Meldung und Meinung: E-Books gegen den Riesen

Bei der Süddeutschen Zeitung gibt es einen interessanten Artikel, der sich mit dem Gleichgewicht auf dem E-Book-Markt zwischen Amazon mit seinem Kindle und der Tolino-Allianz beschäftigt. Für die, welche sich noch nicht näher mit der Materie beschäftigt haben: wir sprechen hier von zwei eigentlich in sich geschlossenen Ökosystemen, die sich nur durch Konvertierung von E-Books füreinander öffnen lassen. Dabei stellt sich die Tolino-Allianz, der unter anderem Libri, Weltbild, die Mayersche Buchhandlung und Thalia angehören, gerne als das offenere unter beiden Systemen dar, wobei dies meiner Meinung nach schon zweifelhaft ist, denn diese Offenheit bedeutet ja nichts anderes, als dass ich mir als Kunde aussuchen kann, wo ich mein epub-Buch kaufen möchte – aber nicht, ob ich lieber ein Kindle-Buch auf diesem Gerät lesen will.

Mir war allerdings, offen gestanden, nicht bewusst, wie sehr Tolino inzwischen auf dem Markt aufgeholt hat, wenn wir vom reinen Marktanteil ausgehen. Laut dem Börsenverein des deutschen Buchhandels ist Tolino inzwischen bei 40% Marktanteil der elektronischen Bücher angekommen, wohingegen Amazon mit jetzt noch 47% leicht verliert.

Es gibt zwei Dinge, über die ich mir nicht ganz im Klaren bin.

Erstens, ob dies wirklich ein Erfolg für den lokalen Buchhandel ist, so wie es gerne dargestellt wird. Ich persönlich verknüpfe den Buchhandel vor Ort sehr stark mit dem gedruckten Buch. Der Vorgang, mir ein Lesegerät für elektronische Bücher zu kaufen, ist für mich so oder so eine zumindest teilweise Entscheidung gegen diesen lokalen Buchhandel. Denn dem E-Book ist es egal, ob es bei Thalia, bei Weltbild oder bei Libri gekauft wurde. Hier könnte sich das Bild nur dann wandeln, wenn einzelne Händler spezielle Editionen auflegen würden – ich denke da z.B. an Weltbild mit seinen preisvergünstigten Sonderausgaben -, was aber wiederum dem Gemeinschaftsgedanken, der ja hinter dem Tolino steht, widersprechen würde.

Zweitens, inwiefern sich das auf die Art und Weise auswirkt, in der man als Autor seine für die Eigenveröffentlichung vorgesehenen Werke zu behandeln hat. Dazu muss man wissen, dass Amazon es einem sehr leicht und schmackhaft macht, seine eigenen Romane auf der Kindle-Plattform zu veröffentlichen. Es braucht nicht viel mehr als das Ausfüllen eines Formulars, das Setzen von ein paar Häkchen und schon ist man „drin“ und kann, je nachdem, von Angeboten wie der hauseigenen E-Book-Flatrate profitieren oder mit dem CreateSpace-Verfahren sein eigenes On-Demand-Printbuch erstellen. Der Gedanke, sich mehr oder weniger exklusiv an diesen Onlineriesen zu binden, liegt daher sehr nahe und schlägt sich auch darin nieder, dass in zahlreichen Workshops und Kursen für Autoren die entsprechenden Vorgänge für Tolino ein wenig stiefmütterlich behandelt werden.

Noch stehe ich nicht direkt vor dem Punkt, an dem ich einen Roman veröffentlichen werde. Aber ich weiß, dass dieser Zeitpunkt in diesem Jahr kommen wird. Und damit ist es für mich natürlich von Interesse, wie ich mich strategisch aufzustellen habe. Über einige Zahlen wie die, dass E-Books generell nur 4,3% des Umsatzes am Markt ausmachen, muss man da in seinem Enthusiasmus schon mal hinweg lesen. Aber, Hand aufs Herz, für Selfpublisher entsprechen diese 4,3% wahrscheinlich mindestens 90% des maximal Erreichbaren. Oder gibt es Studien darüber, wie es sich mit Books On Demand verhält, die ausschließlich (!) in diesem Format erscheinen?

Wer diesbezüglich etwas weiß: Informationen bitte gerne zu mir! 🙂