Den Traum real machen (3) Schreiben und dabei Überarbeiten

Zugegeben, ich hätte auch den Titel umdrehen können, aber ich habe schon eine Absicht damit verfolgt, dass ich zuvorderst das Schreiben gestellt habe. Ich sehe mich aktuell, das mag sich nach der ersten Veröffentlichung ändern, immer noch mehr als Schreiber denn als Überarbeiter. In meiner eigenen Wahrnehmung ist jeder Tag, an dem ich nicht geschrieben habe, ein verlorener Tag. Ein Tag, an dem ich nicht überarbeite, gewinnt erst in dem Moment an Brisanz, an dem ich mir meinen selbst gestellten Zeitplan ins Gedächtnis rufe.

Ich hatte irgendwann in den vergangenen Wochen mal erzählt, dass ich gerne jeden Tag 1.000 Wörter an „Die Welt der stillen Schiffe“ schreiben würde, um dann am Ende des Jahres 366.000 Wörter insgesamt geschrieben zu haben.

Aber seit ich mit der Überarbeitung am Dienstag begonnen habe, musste ich feststellen, dass es absolut illusorisch ist, das durchzuziehen, wenn nicht alle Faktoren genau so zu Pass kommen, dass die Zahnräder perfekt ineinander greifen. Es ist eben nicht trivial, tausend Worte zu schreiben, die auch noch eine gewisse Qualität erreichen. Und vor allem ist es nicht trivial, danach noch ausgeruht und aufmerksam an einen zu überarbeitenden Text zu gehen.

Erstaunlich wenig Probleme habe ich damit, dass sich die Handlung des Textes, an dem ich sitze, dauernd verändert. Ich lese „Der Beobachter und der Turm“ zwar mit ganz anderen Augen, als ich es vor einem Vierteljahr, kurz nach der Fertigstellung getan hätte, aber ich bin noch weit genug in der Geschichte drin, um nicht den roten Faden zu verlieren.

Etwas größere Probleme habe ich bei „Die Welt der stillen Schiffe“. Da ist es mir jetzt tatsächlich passiert, dass ich meine Hauptfigur lang und breit etwas erklären lassen wollte, was sie vor zwanzig Seiten schon einmal lang und breit erklärt hat. Nichts gegen anständige Informationsvermittlung in Romanen, aber das wäre dann doch ein wenig zu viel des Guten gewesen.

Ich habe für mich entschieden, dass ich ein Stück weit die Reißleine ziehen muss. Und das bedeutet, dass ich mich seelisch und verstandesgemäß von den 1.000 Wörtern pro Tag verabschiedet habe. Die neue, etwas weniger restriktive Regel lautet, dass ich jeden Tag an dem Roman gearbeitet haben möchte. Und sei es auch nur eine Seite, die nicht länger als fünf bis zehn Minuten dauert. So bleibe ich an der Geschichte dran, kann aber mein Augenmerk verstärkt auf das Überarbeiten richten.

Und auf die phasenweise Erholung, die ich mir zwischendurch auch noch gönnen sollte. Denn dass es ohne die nicht geht, habe ich auch schon gemerkt. Dafür fühlen sich mein Brotjob und mein Hobby dann doch zu ähnlich an, wenn das Hobby in Arbeit ausartet.

Ein wenig hadere ich noch mit mir, wie ich mit dieser tollen Idee für eine Kurzgeschichte umgehen soll, die ich gehabt habe. Ob ich sie einfach anstatt der Arbeit an „Die Welt der stillen Schiffe“ einschiebe. Ich habe Angst, dass die Idee mir verloren geht oder sich auf einmal nicht mehr „richtig“ anfühlt, wenn ich zu lange warte. Vielleicht komme ich ja am Wochenende zu einem Entschluss.

Also halten wir noch einmal fest: Die Priorität im Moment hat eindeutig das Überarbeiten, weil sich daran Schritte wie das Lektorat anschließen, während derer ich sowieso mit einigem zeitlichen Versatz zu rechnen haben werde. Den kann ich dann wieder zum vermehrten Schreiben nutzen.

Ich habe bis jetzt 34 Seiten händisch durchgeackert und schon eine Menge an unnötigem Ballast eliminiert. Es folgt ein langes Wochenende, weil Rosenmontag wegen Brauchtumspflege bei uns ein freier Tag ist. Nach diesem Wochenende möchte ich auf jeden Fall jenseits der 100 Seiten sein, am liebsten irgendwo so um die 150 Seiten. Mal sehen, was so möglich ist.

Jetzt wünsche ich euch erst einmal einen guten Start in besagtes Wochenende! 🙂