Reblog und Meinung: Große Geschichten handeln immer von Leben und Tod

Marcus Johanus hat mir, wieder einmal, ein Gedankenstöckchen hingeworfen, an dem ich nicht vorbeilaufen kann, ohne es mit den Zähnen aufzunehmen, darauf herumzukauen und zu schauen, wonach es eigentlich genau schmeckt.

Er schreibt von der zentralen Rolle, die das Leben und vor allem dessen Ende, der Tod, in den meisten Geschichten einnimmt. Das kann auf vielfältige Weise der Fall sein.

Er kann ein stiller Begleiter sein, wenn in einer Familiengeschichte das Dahinsiechen eines lieben Familienteils beschrieben wird. Oder er ist die Hauptattraktion in einem Horrorroman, in dem Dutzende von Leibern zerfetzt, geschändet und verspeist werden. Ihr kennt die Sorte.

Aber nachdem ich den grundsätzlichen Überlegungen von Marcus wenig bis nichts hinzuzufügen weiß, habe ich einmal überlegt, wie es in meinem eigenen Oeuvre eigentlich um den Tod bestellt ist. Und ich komme zu dem Schluss, dass er ein ewiger Begleiter meiner Figuren ist, der in jedem einzelnen meiner Romane seine Opfer fordert.

Nun schreibe ich das, was man gemeinhin als „Genre“ zusammenfasst. Das sind Horrorromane, Thriller, ein oder zwei Krimis, Science-Fiction. Da sollte man meinen, dass es keine gesonderte Erwähnung braucht, dass Menschen sterben.

Nur wenn ich im Geiste so die einzelnen Geschichten durchgehe, dann stelle ich fest, dass es nicht in jedem Roman wirklich nötig gewesen wäre, einen Menschen sterben zu lassen. Ich gebe zu, mindestens einmal eine Figur nur deswegen über die Klinge habe springen lassen, weil ich dachte, dass zu diesem Zeitpunkt der Geschichte ein Aha-Effekt ganz gut tun würde.

An anderer Stelle ist der Tod einer Romanfigur wiederum alternativlos, um die Geschichte überhaupt im Fluss zu bewahren. Ich denke da an mein zuletzt abgeschlossenes Manuskript „Der Beobachter und der Turm“. Wenn es da nicht an einer Stelle zu einer Eskalation der Handlung durch einen Todesfall käme, würde das ganze Konstrukt wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.

Wie Marcus schon richtig am Ende seines Artikels schreibt: Wichtig ist, dass ich bewusste Entscheidungen treffe, welche Rolle das Thema Tod in meinem Roman spielen soll. Das tue ich, soweit es im Rahmen des von mir betriebenen Discovery Writing möglich ist.

Ich denke seit vorhin, als ich den Artikel erstmals las, nur über die Frage nach, ob ich mein eigenes Verhältnis zum Tod in meinen Geschichten überdenken „muss“. Teile meines Kopfs sagen „ja“. Aber der größte Teil meines Bauchs sagt „nein“. Das ist sehr spannend, wenn auch verwirrend.

Für mein momentanes Manuskript „Die Welt der stillen Schiffe“ ist die Entscheidung bereits gefallen. Und ich kann sagen, dass es eine folgerichtige Entscheidung ist. Es handelt sich um eine Horror/Mystery-Geschichte. Ich fürchte, mit Todesopfern ist zu rechnen.

Und, Hand aufs Herz, irgendwie würde doch was fehlen, wenn da keine wären, oder?

Oder!?

MARCUS JOHANUS

GroeGeschichtenhandelnimmeEs gibt ein Thema, das so universell ist, dass es jeden Menschen berührt: der Tod. Und wo Tod ist, gibt es auch Leben. Aber muss es nun in jeder Geschichte um den Tod gehen? Was, wenn du keine Horror-Story, keinen Krimi oder Thriller schreibst, in denen Leichen ja mehr oder weniger zur Tagesordnung gehören?

Ja, auch dann ist der Tod ein wichtiges, zentrales Thema für die Geschichte, das den Leser auf jeden Fall berühren wird. Auch in einem Liebesroman, einer Space Opera oder in einem Fantasy-Epos gehört der Tod auf jeden Fall ins Zentrum der Geschichte.

Warum ist der Tod so wichtig?

Sterben ist ein wirklich universelles Thema. Jeder Mensch muss sich früher oder später mit ihm auseinandersetzen. Es führt wahrhaftig kein Weg daran vorbei. Das ist für die meisten nicht schön. Aber eben darum ist es ein so wichtiges Thema, das auch in der Literatur behandelt werden muss.

Praktisch…

Ursprünglichen Post anzeigen 415 weitere Wörter

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20 Gedanken zu “Reblog und Meinung: Große Geschichten handeln immer von Leben und Tod

  1. Hanna Mandrello schreibt:

    Zu gewissen Genres gehören die Toten einfach dazu. Kein Krimi ohne Leiche. Schließlich ist sie auch ein Gruselelement, gerade weil der Tod ein Tabuthema ist. Ich stelle nur fest, dass die Tendenz ganz eindeutig zum Serienmord geht. Je mehr Tote, desto besser. Ein Krimi, in dem es am Anfang einen Toten gibt und der danach „nur“ noch aufgeklärt wird, wirkt vom Format veraltet. GsD ist man wieder vom detaillierten Foltern abgekommen. Vor vier Jahren ca. war jeder Krimi oder Thriller ein Blutbad. Wenn es zu viel Gewalt ist, dann mag ich es nicht mehr lesen. Ich überblättere dann. Grundsätzlich lese ich lieber Bücher mit Toten als ohne. Hm, darüber muss ich auch mal nachdenken, warum das so ist. 😉

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    • Mic schreibt:

      Ich denke gerade über den Krimi ohne Leiche nach und ob es nicht auch Konstellationen gibt, in denen das trotzdem spannend sein könnte. Ich lande dann immer im Wirtschaftssektor – und bei der Erkenntnis, dass es schon verdammt gut geschrieben sein müsste, um nicht nur für BWL-Studenten von Interesse zu sein ;-).

      Serienmörder sind doch eigentlich spätestens seit „Das Schweigen der Lämmer“ ganz oben auf der Agenda. Nach meinem Empfinden hat sich da nicht viel getan, wobei es, da gebe ich dir recht, zunehmend expliziter geworden ist. Aber das gilt ja für jedes Kulturmedium um uns herum. Da fallen einfach Schranken. Schau dir mal einen der „bösen, verbotenen“ Filme von Anfang der 80er an und dann das Zeug, das heute so produziert – und von der FSK durchgewunken – wird. Lachhaft, sage ich da nur!

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  2. Ich schreibe politisch-kritische Dystopien und (ebenfalls politisch kritische) Vampirromane. Die Frage nach den Todesopfern in meinen Geschichten?
    Nicht das „Ob“. Sondern das „Wie viele?“
    Also ja, ich habe mich eindringlich mit dem Tod in Geschichten beschäftigt. Und ja, ich habe auch schon Charaktere gemordet, weil ich mir dachte „dann passiert mal was“ oder „Sonst werden’s zu viele“…

    Gefällt 1 Person

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