Vom mobilen Schreiben

Manchmal überkommt mich der Wunsch, auch außerhalb meiner eigenen vier Wände zu schreiben. Das liest sich in den entsprechenden Schreibratgebern ja immer sehr prosaisch: der Schriftsteller setzt sich in das Café seiner Wahl, bestellt einen Latte und füllt dann sein Notizbuch mit seinen Gedanken.

Klappt für mich nicht!

Erstens trinke ich so gut wie nie einen Kaffee, gleich, welcher Art, zweitens bin ich ein schlechter Handschreiber. Ich merke einfach, dass ich seit früher Jugend gewohnt bin, meine Gedanken an einer Computertastatur niederzulegen. Wenn ich im Job schon mal dazu genötigt bin, mir Notizen in einer Besprechung oder Ähnlichem zu machen, dann jault mein Handgelenk nach kurzer Zeit gequält auf.

Aber wir leben ja im Zeitalter der Technik. Notebooks gehören zur Allgemeinausstattung jedes Außendienstlers, der etwas auf sich hält. Tablets sind ihnen inzwischen rasch auf den Fersen und wer nicht mindestens zwei Smartphones besitzt, scheint irgendwie den Zug der Zeit verpasst zu haben.

Das Problem ist, dass ich Notebooks für den wirklich mobilen Einsatz extrem unpraktisch finde! Ich spreche hier von den Menschen, die sich in der Bahn irgendwie verbiegen, um Notebooktasche, Koffer, das Notebook und sich selbst auf einen Sitz zu quetschen, ohne gleich eine Gemeinschaftsveranstaltung daraus zu machen. Damit komme ich schon als Zuschauer nicht klar und wenn mir jemand seinen Rechner auf die Knie legen würde, dann kann ich nur hoffen, dass er ein ordentliches Backup von der Kiste gemacht hat!

Ich persönlich schreibe auf meinem Tablet. Das ist recht leicht, das hat sogar sie gleiche Textverarbeitung, wie ich sie auch Zuhause verwende. Aber es hat auch so seine Nachteile.

Der Größte davon ist, dass es keine vernünftige Tastatur hat. Und nein, ich habe bis jetzt auch noch keine ordentliche Bluetooth-Tastatur gefunden, die in mir nicht den Wunsch geweckt hätte, doch wieder an meinem PC zu sitzen. Außerdem muss man ja immer erst einmal den Platz haben, um das Ding aufzubauen. Habe ich dort, wo ich auf die Idee zum mobilen Schreiben komme, meistens nicht.

Heute etwa musste ich über eine Stunde auf mein Kind 1 warten, in einem Wartebereich am Ende eines Flurs, wo es nur ein paar Stühle, aber keine Tische gibt. Da konnte ich dann mein Tablet in eine Hand nehmen und mit der anderen meine Wörter swipen. Ihr kennt doch „swipen“? Dieses Wischen über die Bildschirmtastatur?

Da kommen wir schon zu Nachteil Nummer zwei: das Ding erkennt die Hälfte der verwendeten Wörter nicht richtig! Man liest ja immer wieder von lustigen Verschreibern im Internet und jetzt, wo ich eine Weile mit dem Ding geswipet habe, weiß ich auch, wie die zustande kommen. Manchmal ist es hanebüchen, was für Fehler produziert werden. Gut, ich gestehe dem Tablet zu, dass ich große Finger habe und deswegen vielleicht die Zuordnung nicht immer so leicht ist. Aber Spaß macht das trotzdem nicht.

Der nervigste Nachteil, der sich allerdings aus den beiden anderen ergibt, ist, dass man erstaunlich wenige Worte in erstaunlich viel Zeit produziert. In etwas über einer Stunde habe ich auf diese Weise gerade 666 Wörter schreiben können (ist das jetzt ein schlechtes Omen?). 666 Wörter in einer Stunde!

Da brauche ich sonst eine Viertelstunde für, wenn ich weiß, was ich schreiben will. Das ist ganz schön frustrierend!

Ich weiß, meine Sichtweise sollte vermutlich die sein, dass ich ansonsten in der Zeit kein einziges Wort zu Papier hätte bringen sollen. Ja, schon gut. Kann man so sehen.

Aber trotzdem weiß ich, wieso ich im Normalfall das mobile Schreiben bleiben lasse und lieber die Zeit nutze, um ein Buch zu lesen. Das geht nämlich schneller, braucht keine Tastatur und die Fehler, die drin sind, sind nicht von mir produziert.

Übrigens: dieser Blogpost umfasst bis hierhin genau 605 Worte und wurde in 13 Minuten geschrieben.

Bin ich der Einzige, der sich über solche Kleinigkeiten Gedanken macht?