Video: Ein Buch wird in Handarbeit gebunden

Durch einen Link beim Kraftfuttermischwerk bin ich auf ein Video gestoßen, in dem gezeigt wird, wie ein Buch neu eingebunden wird. Alles von Hand und herrlich meditativ. Da können eBooks und Co. nicht dagegen an!

Schaut’s euch an, schwelgt in der passenden Musik und nehmt vielleicht mal wieder ein richtig, echtes Buch in die Hand. Ein schönes Gefühl, nicht wahr!?

Wir haben doch keine Zeit! (Version 3.0 – utopisch)

Hallo ihr Lieben!

Es folgt der dritte und letzte Teil meines zweiteiligen Artikels zum Thema Zeit, keine Zeit und was sonst noch damit zusammenhängt. Die ersten beiden Teile lest ihr hier und hier!


Seien wir für einen Moment einmal utopisch. Tun wir so, als sei alles, was wir uns wünschen oder vornehmen möglich. Schieben wir alle „wenns“ und „abers“ für jetzt beiseite und signalisieren ihnen, dass sie in den nächsten gut fünf Minuten keine Bedeutung für uns haben. Denken wir an einen perfekten Tag für das perfekte Schreiberlebnis. Denken wir daran, wie es wäre, wenn wir uns mit nichts anderem, als mit dem Schreiben und dem, was sonst noch so dazu gehört, befassen müssten.

In meinem Kopf hat sich, seit ich den zweiten Teil dieser Artikelreihe vorformulierte, ein Bild geformt. Ich stellte mir die Frage, ob es nicht möglich sein könnte, einen Tag so durchzuorganisieren, dass er alles das ermöglicht, was zu einem perfekten Schreibtag gehört.

Rekapitulieren wir noch einmal kurz. Es gehörten dazu: Schreiben, Überarbeiten, Weiterbildung, Reflexion, Entspannung. Fünf Punkte, die in so einen Tag hineingehören sollten.

Wäre es nicht fantastisch, wenn man Morgens aufstehen könnte, in aller Ruhe frühstückt, und sich dann ohne Eile an den Schreibtisch begibt, um zwei bis drei Stunden bis zum Mittag zu schreiben? Nachmittags ginge es dann daran, entweder den morgens geschriebenen Text oder einen älteren, der noch darauf wartet, zu überarbeiten. Ich würde mal sagen, dass zwei Stunden dafür reichen.

Dann eine Stunde Pause, um einfach nur zu relaxen und die Sinne baumeln zu lassen, bevor man sich in Richtung Abend darum kümmert, sich zum Beispiel mit seiner Webseite zu beschäftigen, sich einen Schrebkurs anzusehen oder vielleicht auch einfach noch einen Blogartikel zu verfassen.

Und dann, gegen Abend, kann man einfach Pause machen, kann ruhen, wenn man Ruhe braucht. Kann auch seine Mails checken, wenn es denn sein muss.

Für einen Menschen, der nicht Berufsautor ist, ist so ein Tagesablauf utopisch. Und wahrscheinlich würde auch der Berufsautor sagen, dass es eine Utopie ist, weil so nette Dinge wie Haushaltsarbeit oder Kochen oder Einkaufen gar nicht darin vorkommen.

Wisst ihr, warum mir dieser Gedanke trotzdem nicht so recht aus dem Kopf verschwinden will?

Wie ihr wisst, habe ich von Mitte 2014 bis Mitte 2015 eine schwere Krankheitsperiode hinter mich gebracht. Das bedeutet, dass ich – als Beamter geht das – jede Menge Resturlaub mit mir herumschleppe. Um genau zu sein, werde ich noch Teile des Urlaubs 2014 und den kompletten Urlaub 2015 nach 2016 mitnehmen.

Was wäre, wenn ich diesen Urlaub nutze, um mir eine oder zwei Wochen reinen Schreiburlaub zu gönnen? Entweder zu Hause, oder vielleicht auch mal für eine Woche irgendwohin fahren, wo mich nichts und niemand ablenkt?

Wo ich all das machen kann, was ich oben geschildert habe?

Morgens schreibe ich an meinem dann gerade aktuellen Roman, mittags kümmere ich mich um „Der Beobachter und der Turm“ und „Der Morgen danach“ und fange langsam aber sicher an, mich wirklich in Sachen Schreiben freizuschwimmen.

Ich habe über diese Utopie noch nicht mit meiner Frau gesprochen, weil ich zum einen nicht weiß, wie sie das auffassen würde, zum anderen, weil ich nicht sicher bin, dass das so für mich klappen würde. Denn klar: träumen tut man immer davon, einfach mal mehr Zeit zum Schreiben zu haben. Weil man ja meistens immer nur merkt, wie man sie eben nicht hat, die Zeit. Dann aber die Zeitfenster zu nutzen, wo sie sich auftun, das steht meistens schon auf einem anderen Blatt.

Aber trotzdem ist dieser Gedanke in mir jetzt erst einmal präsent.

Ich müsste ja wirklich nicht unbedingt wegfahren. Ich könnte einfach so tun, als ob mein Schreiben meine ganz normale Arbeit wäre! Ich würde morgens aufstehen, mich fertig machen, meine Brote schmieren und dann, statt das Haus zu verlassen, an meinen Schreibtisch gehen. Komischer Gedanke, aber wieso nicht? Und wenn ich gut arbeite, dann kann ich immer noch Kind 2 schon mal aus der Schule abholen oder (mit) einkaufen gehen. Oder was eben so anfällt.

Ihr merkt schon, so ganz bekomme ich den Gedanken nicht zu fassen. Aber ist das nicht auch Ausdruck einer Utopie? Dass man sie nicht zu 100% fest geplant bekommt?

Ich werde den Gedanken in mir bewegen. Werde versuchen, ihm nachzuspüren. Aber er hat schon eine gewisse Dringlichkeit, denn im Moment habe ich einfach viel zu oft das Gefühl, dass ich vier bis fünf Dinge (siehe oben) gleichzeitig machen müsste. Und das kann auf Dauer weder für meine Schreibe, noch für mich selber, gesund sein.

Und darum geht es doch letztlich am meisten, nicht wahr? Dass wir irgendwie in dieser verrückten Welt mit alle dem, was wir aushalten müssen und wollen, gesund bleiben.

Ich werde euch zu gegebener Zeit berichten, oder und was ich aus diesem Gedanken gemacht habe. Habt ihr auch schon mal daran gedacht, für eine Weile die Reißleine zu ziehen und euch etwas zu widmen, was euch glücklich macht? Oder euch entlastet? Schreibt mir eure Erfahrungen doch einfach in die Kommentare! 🙂