Ein Autor erklärt seine Tricks

Jeder kennt sie: Vorworte, Nachworte, Zwischenworte, viele Worte, wenig Worte, Dankesworte, Hinweisworte. Kommentare, die ein Autor seinem Text voran-, hintan-, oder irgendwohinstellt.

Oft sind es reine Danksagungen an Menschen, die den kreativen Prozess des Buches begleitet haben. Da finden sich Literaturagenten, Lektoren, Verlagsmitarbeiter, Erbtante Olga, die Frau, die Kinder, die drei Katzen, der beste Freund und dann dankt man noch seinen Eltern – wie bei der Oscarverleihung.

Ich behaupte, dass diese Sorte Text von den wenigsten Menschen wirklich gelesen wird. Man kennt all diese Leute schlicht nicht und wieso sollten sie einen dann interessieren? Leider ist es heute so, dass kaum noch etwas anderes geschrieben wird.

Wie ihr mittlerweile wisst, ist Stephen King mein Lieblingsautor, der gewiss mit seiner Art zu erzählen auch einen großen Einfluss auf mich gehabt hat (wenn ich nur die Hälfte seines Talents hätte, wäre ich ein glücklicher Mann!). Was ich an Kings frühen Büchern immer sehr geschätzt habe war, dass er sich nicht darauf beschränkte, mir zu erzählen, in wessen Schuld er alles stand, sondern dass er kaum eine Gelegenheit ausließ, um mir auch mehr über die Geschichte zu erzählen, die er da geschrieben hatte.

Wenn King mir zum Beispiel davon erzählte, wie er auf die Idee zu seiner Geschichte „Die Leiche“ gekommen war (verfilmt als „Stand By Me“ mit unter anderem River Phoenix, Wil Wheaton und Kiefer Sutherland), dann war das wie eine Geschichte für sich. Und es zeigte mir einen Trick! Nämlich den Trick, wie man aus einem Erlebnis, das man in der Realität gehabt hat, eine Geschichte machen kann.

Einer der elementaren Ratschläge für einen Autor ist es, mit offenen Sinnen durch seine Welt zu gehen und möglichst viel davon aufzunehmen. Denn man weiß nie, wo und wann man diese Eindrücke wieder verarbeiten kann.

Bei Stephen King habe ich darüber sehr viel gelernt und ich war immer wieder dankbar für seine Vorworte und Nachworte. Umso enttäuschter war ich, dass in den letzten Jahren auch bei ihm die Anzahl der Danksagungen herauf und der für mich „verwertbare“ Inhalt geringer wurde. Es schien eine Zeit lang so zu sein, als ob King mit seinem Standardwerk „Das Leben und das Schreiben“ alles erzählt hatte, was es über sein Leben als Autor zu erzählen gab.

Nun ist am Montag seine aktuelle Kurzgeschichtensammlung „Basar der bösen Träume“ erschienen und ich fühle mich wie im siebten Himmel, denn nicht nur fand ich ein ausführliches Vorwort zur gesamten Sammlung vor, sondern auch noch zu jeder einzelnen Kurzgeschichte gibt es eine Erläuterung, was der Hintergrund gewesen ist.

Und wieder ist da dieser Zauber, dieses Gefühl, dass jemand die Karten auf den Tisch legt und sagt: Siehst du, so habe ich das gemacht!

Irgendwann wird man dann sogar so größenwahnsinnig zu glauben, dass es andere Menschen auch interessieren könnte, welche Tricks man selber so angewendet hat! Ich habe ja hier im Blog schon an der einen oder anderen Stelle ein wenig Einblick sowohl in meine Art der Arbeit, als auch in meine Art der Ideenfindung gegeben. Ich würde ihnen jetzt natürlich keine vergleichbare Relevanz unterstellen, wie ich das bei einem x-fachen Auflagenmillionär tue.

Früher habe ich für meine Romanentwürfe Nachwörter geschrieben. Um sie dann in die Schublade zu legen. Dumm, oder?

Ich bin einfach nur auf den Gedanken gekommen, was ich tun werde, wenn ich „Der Beobachter und der Turm“ veröffentliche. Wird es ein Vorwort geben? Wird es ein Nachwort geben? Interessiert das irgendjemanden? Hier im Blog kann ich mir dessen einigermaßen gewiss sein, denn sonst würde er nicht gelesen. Dafür sind wir u.a. alle hier (und ich bin jeden Tag aufs Neue dankbar dafür, euch hier zu haben!).

Wie ist das bei euch: lest ihr Nach- oder Vorworte, wenn ihr einen „richtigen“ Roman zur Hand nehmt?

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8 Gedanken zu “Ein Autor erklärt seine Tricks

    • Mic schreibt:

      Genau das würde ich gerne herausfinden! 🙂

      Ich sage mir immer, so exotisch kann das doch eigentlich nicht sein, sonst hätte das den Autoren doch längst mal einer ausgeredet.

      Gefällt mir

      • Versucht man ja auch. Es den Autoren auszureden, meine ich. Was ich doof finde. (Ich lese übrigens sogar Danksagungen, aber eben nur manchmal.)
        Bei E-Books ist der Tipp allerdings nicht schlecht, auf Vorworte zu verzichten und sie als Nachworte & Co. hinten dran zu hängen.

        Gefällt 1 Person

      • Mic schreibt:

        Bei E-Books wäre es anders sehr unpraktisch, da hast du natürlich vollkommen recht! Sollte man unbedingt noch erwähnt haben, dass sich das sonst mit dem „Blick ins Buch“ beißt. Danke für die Erinnerung!

        Ich lese grundsätzlich alles, was mir vorgesetzt wird. Je ausführlicher, desto besser. Womit ich allerdings gar nicht warm werde (leicht anderes Thema), sind Auszüge aus anderen Romanen am Ende des Buches. Da fühle ich mich über die wahre Länge des Romans getäuscht.

        Gefällt 2 Personen

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