Manchmal muss man sich überwinden

Gestern hatte ich alles in allem keinen guten Tag. Ich verrate keinem regelmäßigen Mitleser hier etwas Neues, wenn ich sage, dass ich manchmal viele Dinge sehr negativ sehe und dann auch nicht anders kann, als in diesen negativen Bahnen zu denken. Ja, ich arbeite daran, versuche, etwas daran zu ändern. Und trotzdem gibt es diese schlechten Tage.

Der gestrige Tag war insofern etwas besonderes, weil ich geplant hatte, mein Manuskript von „Der Morgen danach“ auf die hier jetzt mehrfach angesprochene Ausschreibung hin einzureichen.

Nun kam ich aber abends nach Hause und fühlte mich einfach nur klein, schwach, so gar nicht in der Lage, irgendwas von mir mit breiter Brust und Optimismus zur Veröffentlichung anzubieten. Taugt doch sowieso nichts, was ich da zusammengetextet habe.

Was soll ich sagen: Ich habe mich überwunden. Habe wirklich alles zusammengekratzt, was sich an Selbstbewusstsein in irgendeiner Körperfalte versteckt hatte, und habe das Anschreiben aufgesetzt, bin noch einmal durch mein Exposé und meine Kurzvita gegangen, habe alles zusammen in einer wohlklingenden E-Mail verpackt und dann abgeschickt.

Ganz wichtig: Habe direkt angefangen, mir Strategien für den Fall zu überlegen, dass das Manuskript nicht genommen wird. Nämlich vor allem, mir zu sagen, dass es dann nichts damit zu tun hat, dass ich zu schlecht, unfähig, langweilig bin, sondern dass das Skript eben nicht zur Ausschreibung passt. Schlimmstenfalls, dass das Manuskript eben im Auge des Betrachters liegt „nicht gefallen“ hat, was ja immer sehr subjektiv ist.

Wieso betone ich das so?

Ich glaube, dass viele Autoren, Schriftsteller, Schreiberlinge, die in einer vergleichbaren Situation stecken wie ich, sich viel zu selten diese Strategien zu Herzen nehmen. Ich habe oft gehört, wie Leute es aufgegeben haben, noch ehe sie es wirklich versuchten. Ganz zu schweigen von denen, die mit sehnsuchtsvollem Tonfall sagen: „Ich würde auch gerne schreiben können“.

Als ich nach Hause kam, war so gar nichts dazu angetan, einen weiteren Schritt zu machen, nämlich gezielt – und in diesem Fall ja sogar sehr konkret – zu sagen, dass ich mich bewerbe, weil ich an meine Chance, an meinen Stoff, weil ich an mich glaube!

Danach ging es mir besser. Es war immer noch ein schwerer Tag, ein harter Tag, der mich in psychischer Form bis an meine Belastungsgrenze und einen kleinen Schritt darüber hinaus geführt hat.

Die britische Band Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD) hat einmal ein Lied geschrieben, dessen Ende ich immer wieder passend finde:

It’s been such a hard day for me
But it’s not a day I’d choose to forget

Ein harter Tag, aber keiner, den ich vergessen möchte. Denn manchmal muss man sich überwinden, muss man den inneren Kritiker auf „stumm“ schalten. Damit sich auch harte Tage in etwas verwandeln können, auf das man mit einer kleinen Portion Stolz zurückschauen kann.

Ich wünsche euch, ganz in diesem Sinne, einen Tag, auf den ihr stolz sein könnt!

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10 Gedanken zu “Manchmal muss man sich überwinden

  1. regenbogentaenzerin schreibt:

    Klasse, dass du dich überwinden konntest und trotz des miesen Tages dein Werk noch auf die Reise geschickt hast.
    Was die Strategie angeht: ich bin eine von denen, die (fast) aufgehört hätte zu schreiben, nur weil es bei der ein oder anderen ausschreibung nicht geklappt hat.

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    • Mic schreibt:

      Dafür bin ich einer von denen, die sich nie getraut haben, irgendwo irgendwas einzureichen, weil ich ja „zu schlecht“ sein könnte. Insofern finde ich es ja toll, dass das anfangs für dich kein Problem gewesen zu sein scheint :-).

      Letztendlich treffen wir uns irgendwo in der Mitte, immer mal wieder auf der Suche nach der Zuversicht. Das geht wahrscheinlich sogar den Menschen auf der Bestsellerliste so.

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      • regenbogentaenzerin schreibt:

        Oh doch, es war ein problem. ich hab monate gebraucht mich zu trauen, etwas einzureichen, weil ich der meinung war „zu schlecht“ zu sein und dann kam die Absage. Du kannst dir sicher vorstellen, wie das kleine Teufelchen in meinem Kopf sich gefreut hat und wie lange ich gebraucht habe um das „siehst du, hab ich doch gesagt“ einigermaßen wieder in die Ecke zu stopfen.
        Aufgehört zu schreiben habe ich nicht aber seitdem auch nichts mehr eingereicht.
        Ja, das denke ich auch – die zweifel an dem, was man macht und natürlich an sich selbst kennen wohl fast alle, mehr oder weniger. Die Frage ist nur, wie sich damit am besten umgehen lässt.

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      • Mic schreibt:

        Okay, dann entschuldige. Das klang in deinem ersten Kommentar nicht so durch.

        Als ich mich einmal entschlossen hatte, mich mit „Der Morgen danach“ bei Literaturagenturen zu bewerben, haben mir die Absagen nicht mehr so viel ausgemacht, weil ich einfach merkte, dass ich einen Schritt über eine Linie getan hatte, hinter die ich nicht wieder zurück wollte. Und von dieser Linie aus taste ich mich jetzt weiter voran.

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  2. Vielleicht kommt es ein bisschen spät (ich habe einige Blogbeiträge aufzuholen …), aber ich wünsche dir ganz viel Glück 🙂

    Du hasz recht, viel zu viele Menschen geben viel zu schnell auf. Ich glaube, ich habe mal gelesen, was einen erfolgreichen Autoren ausmachen: er ist nicht derjenige, der gut schreiben kann, er ist derjenige, der nicht aufgibt.

    😊 in diesem Sinne wünsche ich dir einen schönen Abend. Tinka 🙂

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    • Mic schreibt:

      Danke, Tinka! Bis jetzt habe ich nichts gehört (ansonsten wäre es hier deutlich zu „hören“ gewesen), aber das kann sich ja noch ändern.

      Der Spruch trifft es! Talent ist gut und schön, aber von Talent alleine lebt ein Autor nicht. Nicht in Bezug auf seine Schreibe, nicht in Bezug auf eine Veröffentlichung. Für beides muss er arbeiten, feilen, Dinge wagen.

      Dir auch einen schönen Abend, meiner ist jetzt gleich zu Ende *gähn*.

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