Wie sozial können die sozialen Netzwerke für einen Autor sein?

Wenn man sich dazu entscheidet, sich frei-/nebenberuflich als Autor von Romanen zu versuchen, dann stößt man im Internet schnell auf Tipps und Hinweise, was man auf keinen Fall und was man auf jeden Fall machen sollte. Einer der immer wiederkehrenden Hinweise ist es, auf keinen Fall die sozialen Netzwerke außer Acht zu lassen.

Soziale Netzwerke – ein Thema, mit dem ich mich erst einmal auseinander setzen musste. Natürlich kenne ich sie, einige von ihnen habe ich auch schon genutzt, bevor ich mich dazu durchgerungen habe, die Sache mit dem „Autor sein“ jetzt vielleicht mal ernsthafter in die Tat umzusetzen. Ich habe, da ich lange im Internet bin, auch das eine oder andere kommen und gehen sehen.

Das hat mich bis jetzt alles nicht weiter berührt. Bis jetzt …

Dieser Blog wird ja bei WordPress gehostet und macht es einem sehr leicht, die neu entstandenen Beiträge auch direkt auf Accounts bei u.a. Facebook und Twitter durchzuleiten. Aber es gibt ja noch so viele andere Netzwerke, die man sich vornehmen könnte! Da gibt es Instagram, Pinterest, tumblr – und das sind nur die, die mir ohne auch nur eine Zehntelsekunde nachzudenken, einfallen.

Aber was ich nicht begreife ist: wie sozial können solche sozialen Netzwerke wirklich für einen Autor sein?

Ich habe mich lange z.B. gegen eine persönliche Mitgliedschaft auf Facebook gewehrt, weil ich das Gefühl hatte, dass dort im weißen Rauschen des allgemeinen Geplauders sowieso keine wirklich relevanten Informationen versteckt sind. Immer wenn ich mir das Portal neu ansah, stieß ich auf die immer gleichen Internet-Memes, Sinnsprüche und weiteren, weitgehend sinnfreien Krempel.

Aber ist es nicht meine Aufgabe als Autor, daran etwas zu ändern, indem ich meine Inhalte, die natürlich alles andere als sinnfrei, inhaltsleer und allgemein … äh, wo war ich!?

Nein, ernsthaft, inzwischen weiß ich, dass man auf Facebook, auf Twitter und wahrscheinlich auf jedem anderen sozialen Netzwerk auch eine ganze Menge an nützlichen, interessanten und praktischen Dingen finden kann, die für einen Autor richtig Relevanz besitzen. Und dies kommt vor allem daher, dass eben immer mehr Leute begreifen, welch mächtiges Werkzeug auch im Bereich Marketing diese Kanäle sind.

Das einzige, womit ich wirklich hadere ist der Umstand, dass das alles mir eben nicht sehr sozial vorkommt – jedenfalls nicht im Sinne eines Austauschs miteinander.

Ich bin seit einiger Zeit recht aktiv auf meinem Twitter-Account, weil ich die Möglichkeit schätzen gelernt habe, zwischendurch einfach mal eine Statusmeldung abzugeben, wie es bei mir so ausschaut. Ich habe nicht viele Personen in meiner „Du folgst“-Liste und noch weniger Follower.

Und trotzdem komme ich mit den ungefähr 160 Personen, denen ich folge, schon in arge Schwulitäten, wenn ich mich mal länger als drei Stunden nicht in diesem Account umgesehen habe. Da türmen sich dann schon mal um die achtzig neue Nachrichten auf, die ich zwar nicht alle lese, die aber ja zumindest grob sortiert werden müssen um zu entscheiden, ob sie denn wert sind, gelesen zu werden, oder auch nicht. Und wenn dann noch Links dranhängen zu Seiten, die mich auch interessieren könnten, dann weiß ich gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.

Ich komme ja kaum hinterher, die Blogs zu lesen, die mich interessieren.

Wir bewegen uns also in immer mehr sozialen Netzwerken und ich behaupte, dass wir dabei immer unsozialer werden, was den Einzelfall angeht. Denn wenn ich bei Twitter sehe, dass manche Autoren, denen ich folge, ihrerseits über 1.000 Personen haben, denen sie folgen, dann verweise ich es ins Reich der Fabel, dass sie es auch nur annähernd schaffen, diese Informationen alle sinnvoll zu verwalten.

Werden wir so nicht selber wieder zu einem Teil des weißen Rauschens, das wir doch eigentlich – so sicherlich der Anspruch der meisten – durch unseren guten „Content“ mildern wollten?

Es geht mir nicht darum, gegen den Spaß an der Freude zu reden. Auch nicht darum, jemandem verbieten zu wollen, sich jetzt mal über dies und jenes zu unterhalten. Das kann ich nicht, das will ich nicht, das werde ich nicht. Ich twittere auch nicht immer gehaltvoll. Ganz bestimmt nicht. Und mit Facebook werde ich immer noch nicht warm.

Aber in einer Gesellschaft, in der es fast schon als Malus gilt, wenn man nicht auf den sozialen Plattformen unterwegs ist, dann muss doch auch die Frage erlaubt sein, ob wir da nicht einer virtuellen Möhre hinterher schnappen, die uns immer wieder vor die Nase gehalten wird, bis irgendwo jemand eine größere und schönere Möhre hat. Jetzt hört man schon, dass Twitter bald den Weg von MySpace gehen könnte, falls sich da noch jemand dran erinnern sollte – für die Jüngeren unter uns: MySpace war der heiße Scheiß, der von Facebook platt gemacht worden ist, nachdem man selbst erfolgreich Portale wie StudiVZ gekillt hatte.

Mir graut davor, im Zuge meiner eigenen Marketingmaßnahmen eine Strategie für die sozialen Netzwerke erarbeiten zu müssen. Eine Strategie, bei der es nicht nur ums Verkaufen geht, sondern bei der wirklich auch die sozialen Aspekte einigermaßen gewahrt bleiben.

Bin ich an der Stelle vielleicht zu naiv? Dann werde ich es wahrscheinlich mit Umsatzeinbußen bezahlen.

Aber ich habe Angst, dass irgendwann auf meinem virtuellen Grabstein stehen wird: Auch er war nur ein Teil des weißen Rauschens. Doch vielleicht finde ich vorher eine Antwort auf meine Frage. Man soll die Hoffnung darauf ja niemals aufgeben.

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6 Gedanken zu “Wie sozial können die sozialen Netzwerke für einen Autor sein?

  1. Ja, gar nicht so einfach mit den sozialen Netzwerken. Was ich an Facebook liebe, ist, dass ich mit anderen Autoren in Kontakt komme. Seit ich meine Freundesliste mal ausgemistet habe und 90-95% von ihnen mittlerweile Autoren sind, ist der Gehalt in meiner Timeline wirklich gestiegen. Blogger posten ihre Artikel, aber auch die Gruppe „Selfpublisher“ ist sehr nützlich, wenn es um Themen für Autoren geht.
    Twitter bekomme ich mit Listen einigermaßen in den Griff, aber seit irgendwie jeder jeden Abend unter #ibes twittert, bin ich für ne Weile raus. Wenn das vorbei ist, dann lass ich mich da auch wieder öfter blicken 😀
    Google+ ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln. Aber dadurch, dass Beiträge dort automatisch geteilt werden, kann ich es nicht vergessen. Zwar soll dieses Netzwerk langsam sterben, aber wenn du dort einen Beitrag verlinkt hast, erhöht das deine Sichtbarkeit auf Google …
    Instagram und Pinterest liebe ich total ❤ Ich nutze es, wenn mir danach ist, weniger für Werbung, eher für das soziale Interagieren.

    Das ist sowieso das wichtigste. Wer wirbt, der bleibt wahrscheinlich auf seinen Produkten sitzen, wer sich selbst vermarktet, der weckt interesse 😉 Sorry, das Thema finde ich total spannend. Mehr dazu kannst du auch im Schreibmeer lesen, zum Beispiel ^^ *Werbung wieder aus*

    Liebe Grüße, Tinka 🙂

    PS: Und zur rechten Szene: Sollte man der auf FB wirklich freie Hand lassen? In meiner Freundesliste befindet sich kein einziger, jedenfalls soweit ich das überblicken konnte ^^

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Hallo Tinka und danke für deinen Kommentar! 🙂

      Okay, also hast du einen für dich effektiven Weg gefunden, das weiße Rauschen zu minimieren. Schön, das freut mich! 🙂

      Aber ich frage mich in der Zwischenzeit, ob es auf diese Weise nicht fast noch mehr Zeit frisst.

      Da steht mir noch einiges bevor, fürchte ich.

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