Die Farben der Überarbeitung

Meine Follower bei Twitter haben es gestern sozusagen live mitbekommen, wie ich angefangen habe, meinen Roman „Der Beobachter und der Turm“ auf seine zweite Fassung vorzubereiten. Wie beschrieben gehe ich dabei zunächst anhand des Papierausdrucks vor und markiere, korrigiere, ergänze und notiere alles, was mir nicht ganz rund erscheint, was man besser oder anders machen könnte.

Dabei gehe ich so vor, wie Stephen King es einmal gesagt hat: schreibe mit geschlossener Tür und überarbeite mit weit geöffneter Tür. Das bedeutet, dass ich in dieser Phase auch alle Tipps und Tricks berücksichtige und beherzige, die mir von netten Menschen so gegeben worden sind.

Das hat gestern schon dazu geführt, dass auf den 18 Seiten, die ich durchgegangen bin, mancherorts kein Stein auf dem anderen geblieben ist. Vor allem habe ich viele Dinge eliminiert, die unter das berüchtigte Prinzip fallen, Sachen nur zu erzählen (tell), anstatt sie zu zeigen (show). Dazu kommt noch, dass das meiste davon irrelevantes Zeug ist, soweit es in dem Moment die Personen und die Handlung angeht.

Ein weiterer klassischer Spruch für Autoren in der Überarbeitung: kill your darlings – töte deine Lieblinge. Und ja, da sind schon einige Lieblinge von mir dabei gewesen …

Aber es ist, wie es ist und wenn es den Roman besser macht, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als eine gewisse Härte gegen mich selbst aufzubringen.

Worüber ich in diesem Blogeintrag aber eigentlich schreiben wollte ist meine Art, auf dem Papier zu überarbeiten. Ich verwende dafür fünf Farben, mit denen ich in den Korrekturrand oder einfach irgendwohin schreibe, wo es gerade am Platz ist. Leider funktioniert mein Scanner nicht, sonst könnte ich euch das zeigen. Vielleicht mache ich mal ein Foto, wenn ich demnächst gutes Tageslicht und nicht das schlechte Licht in meinem Arbeitskeller zur Verfügung habe.

Folgende Farben sind im Gebrauch:

Rot
Rot steht, ganz wie in der Deutschklausur, für die klassischen Fehler, die in so einem langen Text nun einmal auftreten. Damit wird eifrig korrigiert, aber auch hier und da mal ein Wort hinzugefügt. Es fallen dem Rotstift aber auch Wörter, Sätze und Absätze zum Opfer, die aus dem Text geschmissen werden.

Schwarz
Mit Schwarz schreibe ich längere Änderungen, wie komplett neue Sätze, an den Satzrand. Es ist als Farbe sozusagen dem Druckbild gleich gestellt.

Braun
Braune Texte gehören in den Korrekturrand und dienen der Informationssammlung. Wenn ich zum Beispiel irgendwo im Text schreibe, dass mein Protagonist blaue Augen hat, dann schreibe ich das daneben. Das vereinfacht mir hinterher, bei solchen Dingen auf Widersprüche aufmerksam zu werden.

Blau
In Blau notiere ich mir Hinweise, die für das komplette Dokument gültig sind. Ich weiß zum Beispiel, dass ich eine gewisse Neigung dazu habe, sehr großzügig mit der Floskel „wahrscheinlich“ umzugehen, die man in fast allen Fällen aus dem Text streichen kann, weil sie ihn nur verwässert. Wenn mir nun so etwas auffällt, schreibe ich es unter den Fließtext auf der Seite und weiß damit, dass ich mich hierum insgesamt zu kümmern habe. Oft sind das auch gute Vorlagen für eine Überarbeitung per Suche/Ersetze.

Grün
Grün ist nicht nur im übertragenen Sinne die Hoffnung. In Grün notiere ich mir, wenn ich komplette Szenen umgestalten oder neu fassen möchte, um sie – hoffentlich – besser zu machen. Ich notiere mir entsprechende Stichpunkte, wie ich die Szene haben möchte. Gestern habe ich zum Beispiel direkt den Anfang des Romans entsprechend gekennzeichnet und eine kurze Szene skizziert.

Sicherlich ist es ein nicht ganz unaufwändiges, aber trotzdem sehr zielführendes Verfahren, das so zu machen. Und ich gebe zu, mich manchmal noch zwischen rotem und schwarzem Stift zu verzetteln. Aber das schleift sich im Laufe der Überarbeitung sicherlich noch ein.

Wie handhabt ihr es denn so, wenn ihr überarbeitet? Nutzt ihr auch mehrere Farben? Oder verzichtet ihr ganz auf einen Papierausdruck? Schreibt es mir doch gerne in den Kommentaren! 🙂

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13 Gedanken zu “Die Farben der Überarbeitung

  1. Hanna Mandrello schreibt:

    ich mache es genau umgekehrt. Ich überarbeite das erste Mal mit Papyrus am Rechner. Meine umformulierte Version drucke ich dann aus und lese, wobei ich mir am Rand Bemerkungen mache. Wenn die Änderungen drin sind, geht es an die Testleser. 🙂
    Viel Spaß beim Lesen! 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Mic schreibt:

      Danke!

      Direkt in Papyrus überarbeiten würde mich zu diesem Zeitpunkt wahnsinnig machen. Ich hole mir jetzt erst noch einmal Selbstsicherheit, indem ich mir anschaue, was ich im Text alles gut finde – und nach Überarbeitung 1 hoffentlich besser gemacht habe :-).

      Gefällt 1 Person

  2. Den ersten Durchgang der Überarbeitung habe ich direkt in dem Textdokument gemacht. Ich glaube, geschrieben habe ich mit Papyrus, dann das ganze Ding in den FocusWriter kopiert und dort gelesen, Tippfehler korrigiert und Wörter/Sätze ergänzt. Demnächst kommt dann der Ausdruck dran, denke ich. Mir ist es so lieber, weil ich mir die ganzen Tippfehler auf dem Papier sparen kann und somit weniger anzumerken habe. Wie das funktioniert. Wir werden sehen ^^

    Liebe Grüße, Tinka 🙂

    Gefällt 1 Person

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