Herrenüberschuss – Wieso so deutlich?

Als Reaktion auf meinen gestrigen Beitrag schrieb mir die Devote Romantikerin folgenden Kommentar:

Ich vermisse einen Referenzrahmen. Müsstest du nicht eine Bilanz betreffend der Männer daneben stellen? Damit man – vielleicht – sich dann ein klareres Bild machen kann?

Darauf möchte ich gerne kurz eingehen. Wobei ich eines direkt sagen kann: eine detaillierte Bilanz wird es nicht geben, denn die würde geradezu frappierend aufdecken, wie groß der Männerüberschuss in meinen Romanen ist.

Von den 14 Romanen, die ich geschrieben habe, bietet ja nur einer eine absolute Hauptfigur auf. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass in den anderen die Männer das Heft des Handelns fest in der Hand halten. Ich denke da an Charaktere wie Markus Heldt aus „Der Morgen danach“, Richard Lehnhard aus „Der Beobachter und der Turm“, aber auch an das Triumvirat Anton Lechleitner, Kevin Ryason und David Berg aus „Der Redner“.

In einigen Romanen sind Männer und Frauen in den Hauptrollen einigermaßen gleichgestellt. Emery Lindsay aus „Es zwingt einen dazu“ wäre ohne die kesse Chie Qwan Lu ebenso aufgeschmissen, wie Stephan König aus „Der Ruf des Hafens“ ohne seine Rieke Thomsen.

Während ich also im Bereich der wichtigeren Figuren durchaus im Regelfall auf eine Frau verweisen kann, die eine wichtige Rolle spielt, sieht es bei den Nebencharakteren eher mau aus. Den Vogel schießt dabei in negativer Hinsicht der Roman „Darkride“ ab, wo tatsächlich, sofern ich mich nicht falsch erinnere, keine Frau vorkommt, die neben der im Nachbarartikel erwähnten Sandra Jung einen längeren Auftritt hätte.

Aber woran liegt das? Lässt sich das alles alleine damit plausibel erklären, dass ich eben ein Mann bin und mir deswegen männliche Rollen mehr liegen? Küchenpsychologie, wenn ihr mich fragt. Aber in Küchen wurden ja durchaus auch schon wahre Worte gesprochen.

Ich glaube, dass es in den meisten Fällen daran liegt, dass ich mir eine Schreibweise antrainiert habe, die sehr stark auf eine kleinere Gruppe von Handlungs- oder Perspektivträgern fokussiert. Die Ensembles in meinen Romanen sind, von Ausnahmen wie „Das Haus am See“ und der Silverstar-Reihe abgesehen, eher klein. Und jetzt gehen wir noch einmal in die Küche: wenn ich eine von wenigen Rollen besetzen muss, dann ist diese in meinem Kopf wahrscheinlich wirklich eher männlich angelegt.

Für einige Beispiele kann ich aber auch richtige Gründe angeben. Wenn Markus Heldt mit Rechtsradikalen in Berührung kommt, dann sehe ich vor meinen Augen keine schmalen Frauen als Nazi-Amazonen, dann sehe ich bullige Kleiderschränke. Wenn Richard Lenhard ein Bordell betritt, wird der Besitzer eher ein Mann als eine Frau sein. Und – leider ist es immer noch so – wenn irgendwo ein ranghoher Polizist auftaucht, ist dieser mit enormer Wahrscheinlichkeit ebenfalls ein Mann.

Das soll alles nicht in eine Rechtfertigung ausarten, denn es gibt nichts, wofür ich mich rechtfertigen müsste. Schließlich gibt es Autoren, die schreiben und schrieben Frauen höchstens als Love Interests in ihre Romane, was ich bisher, glaube ich, erfolgreich vermieden habe. Bei mir bekommen am Ende des Tages nicht immer der Held das Mädchen. Weil ich, bei allem Ungleichgewicht, das rein numerisch herrschen mag, Wert darauf lege, das Geschlechterbild differenziert darzustellen.

So, wie es eben auch im richtigen Leben sein sollte!

Ich verspreche aber hiermit, zukünftig vielleicht wieder stärker darauf zu achten und zu hinterfragen, wo es sich anbietet, eine starke Frauenrolle auch einmal in den Nebenrollen zu verwenden!

4 Gedanken zu “Herrenüberschuss – Wieso so deutlich?

  1. It’s a man’s world 😉

    Gibt es eine Regel, so eine Art ungeschriebenes Gesetz, über die Geschlechterverteilung in Romanen? Mir ist nix bekannt.

    In diese Bredouille komme ich vermutlich nie, da die Helden in meinen Geschichten sehr vermutlich Sex miteinander haben und somit naturgemäss in einigermassen ausgewogenen Geschlechterverhältnis vorkommen 😉

    Gefällt 2 Personen

    • Mic schreibt:

      Sagen wir so: auf meiner Seite des Literaturbetriebs gibt es so eine Regel nicht. Opinions may vary.

      Aber die Tatsache, dass die Figuren in deinen Geschichten Sex miteinander haben, sagt das doch nichts über das Geschlechterverhältnis aus. Es sei denn, du schreibst wirklich nur die entsprechende Szenen. Und selbst da, siehe meine Überschrift ;-), garantiert das noch für nix! 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Hanna Mandrello schreibt:

    Lieber Mic, mein Rechner hat zwar immer noch die hoch ansteckende Beulenpest, aber ich kann mir einen Kommentar dennoch nicht verkneifen. Denke bitte nie mehr darüber nach, ob du eine Rolle in deinem Buch nicht weiblich besetzen kannst. Ich sage „Nein!“ zu Quotenfrauen in Büchern! Das haben wir nicht nötig. Weder sind wir in der Literatur unterrepräsentiert noch müssen wir die erste Geige spielen, wenn es nicht zu uns passt. Nenne es ruhig Küchenpsychologie, aber ich finde es völlig normal und auch richtig, dass man sich den Protagonisten aussucht, dessen Gefühls- und Gedankenwelt einem vertraut ist. Das ist wohl bei einem Mann ein Mann und bei einer Frau eine Frau. Ausnahmen gibt es natürlich, aber die bestätigen wie immer nur die Regel. Wenn die Figur authentisch ist, dann lese ich jede Story gern, egal ob im Buch Männer oder Frauen die Handlung bestimmen. Es gibt immer wieder Autoren, die glauben sich am Mainstream orientieren zu müssen. Sind gerade Bücher mit Heldinnen angesagt, dann muss man sein nächstes Buch aus der Perspektive einer Frau schreiben. Wie dieser Schuss nach hinten losgehen kann, kann man in Axel Hollmanns Debütroman „Asphalt“ lesen. Seine Heldin Julia Wagner verhält sich wie eine spätpubertierende Dumpfbacke auf Koks, aber nicht wie eine erwachsene Frau. DAS beleidigt mich als Frau, nicht wenn in einem Buch eine Frau mal nur als „Love Interest“ auftaucht.
    Wären die „Tribute von Panem“ mit einem männlichen Hauptdarsteller auch so erfolgreich gewesen? Ich glaube ja, wenn die Story von einem Mann geschrieben worden wäre. Es wäre vermutlich genauso authentisch und fesselnd.
    Mein Rat: Schreib das, womit du dich identifizieren kannst. Dann ist es echt und wirkt so auf den Leser. Statistiken über Männer- und Frauenanteile finde ich nicht relevant für die Qualität eines Buches. LG Hanna

    Gefällt 2 Personen

    • Mic schreibt:

      Ups! Ich wollte keinesfalls eine grundsätzliche Debatte über die Rolle der Frau in der Literatur lostreten!

      Danke für den sehr engagierten Kommentar, Hanna! Ich meinte es auch keineswegs so, dass ich jetzt unbedingt Quotenfrauen einbauen möchte. Das ist vielleicht unglücklich bei mir herübergekommen. Ich meinte halt nur, dass ich mich bei manchen Rollen vielleicht zu sehr von irgendwelchen Klischees leiten lasse. Und das würde ich gerne auf den Prüfstand stellen.

      Bei „Panem“ bin ich übrigens anderer Ansicht. Aber das ist eine rein gefühlsmäßige Einstufung, die ich nicht plausibel erklären kann. Sorry.

      Alles Gute für die hoch ansteckende Beulenpest an Rechner und Benutzerin! 🙂

      Gefällt 2 Personen

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