Höllenqualen

Vor einigen Tagen gab es drüben bei Hanna einen Artikel darüber, wie man/sie Geschwafel in einem Text vermeidet. Darin berichtet sie darüber, wie sie für eine Anthologie einen Text von 2.500 Wörter auf 1.000 Wörter gekürzt hat und wie sie es getan hat.

Ich nehme einfach mal an, dass das die Anthologie ist, die sie mir schmackhaft gemacht hat und für die ich im Augenblick auch einen Text erarbeite.

1.000 Wörter!

In Worten: eintausend Wörter!

Leute, Hand aufs Herz, ihr kennt mich! Ich weiß nicht, ob all das, was ich an Ausschmückungen in einen Text packe, wirklich „Geschwafel“ im Sinne der Anklage ist, aber ich gehöre auf jeden Fall zu den Menschen, die eher zu viel als zu wenig schreiben. Ich erinnere mich daran (vielleicht habe ich es auch irgendwann schon mal erzählt), wie mein Englischlehrer im Abitur sauer auf mich war, weil ich ihm 2.500 Wörter in der Abi-Klausur vorgesetzt habe.

Und jetzt: 1.000 Wörter! Keins mehr – und bei mir auch nicht viel weniger.

Wieder war es Hanna, die in einem Kommentar gestern auf den Punkt brachte, was das für mich bedeutet: Höllenqualen! Für mich ist der Pfad in die Hölle damit gepflastert, dass die Teufel und Dämonen von mir verlangen, einen meiner Texte immer weiter zusammen zu streichen, bis am Ende kaum noch was davon übrig ist.

Jetzt mögen die Puristen jubeln und sagen, dass es dann – und genau nur dann – ein perfektes Stück Literatur ist. Aber ich habe gar nicht den Anspruch an mich, ein perfektes Stück Literatur zu schreiben! Ich schreibe Unterhaltungsliteratur! Das gibt mir keinen Freibrief, aber es lockert, nach meinem Empfinden, etwas die Zügel.

Ich könnte es nicht so machen, wie Hanna es gemacht hat. Ich könnte keinen Text schreiben und dann schauen, wie viel ich herauskürzen kann. Wenn die Worte erst einmal da stehen, dann kämpft ein Teil von mir mit Klauen und Zähnen darum, dass sie auch stehen bleiben!

Die Herangehensweise muss also eine andere für mich sein. Ich habe versucht, mich von vornherein auf 1.000 Wörter (unfassbar …) zu beschränken! Das bedeutete permanentes Zurückdenken, herausstreichen, vermeiden von Floskeln, zusammenkürzen von Dialogen.

Und trotzdem ist am Ende etwas dabei herausgekommen, das zumindest rein formaljuristisch den Anforderungen entspricht: Eine Geschichte mit exakt 1.000 Wörtern (inklusive Titel)! Ein hartes Stück Arbeit, das ich da heute zu stemmen hatte, aber auch eins, das ein ganz gutes Gefühl hinterlässt.

Trotzdem sind und waren es Höllenqualen! Und nur, weil ich am Ende des Tages mit dem Teufel am Tisch sitzen und eine kühle Schorle trinken kann, war die Arbeit nicht weniger schweißtreibend und auch frustrierend. Denn selten zuvor hatte ich so sehr das Gefühl von „ich kann das nicht“!

Und siehe da: Irgendwie konnte ich es doch!

Jetzt werde ich die Geschichte noch überarbeiten und hoffe, dass mir dabei nicht noch Ungereimtheiten auffallen, die wieder mehr Wörter notwendig machen … und dann schaue ich mal, was daraus so wird!

Ich wollte euch jedenfalls einfach mal erzählen, was ich heute so getrieben habe.

Und wenn einer von euch dem Teufel begegnet und der frech werden sollte, dann sagt einfach, ich sei euer Freund. Dann wird er bestimmt freundlicher gestimmt und, wer weiß, vielleicht lädt er euch ja auch auf eine Schorle ein! 🙂

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18 Gedanken zu “Höllenqualen

  1. Jaja … Hihi! ;->
    Gratuliere zum 1000-Wörter-Text! Na also, geht doch! 🙂

    Interessante Frage allerdings: Was ist „ein perfektes Stück Literatur“?

    Freut mich jedenfalls, dass Du (bloße, niedere … ;-> ) „Unterhaltungsliteratur“ nicht als Freibrief siehst, sprachlich zu sauigeln (pardon!). Kommt halt drauf an, wen & was Du erreichen willst.

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Ein perfektes Stück Literatur ist für viele Leute ein Text, an dem kein Wort zuviel dran ist. Wie man meinem Text hoffentlich entnehmen kann, denke ich nicht in solchen Kategorien.

      Wen und was ich erreichen will? Möglichst viele und möglichst viel. Und nein, präzisieren kann ich das nicht ;-).

      Gefällt 1 Person

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