So viele Namen, so wenig Abwechslung

Wer sich jetzt denkt, dass ihm die Überschrift irgendwie bekannt vorkommt, der ist schon ganz schön lange Leser in diesem Blog! In der Tat habe ich schon einmal, das war im Mai 2015, einen Artikel darüber verfasst, dass ich manchmal ganz schöne Probleme mit der Namensfindung für meine Figuren habe. Jetzt, beim Überarbeiten der beiden Romane „Der Beobachter und der Turm“ und „Der Morgen danach“ habe ich erst gemerkt, wie sehr diese Probleme auch vollkommen unterbewusst bestehen.

Namen sind bei Romanfiguren nicht immer Schall und Rauch. Ich versuche, zumindest den Hauptpersonen Namen zu geben, die einigermaßen zu ihnen passen. Das geht nicht immer so weit, dass ich Nachnamen wie „Heldt“ benutze, um den Protagonisten zu kennzeichnen (okay, ich gebe zu, das war ein Scherz).

Die Crux beim intuitiven Schreiben ist ja, dass man relativ häufig in die Verlegenheit kommt, sich eine neue Figur eingebrockt zu haben, die auf einmal da ist und deswegen auch binnen Sekunden einen Namen haben muss, wenn man keine Lust hat, sich minutenlang Gedanken zu machen.

Als ich jetzt beim Überarbeiten saß, bin ich an der einen oder anderen Stelle hängen geblieben.

Eine der Hauptfiguren in „Der Morgen danach“, ein kolossaler Skinhead, hört auf den Namen Manfred, genannt Manni. Manfred heißt aber auch der Leiter eines Freizeitparkfanclubs im Roman „Darkride“. Und ich habe mich zwischenzeitlich schon dabei ertappt, wie ich einer Figur in „Die Welt der stillen Schiffe“ auch diesen Vornamen verpassen wollte, wobei mir rechtzeitig einfiel, dass es langsam mal reicht mit den Manfreds.

Nun ist Manfred ja auch in der Realität kein wirklich seltener Name. Bei anderen sieht es da schon anders aus. So gibt es in „Der Beobachter und der Turm“ eine junge Polizistin, die Janina Lüdtke heißt. Janina ist jetzt nicht sooo häufig. Ich kenne persönlich keine einzige Frau dieses Namens. Umso mehr stutzte ich am Wochenende, als mir eine Frau Janina Henkel begegnete, die in „Der Morgen danach“ auf genau einer Seite auftritt, als Telefonistin einer Zeitungsredaktion. Gut, die heißt jetzt nicht mehr Janina, sondern Jasmin.

Ich habe keine Ahnung, woran es liegt, dass mir manche Namen immer wieder wie von selbst in den Sinn geraten. Wenn es denn wenigstens Namen wären, die ich mit jemandem verbinden würde, dann wäre es klarer.

Einen Spaß habe ich mir mit der Namensproblematik übrigens in „Das Haus am See“ gemacht, für das ich ja einen ganzen Haufen Namen brauchte. Da habe ich Namen aus anderen Romanen von mir übernommen, teilweise sogar ganze Personen. Das könnte ein Problem werden, wenn dieser Roman irgendwann mal zur Veröffentlichung anstehen sollte.

Ich habe mir schon überlegt, mir vielleicht eines dieser Namensfindungsbücher für Eltern anzuschaffen. Aber wie ich mich kenne, würde ich da im Bedarfsfall sowieso nicht dran denken. Eine andere Variante wäre, dass ich mir selber eine Liste mit Namen erstelle, die ich immer schon mal in einem Roman verwenden wollte, die mir nur nie einfallen. Aber ich wollte immer schon gerne über eine Mareike oder über eine Nadja schreiben. Männernamen fallen mir sowieso immer keine vernünftigen ein. Bei überwiegend männlichen Protagonisten auch nicht wirklich gut …

Ich glaube, ich probiere das mit dem Büchlein mal aus. Für „Die Welt der stillen Schiffe“ ist mein Ensemble zwar komplett, aber das nächste Projekt folgt ja bestimmt! Und dann will ich mich nicht schon wieder mit Mannis, Julias oder Janinas herumschlagen müssen. So gern ich die Namen ja offensichtlich habe.