Vom Word-Count-Wahnsinn runterkommen!?

Auf meinen letzten Beitrag zum Thema der Post-Schreiburlaubs-Depression habe ich von meinem Kommentator NNIN einen Kommentar erhalten, der mir Stoff zum Nachdenken gegeben und daher Anlass geboten hat, ihn hier ausserhalb der Kommentarspalte zu beantworten. Außerdem möchte ich die Fragen, die sich mir gestellt haben, gerne auch an die mitlesende Allgemeinheit richten.

Aber hier zunächst einmal NNINs Kommentar:

Guten Morgen, Mic
Mein Rat: Nimm’s nicht zu ernst. Man kann sich auch in einen Blues reinsteigern. Besser: Mund abwischen, lachen und sich hinsetzen und schreiben.
Routine entwickeln. Bei Downs einfach strikt die Routine durchziehen – auch wenns sich hohl und sinnlos anfühlt.
Noch ein Rat (hört sich hart an, egal): Komm endlich runter von diesem kontraproduktiven Word-Count-Wahnsinn! Setz dich jeden Tag (7 Tage die Woche, wortwörtlich) hin und schreibe/korrigiere eine halbe Stunde, besser: eine Stunde, (d)einen Text. Word-Count bringt nur absolut verfettete defomierte Texte hervor, die hundertmal mehr Überarbeitung brauchen als geplottete schlanke Werke!
Wie immer: meine Meinung.
NNIN

Hallo NNIN,

danke für deinen Rat zum „ernst nehmen“, ich bin schon ein klein wenig besser gestimmt (auch wenn das mit dem Lachen noch nicht so geklappt hat).

Beim Word-Count-Wahnsinn kann ich deine Meinung nachvollziehen. Allerdings bin ich nun einmal kein plottender Autor. Ich habe es versucht, es funktioniert für mich nicht und schlimmer – es macht mir auch überhaupt keinen Spaß auf diese Weise.

Dass ich auf die Art Texte produziere, die genauere Überarbeitung brauchen, muss ich in Kauf nehmen. Das, zumindest, habe ich inzwischen erkannt und akzeptiert.

Die Fragen, die sich mir stellen, sind allerdings folgende: woran, wenn nicht an den Worten, kann ich Produktivität messen? Woran, wenn nicht an den Worten, kann ich den Umfang eines Textes bestimmen, eine Einordnung treffen, ob er für sein Genre zu lang/zu kurz ist? Ist nicht letztlich der gesamte Literaturbetrieb auf ein Zählen von Worten und/oder Anschlägen ausgelegt, alleine schon durch die Verwendung der Normseiten?

Deine Meinung hierzu würde mich sehr interessieren! 🙂 (*)

Dass es noch einmal auf einem anderen Blatt steht, sich permanent selber wie einem störrischen Esel die Wörter-Möhre vor die Nase zu halten und sich schlecht zu fühlen, wenn man nicht mindestens 1.000 Wörter geschrieben hat, da stimme ich dir zu. Da habe ich gerade im Rahmen meines Schreiburlaubs auch einen neuen gedanklichen Zugang gefunden. Wenn Überarbeiten dran ist, dann kann ich eben nicht so viel schreiben. Das ist dann danach wieder an der Reihe. Permanenter Stress mit Dreifachbelastung (vergessen wir den Blog nicht) bringt nichts.

Vielen Dank für deinen Kommentar, der mir Anreiz zum Nachdenken gebracht hat!

 

(*) Und, wie erwähnt, auch die Meinung von allen anderen Mitlesern!