AWDML (7) Silverstar revisited

Disclaimer: In der Beitragsreihe A Walk Down Memory Lane beschäftige ich mich in Form von Rückbetrachtungen und Anekdoten mit Begebenheiten aus meiner schreibenden Vergangenheit. Auch wenn der Blick manchmal leicht verklärt sein mag, so ist der Inhalt doch die reine Wahrheit. Jedenfalls so rein, wie ein Autor ihn zu schreiben in der Lage ist.


Damals, im Juli 2015, als ich den ersten Teil dieser kleinen Artikelreihe schrieb, habe ich euch davon berichtet, wie bei mir alles angefangen hat mit der Schriftstellerei. Ich erzählte euch von den Abenteuern des Raumschiffs Silverstar und wie ein Zwölfjähriger sich aufmachte, um anhand dieser Abenteuer eine bis heute andauernde Liebesbeziehung zum Schreiben von Geschichten zu entwickeln.

Als sich gegen Ende des letzten Jahres mein PC teilweise in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hatte, verbrachte ich im Anschluss einen großen Teil von Zeit damit, vor der Kiste zu sitzen und dem Betriebssystem sowie diversen Programmen bei der Installation zuzusehen. Man fängt bei der Gelegenheit an, seine Umgebung noch einmal mit ganz anderen Augen abzuscannen.

Irgendwann war ich auf der Suche nach irgendeinem Lesestoff, mit dem ich mir die Zeit vertreiben konnte, bei dem es aber auch nicht schlimm war, wenn ich zwischendurch herausgerissen wurde.

Nun muss ich, glaube ich, erzählen, dass ich ursprünglich, als wir in unser neues Haus gezogen sind und ich mein eigenes Arbeitszimmer bekam, den Anspruch hatte – oder eher den Wunsch -, alle meine Manuskripte auszudrucken und in Ordnern neben mir ins Regal zu stellen, damit ich jederzeit Zugriff darauf hätte.

Zum Glück wurde dieses Vorhaben dadurch abgelenkt, dass ich in den kommenden Monaten so viel schrieb, dass ein Ausdrucken alter Werke keinen Sinn gemacht hätte. Was aber bereits da stand und immer noch steht, ist ein grüner Ordner, in dem alle drei geschriebenen Abenteuer der Silverstar enthalten sind.

Von einem Hauch Nostalgie befallen, nahm ich mir den Ordner zur Hand und begann, ein wenig in Band 3, „Final Star“ herumzulesen.

Dabei stellte ich fest, dass mir Teile der Handlung inzwischen vollkommen unbekannt waren. Und, noch viel schlimmer, ich stellte fest, dass mir weite Teile der Handlung gefielen!

Wieso das schlimm ist? Ganz einfach, bis jetzt hatte ich eine ganz einfache Haltung zu meinen „Silverstar“-Romanen: Jugendsünden. Schlecht geschrieben. Das Papier nicht wert, auf dem ich sie ausgedruckt habe.

Jetzt denke ich anders darüber. Ich denke intensiv darüber nach. Ich erkenne in „Final Star“ ein sehr großes Potenzial, zumindest eine annehmbare Science-Fiction-Abenteuergeschichte zu werden, wenn auch kein Stück große Literatur. Klar, in der vorliegenden Fassung atmet das einen großen Hauch „Star Wars“. Es atmet einen großen Hauch „Perry Rhodan“. Und auch einen nicht zu verhehlenden Hauch „Kampfstern Galactica“. Die grundlegenden Probleme der Reihe, nämlich dass sie nicht vor Originalität trieft, haben sich ja nicht plötzlich verändert.

Aber ich denke darüber nach, ob und wie vielleicht Elemente aus der Handlung als Grundgerüst für etwas Neues und Eigenes dienen könnten. Es muss einen Sinn haben, dass ich mich nach wie vor, fast zwanzig Jahre, seitdem ich unter Band 3 das Wort Ende geschrieben habe, für diesen Stoff erwärmen kann.

Die Figuren haben Leben in sich, das ich kaum für möglich gehalten hätte. Da ist Dynamik, die mitreisst. In einigen Abschnitten erwies sich das Manuskript sogar als richtiger Pageturner.

Ist das „nur“ Nostalgie? Ich glaube es eigentlich nicht.

Im Moment ist das Letzte, was ich brauche, noch ein neues Projekt, mit dem ich mich befassen muss. Deswegen ist der Ordner auch erst einmal wieder ins Regal gewandert. Aber hin und wieder, wenn ich so an meinem Schreibtisch sitze, ertappe ich mich dabei, wie ich nach links schaue und meine Augen das Grün suchen.

Und dann denke ich mir: vielleicht …

Vielleicht ist es irgendwann die Zeit, alte Freunde noch einmal zu besuchen.

Let’s take a walk down memory lane!

Advertisements

10 Gedanken zu “AWDML (7) Silverstar revisited

  1. Hanna Mandrello schreibt:

    So ein AHA-Erlebnis hatte ich letztes Mal auch bei einem meiner alten Krimis :-). Verwunderlich ist nur, dass ich mich wirklich nicht mehr daran erinnern konnte, diesen Text geschrieben zu haben. Gefallen hat er mir aber auch ;-).

    Gefällt 1 Person

  2. Nimm Dir den Silverstar beizeiten nochmal vor und mach was draus! – Es ist ein gehegter & gepflegter Schriftsteller-Mythos, dass frühe Schreibanläufe „Jugendsünden“ sind, derer man sich „schämen“ muss. Das stimmt, wenn einer meint, er sei schon mit 12 ein Genie gewesen, das nobelpreisverdächtige Geschichten raushaut (und dann das Gegenteil entdeckt). Aber nichts spricht gegen eine Überarbeitung eines alten Textes, dessen Idee einen immer noch begeistert.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s