Wie steht es mit Kurzgeschichten?

Ich stelle einfach mal die aus dem Titel ersichtliche Frage in den Raum. Nicht, weil ich mir von euch eine Antwort darauf erhoffe oder erwarte, sondern einfach, weil sie mich im Moment ziemlich umtreibt.

Wir hatten hier auf diesem Blog, meistens in den Kommentaren, ja schon öfter das Thema, ob Kurzgeschichten als solches sich auszahlen, ob sie nicht den Blick auf die wesentlichere Romanarbeit versperren oder ob sie vielleicht sogar eine Art Fortlaufen vor den wirklich anstehenden Dingen darstellen.

Ich sage noch mal, wie ich persönlich zu den von mir geschriebenen Kurzgeschichten stehe:

Als ich mit diesem Blog gestartet bin, war ich der festen Überzeugung, Kurzgeschichten nicht schreiben zu können. Und zwar wirklich in Form von „ich kann nicht“. Ich könnte euch jederzeit frühere Versuche präsentieren, die das eindrucksvoll belegen würden.

Irgendwann fing ich dann an, aus lauter Spaß an der Sache, mal die eine oder die andere zu schreiben. Und ich bekam sehr liebes und positives Feedback dafür. Auch den einen oder anderen schreibtechnischen Tipp, für den ich sehr dankbar bin.

Aber ich sehe mich nach wie vor mehr als den Autor von Romanen. Allerdings als Romanautor, der auch hin und wieder gerne eine kurze Idee von mehreren Seiten umsetzen würde.

Das „Problem“ ist, dass Kurzgeschichten, wenn man sie ernst nimmt, auch wieder ihre Zeit brauchen, bis man sie unter Dach und Fach hat. Ein Hinweis, der mich in dieser Hinsicht erreichte, war nämlich absolut zutreffend: auch meine Kurzgeschichten sind in gewisser Weise eine Art Visitenkarte für meine Tätigkeit als Autor. Und deswegen sollten sie zumindest nicht in einer halben Stunde hingeschludert und ungeprüft veröffentlicht werden.

Das klappte in der Vergangenheit ganz gut, als ich nach dem höher-schneller-weiter-Prinzip Rekord für Rekord bei den täglichen Wörterzahlen hinterher gehechelt bin. Es ging mir kaum Arbeitszeit an meinem jeweils aktuellen Roman verloren.

Aber im Moment versuche ich ja, wie gerade erst beschrieben, ganz entspannt an die Schreiberei heran zu gehen. Und da kommt dann der Konflikt auf: schreibe ich nun, ganz entspannt, an meinem Roman, damit der irgendwann mal fertig wird – oder schreibe ich, auch ganz entspannt, an einer Kurzgeschichte, die zwar schnell fertig ist, mich aber bei meinem Hauptprojekt nicht weiter bringt.

Ich habe im Moment leider die Situation, dass der Januar mir jobmäßig alles abverlangt. Für diejenigen unter euch, die etwas mit dem Begriff anfangen können, sagt das Wort „Jahresabschluss“ wahrscheinlich alles, was man dazu wissen muss. Das bedeutet, ich komme im Moment Abends sehr kaputt nach Hause, habe es meistens in der kurzen Pause, die ich mir gönne, so gerade geschafft, einen Blogartikel zu schreiben oder zwei bis drei Seiten an meinem Roman, und bin eigentlich mit dem Thema „Arbeit“ (und auch das Schreiben ist eine – schöne – Form von Arbeit) ziemlich durch.

Gestern zum Beispiel habe ich an „Die Welt der stillen Schiffe“ keinen einzigen Satz geschrieben. Damit hinke ich meinem anvisierten Schnitt für diesen Monat schon wieder hinterher.

Wie war das? Ich soll mich mal entspannen? Danke für den Tipp, geht gerade leider nicht so richtig … :-(.

Wieso ich überhaupt unter diesen Umständen über das Thema Kurzgeschichte nachdenke? Weil ich <bitte hier Schimpfwort einsetzen> so doof war, mir einen „Vorsatz“ für dieses Jahr zu geben: Eine Kurzgeschichte pro Monat, um den Zugang zu dieser Kunstform, den ich gerade erst halbwegs gefunden habe, nicht wieder zu verlieren.

Leider bin ich ein Mensch, der solche Vorsätze ernst nimmt und dem es immer schrecklich unangenehm ist, wenn er sie nicht einhalten kann.

Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehe. Im Moment ist alles möglich zwischen

  • ich komme doch noch dahin, mich mal locker zu machen

und

  • ich veröffentliche am 31.01. um 23.57h eine schnell hingehuschte Kurzgeschichte.

Da ist eine Menge Platz dazwischen, findet ihr nicht auch?

Hm, eine Antwort auf die Frage „Wie steht es mit Kurzgeschichten?“ kann ich euch leider immer noch nicht anbieten. Dafür habt ihr mal wieder einen kleinen Einblick in den Kopf dieses speziellen Autors bekommen. Ist doch auch was, oder?

Oder!? 😉

Ich wünsche euch einen super Start ins Wochenende! Macht was draus!