Musik und Philosophie: Unheilig – „Zeit zu gehen“

Guten Abend!

Ihr findet mich in etwas nachdenklicher Stimmung. Und zwar habe ich bei der Beantwortung des Liebster Award, den ich von Lisa erhalten habe, eine Frage zum Thema gehabt, was ich mit meiner Kreativität anfangen würde, wenn ich nicht schreiben könnte. Meine Antwort darauf könnt ihr im entsprechenden Beitrag nachlesen.

Nun war ich für meine Verhältnisse in den letzten beiden Tagen viel mit dem Auto unterwegs. Musik läuft darin über einen USB-Stick, wie es ja heute fast normal ist. Als ich den (mit irgendwas über 300 Titeln recht schmal bestückt) auf Shuffle stellte, spülte er mir das Lied „Zeit zu gehen“ der Band Unheilig auf die Lautsprecher.

An dieser Stelle spare ich mir mal alle Überlegungen, ob es jetzt cool ist, Unheilig zu hören oder nicht. Ich habe die Band schon gehört, bevor sie mit „Geboren um zu leben“ bekannt geworden sind. Und ich finde, dass sie ihren Stil nicht groß verändert haben. Man muss sich ja auch mal ins Gedächtnis rufen, dass eins ihrer ersten Alben direkt ein Weihnachtsalbum war. Ein Lächeln kann ich mir trotzdem nie verkneifen, wenn ich bei Google Play Music als „ähnlich wie Unheilig“ Künstler wie Pur oder Helene Fischer angezeigt bekomme ;-).

Also – „Zeit zu gehen“. Das Lied ist entstanden, weil Der Graf (dessen richtigen Namen niemand nennen soll) beschlossen hat, seine musikalische Karriere an den Nagel zu hängen. Ich weiß nicht, ob ich das glaube, oder nicht.

Aber genau diese Ankündigung ist es, die mich nachdenklich gemacht hat.

Wie ist es, wenn man als Künstler von ganz unten kommt, nach ganz oben durchstartet und dann irgendwann bewusst sagt, dass man keine Lust mehr hat? Denn bei allen salbungsvollen Worten, es ist eine Form von „ich will das nicht mehr“, wenn man eine Sache beendet, die man so lange gemacht hat und an der man so einen Spaß gehabt hat.

Wie ich schon sagte, ich führe hier keine Qualitätsdebatte. Ich halte den Grafen für jemanden, der wirklich seine Kunst lebt und der Spaß daran hat. Das hat er jedenfalls auch in weniger erfolgreichen Zeiten so vermittelt.

Was macht so ein Mensch, wenn er auf einmal keine Musik mehr macht? Kann man das wirklich tun?

Ich versuche schon die ganze Zeit, das in meinen Kopf zu bekommen. Und natürlich hängt da auch für mich die Frage dran, ob ich irgendwann bewusst entscheiden könnte, einfach nicht mehr zu schreiben. Punkt. Keine Lust mehr drauf. Gibt genug andere Menschen, die schreiben. Sollen die das doch machen.

Kommt dieser Moment irgendwann im Leben jedes künstlerisch tätigen Menschen? Ein Punkt, ab dem man sich vielleicht nur noch quält, weil man sich mit etwas befasst, das einen eigentlich gar nicht mehr glücklich macht?

Ich werde niemals so erfolgreich werden, wie es Unheilig als Band sind. Es geht auch nur sekundär um mich als Person. Ich kann es mir nur echt nicht vorstellen, einfach einen Schlussstrich zu ziehen, ohne dass es gesundheitliche oder ähnliche Gründe gibt. Wenn man zu krank ist zu schreiben, dann muss man vielleicht damit aufhören. Wenn man keine Gitarre mehr halten kann, dann muss man aufhören, Gitarre zu spielen.

Oder nimmt der Graf jetzt den umgekehrten Weg, den viele Autoren gehen – vom Rampenlicht zurück zur „Schublade“? Spielt wieder für sich und seine Familie Lieder am offenen Kaminfeuer? Vielleicht macht auch das glücklich, nachdem man die große Bühne gesehen hat.

Sehr viele Fragezeichen in diesem Text, ich weiß. Aber so sieht es eben in dieser Angelegenheit in mir aus.

Ob es auch irgendwann für mich Zeit sein wird, zu gehen?