Das Wort zum (politischen) Sonntag

Ich habe jetzt eineinhalb Stunden darüber nachgedacht, ob ich mich erstens in der Lage dazu sehe, ein paar Worte zum Super-Wahlsonntag mit gleich drei Landtagswahlen zu sagen, und ob zweitens die Notwendigkeit dafür besteht, dies hier auf meinem kleinen Blog zu tun. Eigentlich ist ja hier politikfreie Zone, was auch im Großen und Ganzen so bleiben soll. Aber da mich einige der Zahlen, die da ab 18 Uhr über die Bildschirme geflimmert sind, ehrlich gesagt erschüttert haben, kann ich wohl nicht umhin, mich zu äußern.

Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: die AfD ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. In allen Ländern hat sie es im zweistelligen Bereich in die Landtage geschafft, in Sachsen-Anhalt bekommt sie fast ein Viertel der Wählerstimmen. Anhand der enorm gestiegenen Wahlbeteiligungen kann man sehen, dass es vor allem dieser Partei gelungen zu sein scheint, ihre Sympathisanten an die Wahlurnen zu bringen.

Und die sogenannten „etablierten Parteien“? Stellenweise vernichtend geschlagen. Verluste im zweistelligen Bereich, die SPD auf historische Niedrigwerte. Einzig Rheinland-Pfalz macht da eine Ausnahme.

Man kann es nicht anders sagen, die Republik wird sich an die neue, blaue Farbe in den Wahlstatistiken gewöhnen müssen.

Ich bin Demokrat! Ich bin mit der Erste, der dabei ist um zu sagen, dass eine Gesellschaft wie die unsrige es aushalten muss, dass es eine Partei wie die AfD gibt. Persönlich kann ich weder mit dieser Partei, noch mit ihrer Spitze, noch mit den zu ihren Dunstkreis zu rechnenden Gruppierungen wie Pegida und Co. etwas anfangen.

Ich glaube aber auch nicht, dass ein Viertel der Wähler in Sachsen-Anhalt jetzt offen fremdenfeindlich oder vielmehr flüchtlingsfeindlich eingestellt ist, wie man sicher in einigen Kommentaren in den nächsten Wochen zu lesen bekommen wird.

Aus meiner Sicht haben die großen Parteien, zu denen man eigentlich die SPD nach diesen Wahlen mancherorts nicht mehr rechnen dürfte, es versäumt, den Wählern aufzuzeigen, wie sie beabsichtigen, die Probleme, die sich stellen, zu regulieren. Das schürt Ängste. Und Menschen, die Angst haben, laufen naturgemäß in der Herde mit, deren Leittier ihnen zu verstehen gibt, dass es einfache Lösungen gegen diese Angst geben könnte.

Ich glaube nicht an einfache Lösungen. Deswegen glaube ich auch nicht, dass es gut ist, die AfD jetzt in den Parlamenten an den rechten Rand zu drängen und so zu tun, als wären die Leute gar nicht vorhanden. Im Gegenteil, man muss sie in die Diskussionen mit einbeziehen, muss den Wählern zeigen, dass auch dort nur mit Wasser gekocht wird und dass sich hinter den Phrasen manches Politikers dieser Partei nicht mehr als heiße Luft verbirgt.

Die AfD ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Ich fürchte, sie ist mehr als eine reine Protestpartei, wie es die Piratenpartei in ihrer kurzen Glanzzeit gewesen ist. Es kommt einiges auf die deutsche Politik zu, um den Anforderungen, die nun an sie gestellt sind, gerecht werden zu können.

Es wird spannend sein in den kommenden Monaten, die Parteien aller Farben dabei zu beobachten, wie sie sich dieses Problems annehmen wollen. Und es wird auch spannend, ob es sich der eine oder andere Politiker jetzt nicht vielleicht noch einmal überlegt, ob es wirklich so klug war, im Vorfeld der Wahlen teilweise 1:1 das Ideengut der AfD in andere Worte verpackt zu übernehmen. Angekommen scheint die Botschaft beim Wähler zu sein, bloß hat der dann doch lieber das Original gewählt.

Ich bin mir sicher, dass es Strategien gibt, mit denen man die Menschen wieder auf die Seite der „etablierten Parteien“ ziehen kann. Aber dafür ist harte Arbeit nötig! Die Menschen müssen sehen und spüren, dass man ihre Sorgen und Ängste ernst nimmt! Dann hat die Demokratie auch in den Landstrichen, über die man morgen vielleicht lesen wird, dass es in ihnen einen Rechtsruck gegeben hat, wieder festeren Boden unter die Füße bekommen.

Nach der Wahl ist vor der großen Aufgabe. Im Gegensatz zu vielen anderen Wahlen in vorigen Jahren und Jahrzehnten fängt jetzt die wirkliche Arbeit erst an. Und man kann nur hoffen, dass die Spitzenpolitiker der Parteien das verstanden haben.

Und damit schließe ich mein Wort zum Wahlsonntag, das dieses Mal, ausnahmsweise, wirklich so gar nichts mit dem Schreiben zu tun gehabt hat.

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2 Gedanken zu “Das Wort zum (politischen) Sonntag

  1. Ich bin schockiert, dass die AfD so viele Wählerstimmen bekommen hat. Das ist ein Alarmsignal, das man ernst nehmen sollte. Damit hätte ich wirklich nicht gerechnet, vor allem nicht mit dem Ergebnis von Sachsen-Anhalt: fast 25%!

    Auf der anderen Seite freue ich mich, dass die Wahlbeteiligung relativ hoch war. Wenigstens haben die Leute ihre Stimme abgegeben, auch wenn ich mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden bin.

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    • Mic schreibt:

      Mich überraschen die Stimmgewinne der AfD leider nicht wirklich. Gut, Sachsen-Anhalt war in dieser Höhe nicht zu erwarten.

      Ja, die Wähler sind an die Urne gegangen. Jetzt wird es an der Politik liegen, ihnen deutlich zu machen, dass man das auch dann tun sollte, wenn es nicht darum geht, jemanden oder etwas abzustrafen.

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