Den Traum real machen (6) Der Schreiburlaub – nachher

So, jetzt ist es offiziell und es hat keinen Zweck mehr, die Sache ignorieren zu wollen. Mein Schreiburlaub sieht rapide seinem Ende entgegen, morgen ruft mich wieder das Büro und ich sehe keine legitime Chance, diesem Ruf zu entgehen. Na ja, irgendwomit muss der Mensch ja auch sein Geld verdienen, nicht wahr?

Es ist an der Zeit, ein Resümee zu ziehen über die vergangenen Tage. Ich habe ja öfter einen kurzen Zwischenstand gepostet, euch also im wesentlichen über die Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten.

Wie geht es mir jetzt, nachdem ich eine Woche mehr oder weniger nur mit meinem Hobby verbracht habe? Ich bin ein wenig müde, das muss ich schon sagen. Es ist eben etwas anderes, wenn man abends oder nachmittags ein halbes Stündchen schreibt und dann wieder etwas anderes macht, oder ob man sich wirklich konzentriert mehrere Stunden am Tag vor seinen Text setzt. Dann artet es nämlich im Wortsinne in Arbeit aus. Aber deswegen heißt es ja auch ÜberARBEITen, schätze ich.

Dass ich kaum geschrieben habe in dieser Woche, wisst ihr ja schon. Das war ursprünglich auch anders geplant. Aber ich war einfach dermaßen engagiert und involviert im Bearbeitungsprozess, dass es sich schlicht falsch angefühlt hätte, wenn ich diesen mutwillig immer wieder unterbrochen hätte.

Selbstverständlich kommt so ein Schreibtag Zuhause nicht an einen Bürotag auf der Arbeit heran. Da muss man schließlich acht bis neun Stunden diverse Dinge erledigen. Hier konnte ich zwischendurch auch mal abschalten, ein wenig im Netz surfen, zum ersten Mal seit Monaten wieder regelmäßig ein paar Minuten am Computer spielen. Es war einfach die Zeit da, das alles unter einen Hut zu bringen, ohne dass ich das Gefühl hatte, etwas würde darunter leiden.

Na gut, ich gebe zu, dass mich gegen Ende der Woche ziemlich der Ehrgeiz gepackt hat und ich unbedingt die Überarbeitung von „Der Beobachter und der Turm“ im ersten Entwurf abschließen wollte. Da habe ich dann auch mal nicht ganz so genau auf meine Erholungspausen geachtet, die ich mir eigentlich hatte nehmen wollen. Aber mein Körper hat mir diesmal keinen Strich durch die Rechnung gemacht, mich also weder mit starken Kopfschmerzen, noch mit Rückenaua aus dem Verkehr gezogen.

Das schiebe ich übrigens auch auf den Day Off und den einen Vormittag, den ich weitgehend verschlafen habe, nachdem ich meine beiden Kinder aus dem Haus hatte.

Was nicht so gut geklappt hat war, dass ich mir die Abende freigenommen habe. Aber das ist, glaube ich, auch gar nicht so das Problem, wenn man es nicht aus Druck tut, sondern, weil man es gar nicht abwarten kann, wieder in die Geschichte einzutauchen und Verbesserungen da anzubringen, wo es etwas zu verbessern gibt.

Auch was den Überarbeitungsvorgang als solches anbetrifft, habe ich viel gelernt. Ich habe über mich gelernt, dass es mir deutlich leichter fällt als gedacht, ganze Abschnitte meines Textes zu streichen, wenn ich merke, dass es für die Handlung besser ist. Sonst bin ich eher jemand, der an jeder einzelnen Zeile festhält. Ich glaube, dass ich hier heimlich still und leise, mit ein wenig Anstoß von außen, einen weiteren Schritt nach vorne gemacht habe. Das wird die Zukunft zeigen müssen, ob ich da jetzt entsprechend dranbleiben kann, oder wieder in alte Verhaltensweisen zurückfalle.

Wenn ich nun ein Fazit ziehen soll, dann fällt dieses sehr positiv aus. Ich könnte mir jederzeit vorstellen, den Schreiburlaub zu wiederholen – und dann vielleicht auch wirklich zu schreiben. Natürlich bin ich mir dessen bewusst, dass das auch deshalb so gut geklappt hat, weil meine Familie – und insbesondere meine Frau – mir den Rücken freigehalten haben. Es war eine besondere Situation, die ich als besonders angekündigt hatte.

Kann ein Alltag so funktionieren? Das müsste man die „richtigen“ Schriftsteller fragen. Könnte ich mich so einen Alltag vorstellen? Eindeutig: Ja! Wobei die Frage offen bleiben muss, ob man sich nicht dann doch irgendwann nach den Menschen im Büro zu sehnen beginnt. Aber das ist dann doch eher eine philosophische Frage.

Ich möchte mich bei allen Bedanken, die mir für diese Woche die Daumen gedrückt und mich zwischendurch ermuntert haben! Es hat mir großen Spaß gemacht und ich bin der Realisierung meines Traums wieder einen Schritt näher gekommen.

Es bleibt spannend, würde ich sagen. Und der nächste Urlaub kommt bestimmt!