Auf den eigenen Rhythmus hören

Gerade, als ich die Praxis meines Hautarztes verließ (keine Sorge, nichts schlimmes, ich bleibe euch erhalten), lief mir eine ehemalige Arbeitskollegin über den Weg, die vor roundabout drei Jahren in Pension gegangen ist. Nach dem üblichen „oh, wie nett“ und „lange nicht gesehen“, kamen wir irgendwann zwangsläufig darauf zu sprechen, wie es mir denn inzwischen so geht.

Die Kollegin weiß, dass ich in der Zwischenzeit zwei Auszeiten von jeweils knapp einem Jahr von der Arbeit genommen habe. Deswegen ist diese Frage nicht einfach so daher geredet, sondern durchaus ernst gemeint und auch in entsprechendem Ernst gestellt.

Ich konnte ihr sagen, dass es mir im Moment eigentlich soweit ganz gut geht, was sie sichtlich freute.

Dann gab sie mir aber noch einige Worte mit auf den Weg, die eigentlich nur auf die Arbeit gerichtet waren, die aber auch für mein Schreiben und die damit verbundenen Aktivitäten Gültigkeit haben:

Lassen Sie sich nicht von anderen unter Druck setzen! Meistens verstehen die sowieso nicht, was gerade los ist. Wichtig ist, dass sie auf Ihre innere Stimme hören, Ihren eigenen Rhythmus finden! Egal, was die anderen vielleicht sagen oder ob die meinen, dass das gerade doch ganz leicht und ohne Probleme zu schaffen sein muss.

Einig waren wir uns darin, dass das natürlich immer ein Rat ist, den man anderen Menschen leichthin geben kann, dass es aber ganz etwas anderes ist, das für sich selber a) zu erkennen und b) zu beherzigen.

Ich bin ein Mensch, der dazu neigt, sich selber unter Druck zu setzen und vor allem immer nach den Anforderungen zu linsen, die andere an mich stellen oder stellen könnten. Das mag im Beruf noch als „ist halt so“ durchgehen, ist aber für die Schreiberei sehr kontraproduktiv.

Ich muss mir immer wieder vor Augen führen, dass ich schreibe, weil ich schreiben will! Und ich muss mir vor Augen führen, dass ich diese Veröffentlichung im Jahr 2016 anstrebe, weil ich mich an diesem Punkt in meinem Leben sehe.

Gelegentlicher Anreiz von außerhalb, wie ich ihn ja auch durch eure lieben, motivierenden und zuweilen auch nachdenklich machenden Kommentare bekomme, ist dabei ganz bewusst nicht ausgeklammert, sondern erwünscht. Aber ich bin am Ende der, der auf meinen eigenen Rhythmus achten muss.

Es bringt mir nichts, es bringt euch nichts und vor allem bringt es meinem Text nichts, wenn ich mich zu irgendwelchen Kompromissen hinreißen lasse, die erkennbar sowas von faul sind.

Ich werde die Worte der Ex-Kollegin als Erinnerung, als Reminder nehmen. Einmal für das Büro, wofür sie gedacht waren, aber auch für das Schreiben. Damit am Ende das Ergebnis dabei herauskommt, mit dem ich mich am besten fühle. Das wird sich dann, so denke ich, auch in der Qualität des dabei entstandenen Textes niederschlagen.

In diesem Sinne: Ich hoffe, ihr habt alle euren eigenen Rhythmus gefunden. Und wenn nicht, dann sucht doch mal danach! Ich würde mich freuen, wenn es euch gelingt.

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21 Gedanken zu “Auf den eigenen Rhythmus hören

  1. Lieber Michael,

    Das sind sehr nachdenklich stimmende Worte.

    Ich glaube, da will dich jemand etwas rütteln, wenn er dir in just so einer Alltagssituation deine Ex-Kollegin über den Weg schickt und sie solche Worte an dich richtet. Schicksal? Bestimmt war heute der richtige Zeitpunkt dafür. 😊

    Lg Kiira

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    • Mic schreibt:

      Ich meine damit, dass ich, sozusagen, einem „Plan“ hinterher schreibe, der nicht meiner ist. Wobei dieser Plan durchaus auch nur eingebildet sein kann. Es kommt ja keiner von euch und sagt: bis März musst du veröffentlicht haben, sonst bist du ein Blender ;-). Aber es gibt da durchaus Stimmen in meinem Kopf, die versuchen, mir solche Dinge einzureden. Und dann wäre es ein fauler Kompromiss, wenn ich versuchen würde, einem solchen Ziel hinterher zu hecheln. Mir tut es nicht gut, weil es eben einfach nicht gesund wäre, euch täte es nicht gut, weil ich sicherlich anfangen würde, knatschig zu werden (obwohl ihr ja nichts dazu könntet) und dem Text täte es aus naheliegenden Gründen nicht gut.

      Ich hoffe, ich konnte damit etwas klarer machen, wie ich das meine!?

      Gefällt 1 Person

  2. Ich glaube, wir müssen in jedem Bereich unseres Lebens unseren eigenen Rhythmus finden. Das Tempo eines anderen, egal ob es schneller oder langsamer ist, ist nicht auf unsere Bedürfnisse, auf uns als Person abgestimmt. Es macht uns am Ende nicht glücklich.

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    • Mic schreibt:

      Ja, das denke ich mir auch so. Aber leider ist unsere Gesellschaft (oh Gott, ich klinge wie meine Eltern) so angelegt, dass einem immer irgendwo ein „Vorbild“ vor die Nase gesetzt wird, an dem man sich doch bitte orientieren „soll“.

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  3. Aber ist es nicht gerade eine solche „Messlatte“, die uns dazu motiviert, besser zu werden, nach Höherem zu streben, nicht zu stagnieren?

    Das muss ja nichts Schlechtes sein, es kommt wohl eher darauf an, ob man sich damit zu sehr unter Druck setzen lässt, d.h. wie hoch man die Messlatte ansetzt. Willst Du mit Stephen King konkurrieren oder Asimov? Dann ist sie definitiv zu hoch, aber es gibt so viele Einstellungen dazwischen!
    Was die Zeit betrifft – diesen Punkt hast Du Dir selbst gesetzt, nicht wahr? Muss auch nicht schlecht sein, dann kann man einen Plan entwickeln, anders schreibt man eben so vor sich hin und kommt irgendwann zu einem Ende. Was ist besser?

    Schwierig zu sagen und immer individuell zu lösen!

    Liebe Grüße,
    Margaux

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Du sprichst den zentralen Punkt an: den Druck, den das Ganze erzeugt. Ich sagte ja schon, dass ich dazu neige, diese, Druck zu verfallen. Natürlich konkurriere ich dabei nicht mit King oder Asimov, dann wäre ich ja größenwahnsinnig …

      Es fällt mir halt wahnsinnig schwer, die Messlatte so anzusetzen, dass sie mich nicht überfordert und gleichzeitig auch nicht die Gefahr birgt, einfach alles im Sande verlaufen zu lassen.

      Eine konkrete Zeitvorstellung habe ich ja nicht. Nur die Sorge, dass irgendwann irgendjemand sagt: „der kommt auch nicht zu Potte und labert nur dumm rum“.

      Ich arbeite an einer Lösung!

      Lieben Gruß zurück
      Michael

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