Wir haben doch keine Zeit! (Version 2.0 – ernsthaft)

Hallo zusammen!

Wie bereits vorgestern angekündigt, folgt dem eher scherzhaften Einstieg nun ein etwas ernsthafterer Hauptteil meines zweigeteilten Artikels, der insgesamt drei Teile haben wird. Ja, ich weiß, das macht mathematisch keinen Sinn, aber ich bin Autor, kein Taschenrechner. Hier also Teil 2 von 3!


 

Nachdem ich vorgestern noch so tun konnte, als ob irgendjemand oder irgendetwas mir und uns permanent die Zeit rauben würde, muss ich wohl heute den Wahrheiten ins Gesicht sehen, dass wir es selbst sind, die dafür sorgen, dass wir das, was wir eigentlich tun wollten, nicht in das Zeitfenster stecken können, das uns zur Verfügung steht. Also kein applaudierendes Publikum wie bei Stefan Raab und auch keine Herzkönigin wie beim weißen Kaninchen.

Ich gebe ein Beispiel aus meinem eigenen Leben:

Jeden Morgen von Montag bis Freitag klingelt mein Wecker um 5.30h. Wenn ich um diese Zeit aufstehe, bin ich ziemlich genau eine Stunde später auf der Arbeit, wo ich gemäß meiner Arbeitszeitbestimmungen acht Stunden und zweiundvierzig Minuten bleiben muss, um auf meinem Gleitzeitarbeitskonto kein Minus zu verursachen. Das heißt, ich kann um Viertel nach drei Feierabend machen und bin dann ungefähr um vier Zuhause. Das klingt doch nach einer Menge Zeit, die man danach noch für alles mögliche nutzen kann, oder?

Jetzt kommen wir zum Problem: Ich schaffe es im Moment nicht, wirklich mit dem Weckerklingeln aufzustehen. Ich schlafe einfach wieder ein und werde dann erst wach, wenn Kind 1 unter die Dusche geht – was für mich bedeutet, dass ich gar nicht erst in Stress verfallen muss. Das kann nämlich dauern.

Ich habe schon alles mögliche ausprobiert: zwei Wecker stellen, direkt das Licht der Nachttischlampe einschalten, den Wecker irgendwo hinstellen, dass ich aufstehen muss, um ihn auszuschalten …

Klappt im Moment alles nicht. Und das führt dazu, dass ich manchmal erst um halb sechs den Schlüssel in die Haustür stecken kann, eine halbe Stunde, bevor das Abendessen auf dem Tisch steht, wonach die Kinder noch versorgt und die Frau auf den neuesten Stand gebracht werden wollen und ehe man es sich versieht, ist es zwanzig Uhr durch, man hat noch nicht einmal richtig seine Mails gecheckt und in zwei Stunden geht es dann auch schon fast wieder ins Bett, weil ja der Wecker wieder um halb sechs klingelt …

Okay, was könnt ihr für mein mieses Zeitmanagement. Aber es zeigt doch nur, dass es teilweise wirklich kleinste Stellschrauben sind, die sich zu riesigen Problemen auswachsen.

Ich habe das große Glück, dass ich in meiner Mittagspause gemütlich am Arbeits-PC sitzen und schreiben kann. Wenn ich das nicht hätte, dann hätte ich keinen NaNo gewonnen, dann wäre dieser Blog um viele Einträge ärmer und dann würde ich es überhaupt nicht mehr schaffen, mit vielen Dingen hinterher zu kommen.

Es ist so schon schwer genug.

Im Moment habe ich mit „Die Welt der stillen Schiffe“ ein Romanprojekt, das ich langsam anfangen sollte, als solches auch ernstzunehmen. Es wird keine Novelle mehr und es zeichnet sich ab, dass es eher mindestens 350 denn 250 Seiten werden, wenn es erst einmal fertig ist. Mir ist wieder genau das passiert, was mir bis jetzt noch immer passiert ist: ein Projekt wächst mit seinen Ideen und wird größer und größer.

„Der Beobachter und der Turm“ wartet darauf, überarbeitet zu werden, um danach an die Testleser, die sich gemeldet hatten zu gehen (sofern sie noch Interesse daran haben), bevor ich die Weichen in Richtung Veröffentlichung stelle.

„Der Morgen danach“, von dem hier lange nichts mehr zu lesen war, sollte ich auch noch einmal überarbeiten, um vielleicht größere Chancen auf eine Verlagsveröffentlichung zu haben – die ich immer noch nicht ganz aufgegeben habe.

Eigentlich sollte ich mir diese beiden Romane einmal laut vorlesen, damit ich auf Missstände im Text leichter aufmerksam werde. Aber habt ihr schon mal einen 400-Seiten-Roman vorgelesen? Ich schon! es braucht einfach enorm viel Zeit.

Dann gibt es noch den Aspekt der, ich nenne es mal, „Weiterbildung“. Ich habe mir einen Videokurs zum Thema Self-Publishing geleistet, diverse Fachliteratur steht herum, in die ich teilweise noch nicht einmal hineingesehen habe und die aktuelle „Federwelt“ will auch noch gelesen werden. Papyrus habe ich mir zwar angeschafft, aber mich noch nie wirklich mit den Features beschäftigt.

Und wenn man wider Erwarten das alles geschafft hat, dann sollte man das, was man da gelesen, geschrieben, erdacht, überarbeitet hat, ja auch noch einmal für sich genommen reflektieren und es sacken lassen. Manche Dinge müssen einfach sacken, damit sie sich festsetzen. Ich habe zum Beispiel gerade in dieser Woche wunderbare Tipps bekommen anhand meiner letzten Kurzgeschichte, wie ich meinen Schreibstil verbessern könnte. Leider bin ich kein Computer, dem man das in die Rechtschreibprüfung einspeist und der dann automatisch damit weiterarbeitet.

Oh je, das Thema Kurzgeschichten habe ich ja noch gar nicht angesprochen, aber die schreibe ich ja, so wie die Blogartikel, im Moment quasi noch so nebenbei – was ich vielleicht auch noch einmal überdenken sollte.

Und soll ich euch etwas sagen? Ganz ehrlich? Ich habe einen Beruf, der mich an manchen Tagen acht Stunden lang dazu nötigt, Texte zu schreiben, die langweilig sind, die bürokratisch sind, die erbsenzählerisch sind, bei denen ich mich mit meinen Vorgesetzten um Punkt, Komma und Formulierungen streiten muss. Da gibt es einfach auch Tage, an denen ich eigentlich überhaupt keine Lust mehr habe, auch nur noch ein einziges weiteres Wort in die Tastatur zu hämmern! Meistens tue ich es doch, weil ich mir inzwischen eine gewisse Disziplin angeeignet habe, was das angeht.

Manchmal aber mache ich nichts dergleichen, sondern entspanne einfach. Das sollte man bei aller Ambition und aller Arbeit auch nicht außer Acht lassen, finde ich. Es kann und darf auch nicht jeder Tag ein absoluter Schreibtag sein!

Gibt es einen Königsweg, der für jeden Menschen gültig ist? Nein, ich behaupte, dass es den nicht gibt. Es gibt den Ausspruch, dass man nicht auf zu vielen Hochzeiten tanzen sollte. Das Problem ist nur, dass man gerade am Anfang seiner schriftstellerischen „Karriere“ kaum eine dieser Hochzeiten einfach absagen kann. Etablierte Autoren, wie zum Beispiel ein Andreas Eschbach, können es sich erlauben, einmal alle paar Wochen etwas in ihren Blog zu posten, weil sie sichergehen können, dass sie bei ihren Lesern schon nicht in Vergessenheit geraten.

Autoren, die es einmal geschafft haben, eine Bindung an einen Verlag oder eine Agentur zu finden, haben zumindest schon einmal einen Partner an ihrer Seite, der ihnen zwar Aufgaben wie die Überarbeitung nicht abnehmen, sie aber dabei unterstützen kann.

Und dann gibt es die ganz Glücklichen, die wirklich nur noch schreiben müssen, weil alles andere sich schon irgendwie von selber fügt. Ich frage mich dann zwar immer, wie die das machen, ob deren Tag doppelt so lang ist, wie meiner, aber Tatsache ist, dass es sie gibt.

Kann ich denn ein Fazit für mich ziehen? Schwierig. Ich weiß, dass ich lernen muss, mich mit dem, was ich mache, zu organisieren, vielleicht auch zu professionalisieren (da schreibe ich die Tage mal ein Update zu dem Artikel von Anfang Oktober, wo es genau um das ging). Vielleicht heißt es auch, dass ich mich von manchen hehren Gedanken verabschieden muss.

Bis auf Weiteres renne ich aber noch dem weißen Kaninchen hinterher, schaue auf meine eigene kleine goldene Uhr und hoffe, dass ich alles zumindest insofern zufriedenstellend erledige, dass die Herzkönigin mir nicht den Kopf abschlagen lässt.

Ohne Kopf würde ich nämlich überhaupt keine dieser Angelegenheiten erledigen können.


Eine scherzhafte Herangehensweise an das Thema Zeit findet ihr, wie gesagt, hier. Und bald gibt es abrundend noch eine Vision dazu, direkt aus meinem persönlichen kleinen Utopia.