Meldung und Meinung: BILD und Amazon verbünden sich

Gerade lese ich im Börsenblatt, dass sich die BILD-Zeitung und der Onlineriese Amazon zusammengetan haben, um einmal in der Woche eine Übersicht über die, Zitat, „wahre Bestseller-Liste“ zu berichten.

Die Grundlage sind die im Laufe einer Woche über Amazon verkauften Titel aus dem Bereich der Belletristik und des Sachbuchs, wobei keine Unterscheidung zwischen dem zugrundeliegenden Format gemacht wird, die Käufe von gedruckten Exemplaren und eBooks also zusammengefasst dargestellt sind.

Besonders im Belletristik-Ranking spiegelt sich das darin wieder, dass Self-Publishing-Titel eingerahmt zwischen Verlagsbüchern aufgeführt werden, schön groß und bunt auf der Webseite der BILD.

Der erste Gedanke, der mir gekommen ist, war der, dass dies eine große Chance für Veröffentlichungen im Eigenverlag sein könnte. Machen wir uns nichts vor: auch wenn der Kommentar im Börsenblatt naturgemäß etwas anderes aussagt (und hierbei auch nicht vor einer gewissen Polemisierung zurückschreckt), hat Amazon eine durchaus marktbestimmende Stellung eingenommen. Es gibt sie, zum Glück, die unabhängigen Buchhändler, aber bei den Buchhandelsketten, die vorher gerne als das Böse gegen den Einzelhandel angesehen wurden, sieht es meines Erachtens nicht so rosig aus. Thalia verkleinert an mehreren Standorten seine Ladengeschäfte, Weltbild steckt mitten in der Konsolidierung. Da bleibt Amazon als Big Player übrig.

Dazu kommt noch, dass Amazon auf dem Weg zum „alles aus einer Hand“-Anbieter ist. Bei Verlagsbüchern gibt es Buch und eBook selbstverständlich zu kaufen. Manchmal kann man sie auch ausleihen im Rahmen von KindleUnlimited. Das passende Hörbuch gibt es bei Audible. Wenn es eine Verfilmung gibt, landet die auch noch im digitalen Einkaufskorb.

Bei den Self-Publishern ist es ja auch so: Das eBook gibt es zu kaufen und auszuleihen, manchmal sogar im Rahmen kurzzeitiger Aktionen geschenkt. Mit dem KDP-Programm erstellt man sich sein gedrucktes Buch. Alles aus einer Hand und auf einer Plattform, die mit eigener Soft- und Hardware perfekt darauf abgestimmt ist, die Daten zu verarbeiten.

Wir sind daran gewöhnt, per Amazon Prime alles am nächsten Werktag geliefert zu bekommen. An immer mehr Standorten sogar am selben Tag!

Und von der BILD-Zeitung kann man halten, was man möchte. Tatsache bleibt aber, dass sie Auflagen erreicht, von denen nach wie vor jede andere deutsche Tageszeitung nur träumen kann.

Ich bin niemand, der alles schön redet, was Amazon macht und ein Leser der BILD bin ich erst recht nicht. Aber ich glaube nicht, dass es hilfreich ist, wenn man von vornherein auf diese Kollaboration hinabblickt und denkt, dass das schon keine nennenswerten Auswirkungen haben wird.

Ich hoffe auf möglichst positive Auswirkungen für das Self-Publishing und würde mir wünschen, wenn ein wenig differenzierter auf das Thema eingegangen würde, als es bislang seitens der mir zitierten Quelle getan wird.

Ist diese Liste die „wahre“ Bestseller-Liste? Nein, sicherlich nicht. Aber ich behaupte, sie ist auch nicht weniger aussagekräftig als die Listen vieler anderer Verlage und fusst auf einer enormen Datenbasis. Das kann man gut finden, das kann man schlecht finden, das kann man aber nicht einfach wegschieben.

Was meint ihr – birgt diese neue Liste Chancen? Birgt sie Gefahren? Oder ist sie einfach irrelevant?

9 Gedanken zu “Meldung und Meinung: BILD und Amazon verbünden sich

  1. Ich halte das für eine grosse Sache. Endlich wird sichtbarer, wer wirklich wie viele Bücher verkauft. Ob das Ranking nach Verkaufszahlen „fair“ ist, wenn die einen Bücher für 15 Euro, die anderen aber für nur 5 Euro verkaufen? Ich harre mal gespannt der Dinge, die da kommen werden.

    Da ich die „Bild“ nicht konsumiere, bitte ich, mich zu informieren, sollte mein Buch dort in den Bestsellerlisten landen.

    Ä Scherzel! Erotik wird, soviel ich weiss, nicht mit aufgeführt. Aber vielleicht in 217 Jahren schon, wenn ich dann mal anfange, ein Buch zu schreiben…

    Jetzt bin ich irgendwie vom Thema abgewichen… Bestellerautorinnen, halt…. 😉

    Gefällt 2 Personen

    • Mic schreibt:

      Du musst, glaube ich, nur die „richtige Art“ Erotik schreiben. Seit den berühmt-berüchtigten 50 Shades ist das ja durchaus salonfähig. Aber über die 217 Jahre sprechen wir nochmal! 😉

      Im Ursprungsartikel, auf den ich verlinke, ist auch ein Link zu bild.de enthalten, wo die Bestsellerlisten veröffentlicht werden. Und amazon.de wird die auch irgendwo bei sich kund tun, gehe ich mal von aus. Man kann also auch ohne Kauf einer „Zeitung“ an diesem Thema teilhaben.

      Gefällt 1 Person

  2. Hanna Mandrello schreibt:

    Ich halte es auch für einen große Chance für Selfpublisher aus dem Sumpf zu kommen. Wollen wir nur hoffen, dass die Selfpublisher sich dieser Chance auch würdig erweisen.

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    • Mic schreibt:

      Das wird davon abhängen, was der Käufer in die Liste hievt. Ich bin da, offen gestanden, sehr gespannt! Bei einigen Genres wird es wohl leichter werden, sich da zu platzieren (Liebesroman, die sogenannte Chick-Lit), bei anderen schwerer (Thriller & Co.). Mag nur so ein Gefühl sein, aber ich denke, dass es bei denen mehr auf den Autorennamen ankommt.

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      • Hanna Mandrello schreibt:

        Bei den Thrillern? Hm. Kann ich nichts zu sagen, habe ich nicht wirklich verfolgt. Mir kommt es nur so vor, als ob die halbe Menschheit Liebesromane schreibt.

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      • Mic schreibt:

        Den Eindruck habe ich allerdings auch – ich verfolge sehr aufmerksam die „kostenlosen“ eBooks bei Amazon. Da sind die sehr stark vertreten.

        Ob die auch so gut verkauft werden?

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      • Hanna Mandrello schreibt:

        Ich frage mich das auch. Keine Ahnung. Annikas Aussage vor Kurzem hat mir zu denken gegeben: „Wenn ich vom Schreiben leben wollte, dann würde ich einfach nur drei oder vier Bücher im Jahr schreiben und veröffentlichen …“

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      • Mic schreibt:

        „Einfach“?

        Das klingt nicht, als ob da große Erwartungen in das angesprochene Publikum bestehen würden.

        Aber da sind wir dann schnell auch wieder beim Faktor Zeit: wenn ich nichts anderes zu tun habe, als zu schreiben, dann kann ich mich darauf auch konzentrieren. „Einfach“.

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      • Hanna Mandrello schreibt:

        Ich glaube trotzdem nicht, dass man davon bereits leben kann. Ist aber nur mein subjektiver Eindruck. Sie weiß es sicher besser.

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