Nur die besten Vorsätze

Leute, wir schreiben den dritten Januar 2016 und ich habe so ein Gefühl, als ob das Jahr schon ewig dauern würde. Kennt ihr das auch? Für mich ist es das „die guten Vorsätze“-Gefühl.

An Silvester, oder auch schon davor, macht man sich gute Vorsätze für das neue Jahr. Ich behaupte, dass jeder das tut. Die Wenigsten setzen sich dezidiert hin und machen sich eine Liste. Aber ich denke schon, dass jeder Mensch in seinem Kopf Bilanz zieht und dann – und sei es nur zur Mitternacht, wenn die Böller krachen und der Kopf vom Sekt beschwingt ist – für sich einen Punkt findet von dem er sagt: den möchte ich ändern/stärker verfolgen/verwirklichen/endlich in Angriff nehmen.

Mir geht es nicht anders! Ich hatte mir sogar schon für meinen kompletten Urlaub gute Vorsätze gemacht. Dieser Urlaub ging vom 24.12. bis einschließlich heute. Eigentlich ausreichende Zeit, um

  • die herumliegenden DVDs alphabetisch einzuordnen
  • endlich mal wieder richtig ordentlich Staub zu wischen und aufzuräumen
  • einen großen Korb Wäsche wegzubügeln (das teilen meine Frau und ich uns)
  • wenigstens tausend Worte am Tag zu schreiben
  • ein wenig genauer darüber nachzudenken, was ich denn in 2016 wie in Bezug auf meine „Karriere“ angehen will
  • auch mal bei einem Film auszuspannen.

Dazu kam dann nach einem spontanen Besuch der Waage noch der Gedanke, es in 2016 vielleicht ein wenig ernster mit dem Sport und noch ernster mit dem Verzicht auf Süßigkeiten zu nehmen, ähem.

Nun brach der letzte Urlaubstag an. Ich lag in meinem Bett und konnte nicht einschlafen. Ich konnte nicht einschlafen, weil mir die Dinge durch den Kopf gingen, die ich hatte tun wollen – und die ich aus verschiedenen Gründen nicht getan hatte.

Das größte Drama, meinen von einer Sekunde auf die andere nicht mehr zu gebrauchenden PC, habt ihr hier ja mitbekommen. Damit waren die Abende vom 28.12. bis zum 30.12. mehr als gut gefüllt. In dieser Zeit habe ich nichts geschrieben und auch keine Filme geschaut.

Als ich das erste Mal wieder nach meinen E-Mails schauen konnte, waren so viele aufgelaufen, dass es auch am 31.12. nicht mit einem Film klappte – darüber freuten sich dann die Kinder, die mehr fernsehen durften, als man gemeinhin für gut hält.

Ich muss gestehen, dass ich meinen PC die ganze Zeit über so gut wie nicht mehr sehen konnte. Er ging mir einfach ganz gewaltig auf den Zeiger. Und das ist nicht die beste Voraussetzung, um sich an das Ding zu setzen und kreativ zu sein!

Aber dann kam es, das schlechte Gewissen wegen der guten Vorsätze. Es schlich sich im Laufe der Silvester-Nacht an und manifestierte sich so gegen halb eins, nachdem ich mein „Frohes Neues“ abgesetzt hatte. Es sagte mir: Du musst endlich wieder anfangen, zu schreiben! Du hast schon verdammt lange nicht mehr geschrieben!

Und so schrieb ich die erste Seite von „Die Welt der stillen Schiffe“ seit mehreren Wochen. Einige von euch werden sich vielleicht schon gefragt haben, wo die Statusmeldungen geblieben waren. Es gab schlicht keinen aktuellen Status zu melden!

Und heute, am dritten Januar, stand ich nun in meinem Zimmer, die unsortierten DVDs schauten mich effektheischend an, ebenso die ungewischten Bücherregale und auch der Wäschehaufen. Mein PC-Monitor muss keinen Effekt heischen, der ist groß genug, dass ich ihn nicht übersehen kann.

Ist es wichtig, alle seine guten Vorsätze zu verwirklichen? Nein, jedenfalls nicht, wenn sie einem das Leben zu sehr einschränken. Ich war noch nicht wieder beim Sport, weil ich davon ausgehe, dass in diesen Tagen alle die hingehen, die sich vorgenommen haben, mehr Sport zu machen. Aber die bleiben auch bald wieder Zuhause. Aber ich habe noch keine Süßigkeiten in 2016 angerührt. Ich kann zwar die Waage leise lachen hören, aber für mich ist das schon fast eine Rekordstrecke in den letzten Wochen.

Mein Zimmer ist wieder sauber. Nicht blitzblank, aber das muss es auch nicht sein. Denn es reicht, wenn ich mich darin wohl fühle! Dem Wäscheberg habe ich gerade den Stinkefinger gezeigt und ihm gesagt, er soll sich noch eine Woche gedulden. Aber meine DVDs werde ich gleich noch sortieren. Vor allem, weil es mir Spaß machen wird, das zu tun!

Bleibt noch das Schreiben. Es ist wichtig für mich, zu schreiben. Und ich sollte versuchen, täglich dran zu bleiben. Aber ob ich wirklich tausend Worte pro Tag schaffe, das kann ich einfach noch nicht garantieren. Es kommen mindestens fünf hammerharte Arbeitswochen auf mich zu. Ich habe keine Ahnung, was für ein Elan danach noch für Textarbeiten übrig bleiben wird.

Aber ich habe mir Gedanken über 2016 gemacht und über meine Ziele, Vorstellungen und Wünsche. Und auch wenn ich einen Teufel tun werde, die hier zu detailliert auszubreiten (da bin ich abergläubisch), ist es doch gut, solche Vorsätze zu haben.

Wichtig ist, wie gesagt, sich nicht zu sehr in seinem Leben einzuschränken. Leider tun das viele von uns. Wegen ihrer eigenen guten Vorsätze, im besten Wissen und Gewissen gefasst. Ich möchte dazu ermutigen, die Zügel auch einmal locker zu lassen. Im Hinterkopf zu behalten, was man erreichen möchte, darauf hinzuwirken, aber nicht zu verkrampfen.

Denn mit Krampf erreicht man gar nichts.

Und deswegen: ob ich heute noch 1.000 Worte schreibe, oder 500 oder vielleicht auch nur 250. Ich werde versuchen, mich damit zufrieden zu geben. Und vielleicht schaffe ich es sogar, mir heute Abend noch einmal einen Film anzuschauen. Sind ja genügend zur Auswahl da, auch ohne die neu hinzu sortierten ;-).

Und, wie steht es so mit euren Vorsätzen? Macht ihr euch Druck? Verkrampft ihr?

Ich hoffe doch, dass ihr das nicht tut!