Meldung und Meinung: Schreibapp löscht deinen Text, wenn du nicht schreibst

Wir haben hier unter uns doch eine Menge kreative Köpfe, nicht wahr? Die einen haben ihren eigenen Blog, andere schreiben Gedichte, wieder andere sogar ganze Romane. Wie steht es denn bei euch, wenn ihr an euren Texten arbeitet: schreibt ihr die in einem Rutsch durch, oder macht ihr zwischendurch auch einmal eine kreative Pause?

Wenn ihr zu den Menschen gehört, zu denen auch ich mich zähle, die im Zweifel erst schreiben und dann nachdenken, dann gibt es ein vielleicht ganz interessantes Programm für euch, das diesen Prozess noch unterstützen könnte. Auch wenn ich, durch zwei Unterbrechungen bedingt, diesen Blogartikel inzwischen schon zweimal wieder ganz von vorne hätte beginnen müssen.

Eigentlich liest es sich ja wie ein schlechter Scherz: Du schreibst einen Text und sobald du damit aufhörst, in die Tasten zu hauen, beginnt deine Arbeit zu verschwinden – bis sie binnen fünf Sekunden vollständig verloren ist. Nicht etwa nur unsichtbar, sondern wirklich unrettbar dahin.

Und doch ist genau das der einzige Daseinszweck des Programms Flowstate, von dem ich bei lesen.net gelesen habe.

Demzufolge gibt man dem Programm ein Zeitfenster ein, in dem man schreiben möchte, startet den Timer und dann gilt es. Das Ziel ist klar, nämlich ohne Unterbrechung und vor allem ohne zu viel Einflussnahme durch den inneren Kritiker einfach zu schreiben.

Das Prinzip kommt mir von vielen Schreibübungen her bekannt vor, bei denen es darum geht, einfach anhand eines Stichworts einen Text zu verfassen und damit sofort aufzuhören, wenn eine vorher festgelegte Zeit abgelaufen ist. Hier darf man im Gegenteil nicht aufhören, bis die Zeit um ist, denn sonst ist alles verloren.

Ich frage mich, wer aber die Zielgruppe für Flowstate sein soll. Festgesetzt ist sie eigentlich genau für Menschen wie uns, die Kreativen. Aber ich stelle es mir außerordentlich frustrierend vor, wenn ich meinen Text verliere, nur weil ich mir, als blödes Beispiel, mal eben das Bein kratzen muss.

Viele äußere Einflüsse kann ich ausschalten, gut. Ich kann inzwischen die Tür zu meinem Arbeitszimmer schließen, in dem mein eigener Schreibtisch steht. Aber wenn dann eines meiner beiden Kinder die Treppe runtersegelt, weil es gestolpert ist, muss ich trotzdem nach draußen. Und kann nicht sagen, dass ich erst mal noch zehn Minuten zu schreiben habe.

Die Intervalle, die man mit Flowstate setzen kann, liegen wohl zwischen 5 und 180 Minuten. Ich frage mich, wer so wahnsinnig ist, sich drei Stunden lang dem immensen Druck auszusetzen, der durch dieses Programm aufgebaut wird. Und wenn das Ganze erst einmal läuft, dann gibt es keinen Ausweg mehr. Dann kann man erst speichern, wenn der Timer abgelaufen ist.

Ich wäre ja geneigt, das Programm als Gimmick zu sehen, eben für Schreibübungen wie die beschriebene. Aber dafür ist es eigentlich zu teuer, denn es schlägt mit runden 15 Euro zu Buche. Eine Menge Geld für eine Menge Text, die zum Teufel gehen würde.

Da das Programm bis jetzt nur für Apple-Systeme erschienen ist, kann ich es mit einem Schulterzucken an mir vorbeigehen lassen. Ob ich sonst in Versuchung geriete? Nicht für diesen Preis, sicherlich nicht.

Man muss ja nicht jede Kuriosität mal ausprobiert haben, oder was meint ihr?