“Die Welt der stillen Schiffe” – Status nach der 20. Woche

Guten Abend, alle zusammen, zu vorgerückter Stunde!

Die letzten zwei Tage war ich auf Achse, weswegen zum einen die Beantwortung der Kommentare mal etwas länger dauert, zum anderen auch dieser Beitrag erst so spät erscheint. Aber: Ich habe halt Urlaub und im Urlaub kommt so etwas nun einmal vor. Und weil ich die Sache mit dem Urlaub ernst genommen habe, gibt es in Sachen Schreibfortschritt für „Die Welt der stillen Schiffe“ nichts zu berichten.

Aber ich kann von einem Entschluss erzählen, den ich gefasst habe. Und zwar werde ich mir für den Rest des Romans ein Schlussexposé erstellen. Ja, ich, der bekennende Discovery Writer, mache so etwas ähnliches wie eine Outline, einen Plot oder was es an Namen mehr gibt.

Dazu muss ich sagen, dass es nicht das erste Mal ist, dass ich mich auf dieses Terrain begebe. Gerade für die Fertigstellung von Romanen ist es schon vorgekommen, dass ich mir eine Szenenabfolge notiert habe um sicherzugehen, auch nichts zu vergessen.

Dass ich aber wirklich von Grund auf alles geplant habe, das kam, soweit ich mich erinnern kann, nur ein einziges Mal vor. Damals schrieb ich gerade an meiner ganz privaten Novellensammlung „Different Stories“, die drei alte Kurzgeschichten von mir aufgriff und auf satte 100-Seiter streckte. Damals hatte ich für die letzte Story nur den Titel „Vollmond-Romanze“. Und ich bastelte an der Geschichte herum und herum, bis ich schließlich im Rahmen eines Brainstormings den kompletten Verlauf zu Papier brachte (im Übrigen keine Werwolfgeschichte, trotz des Namens).

Ansonsten kann ich von einigen Fällen berichten, in denen ich mir vorab Gedanken über Kapitelstrukturen machte. „Lichter“ ist anhand eines Inhaltsverzeichnisses geschrieben worden. „Fort Apocalypse“ wäre auch so entstanden, wenn ich die Arbeit nicht eingestellt hätte.

Kurz gesagt: ich bin also nicht unbelehrbar und wenn ich feststelle, dass ich bei einer Geschichte an einem Punkt bin, wo ich mir eine Struktur verpassen muss, um sicherzustellen, nicht total zu versumpfen, dann tue ich das auch. Also wird das die nächste Aufgabe sein, der ich mich in Bezug auf die „stillen Schiffe“ stellen werde.

Ich denke, dass ich euch kommende Woche mehr dazu verraten kann, wenn ich (leider) wieder arbeiten muss und (endlich!?) auch wieder mit dem Schreiben/Überarbeiten beginne. Auch wenn die Ferien gut getan haben, irgendwie meldet sich ja schon so ein kleines schlechtes Gewissen.

Ich wünsche euch einen noch schönen Restabend und danke euch für euer Interesse!

Schreib! Dein! Buch!

Ich war heute mit meiner Familie in Oberhausen, im Centro. Seit sich die dortige Buchhandlung verkleinert hat eigentlich kein besonders nennenswerter Ort mehr für Literaturliebhaber, aber heute habe ich dort etwas gesehen, was ich zumindest einmal als interessant bezeichnen möchte.

Ihr habt doch bestimmt schon einmal von der Schule des Schreibens gehört, nicht wahr? Das ist die, nach eigener Darstellung, größte Schreibakademie Deutschlands mit einem wirklich sehr großen Portfolio von Kursen und Seminaren, über die ich qualitativ nun wirklich gar nichts sagen kann, weil die Kurse leider mein Budget deutlich sprengen. Aber die Institution würde sich mit Sicherheit nicht so lange am Markt behaupten, wenn sie nicht ihre Leistung erbringen würde. Jedenfalls liest sich die Liste der ehemaligen Absolventen, die danach ein Buch in einem Verlag veröffentlichen konnten, recht lang.

Aber darum soll es an dieser Stelle gar nicht gehen. Es geht darum, dass ich rund um das Centro, also auf Außenflächen, im Parkhaus, etc., auf folgende Werbeplakatierung gestoßen bin:

Schule des SchreibensUnd jetzt überlege ich schon die ganze Zeit, wo da die Verbindung ist! Das Centro Oberhausen ist, für die, die es nicht kennen, ein überwiegend von jüngerem Publikum besuchtes Einkaufszentrum mit Mall-Charakter. Es steht jetzt, für mich, nicht unbedingt in dem Ruf, überwiegend von der Generation der Menschen besucht zu werden, die ihr Haus gebaut, ihren Sohn gezeugt, ihren Baum gepflanzt haben und nun darüber nachdenken, ein Buch zu schreiben.

Entweder hat sich da jemand mit seiner Werbekampagne im wahrsten Sinne des Wortes „verlaufen“, oder ich unterliege einer deutlich verschobenen Wahrnehmung.

Kann es sein, dass es unter jungen Menschen zunehmend als normales Ziel gilt, ein Buch zu schreiben, nämlich „sein“ Buch? Wie siehts damit aus, ihr twentysomethings unter meinen Lesern. Wobei – euch brauche ich ja eigentlich gar nicht fragen, denn von euch weiß ich ja, dass ihr Literatur- und Schreibaffin seid.

Wenn es ein oder zwei Plakate gewesen wären, aber sie waren wirklich nicht zu übersehen! Für mich so eine Art Mysterium, dem ich gerne auf die Schliche gekommen wäre.

„Schreib! Dein! Buch!“ ist eine Aufforderung, die ich gerne unterstütze, nicht, dass mich da jemand falsch versteht. Und ich bin auch kein elitär denkender Mensch, der es dem überwiegenden Teil der im Centro ein- und ausgehenden Menschen nicht zutraut, ein Buch zu schreiben. Ich war nur halt überhaupt nicht darauf gefasst.

Ich würde ja zu gerne mal Mäuschen spielen, wenn in der Marketingabteilung der Schule des Schreibens eine Bilanz zu dieser Aktion gezogen wird. Bis dahin interessiert mich: habt ihr auch anderswo diese Plakate entdeckt? Gibt es da ein Muster, möglichst junge Menschen am Puls der Zeit anzusprechen?

Ich bin gespannt!

This is a work of fiction

Guten Abend und ein paar nachdenkliche Grüße sende ich euch.

Ich habe gerade einen Film gesehen, der mich, wie gesagt, zum Nachdenken gebracht hat. Sein Titel lautet „Paper Man“ und die Hauptdarsteller sind Jeff Daniels, Emma Stone und Lisa Kudrow. Ach ja – und Ryan Reynolds, der sich schon zwei Jahre vor „Green Lantern“ in einem Superheldenkostüm zum Affen macht.

Es geht um den Schriftsteller Richard (Daniels), der, aus Recherchegründen, ein Haus in der Pampa angemietet hat und deswegen unterhalb der Woche von seiner Frau, der erfolgreichen Chirurgin Claire (Kudrow) getrennt lebt. Durch Zufall macht er die Bekanntschaft von Abby (Stone), die genauso ziellos durch ihr Leben zu taumeln scheint, wie er es im Moment tut. Was er nicht ahnt: auch Abby hat einen imaginären Begleiter, der ihr hilft, mit ihrem Leben klar zu kommen. Nur, dass seiner ihn schon seit über 40 Jahren begleitet, ein Superheld ist und auf den Namen „Captain Excellent“ (Reynolds) hört …

Der Film ist nicht einfach zu kategorisieren. Es ist keine Love Story, weil – zum Glück – zu keinem Zeitpunkt etabliert wird, dass Richard an Abby in solcher Weise interessiert sein könnte. So seltsam es klingt, am ehesten kann man wohl von einer Coming of age Geschichte sprechen, denn die Hauptfiguren machen trotz der seltsamen Ausgangslage Veränderungen durch, die ihren weiteren Lebensweg bestimmen und leiten werden.

Während ich den Film sah, hatte ich an verschiedenen Punkten die Worte im Hirn, die ich als Überschrift verwendet habe. Man liest sie oft am Ende amerikanischer Filme und sie sollen zum Ausdruck bringen, dass es sich um eine erdachte Geschichte handelt, die nicht zwingend etwas mit der Wahrheit zu tun hat.

Ich sehe diese Worte heute Abend nachdenklich und traurig.

Denn es weist sehr deutlich darauf hin, dass es für Menschen, für richtige, atmende Menschen, sehr schwer ist, sich in einer Weise zu entwickeln, wie es die Menschen nicht nur in diesem Film tun. Einem Film, an dessen Ende ich ein paar Tränchen verdrückt habe.

Ist euch generell schon mal aufgefallen, wie leicht es manche Film- und auch Romanfiguren haben, aus dem eigentlich „normalen“ Verhaltensmuster auszubrechen und, zum Beispiel, anderen noch einmal eine Chance zu gewähren?

Ich spoilere nicht zu viel vom Film, wenn ich sage, dass Claire irgendwann hereinplatzt und die Beziehung zwischen Abby und Richard in den vollkommen falschen Hals bekommt. Im echten Leben würde das nicht darauf hinauslaufen, dass die beiden ein Gespräch miteinander führen, in dem Claire zumindest phasenweise versucht zu verstehen, was eigentlich Richards Problem ist.

A work of fiction. Ja, wir Autoren schaffen Fiktion. Weil die Realität das ist, was jeder bei sich Zuhause hat. Diesem Wunsch ordnen wir uns unter – dem Wunsch, etwas anderes zu zeigen. Etwas besseres? Das weiß ich nicht.

Ich hoffe, das klingt jetzt nicht alles zu verworren. Aber ich hatte das Gefühl, nach diesem Film ein paar meiner Gedanken aufschreiben zu müssen. Wenn ihr die Möglichkeit habt: schaut ihn euch an! Ich denke derweil noch ein wenig über die Unterscheidung zwischen Realität, Fiktion und die ausgefransten Enden am jeweiligen Ende des Spektrums nach.

Gute Nacht, da draußen!

Ein musikalisches Osterei

Frohe Ostern wünsche ich euch, liebe Mitleserinnen und Mitleser! Ich hoffe, dass der Osterhase euch das gebracht hat, was ihr euch von ihm gewünscht habt.

Bevor ich mich gleich an die sicherlich reich gedeckte Kaffeetafel begebe und versuche, den Verlockungen soweit Stand zu halten, dass ich mir meine bisher errungenen Erfolge im Bereich des Abspeckens nicht vollends kaputt mache, möchte ich euch noch ein musikalisches Osterei ans Herz legen.

Der eine oder die andere von euch kennt sicherlich die Musikplattform Jamendo. Dort können Nachwuchsbands und Indiependent-Künstler ihre Musik publizieren, einem breiteren Publikum vorstellen und letztendlich auch verkaufen. Ich habe mich dort eine Zeit lang sehr intensiv herumgetrieben, musste das aber letztlich aufgrund der unglaublichen Vielzahl an Angeboten aufgeben.

Nun bin ich aber auf die US-amerikanische Band „Lilly Wolf“ gestoßen. Lilly Wolf machen Synthie-Pop der etwas räudigeren und rockigeren Sorte, wobei die Sängerin eine glockenhelle Stimme hat. Es steckt eine tolle Energie in diesen Songs, die teilweise einfach nur hymnisch daher kommen.

Besonders empfehlen kann ich euch das letzte Album „Deleted Scenes“, das auch in einer instrumentalen Fassung angeboten wird. Und eins sage ich euch gleich: wenn ich irgendwann für einen meiner Romane einen Buchtrailer erstelle, dann kommt das Lied „Witness“ in der Instrumentalversion in die engere Wahl für die Untermalung! 🙂

Hier findet ihr alle Alben von Lilly Wolf auf Jamendo.

Und dies ist die Homepage der Band.

Viel Spaß beim Entdecken und Anhören! Wenn mich jemand sucht, ich bin dann mal den Kuchen anschmachten …

Reblog: E-Book-Piraterie ist schlimmer als Schwarzfahren

Wieder einmal findet sich bei Marcus Johanus ein Artikel, der es wert ist, sich darüber Gedanken zu machen. Vor allem, weil ich behaupte, dass es ein Thema ist, mit dem jeder in der einen oder anderen Form oft in Kontakt gerät. Es geht um das Thema Raubkopien, natürlich insbesondere um die Piraterie an E-Books.

Wieso kommt jeder oft damit in Kontakt? Ganz einfach: weil es auch im Jahr 2016 immer noch Usus ist, dass man dem besten Kumpel oder der besten Freundin das tolle Album aufnimmt, das man sich gekauft – oder auch schon von einem Freund bekommen hat. Weil viele Menschen über mehr oder weniger Ecken jemanden kennen, der ohne Probleme an eine „kostenlose“ Version von Windows oder Office herankommt. Und eben auch, weil es keine gesteigerten Probleme macht, jemanden zu finden, der einem mehrere DVDs mit E-Books besorgen kann. Harry Potter, Twilight, Stephen King … alles da! Und eben auch jede Menge Selfpublisher. Ist ja nichts dabei, sind ja nur Dateien!

Das Thema Raubkopien ist uralt. Seit die Technik in der Lage ist, Kulturgüter zu reproduzieren, werden sie hergestellt. Das lässt sich sogar Jahrhunderte weit zurückverfolgen. Und es ist sehr schwer, dem Thema noch neue Nuancen abzugewinnen.

Deswegen finde ich Marcus‘ Artikel so gelungen, weil er eine Verknüpfung zur Lebenszeit der Urheber herstellt. Natürlich geht es auch um Geld und Anerkennung, aber es geht nicht zuletzt auch um investierte Zeit.

Viele Menschen können sich kaum vorstellen, wie viel Zeit es dauert, ein Buch wirklich veröffentlichungsreif zu bekommen. Oder was es heißt, eine CD einzuspielen, einen Film zu produzieren oder sonst irgendetwas künstlerisches zu schaffen.

Ich muss zugeben, dass ich das auch nicht immer gesehen habe. Softwarepiraterie war für mich lange Zeit etwas, was ganz normal war. Wer hat sich schon für seinen Heimcomputer Originale gekauft? Ich kannte keinen. Und Filme? Es gab eine Menge Filme, die ich mir anschauen wollte, die aber in Deutschland wegen der Jugendschutzbestimmungen nicht (so einfach) zu bekommen waren. Also habe ich sie mir auf anderen Wegen besorgt.

Ich kann von mir behaupten, niemals Musik oder Bücher raubkopiert zu haben. Die Gelegenheit war natürlich, wie beschrieben, da. Aber es hätte mich nicht befriedigt. Diesen Sammeltrieb in mir, den jeder bestätigen würde, der mal einen Blick in meine „Mediathek“ geworfen hat.

Inzwischen liegt das alles weit über zehn Jahre hinter mir und ich kaufe mir, was ich haben möchte. Notfalls im Ausland. Aber deswegen kenne ich die Argumente der Raubkopierer und weiß auch, dass viele davon vorgeschoben sind. Für Dateien zahle ich kein Geld? Bullshit! Für MP3-Downloads tut man das auch! Oder für das Netflix-Abo. Ich finde es bezeichnend, dass solche Diskussionen immer aufflammen, sobald es um dieses Thema geht. Der Artikel von Marcus macht da keinen Unterschied.

Wie steht ihr zum Thema? Könnt ihr den Gedanken des Zeitvampirismus nachvollziehen? Ich bin sehr gespannt, hier oder drüben bei Marcus davon zu lesen!

„Die Welt der stillen Schiffe“ – Wo sind gerade die Probleme, was läut gerade gut?

Als Reaktion zu meinem Artikel von gestern habe ich einen Kommentar von der lieben Kiira bekommen, den ich für so wertvoll halte, um ihn in einem gesonderten Beitrag zu beantworten:

Hallo Michael,
Gut, dass du keine Zahlen gegeben hast. Wolltest du mit diesen Zahlen nicht auch eigentlich aufhören? Ich erinnere mich da dunkel an so einen Beitrag …
Viel spannender finde ich solche Punkte: Wo sind gerade die Probleme? Was läuft gerade gut? So wie dein aktueller Bericht geschrieben ist. Ich sehe das auch gar nicht negativ. Wenn man sich bewusst wird, was man am Anfang oder Zwischendurch falsch gemacht hat, dann kann man sich das für das nächste Mal schenken und geht da ganz anders ran. Sind doch schöne Erkenntnisse oder? Auch wenn das für dieses Werk eine Menge mehr an Arbeit bedeutet. Kann man sich die Punkte vielleicht in kleinere Portionen einteilen? Sodass du nicht alles auf einmal angehen musst?
LG Kiira

Weißt du, Kiira, es ist immer so eine Sache mit den Zahlen. Ich hatte das ja wirklich schon in einem anderen Beitrag beschrieben. Sie sind einfach eine Nenngröße, die für mich Fortschritt visualisierbar macht. Ich denke, da ist auch nichts Verkehrtes dran, solange ich nicht irgendwann (wieder) anfange, allen möglichen Quatsch zu schreiben, nur um möglichst schnell den Wordcount nach oben zu treiben.

Das aber nur am Rande.

Danke, dass du mich noch einmal mit der Nase darauf gestoßen hast, dass es nicht nur darum geht, Punkte aufzulisten, bei denen es Probleme gibt, sondern auch die Punkte zu nennen, bei denen es gute Ansätze gibt. Denn die habe ich gestern, denke ich, viel zu sehr unter den Teppich gekehrt.

Was ich auf jeden Fall als gut gelungen ansehe, im Moment, ist die Figurenkonstellation rund um meinen deutschsprachigen Übersetzer an Bord des englischen Zerstörers Ashanti. Ich will nicht zu viel verraten, aber es gibt da mehr als nur genug Gründe, dass er meinen deutschen Protagonisten alles Schlechte dieser Welt wünschen könnte.

Wie bereits angedeutet, ist das allerdings ein unterschwelliges Thema, das erst im Nachhinein in die Handlung eingeflossen ist. Für den Roman stellt es insofern kein Problem dar, da das Thema auch erst mit Erscheinen dieser Figur wirklich aufkommt.

Was desweiteren gut klappt ist die Eskalation der Ereignisse rund um das Schiff, auf dem sich meine Leute nun befinden. Jede Aktion erzeugt eine Gegenreaktion. Was mir daran nicht schmeckt ist, dass ich viel zuviel zu erklären habe, rundherum. Da macht sich dann das Sprachproblem bemerkbar. Wenn alle einen Universalübersetzer im Ohr hätten, wäre das leichter und schneller geklärt.

Was ich vor allem in den Griff kriegen sollte, bei einem zweiten Entwurf, ist dieses Ausufernde. Die Story begann klein und griffig. Jetzt sind es bereits wieder über 400 Seiten. Das ist einfach zu viel! Viel zu viel! Einige Passagen können zusammengefasst werden oder ganz rausfliegen. Ich habe da schon Kandidaten im Kopf, die die Handlung letztlich ausbremsen. Auch das ist, bei aller „falsch investierten“ Arbeit ein positiver Aspekt.

Ob es möglich ist, die Dinge in kleinere Portionen einzuteilen, darüber denke ich im Augenblick noch nach. Der Vorteil bei einem zweiten Entwurf, den man von Grund auf neu schreibt ist ja, dass man praktisch eine Geschichte anhand ihrer selbst plotten kann. Ich gehe dann gerne hin, schreibe mir die verschiedenen Szenen auf einzelne Zettel und sortiere diese hin und her, nehme Zettel heraus, füge Zettel hinzu.

(Anekdote am Rande: Das habe ich so auch mal mit einem dienstlichen Schreiben gemacht. Der Blick meiner Chefin war Gold wert!)

Das Positive ist, dass mir alle Möglichkeiten noch offen stehen! Und du hast sowas von Recht, Kiira, ich muss nicht alle Punkte auf einmal angehen. Ich muss mir nur klar darüber werden, was ich jetzt, in diesem Moment, eigentlich tun möchte. Will heißen: sobald ich wieder bereit bin, mit dem Schreiben weiter zu machen. Noch genieße ich ja meinen Urlaub ;-).

Ich danke dir jedenfalls für deine sehr konstruktive Antwort, die mich auf einige sehr positive Gedanken gebracht hat!

Dir und allen, die das auch gelesen haben, wünsche ich einen schönen Karfreitag!

“Die Welt der stillen Schiffe” – Status nach der 19. Woche

Ich traue mich ja fast schon nicht mehr, diese wöchentlichen Statusberichte zu bringen, weil sie sich zunehmend wie ein Tagebuch des schleichenden Verfalls lesen …

Nein, ganz so schlimm ist es noch nicht, aber ich gebe zu, dass mich ein wenig der Mut verlassen hat, was die einigermaßen schnelle Fertigstellung dieses Manuskripts angeht. Dabei bin ich seinerzeit, die älteren unter uns erinnern sich, mit soviel Elan daran gegangen. Es lief anfänglich ja auch wirklich sehr gut, die Ideen sprudelten nur so und die ganze Handlung lag weit ausgebreitet vor mir.

Inzwischen ist die Handlung aber so breit, dass ich keine Ahnung habe, wie ich sie in absehbarer Zeit wieder einfangen soll.

Mag sein, dass das auch sehr viel damit zu tun hat, dass ich mich so in Sachen Überarbeitung engagiert habe. Bestimmt hat es das sogar. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle auch nachsichtiger mit mir selber sein. Aber heute fühle ich mich einfach nur ein wenig desillusioniert.

Am liebsten würde ich das ganze Manuskript, diese ganzen 19 Wochen Arbeit, nehmen, einmal in die Luft werfen und sehen, was dann dabei herauskommt. Ich habe das Gefühl, den Boden unter den Füßen verloren zu haben.

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  1. Es macht sich immer deutlicher bemerkbar, dass die Handlung eigentlich mal als Kurzroman angelegt war, sich dann aber immer mehr ausgedehnt hat.
  2. Dadurch ist auch die Sprache inzwischen eine ganz andere, als sie es Anfangs gewesen ist.
  3. Der Aufwand für Recherche, der betrieben werden muss/müsste ist um ein exponentielles gestiegen. Ich kann nicht einfach einen britischen Zerstörer so erfinden, wie er mir gerade in den Kram passt.
  4. Die Sache mit der Sprachbarriere, über die ich ja schon einmal geschrieben hatte, nimmt einfach unheimlich viel Fahrt aus der Handlung heraus. Gleichzeitig ist sie wichtig für das Moment der Geschichte.
  5. Die Handlung ist aufgeladen mit Aspekten, die durch das ursprüngliche Skelett der Story nicht getragen werden kann.
  6. Mehrere Figuren laufen mehr oder weniger nutzlos in der Gegend herum, ohne dass sie eine wirkliche Verwendung hätten, die über einen speziellen Moment hinausginge.

Das sind jetzt nur die Punkte, die mir spontan beim runterschreiben eingefallen sind. Wenn ich darüber nachdenken würde, wären es wahrscheinlich noch mehr.

Wenn da nicht die Überarbeitung von „Der Beobachter und der Turm“ wäre, wisst ihr, was ich dann machen würde? Ich würde mit dem Wissen von heute und den Gedanken von heute noch einmal neu anfangen, „Die Welt der stillen Schiffe“ zu schreiben. Denn dann könnte ich von vornherein die Grundlagen legen, um die Geschichte, die ich nach wie vor für sehr erzählenswert halte, ausgereift und in der Form zu erzählen, die sie verdient hat.

Entschuldigt, wenn das heute alles ein wenig ernüchtert klingt. Vielleicht sieht es auch nächste Woche schon wieder anders aus. Jedenfalls verzichte ich heute darauf, euch mit Zahlen zu langweilen, die sowieso nicht besonders spannend sind.

Aber eins möchte ich noch sagen: dass ich jetzt an diesem Punkt stehe hat nichts damit zu tun, dass meine Schreibweise als Discovery Writer gescheitert wäre! Denn ich habe mir zwar einiges an aktuellen Problemen angelacht, das ist richtig, aber auf die meisten Aspekte der Story wäre ich im Vorfeld, ohne die Figuren dorthin zu führen, wo sie zum jeweiligen Zeitpunkt waren, nie gekommen. Das nur für alle, die mir vielleicht ein „selber Schuld, hättest du mal“ an den Kopf werfen möchten ;-).

Eine andere Art von Schreib-Urlaub

Wir ihr aus dem einen oder anderen Kommentar von mir wisst, habe ich über Ostern Urlaub. Das schließt diese Woche und die komplette kommende Woche ein. Als ich im Februar eine Woche Urlaub hatte, habe ich daraus einen Schreiburlaub gemacht. In dieser Woche war mein Ziel, so viel wie möglich in Hinsicht auf die Realisation meines Traums zu unternehmen, konkret also, möglichst viel zu schreiben und zu redigieren.

Für diesen Urlaub hatte ich mir ein solches Ziel bewusst nicht gesetzt und ich merke nun, wie gut es war, dass ich das nicht getan habe. Denn ich wäre grandios an diesem Anspruch gescheitert.

Ich spüre täglich in mich hinein, ob mir heute danach ist, mich mit Feuereifer in die Arbeit zu stürzen. Und da vor allem das Überarbeiten eine extrem anstrengende Arbeit ist, kann man dieses Wort auch ohne Gänsefüßchen verwenden.

Und beinahe jeden Tag komme ich zu dem Entschluss, dass mir eben gerade nicht danach ist. Dass es sich für mich besser anfühlt, eine Pause zu machen.

Wobei ich sagen muss, dass meine Tage nicht unbedingt mit reinem Müßiggang verknüpft sind – trotz Urlaub. So hatte/habe ich alleine in den letzten drei Tagen vier Arzttermine zu koordinieren. Und nicht jeder von denen war so eine Lappalie wie der, von dem ich gerade komme, weil mir da nur von meiner Zahnärztin eine neue Füllung poliert wurde.

Die Gedanken sind stellenweise einfach nicht frei für die Textarbeit. Und ich komme langsam, aber sicher, zu der Einsicht, dass es nicht immer gut ist, wenn man versucht, Dinge zu erzwingen. Zwar würde ich jederzeit dafür einstehen, dass Kreativität nicht zuletzt auch etwas mit Arbeit und Durchhaltevermögen zu tun hat. Aber alles hat seine Grenzen, ab denen es einfach ungesund wird.

Wenn ich zum Beispiel darauf schaue, dass nach diesen beiden Wochen runde 15 Wochen durchgehender Arbeit auf mich warten, so merke ich, dass mein Körper auch die Erholung braucht. Ebenso wie mein Geist. Ich genieße es, mich wirklich so gut wie jeden Abend vor meinen Fernseher zu setzen und einen Film zu schauen. Etwas, wozu ich ansonsten, in einer normalen Arbeitswoche, vielleicht einmal komme.

Klar gibt es da die Stimme in mir die mir vorwirft, dass ich wertvolle Schreib- und Überarbeitungszeit vergeude. Vielleicht tue ich das sogar. Aber gesünder fühlt es sich für mich an, am PC mal ein Spiel zu starten oder dafür zu sorgen, dass meine aufgelaufenen E-Mails weniger werden.

Wenn dann der Impuls zu schreiben oder zu überarbeiten da ist, dann gebe ich diesem einfach statt. Und dann ist es auch okay für mich. Ich erlege mir da keine bewusste Abstinenz auf und denke auch nicht, dass das möglich wäre.

Ich betrachte diese Tage als eine Art „Schreib-Urlaub“, einen Urlaub vom Schreiben. Im Gegensatz zum Schreiburlaub hat dieser keine festen Terminvorgaben. Wenn es mich heute, morgen oder in der Osternacht überkommt, dann werde ich schreiben, überarbeiten, was auch immer mir gerade eingegeben wird.

Aber ich werde mich nicht dazu zwingen. Ich habe Urlaub!

Wenn Terror die Welt lähmt

Es ist schon wieder passiert. Und gefühlt kommen die Einschläge näher. Heute Vormittag detonierten in Brüssel, am Flughafen und in einer Metrostation nahe der europäischen Verwaltung Sprengsätze, die, nach den Erkenntnissen, die bis jetzt vorliegen, mindestens 26 Menschen getötet und ungezählte Menschen, teils schwer, verletzt haben.

Ich habe davon im Autoradio erfahren, als ich auf dem Weg zum Sport war. Dort, als ich auf dem Laufband unterwegs gewesen bin, lief auf dem Fernseher die Berichterstattung von n-tv in Dauerschleife. Und auch wenn ich den Ton nicht hören konnte, so ergaben die Bilder doch einen ausreichenden Gesamtüberblick über die Situation.

Ich habe auf diesem Blog schon einmal einen Artikel zum Thema Terror veröffentlicht – und wie wir, gerade wir Autoren, damit umgehen sollten. Diesen Artikel habe ich gerade noch einmal gelesen und für mich reflektiert, ob er noch seine Gültigkeit besitzt. Das tut er für mich. Also werde ich mich auch heute bemühen, mein Recht und meine Freiheit zu schreiben zu nutzen.

Aber mir sind auch andere Gedanken gekommen. Dunkle Gedanken, vielleicht sogar verdammenswerte Gedanken. Gedanken an Rache und Gedanken an undifferenzierte Vergeltung.

Doch dann wurde mir klar, dass es genau das ist, was die Urheber der Gewalt von Brüssel erreichen wollen! Sie wollen provozieren, dass auf Gewalt Gegengewalt folgt. Und sie pokern damit, dass diese Gegengewalt dermaßen heftig ausfällt, dass ein neues Märtyrertum geschaffen wird. Nichts spielt religiösen Fanatikern so in die Karten wie eine Gruppe Märtyrer. Das war schon im Altertum so und hat sich scheinbar in manchen Köpfen bis heute nicht verändert.

Selbstkritisch muss man dazu sagen, dass wir, die sogenannte westliche Welt, manchmal auch diese Erwartungshaltung erfüllt haben. Erinnern wir uns an die Reaktionen nach dem 11. September 2001, die man auf der Basis meiner dunklen Gedanken verstehen kann, die aber eine neue Generation von Terroristen herangezüchtet haben, der halbwegs Herr zu werden Jahre in Anspruch nahm.

Ich gehöre nicht zu denen die sagen, dass man auch die andere Wange hinhalten soll, wenn man geschlagen wird. Nicht, dass wir uns da falsch verstehen. Aber es nützt niemandem etwas, wenn man die Eskalation immer höher fährt, weil der jeweils andere meint, nun wiederum fester zuschlagen zu müssen.

Aber ich verliere mich in Detailbetrachtungen, die mir von außen schlicht nicht zukommen.

Was mich sehr nachdenklich macht ist die Tatsache, dass Brüssel in diesen Momenten so gut wie aus der Zeit gefallen ist. Das öffentliche Leben findet quasi nicht mehr statt. Die Verkehrswege hinein und hinaus sind geschlossen. Die Deutsche Bahn fährt überhaupt nicht mehr nach Belgien, sondern stoppt die Züge an den Grenzen. Es wird davon gesprochen, dass Belgien seine Grenzen dichtmachen könnte.

Der Terror lähmt die Welt.

Die Realität weicht entscheidend von der Fiktion ab.

Stellen wir uns vor, dass die Anschläge von Brüssel oder Paris der Background für einen Thriller wären. Dann wären jetzt mindestens drei Handlungsstränge am Laufen: die geheime Spezialeinheit mit dem Top-Agenten an der Spitze, der eine traumatische Vergangenheit mit sich herumschleppt; dann seine Familie, von der er sich eigentlich schon entfernt hat; und als drittes der EU-Funktionär, von dem am Ende herauskommt, dass er die Anschläge vorausgesehen und billigend in Kauf gekommen hat, weil er auf diese Weise eine härtere Vorgehensweise gegen den Islamischen Staat erzwingen wollte. Und das alles würde unmittelbar an den Anschlag anknüpfen.

Kann man so einen Roman schreiben? Ja, kann man. Das haben einige Autoren auch schon gemacht. Mir fällt da spontan „Das Echo aller Furcht“ von Tom Clancy ein, der als „Der Anschlag“ mit Ben Affleck und Morgan Freeman verfilmt wurde.

Aber ein realitätsnaher Roman über so einen Anschlag müsste wahrscheinlich ein leiseres Buch sein, ein nachdenkliches. Ein abwägendes und differenzierendes. Ich traue mir (noch) nicht zu, so einen Roman zu schreiben.

Aber was ich mir zutraue ist, auch weiterhin zu meiner Identität als Europäer zu stehen. Sie mir nicht durch diese Anschläge stehlen zu lassen.

Europa wird, wieder einmal, Trauer tragen. Und Europa wird, wieder einmal, über Konsequenzen nachdenken. Aber danach werden wir alle gemeinsam wieder aufstehen und unseren Weg weitergehen! Und sei es nur, um den Urhebern dieser Anschläge zu zeigen, dass wir uns unsere Welt nicht dauerhaft lähmen, dass wir uns unsere Zukunft nicht wegbomben und dass wir uns unsere Souveränität nicht von außen kaputtmachen lassen!

Der SuB – Das unbekannte Wesen

Hallo ihr Lieben und entschuldigt, falls ich ein wenig abgehetzt klinge. Aber in der Tat bin ich heute seit kurz nach acht von einem Termin zum nächsten gehetzt und muss gleich auch schon wieder weiter – und das nennt sich dann Urlaub ;-).

Aber einen kleinen Gedanken möchte ich dann doch hier lassen, aus gegebenem Anlass. Neben mir steht nämlich ein großes, schweres Paket. In diesem großen, schweren Paket sind (bzw. waren, denn ich habe in der Zwischenzeit ausgeräumt) 36 Bücher. Jene 36 Bücher, die ich mir antiquarisch im Terrashop bestellt habe, weil sie sehr günstig waren.

Die meisten der Bücher stammen vom Blitz-Verlag und sind Romane meiner ewigen Groschenheft-Favoriten „Larry Brent“ und „Macabros„. Da konnte ich einfach nicht widerstehen.

Nun sind diese 36 Bücher natürlich nicht die einzigen, die noch ungelesen in meinen viel zu chaotischen Bücherregalen liegen. Aber wenn ihr mich jetzt fragen würdet, welche Bücher genau das sind, dann müsste ich die Schulter zucken und kleinlaut zugeben, dass ich keine Ahnung habe.

Unter den Buchbloggern spricht man ja gerne vom SuB – dem „Stapel der ungelesenen Bücher“. Ich habe mich gefragt, ob das nur so ein Schlagwort ist, oder ob es bei dem einen oder der anderen tatsächlich so einen Stapel gibt. Oder vielleicht ja auch eine Datei oder Datenbank. In der Tat habe ich mir überlegt, ob ich so etwas auch anlegen sollte, um halbwegs den Überblick zu behalten.

Einen zusätzlichen Vorteil hätte es, denn ich könnte auch, zumindest grob, priorisieren, was ich lesen möchte. Das würde mir die Auswahl erleichtern, wenn ich wieder einmal vor den Regalen stehe und schlicht erschlagen bin von der Vielzahl der Möglichkeiten. Zumal ich ja noch zu den Menschen gehöre, die einen Roman gerne öfter lesen, wenn er ihnen gefallen hat.

Vielleicht würde ich damit auch der tausenden von eBooks Herr, die sich mittlerweile in meinem Kindle-Account angesammelt haben, weil ich altes Freibiergsicht mich immer im Thread mit den gerade durch die Autoren auf 0,00 EUR festgesetzten Romanen herumtreibe.

Wie macht ihr das denn? Habt ihr einen SuB? Nutzt ihr den – und wenn ja, wie? Oder seid ihr mit einem so guten Gedächtnis gesegnet, dass ihr immer das passende Werk aus dem Regal zieht?

Schreibt es mir doch, wenn ihr mögt, hier in die Kommentare. Ich würde mich freuen, von euch zu lesen, wenn ich von meinem nächsten Termin (jetzt aber schnell!) zurück komme. Bis dahin!