Den Traum real machen (5) Ich muss irgendwie verrückt geworden sein!

Gestern nun habe ich den ersten Entwurf von „Der Beobachter und der Turm“ fertig im Papierformat überarbeitet. Das heißt, ich bin mit allen meinen Farben einmal durch das Manuskript durchgefegt, habe vielleicht sechs oder sieben Seiten komplett ohne Anmerkungen gelassen und vor allen Dingen eine ganze Menge gestrichen, gestrichen und noch einmal gestrichen. Man soll ja nicht glauben, wie viele Sätze man aus so einem Manuskript noch herausnehmen kann, wenn man mal wirklich den inneren Kritiker von der Leine lässt!

Jetzt geht mein Schreiburlaub ja noch bis morgen. Ich dachte eigentlich, ich würde heute noch ein wenig entspannt an meiner „Welt der stillen Schiffe“ arbeiten, aber da hat sich was Neues ergeben, das meine Aufmerksamkeit geweckt hat.

Und zwar habe ich den Newsletter der Autorenwelt erhalten, in dem ein interessanter Artikel angeteasert wurde. Der hier.

Da sucht ein E-Book-Verlag neue Autoren und lässt diese gezielt über eine Literaturagentur scouten. Und in meinem Kopf fingen sofort die Zahnräder an, zu mahlen.

Die Älteren unter meinen Bloglesern erinnern sich noch, dass ich im Herbst meinen Thriller „Der Morgen danach“ bei einem Halbdutzend Agenturen zur Vertretung angeboten habe. Damals hat die Sache nicht geklappt und nachdem mir simple handwerkliche Fehler im Manuskript aufgefallen sind, habe ich die Bewerbungen erst einmal zurückgestellt. Der Plan war, irgendwann – ja, immer dieses irgendwann – noch einmal eine neue Bearbeitungsrunde einzuschieben, um mich dann wieder auf die Suche nach einem Agenten zu machen.

Dieser Plan ist ebenfalls ein wenig ins Hintertreffen geraten, weil im Moment ja alles unter dem Einfluss der geplanten Veröffentlichung von „Der Beobachter und der Turm“ steht. Man könnte auch boshaft sagen, dass ich mich ein wenig in meinen Projekten verzettelt habe ;-).

Aber bleiben wir bei meinen Zahnrädern. Diese griffen ineinander, aufeinander über, brachten meinen alten Denkkasten so richtig ins Schwitzen und kamen zu dem Entschluss:

Wenn du doch gerade einmal dabei bist, zu überarbeiten, so richtig im Fluss damit bist, wieso solltest du dann nicht in Hinblick auf diese Scouting-Aktion jetzt mit der Überarbeitung von „Der Morgen danach“ weitermachen? Ja, warum eigentlich nicht?

Das beste Argument dagegen wäre, dass ich auf diese Weise noch weniger Zeit für „Die Welt der stillen Schiffe“ aufwende, als ich es ohnehin im Moment tue. Aber es ist eine Arbeit, die sich vielleicht lohnt und das Argument stimmt nun einmal: ich habe im Moment den richtigen Blick auf die Stellen, die überarbeitet, gekürzt oder rausgestrichen (das vor allem) werden sollten.

Allerdings werde ich, um die Sache zeitlich ein wenig zu entzerren, ein etwas anderes Vorgehen als beim „Beobachter“ anwenden. Man darf ja schließlich nicht vergessen, dass „Der Morgen danach“ schon seine Runden in der Überarbeitungshölle gedreht hat. Deswegen brauche ich hier nicht so viele Gedanken an die Handlung als solche aufwenden, denn die bleibt so bestehen. Das, was ich jetzt bearbeiten will, kann ich getrost und guten Gewissens am Bildschirm machen. Das geht auch schneller, als wenn ich erst alles wieder ausdrucken müsste – zumal ich am Bildschirm auch wieder meine Mittagspausen im Büro nutzen kann. Mein Schreiburlaub ist ja nun leider am Ende angekommen.

Vielleicht tut es auch „Der Beobachter und der Turm“ gut, wenn ich erst einmal eine Woche oder zwei bis zum nächsten Bearbeitungsschritt vergehen lasse. Ich habe ja in der letzten Woche zeitlich gut vorgearbeitet – ohne mich jetzt selber loben zu wollen.

Aber jetzt mal ernsthaft: Ich muss doch irgendwie verrückt geworden sein, oder?