnen!

Erstens: Lasst die Finger von diesem Film, wenn ihr Sinn auf eine saubere Figurenzeichnung legt! Und zweitens: Macht in euren Romanen nicht den Fehler, Menschen Dinge tun zu lassen, die im richtigen Leben niemals jemand tun würde.

Beides führt nur zu Verdruss und Ärger. 🙂