Erzählergold

Der Begriff „Erzählergold“ geht zurück auf einen Kommentar, den die Devote Romantikerin zu meinem Gedicht „Manchmal“ hinterlassen hat.

Dieser Text beschäftigt sich mit sehr schweren Zeiten und mit sehr düsteren Gedanken. Und die Romantikerin empfahl mir damals, ich solle alles aufschreiben, was mir an Empfindungen käme, was mir durch den Kopf geht und was mir durch den Bauch geht, das Herz, die Emotion.

Aus irgendeinem Grund habe ich es nicht getan. Manchmal wundere ich mich über mich selbst, wie ich einfachste Dinge nicht zu berücksichtigen scheine, die mein Schreiben, meine Texte, vielleicht auch ein Stück weit mich selbst besser machen könnten.

Es hat, denke ich, viel mit Angst zu tun. Ich habe eine Menge Texte auf der Festplatte, die anzuschauen ich mich heute nicht mehr traue. Weil ich genau weiß, dass ich nie wirklich mit ihnen abgeschlossen habe, mit den Gefühlen, die darin verborgen liegen. Ich denke viel darüber nach in der letzten Zeit.

Und dabei bin ich heute, an einem Tag, der für mich außerordentlich anstrengend war und einiges an Emotion zu bieten hatte, wieder gedanklich über den Begriff „Erzählergold“ gestolpert. Ein wunderschöner Begriff, für den ich dankbar bin.

Doch wie kann ich es schaffen, dieses Gold nicht nur in seiner Schatzkammer liegen zu lassen, sondern es zu fördern, zu polieren und für den guten Zweck einzusetzen, zu dem es eigentlich geschmiedet wurde? Wie schaffe ich es, dem Drang zu widerstehen, es einzutauschen gegen irgendwelchen billigen Tand, der sich damit hervorragend beschaffen lässt? Warum immer wieder diese Zweifel?

Das Erzählergold ist da, es ist in mir. Es muss nur von mir angenommen werden, gehegt und gepflegt.

Ich denke im Moment viel über mich und meine mir selbst zugedachte Rolle als „Schriftsteller“ nach. Vielleicht hat es etwas mit dem kommenden Jahreswechsel zu tun. Sehr wahrscheinlich hat es etwas mit den anstehenden Entscheidungen in Bezug auf Veröffentlichungen (oder auch nicht) zu tun. Garantiert hat es etwas mit meiner alten Krankheit, dem „ich verstecke mich“ zu tun.

Alte Verhaltensweisen, alte Wunden, alter Müll …

Erzählergold! Vielleicht ist es das, worauf ich mich mehr besinnen sollte. In die Schatzkammer gehen und schauen, was sich da so findet. Und wenn das eine oder andere Schmuckstück dabei ist, das mir weh tut, wenn ich es anschaue, dann erfüllt auch das seinen Zweck. Denn es kann mich in vielen Belangen nach vorne bringen.

Ich hoffe, ihr entschuldigt mir den sehr selbstreferenziellen und sicherlich etwas konfusen Beitrag zu vorgerückter Abendstunde. Aber ich hatte gerade das dringende Bedürfnis, meine Gedanken in Worte umzusetzen.

Passt auf euch auf!