Wenn die Personen sich was denken

Bei der Überarbeitung von „Der Beobachter und der Turm“ merke ich, dass ich an vielen Stellen gewisse Stilmittel aufgegriffen habe, die ich bei anderen Autoren sehr schätze. Am plakativsten ist da sicherlich, wieder einmal, mein geschätzter Lieblingsautor Stephen King.

Bei ihm ist es ja geradezu Standard, dass ich in jeder Geschichte die handelnden Akteure so ihre Dinge denken. Das wird dann im Schriftsatz ganz unterschiedlich dargestellt. Mal ist es einfach ein fortlaufender Fließtext, der sich gar nicht großartig vom Erzähltext abhebt, mal ist es wie eine wörtliche Rede und mal wird es in kursiver Schrift gesetzt.

In meinem „Beobachter“ werden diese drei Formen munter durcheinander gemischt, wobei die Variante mit der Kursivschreibung überwiegt.

Beim Überarbeiten gehe ich jetzt gezielt an diese Passagen heran und stelle mir die wichtige Frage:

Welchen zusätzlichen Nährwert haben diese Gedanken für die Geschichte oder wenigstens den Teil von ihr, der gerade erzählt wird?

Ich bin dazu gekommen, dass ein großer Teil dieser Gedanken nichts anderes macht, als den Verlauf einer Szene aufzuhalten. Ja, beim Schreiben macht es großen Spaß, Dinge zu schreiben wie

Bleib ruhig, Richard, lass dich jetzt nicht provozieren.

Aber was bringt es für einen Mehrwert gegenüber einem neutralen Satz wie

Richard versuchte, ganz ruhig zu atmen, um sich nicht provozieren zu lassen.

Wenn man den Text als Ganzes liest, dann wirkt der Gedanke auf einmal, jedenfalls an so einer Stelle, wie ein Katapult aus dem Text heraus. Und wenn ich selbst, als der Autor schon merke, wie ich danach erst einmal wieder in die Erzählung einsteigen muss, dann hat der unbedarfte Leser überhaupt keine Chance dazu, lückenlos weiterzulesen.

Deswegen fliegen sehr viele dieser Gedanken einfach aus der Geschichte. Einige werden so umgeschrieben, dass sie in den Fließtext passen. Und bei einigen, ganz, ganz wenigen, die ich für richtig gut gelungen halte, darf es auch der kursive Gedanke bleiben. Aber das sind dann wirklich nur die, die gut klingen und sich gut einpassen.

Ich bin wirklich gespannt darauf, ob das Überarbeiten (mal abgesehen vom enormen Zeitaufwand) weiter so viel Spaß machen wird, wie es das im Augenblick tut :-)!